Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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Gatten glücklich zu machen und daß vor Allem der Irr⸗ thum, welcher bei ihrer Wahl auf ſeiner Seite ſtattge⸗ funden, die Heiterkeit ſeiner Seele trübe.

Auf dem Arbeitstiſche Emils brannte noch immer das Licht, welches Jener auszulöſchen vergeſſen. Sie ſtand auf um dies zu thun. Ihr Blick fiel dabei auf die Arbeit, mit welcher ſich Emil heute ſo wenig erfolgreich beſchäftigt hatte. Es war eine gelehrte Abhandlung hiſtoriſchen In⸗ halts, welche ſie nicht anzog. Aber unter dem letzten Bo⸗ gen des Manuſcripts lag ein angefangener Brief von der Hand ihres Mannes, an einen ſeiner Univerſitätsfreunde, mit Namen Erhardt, gerichtet, auf deſſen Freundſchaft Emil das wußte ſie ſtolz war. Die Neugierde trieb ſie einen Blick in den Brief zu werfen, der offen dalag, und war es nicht ein kleiner Erſatz für die ihr entzogene Geſellſchaft des Gatten, wenn ſie ſich mit ſeiner Gedanken⸗ welt beſchäftigte? Und dennoch zagte ſie noch ein wenig, als der Brief bereits in ihrer Hand ruhte, aber die Neu⸗

gierde und der Drang nach einer Zerſtreuung an dieſem

unluſtigen Abend überwanden ihre Zweifel. Du klagſt mich mit Recht an, Erhardt. ſchwacher Menſch, der ſich in ſein Loos nicht zu ſchicken vermag, der ſich niederdrücken und einſchüchtern läßt, wo es gälte ſein eigenes beſſeres Selbſt, allen Erbärmlichkeiten der Welt zum Trotze, ſtolz und froh zu behaupten. Ja, ich ſehe es ein: nicht außerordentliche Hemmungen und Wi⸗ derwärtigkeiten, an denen ſich die menſchliche Kraft meſſen und mit denen ſie ſich entſchuldigen kann, wenn ſie unter⸗ liegt, ſind für Unſereinen zu fürchten. Unſer gefährlichſter Feind, der an unſerm beſten Lebensmarke zehrt, iſt das träge gewöhnliche Einerlei, dieſer traurige Stilleſtand,

Sie las:

wie er mir zu Theil geworden iſt in meinem äußern und

innern Leben. Das iſt die Windſtille, vor der der Schiffer draußen auf dem Ocean bangt und zittert, ſchlimmer als vor Sturm und Unwetter, die ſich mit männlichem Muthe bekämpfen laſſen.

Ich bin ein

Aber gegen die Windſtille gibt es kein!

leicht hätte ich wohler daran gethan allein zu bleiben. Ich

Novellen⸗Zeitung.

Mittel als Geduld und Ausdauer. nicht, wenn ich auch Alles mein nennen dürfte. Früher glaubte ich wohl im Beſitze meiner Lina ein Genüge zu fin⸗

glücklich? Nein, nein, ich verſtehe es nicht. Die friſche ge⸗ ſunde Lebensluft, welche mir mangelt in meiner verkümmer⸗ ten krüppelhaften Exiſtenz, mangelt auch meiner Liebe und darum auch meinem Weibe. Du warnſt mich vor Frank. Erhardt, aber darin kann ich Dir nicht folgen. Es mag ſein, daß er in manchen Stücken ein wildes Spiel mit dem

bei der Hand iſt. Seine Moral iſt eben eine eigene und abſonderliche, von welcher in gedruckten Büchern nichts zu leſen ſteht. Aber ſie iſt ſcharf und folgerichtig, und mit einem Worte: ich kann Frank nicht entbehren. Seine Verſtandesſchärfe iſt doch bewundernswerth und ſein bis⸗ weilen toller Humor erquickt mich, wenn nichts mehr ver⸗ fangen will. Wäreſt Du hier, Erhardt, ſo wollte ich ihn gern miſſen, aber jetzt iſt er mir ein unſchätzbares Kleinod. V Man ſagt, die Frau ſolle zugleich des Mannes beſte Freun⸗ din ſein. Das iſt aber immer nur halb möglich. Ihr Geſichtskreis iſt zu beſchränkt, ihr guter Wille bleibt allzu⸗ oft hinter dem Können zurück. Und nun an ihrer Ge⸗ fühlswelt rechte Freude zu haben, dazu gehört vor Allem ein eigenes unbefangenes, nicht verbittertes Gefühl. Viel⸗

