Nr. 19.
dieſelbe verſucht worden, ſollte ſie endlich— und das war zu ihrer Ehre der letzte Nebengedanke— dem Manne, der nrſt ihre Liebe verſchmäht hatte und nun doch das Weib ſimer eigenſten Wahl ſo wenig beglückte, die ernſte Lehre utſparen?— Nein, nein—, rief es in ihr— der erſte Srhritt iſt geſchehen, er ſoll nicht zurück gethan werden!— Sie verſprach Lina mit Hand und Mund, ihr gegen den ungerechten Mann beizuſtehen und ſie nicht eher zu ver⸗ iſſen, als bis ſie freiwillig zu Emil zurückkehren würde. 5o war doch Lina für das Erſte geborgen, und der Him⸗ nel mochte das Weitere fügen!——(Schluß folgt.)
Don Fernando.
Bon
Otto Banck).
Friedlich ſteht Fernando's Schloß Auf Miranda's ſchöner Flur. Ob er kaum ſich erſt vermählte, Lebt er doch den Muſen nur.
*) Bei Gelegenheit der obigen Romanze weiſen wir darauf hin,
uß wohl ſeit dem Auftreten von Uhland und Heine kein lyriſches
Weuk von entſprechender Bedeutſamkeit erſchienen iſt, welches ſo viele
balladen und Romanzen in ſich faßt, als die Gedichte Otto Banck's,
uus denen wir unſern Leſern„Don Fernando“ mittheilen.
hei über dreißig derartigen Dichtungen tritt des Autors Beruf für ob⸗
Ketive Weltauffaſſung und Darſtellung hervor, oft in ganz neuen ſuriſtformen. Viele davon behandeln die Liebe; aber ſie löſen dieſen wigen Stoff aller Stoffe nicht in ſüße Sinnlichkeit oder in unverſöhn⸗ ſche Tragik auf, ſondern ſie erheben und verklären die Leidenſchaft ſülſſt mitten im Untergang der Freude und laſſen das dunkele gequälte hefuhl emporſchweben zum Lichtreiche des Gedankens.
Anm. d. Red.
Und er heißt im Volk„der Weiſe“. Aus und ein in ſeinen Hallen
Geht Alonſo, gleich dem Schüler, Zu des Meiſters Wohlgefallen.
Don Alonſo's Haar war blond, Don Fernando's Bart war grau; Doch er hat ſo holde Gattin, Wohl mit Augen ſüß und blau. Und Alonſo und Fernando Lebten ſtiller Freundſchaft Leben, Dem Gemahl war Donna Blanca Wie ein lächelnd Kind ergeben.
Arglos ſchied ihr Tag um Tag, Denn der holde Mädchentraum, Der des Herzens Trieb umſchleiert, Halb erwachet war er kaum.
Zufall ſchien's, wenn Don Alonſo Oftmals ſie allein gefunden,— Aber ach! für Weib wie Jüngling Kamen die Verlockungsſtunden.
„War es nicht vorausbeſtimmt,
Dieſer Liebe tödtlich Glück?
Wahrlich! des Geſchicks Erfüllung
Sei kein kurzer Augenblick!“
Ihr entſagen? Nimmer kann er's!
Kann den Gaſtfreund nicht mehr ſchauen— Die Verzweiflung muß der Liebe
Eine Rettungsbrücke bauen.
Treue, Pflicht, Bedenken fliehn,
Denn es ſpricht die Leidenſchaft; Selbſt im Schweigen übt ſie ſiegend Stummer Worte Redekraft.
„Kann der Herbſt den Lenz berühren?
ſſicer, japaneſiſcher, finniſcher, eſthniſcher, lithauiſcher, chriſtlich⸗
ernaniſcher, celtiſcher, romaniſcher Poeſie nebſt freien Phantaſien in Erfindungen uns vor, und der culturhiſtoriſche Werth, den
ſeſe reiche Zuſammenſtellung augenſcheinlich hat, läßt uns auch
ii ſiterariſchem Intereſſe die Thatſache freudig begrüßen, daß die ufruthige und ſinnreiche Verfaſſerin der„Blüthen der Nacht“ ſom mehrfach geäußerten Wunſch zu ſterben nicht voreilig zur dusführung gebracht, ſondern mit neuem Lebensſtoff die kleine lüke ihrer Seele erfüllt und ſo ſchnell daraus ſo reiche Produc⸗ ſoten zu zeitigen vermocht hat.
Miseellen. Rriegskoſten.
n Es muß das menſchliche Herz mit Schmerz, Kummer und un erfüllen, wenn man bedenkt, was ſich mit dem Gelde alles Surminfangen, welche edle Zwecke ſich dadurch hätten befördern na, das im Laufe der Zeiten auf die Führung von Kriegen ver⸗ enpet worden iſt, von Kriegen, die oft nur die nichtigſten oder erbeerwerflichſten Beweggründe hatten. Es iſt keine Uebertrei⸗ ugt, wenn man behauptet, mit dem Gelde, welches die Krieg⸗ ſtuung gekoſtet hat, würde man die ganze Oberfläche der Erde aeen kaufen können;— jedem Armen einen vollſtändigen, be⸗ ei en und anſtändigen Anzug kaufen;— jeder Gemeine ein ſulhaus erbauen;— in jeder Stadt eine Akademie mit glän⸗
eſoldeten Lehrern errichten;— jede Spur der Armuth für
fru eliſer 3 2 3 ſjer von der ganzen Erde vertilgen;— ſo viele reich⸗dotirte
thätigkeitsanſtalten aller Art errichten, daß es unmöglich
ſtieg einſt die Rednerbühne und erklärte:
thun, aber er verlangte es auch von allen Vätern.
wäre die Zahl der Hülfsbedürftigen zu finden, die ſie faſſen könn⸗ ten.— Geld, das zu andern Zwecken nicht aufzutreiben iſt— zur Führung eines Krieges muß es geſchafft werden; ja wie viel hat nicht oft ſchon die bloße Abwendung eines drohenden Krieges ge⸗ koſtet, oder die Vorbereitung auf denſelben, kam er auch nie zum Ausbruch! a.
Mannigfaltiges.
Einer der wüthendſten Jacobiner der erſten franzöſiſchen Re⸗ volution war der berühmte Phyſiker Gaspard Monge. Er be⸗ er beſtimme im Voraus ſeine beiden Töchter den erſten beiden Soldaten, welche vom Feinde verwundet werden würden.— Das konnte er auf ſeine Rechnung Derſelbe Ge⸗ lehrte wollte alle Adeligen umbringen. Und doch war dieſer Monge, wie Napoleon erzählt, der ſchwächſte und ſanfteſte Menſch, durch den gewiß kein Huhn, wenn er ſelbſt es hätte ſchlachten ſol⸗ len, jemals ums Leben gekommen wäre.
„ Ich glaube an Unſterblichkeit,“ erklärte Fénélon,„weil ich's für unmöglich halte, daß der Menſch dieſen Glauben entbehren könnte.“„
Als Peter der Große die Wartburg beſuchte und man ihm unter andern Merkwürdigkeiten auch den Tintenfleck zeigte, womit Luther den Teufel regalirt haben ſoll, ſchrieb er daneben:„Kann ſein, aber die Tinte iſt friſch.“
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