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V. Jn Nr. 19.
f u Dir eindrin
ſn Hnnſ zärtlichen Blicke in deren treuherzige Augen,„und ſicher eſem Hauſe wo
glücklich. Wer iſt Dein Herr und Gebieter?“ V deendet, da t. So natürlich die Frage war, ſo wenig hieß ſie Lina — unſchlf ſchon jetzt willkommen. Aus der ſeligen Vergeſſenheit, in
1 S welche ſie die Freude des Wiederſehens verſetzt hatte, wurde
8 S fie an den ſchweren Ernſt des Lebens und ganz beſonders
ſ ul an den Zweck erinnert, welchen ſie bei ihrem Hierherkom⸗ enn tnen im Stillen mit verfolgt hatte. Zögernd antwortete nen dnfie, über die Vorausſetzung ihres glücklichen Looſes äußerte
fie ſich gar nicht. Als ſie aber Emils Namen nannte, rvar es, als ob ein leiſer Schatten über Helenens Antlitz zöge.
„Ich kenne Deinen Mann recht gut,“— ſagte Helene wollkommen ruhig, aber plötzlich ernſt geworden,„wir ſind wor meiner Verheirathung in unſerer beiderſeitigen Vater⸗ u ftadt oft in Geſellſchaft zuſammengetroffen. Später habe
4 ja ich ihn ganz aus den Augen verloren. Damals war er ein
Gnirzentn 1 verwöhnter und anſpruchsvoller Mann, Lina, ſo weit ich
1 zehr F Wihn kennen lernte. Aber Dich trägt er gewiß auf den n müſſen, Händen?“
Lina wollte raſch eine Antwort geben, aber ſie ſtockte.
Es war ein bitteres Wort, welches Helene jetzt geſprochen
ſehen wie je igen ruhete,
eite Be
„ nafoben . anzlehen.
tikei Khne hatte, und ſie hätte mit ſolchem Urtheile wohl noch verziehen pelden, a können. Sollte ſie ihr beipflichten, indem ſie das Geheim⸗ e tlch niß ihres ehelichen Lebens offenbarte?
Aber Jene empfand ihren Fehler eben ſo bald und ſprach, die Freundin näher an ſich ziehend, mit entſchuldi⸗ gendem Tone:
„Siehſt Du, Lina, ich bin noch immer die Alte, raſch und keck und dabei ein wenig unvorſichtig. Aber Du biſt als Freundin zu mir gekommen und gemeinſchaftlich haben wir die letztverfloſſenen Jahre überſprungen. Willſt Du conſequent ſein, ſo darfſt Du auch keine Geheimniſſe vor⸗ mir haben und mußt mir meine Neugierde verzeihen. Was
den Aufng
Du mir vertrauſt, iſt ſicher geborgen. Ich ſtehe einſam
und allein in der Welt; was ich vielleicht an Deinem Be⸗ ſitze gewinne, iſt nur ein Geſchenk des Zufalls. Alſo haſt Du nichts zu fürchten, wenn Du offen biſt.“
Auf dieſe freundliche Anſprache hin trug Lina nicht länger Bedenken Helene zur Vertrauten ihrer Sorgen und Kümmerniſſe zu machen, ihr namentlich von jenem Briefe Emils an Erhardt zu erzählen und ihr ein treues Bild von ihrer Lage zu entwerfen, wobei ſie freilich nicht verbergen konnte, daß ihr, um glücklich zu ſein, vor Allem das rechte freudige Bewußtſein fehle, glücklich zu machen. Helene hörte aufmerkſam und mit der lebhafteſten Theilnahme zu; dann und wann unterbrach ſie auch die Freundin mit einer nähern Frage, aber einen Verſuch dieſelbe zu beſchwichti⸗ gen, als ſie aufgeregter zu ſprechen anfing, machte ſie nicht. Sie fühlte aus Lina's ungeſchminkten Mittheilungen nur zu lebhaft heraus, daß an dem Glücke dieſer Ehe ein Wurm nage, der ſchwer zu ertödten ſein werde. Sollte ſie, die Beide kannte und— liebte— ja, ſie geſtand es ſich, daß ſie vor Zeiten auch Emil geliebt hatte— die Heilung ver⸗ ſuchen, und welche Heilung?—
Wenn ſie den Zuſammenhang der heutigen Stunde mit allem früher Erlebten erwog, war es doch ein höchſt eigen⸗ thümlicher Zufall, der die drei von einander getrennten Menſchen wieder in Berührung brachte, ein Zufall, den ſie kaum anders anſehen konnte, denn als eine beſondere Fü⸗ gung des Himmels. Ihr Herz frohlockte über den Gedanken, uneigennützigen Beiſtand leiſten zu dürfen, ihr energiſcher Geiſt über die Hoffnung, auch wirklich Hülfe bringen zu können. Und ſchien es nicht, als ob auch Lina von ſolchem Hoffen erfüllt den Weg zu ihr gefunden habe? Doch ſie kehrte zu dieſer zurück.