fürchte, ich fürchte, daß ich weit hinter meiner Pflicht zu⸗ rückſtehe. Und darum wünſchte ich mir vor Allem Etwas, was wie ein Schickſal ausſieht, ein hartes, unbarmherziges Gegenüber, auf daß ich mich ſammeln und aufraffen könne, wie es einem Manne geziemt, und wieder Vertrauen ge⸗ winne zu meiner Kraft, das mir zu entſchwinden droht! Hier endete der Brief in ſeiner jetzigen Geſtalt. Lina durchlas ihn noch einmal und zum dritten Male, und Man⸗ ches wurde ihr klar, was ſie bisher nur dunkel geahnt

Feuilleton.

Was einſt Raturgeſchichte hieß!

Eine Humoreske nach Charles Dickens von H. Ch.

Das erſte gedruckte botaniſche Werk ſtammt aus der letzten Pflanzen eingereiht als die Blüthe der Milch und der Käſe ge⸗ Zeit des 15. Jahrhunderts und beſchäftigt ſich nicht allein mit nießt deſſelben romantiſchen Privilegiums. di dem, was man vor 400 Jahren von Pflanzen, ſondern auch von Bemerkung gemacht, daß Zorvaſter 20 Jahre lang in der Wüſte Vögeln, vierfüßigen Thieren, Fiſchen und Steinen wußte. Es iſt nur Käſe und während dieſer ganzen Zeit nichts zu wünſchen bekannt, daß unſere Vorfahren durch ein beſonders reiches Wiſſen übrig ließ. Diptannum und Biptannum ſind als Arten von ſ in Bezug auf die Natur ſich gerade nicht auszeichneten; aber viele Pfefferminz angeführt, welche an felſigen Orten wachſen, in Thiſe

der damals feſt geglaubten Dinge ſind doch ſo eigenthümlich, daß ſalien und Kreta häufig vorkommen und als Arznei genoſſen

wir einige Stellen aus dem oben angedeuteten Ortus sanitatis mittheilen. Nachdem die Naturwiſſenſchaften heutigen Tages zu

einem Lieblingsſtudium aller Gebildeten geworden ſind, werden Vergleiche deſſen, was unſere Vorfahren glaubten, mit dem, was

unſere Zeitgenoſſen wiſſen oder vielleicht auch noch nicht wiſſen, die Unterſchiede der Bildungsſtufen recht grell darlegen. In der Botanik ſehen wir vor Allem eine getreue Abbildung des Lebens⸗ baumes oder lignum vitae Paradisi und werden belehrt, daß das Fleiſch jedes Menſchen, welcher davon, für immer feſt iſt, und daß dieſer Glückliche nie mehr von Sorgen gequält wird. Feuer

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zerſtört nicht, ſondern reinigt das Holz des Lebensbaumes.

Das auf dem todten Meere ſchwimmende Erdharz wird unter die Pflanzen gerechnet, obgleich es als eine Art von Guano gilt, der von böſen Geiſtern herrührt. Die Butter iſt ebenfalls unter die

Nebenbei iſt noch die

jeden Pfeil oder jede Eiſenwaffe aus dem Körper heraustreiben. Pfeile, die ein Jäger in eine Ziege ſchoß, fallen aus dem Thiere wieder heraus, wenn es Diptannum benagt. Thau, der auf Steine fällt, erzeugt Manna. Wenn letzteres geſammelt wird, iſt es grau, wenn es länger auf der Pflanze oder dem Steine bleibt, V ſpielt es ins Weißliche. Mandragora iſt männlich oder weibli und wird mit Wurzeln, welche einem Mann oder einer Frau ähneln, abgebildet. Serapion und Dioscorides behaupten, dieſe Pflanz ſei in derſelben Weiſe angewandt worden wie etwa heutzutag das Chloroform, vor ſchmerzhaften Operationen mit dem Meſſeſ oder ehe man ätzte.

den und glücklich werden zu können, indem ich ſie glücklich 3 machte. Aber gelingt es mir denn, mache ich ſie denn wwut

Leben treibt und allzuleicht mit verzweifelten Anſchlägn

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4r. 19.

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Und die beſitze ich e inern

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