Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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300 Novellen⸗Zeitung. IIV. Jahrg. Nr. 10.]

leicht bekannt iſt, mir unangenehmen Perſönlichkeit zu ſein. freilich immer einer ſolchen, deren ſie ſich nicht ſchämen Aber ich bin ſehr entfernt Dir dieſe anziehende Bekannt⸗ durfte. Denn ſie achtete und verehrte dieſen Mann, dem ſie ihſelbe der ſchaft zu verleiden. Ich erlaube Dir ausdrücklich, ihrer ihre Hand reichte. Aber der ſeligſte Liebestraum ihres iret C oft, recht oft zu pflegen. Denn Du biſt bildungsfähig ge- Herzens war damals bereits ausgeträumt und ſie hatte ente mauſtihre

nug, um von dieſer intereſſanten Frau zu lernen, und ſie V ſagen müſſen. So geriethen ihre Gedanken auf Emil, den ſeiner di i*ſt reich an Erfahrungen, wie man mit Männern verkehren Gegenſtand ihrer frühern tiefen Neigung, und dann auf erſparmn muß, um ſie zu beglücken und auf den rechten Weg zu Lina, ſeine bedauernswerthe Gattin, ihre theuere Freundin. Schrit bringen. Nur heute bin ich zu gereizt und aufgeregt, um Jene überwundene Neigung that Helenens Theilnahme für Si an mir curiren zu laſſen, zumal nach dem Recepte Deiner Lina nicht den mindeſten Abbruch. Im Gegentheile, die den une Freundin. Heute, mein Kind, muß ich wahrhaftig noch Erinnerung daran erhöhte ſie noch, denn immer und im⸗ uſen einmal mit dem häßlichen Humor Frank's fürlieb nehmen. mer wieder verglich ſie ſich ſelbſt mit Lina und kam zu dem o don

Ehe Lina noch ein Wort der Erwiderung fand, oder Reſultate, daß Emil durch ſie ſelbſt vielleicht noch weniger mel mo

ſich dem furchtbar gereizten Manne weinend an die Bruſt glücklich geworden wäre.Entſagen iſt bitter dachte werfen konnte, hatte dieſer das Zimmer verlaſſen und ſie bei ſichund gern will ſich das Herz einreden, daß

ſtürmte in wilder Eile die Treppe hinab. Sie riß das es nichts Herberes geben kann; aber furchtbarer iſt es ge⸗ Fenſter auf und rief ſeinen Namen auf die Straße hinun⸗ wiß und marternder, zu beſitzen und getäuſcht zu ſein.

ter. Umſonſt! Er war gegangen und ſie abermals Da klopfte es leiſe an die Thüre. Helene ſchrak zu⸗ allein! Starr und thränenlos ſank Lina in einem V ſammen und rief ein halblautes Herein, während ſie zu⸗ Seſſel zuſammen. gleich die Klingel zog, um ihr Mädchen herbeizurufen.

Etwa acht Tage nach dem eben geſchilderten AuftritteHier bin ich, Helene rief ihr die wohlbekannte ſaß Helene einſam wie gewöhnlich an ihrem Inſtrumente Stimme Lina's entgegen, die jetzt auf ſie zueilte und ihr und ſpielte ſich in dem bereits dämmernden Zimmer alte in die Arme ſielrathe mir, hilf mir, mein Muth und liebe Melodien vor, welche ſie geſchickt und ſinnig an ein⸗ meine Ausdauer ſind zu Ende. Ich bin von ihm gegangen, ander zu reihen wußte. Freundliche Jugenderinnerungen denn ſeine Liebe zu mir iſt verſchwunden ich weiß nicht ſtiegen dabei in ihr auf, und den äußern Tönen, welche ſie mehr, wo ich ſie ſuchen ſoll. Acht Tage lang hab' ich mit anſchlug, klangen verwandte in ihrem Innern nach. Auch mir gekämpft, ob ich es thue oder nicht. Endlich trug ich jener Vers fiel ihr wieder ein, den ſie dereinſt in Lina's es nicht länger. Mag es kommen wie es will, gut oder Gedenkbuch geſchrieben und welchen dieſe gegen ſie zu er- übel; ich konnte nicht bei ihm bleiben. Sein Herz iſt kalt wähnen nicht vergeſſen hatte. Die Lehre, welche er ent- und gleichgültig geworden; wenn es nicht anders wird, hielt, hatte ſie ſchon früh begriffen, in Zeiten hatte ſie ſich kehre ich nie wieder zu ihm zurück! beſcheiden und mit dem Blüthenkranze, den ihr eine froh Wie bebte doch jetzt Helene, als ſie die junge Frau an durchlebte Jugend geboten, eine Jugend reich an Liebe ihr Herz drückte, wie fühlte ſie die ganze Schwere der Ver⸗ und Güte, begnügen gelernt. Der Früchtekranz des antwortung, welche ſie auf ſich geladen hatte, als ſie der ſpätern Lebens ſchien für ſie verloren. Ihre Ehe mit dem vertrauensvollen Seele vor Kurzem den bedenklichen Rath bejahrten Oberſt, der ſie nach wenig Jahren als Witwe ertheilte! Aber ſollte ſie nun zur Umkehr mahnen, hinterließ, war ein Werk der bloßen Ueberlegung geweſen, ſollte ſie jetzt ſelbſt an einer Heilung verzweifeln, noch ehe