„Das iſt das Schwerſte für uns Frauen,“ ſagte He⸗ lene—„Männer zu beglücken, die ehrgeizig ſind und zu⸗ gleich liebebedürftig, die aber in der Welt nicht vorwärts kommen wie ſie ſtreben und verdienen. Der Ehrgeiz, der keine Nahrung findet, drückt ſie nieder und macht ſie unem⸗
dos reconvalescenten Königs von Preußen genannt wurde, wenn rücht dem Erdmannsdorfer Palais im Schleſiſchen Gebirge noch der Vorzug gegeben werden ſollte. R. Schlüter in ſeinen Briefen „Aus und über Italien“ gibt eine Schilderung der Reize der lom⸗ lardiſchen Villa, die zugleich als Probe ſeiner Darſtellung künſt⸗ leriſcher Gegenſtände hier eine Stelle finde.
Herr Schlüter ſchreibt vom 1. October 1855:
Inmitten aller Fülle der Natur dieſe herrlichen Kunſtſchö⸗ ffungen. Ich kann nicht verweilen bei dem prächtigen Marmor⸗ iopfe Alfieri's unter den Lorbeern der Villa Melzi, bei Thorwald⸗
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bloßer Erde
Geſpräch mi ſin'’s mildem Ariadnekopfe, bei den vielen vortrefflichen Statuetten derte ihn ſe und dem tiefgefühlten, durchdachten und meiſterhaft wiederge⸗ Stückchen ſebenen Portrait des Conſuls Buonaparte von Appiani im In⸗
„Nayoleon jern des Melzi'ſchen Prachthauſes; vorbei an der Comolli'ſchen
rat von Marmorgruppe zwiſchen Tulpenbäumen und Platanen, darſtellend
H
de tiefergriffenen Dante, wie ihn Beatrice mit tröſtender Hand 3s beglückteren Gefilden leitet; es drängt mich zur königlichen Aelkä Carlota, hinweg über ihre ſesbenetzten Stufen, durch ihre Guühenden Citronenlauben und die Orangengelände voll goldener Früchte, hin in den weiten Vorſaal, deſſen Wände Thorwaldſen's Nexanderzug ziert. Das große Relief, welches den ganzen Raum in der Mitte ſeiner Höhe umzieht, iſt ſo natürlich und einfach con⸗ tiirt, daß man meinen möchte, eine andere Auffaſſung ſei gar nicht möglich geweſen. In der Nitte Alexander auf ſeinem Kriumphwagen; ihm folgt ein Theil ſeiner Krieger, eine Ehren⸗ de; die erbeuteten Waffen trägt ein ſtarker Elephant, bei und t. nter welchem Darius und die übrigen Kriegsgefangenen beglei⸗ ie von macedoniſchen Truppen erſcheinen. Dem Sieger entgegen e unmt die Väctoria mit dem Lorbeerkranze; mit ihr Abgeordnete
des überwundenen Volkes, deſſen Tribut in Früchten und Vieh⸗ heerden dem jungen Beherrſcher zugebracht wird. Im Hinter⸗ grunde rudert der alte Charon und gemahnt des Horaziſchen
Divesne prisco natus ab Inacho
Nil interest.
Omnes eodem cogimur.
In den halbhervortretenden Marmorfiguren iſt lauter Wahrheit
und Leben. Da courbettirt das wohlerzogene Roß des alten Käm⸗ fers; hier galoppiren die gutgeordneten Züge. Der junge kräftige Grieche thut wohl auf die Zügel zu achten und ſeinen Schenkel anzudrücken, denn der gegen die Bruſt geneigte Kopf und die zu⸗ rückgelegten Ohren ſeines unruhig ſich aufhaltenden Pferdes laſſen die Abſicht eines Seitenſprunges errathen. Wie wehmüthig hät⸗ ſchelt gegenüber der Hirtenknabe die Schafe, welche dem neuen Herrn zugetrieben werden, und die ernſte Hausfrau mit dem Säug⸗ linge auf dem Arme ſieht mit tiefem Schmerze ihre gutgefütterten Stiere wegſchleppen, die widerwillig von dem gewohnten Stalle fortſchreiten. Aber vor Allem herrlich iſt der Sieger Alexander. In einem leichtgeſchwungenen, reichverzierten griechiſchen Wagen ſteht er da, der jugendlich ſchöne Krieger, in ſtolzer, faſt über⸗ müthiger Haltung. Selbſt auf dem Wagen möchte er noch vor⸗ wärts ſchreiten, und ſein triumphſtrahlendes, von vollem Lockenhaar umwalltes Geſicht ſcheint den Genoſſen des Sieges, welchen es ſich
halb zuwendet, während die Rechte auf die Entgegenkommenden
zeigt, ſtolz und befriedigt mitzutheilen: das ſind die Früchte unſe⸗ rer Tapferkeit, unſerer Ausdauer! Die Freude des Ueberwinders findet ihren natürlichen Gegenſatz und eine ſchöne Folie in der Niedergeſchlagenheit des Ueberwundenen. Langſam, geſenkten Hauptes ſchreitet König Darius daher. Für ihn iſt alles Leben,


