den ihn jedoch ſchon 1769 zu Venedig wieder, wo er ſeine frühere Rolle als Wundermann fortſetzte und nebenbei eine induſtrielle Unternehmung, Flachs zu bleichen, durch Frauen betreiben ließ. Im Jahre 1770 trat er in Livorno in ruſſiſcher Generalsuniform auf und ward vom Grafen Alexis Orloff damals, ſowie ſpäter bei einer Zuſammen⸗ kunft in Nürnberg mit großer Auszeichnung behandelt,
was bei dem bekannten Hochmuthe des Grafen viel Auf⸗ ſehn erregte. Im Jahre 1774 kam er, dem Anſchein nach ein Mann zwiſchen 60— 70 Jahren, nach Schwabach, lebte dort ſehr zurückgezogen und machte bei der Schauſpiele⸗ rin Clairon, die damals in Ansbach wohnte, die Bekannt⸗ ſchaft des Markgrafen Chriſtian Friedrich Karl Alexander von Brandenburg, der alchymiſtiſchen Studien zugeneigt war und mit ihm in Triersdorf, dem Sommeraufenthalte des Markgrafen, in den untern Zimmern des Schloſſes chemiſche Verſuche anſtellte, die aber kein erwünſchtes Re⸗ ſultat hatten. Er lebte längere Zeit dort, verbarg aber anfänglich ſeine Perſönlichkeit, indem er ſich Tzarogy nannte. Er zeigte von Zeit zu Zeit Briefe des Königs Friedrich II., mit deſſen dem Margrafen bekanntem Pet⸗ ſchaft beſiegelt, vor, war aber ſo vorſichtig, eben nur das Couvert, nicht den Brief ſelbſt zur Einſicht vorzulegen. Der König hatte ſchon im Jahre 1760 über den Wunder⸗ mann von Voltaire Notizen erhalten, der ihm ſchrieb: St. Germain on dit a soupé autrefois dans la ville de Trente avec les pèeres du concile etc. C'est un homme qui ne meurt point et qui sait tout, worauf aber der König blos erwiderte: Le Cte. Germain est un conte pour rire.
Im October 1776 kam er, unter dem Namen v. Wel⸗ down, nach Leipzig, wo er dem Stadtrathe verſchiedene Ge⸗
darauf, daß er oft Jahre lang verſchwunden geweſen, ohne
tout ce dont il avoit besoin), ſich verſchafft haben wollte⸗ Der Rath lehnte aber die Offerte ab. Ausführlichen Mit⸗ theilungen eines Augenzeugen aus dieſer Zeit entnehmen wir, daß er das Anſehn eines Mannes von etwa ſiebenzig Jahren hatte, aber verſicherte, daß er ſein Alter nur nach Jahrhunderten zähle und daß er dies ſeinem Wunderpul⸗ ver verdanke, das alle Aerzte, alle Arzneimittel überflüſſig mache, er roch in Folge des Gebrauchs dieſer Panacee„wie ein Apothekerladen.“ Er bedurfte aber, nach ſeiner An⸗ gabe, zu Zeiten der ſtrengſten Einſamkeit und bezog ſich
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daß jemand ſeinen Aufenthalt anzugeben vermöge. Den⸗ jenigen, welchen er ſein Vertrauen ſchenkte, eine Ehre, zu der man aber ſchon bei ſehr flüchtiger Bekanntſchaft ge⸗ langte, barg er nicht, daß er ein Prinz Racoczi ſei, und fügte hinzu,„que puisqu'il avoit deux frères, qui avaient eu tant de bassesse et si peu d'ame que de soumettre à
leur mauvais sort, il avoit pris dans un certain temps le
nom de St. Germain, ce qui voulait dire, le Saint des frères.“
Es ſcheint, daß man in Dresden anfänglich nicht abge⸗
neigt war von St. Germains Geheimniſſen Nutzen zu
ziehn. Der Oberkammerherr Graf Marcolini reiſte beſon⸗ ders deshalb nach Leipzig, um ihn zu ſprechen; er ſtellte ihm eine Belohnung in Ausſicht, wenn er dem Staate einen weſentlichen Dienſt leiſte. St. Germain aber, ob⸗ wohl er ſich in keineswegs glänzenden Verhältniſſen be⸗ fand, antwortete ihm,„qu'on se trompoit si J'on croyait qu'il avoit de pareilles idées, que son unique but étoit de faire du bien à l'humanité et s'il y réussissoit, il se croiroit assez récompensé. On convient, fügt unſere Quelle hinzu,
heimniſſe zur Ausbeutung anbot, die er auf ſeinen Reiſen du'à Leipzig il mwa fait aucune action qui désavoue les prin- in Egypten und Aſien geſammelt, ja aus Indien und cipes qu'il a avancés quoiqu'aussi il n'ait encore rien fait
China durch einen gewiſſen Boiſſy, von dem er behauptete, daß er ihn auf ſeine Koſten dort funfzehn Jahre habe rei⸗ ſen laſſen(pour lui fournir en matières et connoissances
que parle effectivement pour lui.“ St. Germain kam in Folge der eingeleiteten Verhandlungen auch im Jahre 1777 nach Dresden. Der Kurfürſt von Baiern erkundigte ſich
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Hand nur ein wenig befähigt, ſo eilen die Eltern ſogleich einen Künſtler aus ihm zu machen und vergeſſen, daß das Handwerk einen goldenen Boden hat.— Dieſe Art der Künſtler, welche ewig ringen durch Fleiß, durch mechaniſche Geſchicklichkeit zu er⸗ ringen, was ihnen die Natur an Talent verſagt, ſie ſind der Krebs⸗ ſchaden unſerer jetzigen Künſtlerwelt. Die geſchickte Hand macht
den kunſtvollen Handwerker; die Jünger der Muſen brauchen
Seele und Geiſt, aus ihrem Auge muß das ewige Feuer ſtrahlen, welches das Alte neu erſtehen läßt, ſie müſſen in ſich das Promk⸗ theusfeuer tragen, womit der todten Maſſe Leben zu verleihen iſt.
