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pfänglich für das einfache Glück im Beſitze eines liebenden Herzens. Und doch wählen ſie ſich, eben weil ſie auch der Liebe bedürfen, ſo gar häufig Frauen, die eben nur ihre Liebe zu geben vermögen. Zürne mir nicht, Lina, aber auch Du gehörſt zu dieſen Naturen und es trifft Dich ja deshalb kein Vorwurf. Wir Alle, die Eine mehr, die An⸗ dere weniger, können dem Manne keinen genügenden Erſatz bieten für die Täuſchungen und bittern Kränkungen des verfehlten ehrgeizigen Strebens. O wie glücklich mag die Frau ſein, die einen Gatten zur Seite hat, dem die Welt genug bietet, um von ſeiner Gefährtin nichts Unmögliches zu verlangen! Dann iſt ihre Liebe die theuere Begleiterin ſeines Lebens, aber ſie braucht nicht deſſen ganzer Inhalt zu ſein. Ich fühle das Alles mehr, als ich es auszudrücken vermag. Aber gewiß, Du verſtehſt mich, mein liebes Herz. Ich ſehe es Dir an; nur kränke Dich nicht darüber, wenn Du an Deinem eigenen Looſe bereits die Wahrheit meiner Worte erfahren haſt. Nicht Dich trifft ein Tadel; ihn, ihn allein, der das beſſer vorausſehen konnte als Du harmloſe Seele, oder, wenn Du willſt, auch die Verhält⸗ niſſe, die ſeinem Streben bisher entgegen traten, ihn miß⸗ muthig und gegen Dich ungerecht machten. Glaub' mir, es wäre ein Leichtes, Alles, was zwiſchen Euch ſchlimm iſt, zu heilen, wenn man die Macht beſäße Deinem Manne eine äußere, ſeinen Kräften und Wünſchen entſprechende Stel⸗ lung zu geben. Aber das ſind leere Träume; Du wie ich, wir ſind beide machtlos. Eines nur ließe ſich thun, daſ⸗ ſelbe, woran er ſelbſt gedacht zu haben ſcheint. Du ſiehſt mich verwundert an? Iſt nicht ein ähnlicher Gedanke ſchon in Dir aufgeſtiegen, Lina? Frage Dich einmal in Deinem Innerſten und ſage mir dann, ob ich weiter ſprechen darf.“
Helenens Augen glänzten, ihre Wangen färbte ein leb⸗ haftes Roth, als ſie ihren Blick jetzt forſchend auf Lina haften ließ. Dieſe aber blieb ſtumm und die Freundin fuhr nach einer kurzen Pauſe fort:
„Dein Gatte wünſcht ſich ein Schickſal, und ſei es ein
Novelſen⸗Zeitung.
bewährter Lehrmeiſter.
herbes, unbarmherziges, und ich glaube in der That, daß es ihm nicht erſpart werden kann, um ihn geneſen zu laſ⸗
ſen. Was man beſitzt, weiß man oft dann erſt zu ſchätzen, wenn es verloren ging oder nahe daran iſt verloren zu
werden. Das iſt eine alte, erprobte Wahrheit. Das troſt⸗ loſe Gefühl der Leere, der Entbehrung, iſt ein harter, aber Nun Lina, wenn Du Muth haſt, ſo reiche ihm die bittere Arzenei und laß ſie ihn austrin⸗ ken. Gib ihm einen Vorgeſchmack von dem Schiickſale, das er ſich um ſeiner Schwäche willen frevelhaft herbei⸗ wünſcht und welches ihm der gütige Himmel in ſeiner Weisheit doch verſagt. Geh von ihm weg, laß ihn allein, und wenn er die ganze Qual der unverhofften Trennung und die ſchwere Laſt gerechter Selbſtvorwürfe empfunden hat, dann erſt kehre zu ihm zurück, ſchenke Dich ihm aufs Neue, und mit offenen Armen und dankerfülltem Herzen wird er Dich aufnehmen.“
„Und wenn nicht?“ Dieſe ſtumme Frage zitterte in Lina's Seele, als Helene ihre Rede geendet hatte und nun beobachtete, wie ſich nach Anhöxen ihrer mit warmer Em⸗ pfindung geſprochenen Worte ein reicher Thränenſtrom aus Lina's Augen ergoß. Trennung von Emil, und ſei ſie noch ſo kurz: dieſer Gedanke, obſchon ſie ihm nicht fremd ge⸗ blieben war in mancher bittern Stunde, ergriff ſie jetzt mit ganzer Macht, und wenn ſie auch kein Opfer ſcheute um ihres Gattes willen, ſo beängſtigte ſie doch nicht allein die Täuſchung, welche ihr zugemuthet wurde, an und für ſich, ſondern vor Allem der Zweifel, ob ſie auch zum Heile ſein werde.