deshalb begreiflich finden, daß ich dem Reformationszeitalter einen lichen Inhalts fand, welche durch den innern Zuſammenhang, wo⸗ größeren Raum gewidmet habe als anderen Abſchnitten, die einen rin ſie zu einander ſtanden, mich auf den Gedanken brachten, ſie, üt, größeren Zeitraum umfaſſen, daß überhaupt der zweite Band, der nachdem einzelne Lücken ausgefüllt, als ſelbſtſtändiges Werk zu ügerma eine Epoche behandelt, die ſo reich an innern Entwickelungen iſt, veröffentlichen. Leider fand ich jedoch unter der Zahl jenen einen größeren Umfang erhalten hat als der dritte Band, der ſich meiner Producte nur einen ſeyr geringen Theil, den ich wagen mit einem faſt gleich großen Zeitraum beſchäftigt. Man wird es durfte einem größeren Publicum vorzulegen; es hatten mir, als mir Dank wiſſen, daß ich die unerquickliche und langweilige Zeit ich die meiſten derſelben bearbeitet, die eigentlichen, mit wiſſen⸗ vom weſtphäliſchen Frieden bis zum öſterreichiſchen Erbfolgekriege ſchaftlichem Geiſte geſammelten und dargeſtellten Quellen geman⸗ nicht ausführlicher bearbeitet, während man es hoffentlich in der gelt; ich hatte mich mit armſeligen, oft die ganze Schönheit und halusfüt Ordnung findet, daß ich das halbe Jahrhundert von 1740 1790, Sinnigkeit einer Mythe, einer Sage durch willkürliche Zuſetzung Küte it wo unſere Nation einen ſo großen geiſtigen Aufſchwung genommen, oder Weglaſſung verderbenden Mittheilungen begnügen müſſen. Fionen; veinläßlicher behandelt habe. Ich war demnach ſchon entſchloſſen mein Vorhaben 5 Die Illuſtrationen, die der Herr Verleger dem Werk beige⸗ wenigſtens für die nächſte Zeit aufzugeben bis mich günſtigent geben, ſind durchaus nicht das Beſte an demſelben und erſcheinen Umſtände zu vollkommeneren Leiſtungen befähigt haben würden, neben der übrigen Gediegenheit und Eleganz etwas fremdartig. als mich der Verkehr mit zweien, mir im Lauf der Zeit näherge⸗ tretenen literariſchen Perſönlichkeiten, welche ſich jenen Studien 1

und ihrer Ausbeutung zu dichteriſchen Zwecken mit Erfolg 1 8s

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Mythoterpe. Ein Mythen⸗, Sagen⸗- und Legendenbuch.

Dichtungen von Amara George, Georg Friedrich Dau⸗ Liebe zugewendet, auf den Gedanken brachte, meiner kleinen SSn

mer und Alexander Kaufmann. Herausgegeben von Amara lung eine Auswahl aus ihren, meinem Vorhaben entſpreeſtur George. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1858. Dichtungen, die mir theils in ihren gedruckten Werken, thdo f d Vor Jahresfriſt ungefähr führten Alexander Kaufmann und ihren Manuſeripten zu Gebot ſtanden, anzuſchließen und i dtn Friedrich Daumer die Dichterin Amara George zuerſt in die Lite⸗ den Mitteln Dreier in kurzer Zeit zu Stande zu bringen, woise ſande ratur ein; die Dichterin, die indeſſen die Gattin Alexander Kauf⸗ in anderer Weiſe vielleicht erſt nach Jahren mühevoller Arb za 9 8 mann's geworden iſt, führt en Revanche nun die Poeſie der bei⸗ lungen wäre. Es waren Georg Friedrich Daumer und A uße uag n den Genannten dem Publicum vor. Sie ſelbſt ſchildert die Ent- der Kaufmann, beide als Dichter zu bekannt, als daß iſ zu a R ſtehungsweiſe der dreieinigen Sammlung von Mythen der ver⸗ großen Vortheil, welcher mir aus dieſem Verfahren erwuchs, ſe⸗ mnuf ſchiedenſten Nationen: einanderzuſetzen brauchte. ͤͤ ſehe Es iſt eben ein Jahr, als ich bei Muſterung meiner Papiere So liegen nun auf 400 Seiten die Mythen griechiſcher 4 bet

eine Reihe Gedichte mythiſchen oder doch auf Mythiſches bezüg⸗ ſiſcher, muhamedaniſcher, rabbiniſcher, amerikaniſcher, kamtſchh 1 18 Wlthan