Man finde das in ſeinem Kinde und dann erſt weihe man es der m 1— ſcheinen wird, hat ſo eben eine Poetik vollendet, in der er nament⸗
Kunſt.
Außer dieſen beklagenswerthen Arbeitern gibt es noch eine andere Claſſe, welche ein kleines Talent, das, wohl gepflegt, Erfreu⸗ liches hervorbringen könnte, durchaus an den höchſten Aufgaben der Kunſt, der Hiſtorienmalerei, verſuchen wollen, und die bei die⸗ ſen Verſuchen zu Grunde gehen. Die Folge dieſes unrichtigen Beurtheilens ſeiner Kräfte iſt das Ausſterben der Genre⸗Malerei, welche durch Teniers und Dow in der Galerie zu Dresden ſo reiche Schätze beſitzt.— Vor ungefähr dreißig Jahren verſuchte ein gewiſſer Wagner zuerſt wieder das Stillleben darzuſtellen; doch traten nur ſehr Wenige in ſeine Fußtapfen. Auch heute noch findet man unter den vielen in Dresden lebenden Künſtlern nur
Wenige, welche ſich mit dem Genre beſchäftigen, und unter dieſen
iſt Gonne der bedeutendſte. Sein Gefangener war ein reizen⸗
des Bild und es iſt nicht das einzige, wodurch er ſich einen Na⸗ ü 1 dem Weſen des Schachſpiels.
men erworben. Doch will auch er dieſer Gattung ungetreu werden
und zur Hiſtorie übergehen, leider ſogar religiöſe Bilder malen,
für welche ihm die Begeiſterung fehlt, welche allein das Ideal
eeines Gottmenſchen aus innerer Anſchauung hervorgehen laſſen
kann. Es iſt eine ſchlimme Sache, wenn der Künſtler nicht aus innerer Nothwendigkeit ſchafft, ſondern dem Geſchmacke Anderer zu huldigen wünſcht! Amely Bölte.
Theater. Schachſpiel und Schauſpiel.
Rudolph Gottſchall, deſſen Geſchichte der neueren deutſchen Nationalliteratur nächſtens in zweiter, unveränderter Auflage er⸗
lich die techniſchen Vorausſetzungen der Dichtkunſt behandelt, und zwar mit beſonderer Bezugnahme auf die Dichterwerke der Gegen⸗ wart. Als ein Capitel dieſer Arbeit, die, wie Gottſchall's letzte Arbeiten ſämmtlich, bei E. Trewendt in Breslau erſcheinen wird, dürfen wir einen im Deutſchen Muſeum kürzlich mitgetheilten Auf⸗ ſatz„die Technik des Drama's“ anſehen. Da der Verfaſſer außer einem anerkannten Dramatiker auch ein geiſtreicher Schachſpielel iſt, als welcher er wöchentlich zweimal, Dienſtags und Freitags, mit Anderſen oder Harwitz(der jetzt in Paris Aufſehn erregt) in Breslauer Schachclub bewunderte Tourniere übt, ſo wird es nic unintereſſant ſein, von ihm gerade den oft angewandten Vergleie zwiſchen Bühne und Schachbret ausführlich behandelt zu ſehen. In dem erwähnten Aufſatze ſagt Gottſchall unter Anderem: „Die innere Technik des Drama's hat große Aehnlichkeit mit Seine Geſtalten ſind ihm gegeben wie die Figuren dieſes Spiels; ihre Bewegung geht nothwendig aus ihrem Charakter hervor, wie die Bewegung eines Thurms,
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