Sie vermochte ſich lange Zeit nicht zu faſſen und als ihn dies endlich doch gelungen, ſagte ſie nicht Ja noch Nein zu dem Vorſchlage der Freundin und ſchied von dieſer bald darauf mit dem Verſprechen ſie binnen Kurzem wieder aufzuſuchen. Helene hatte ihr ausdrücklich erklärt, daß ſie auf ihren eignen Beſuch nicht rechnen ſolle, ſo lange nicht Emil ſeine Zuſtimmung zu Lina's Verkehre mit ihr ge⸗
was ihn umgibt, keines mehr; ſein Auge iſt in das Innere ge⸗ kehrt und aus ſeinen Zügen ſpricht die vollſtändige körperliche und geiſtige Erſchöpfung.
Den ſchönen hellen Saal zieren mehrere des Frieſes würdige Marmorgruppen: ein herrlicher Midas von Aquiſti, ein ernſt und kräftig von demſelben Künſtler ausgearbeiteter Mars neben einer nicht recht geſchmeidigen und anmuthsloſen Venus und ein von Canova zu feiner, geiſtig angehauchter Sinnlichkeit belebter Stein, den Liebesgott darſtellend, wie er ſich in ſehnſüchtigem Verlangen auf die daliegende Pſyche herniederbiegt und mit der Linken ihren Buſen umfängt.
Vor den Marmorſtufen der Villa präſentirten in reich aus⸗ ſtaffirter Barke ſechs Schiffer mit blauen Schärpen und bunten feinen Hemden ihre Ruder, um den Herrn der Beſitzung, den Erb⸗ prinzen von Sachſen⸗Meiningen, zu ſalutiren, welchen ſie zur Villa Trotti hinüberfahren ſollten.
Inmitten aller Pracht der Natur und der Kunſt trauert er um die vor Kurzem hingeſchiedene Gemahlin.
Portraits.
Marie Joſeph Bosquet,
gegenwärtig Marſchall von Frankreich und Oberbefehlshaber aller im Südweſten ſtehenden Truppen, iſt einer der liebenswürdigſten und achtbarſten Charaktere der franzöſiſchen Armee. 1810 zu Mont de Marſan geboren, kam er 1829 auf die polytechniſche Schule, wurde 1831 Artillerielieutenant und kam als ſolcher 1834
nach Afrika. Den Grund zu ſeinem militäriſchen Ruhme legte er bei einem Zuge, den er mit einigen Geſchützen begleitete. Die kleine Abtheilung Franzoſen wurde plötzlich von einem Schwarm Ara⸗ ber umzingelt und gerieth durch falſche Maßregeln des höchſten Officiers in die gefährlichſte Lage. Zum Glück hatte Bosquet den Muth einen andern Plan vorzuſchlagen, und die Annahme deſſel⸗ ben wurde zur Rettung. Er wurde zum Ritter der Ehrenlegion vorgeſchlagen, aber im Kriegsminiſterium radirte eine neidiſche Hand ſeinen Namen, und die verdiente Ehre würde ihm entgangen ſein, wenn ſeine Kampfgenoſſen nicht beim Statthalter Vorſtel⸗ lungen gemacht hätten. Man decorirte ihn nun mittelſt beſondern Decrets. 1841 bei Sidi Sakhdar verwundet, ging er 1842 zur Infanterie über und wurde Commandant des Bataillons einge⸗ dorner Jäger(tirailleurs indigènes), wozu ihn ſeine gründliche Kenntniß des Arabiſchen noch beſonders befähigte.
Zwanzig Jahre lang, von 1834— 1853, 1 Algier, und in dieſer langen Zeit fielen wenige größere Gafechte, vor, denen er nicht beigewohnt hätte. Er ſtieg von Grad zu Grad im Auguſt 1848 war er Brigadegeneral. Den Feldzug gegel Kabylien 1851 eröffnete er in glänzender Weiſe durch die Erſtuͤr⸗ mung des Paſſes über den Menegal. Obgleich er dabei am Kopf verwundet wurde, harrte er doch bis zum Schluſſe des ganzet
Krieges bei ſeiner Brigade aus. Seine Ernennung zum Diviſionsil. Meinung des ganzt ge von 1851 hätte auf dem Fuße eit brauchte blind ergebene, zu
general verzögerte ſich, obgleich ſie nach der Heeres von Algier jenem Feldzu folgen ſollen. Die Politik jener 3 3 1 verſchiedenen Dingen anwendbare Diviſionsführer, und die be⸗ kannte Rundreiſe, die Perſigny bei den berühmteſten afrikaniſchen Generalen machte, lehrte Bosquet, den alten Freund Cavaignac,
[IV. Jahrg. d
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