Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
281
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V. Jahrg.

Blick, einem

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Nr. 18.) Dritte

zurfte man nicht nur tapferer, muthiger Männer und kräf⸗ iger Arme, das Schwert zu führen, das feindliche Ge⸗ ſhütz auf den Bruder zu richten da brauchte man npfere, muthige Frauen, die nicht zurückſchreckten vor Ge⸗ lhhren, ſich vor den auf dem Schlachtfelde Verſtümmelten ſicht entſetzten, die mit ſanfter, weicher Hand die Verwun⸗ Rten pflegten und mit dem milden Blick des Troſtes, dem mmigen, kräftigen Worte den Sterbenden Erquickung und Erleichterung brächten. Unter all' den Frauen, welche die Schiffe an den ſchönen Strand getragen, um dort in dem ſonnigen Lande, welches die Wuth des Krieges zer⸗ wörte, ihr Liebeswerk zu verrichten, zeichnete ſich eine vor llen aus. Mit einer beiſpielloſen Treue und Hinge⸗ umg lag ſie ihrem Amte ob, nimmer ruhend und raſtend, no es galt Troſt, Zuſpruch, Hülfe zu bringen. Von in em faſt tollkühnen Muthe beſeelt, vor keiner Gefahr zu⸗ üückbebend, ſchwebte die hohe königliche Geſtalt bald hier tald dort hin, nicht nur den Verwundeten in den Häuſern umd Spitälern ihre milde, weiche Hand zur Pflege zu ſichen, ſondern ſelbſt denen auf dem Schlachtfelde, inmit⸗ in. des Kugelregens, ihre Hülfe angedeihen zu laſſen; und nemn die Gefahr am größten war, dann blitzte das Auge im muthigſten, und ein ſeliges Gefühl der Befriedigung ool die ſtolze, doch oft ſo ſchmerzdurchwühlte Bruſt, wenn ſe wieder eine That gethan, die man groß nannte. Sie unid wieder ſie war die treuſte, am meiſten begehrte Gehül⸗ in der Wundärzte, ihre Hand, ſo leicht und weich, war doch (p feſt und ſicher, ihr Auge ſo klar, der Blick ſo richtig und daß die Worte tröſtenden Zuſpruches, die von ſo llühenden Lippen floſſen daß der Blick dieſer wunder⸗ ſanen Augen eine größere Kraft übte, iſt es zu verwun⸗ dern? Dem Zauber der Schönheit beugt ſich ſchon unwill⸗ fürlich, faſt unbewußt ein Jeder; wenn aber Güte, Kraft und Milde ſich ihr verbinden, dann wird ſie zu einem Scepter in der Hand, dem eine unumſchränkte Macht ein⸗ geräumt iſt. In manchem Herzen nahmen die Gefühle der

Dankbarkeit, welche es der ſchönen, barmherzigen Schweſter ſchuldete, eine wärmere Färbung an, mancher edle Mann träumte von einer Heimath, die nach den Stürmen des Krieges ihn traulich umfangen ſoll und deren waltende Gottheit ſie ſein ſollte. Aber es war und ſchien ein Traum zu bleiben, das Wort wollte nicht über die Lippen; trotz aller Güte und Milde lag etwas unausſprechlich Ab⸗ weiſendes, Stolzes in dem Weſen des Mädchens, das deut⸗ lich ſagte, jeder derartige Wunſch in Beziehung auf ſie würde wohl ſtets unerfüllt bleiben. Gleich treu, gleich rein bewahrt durch die Jahre der Trennung, ſtand auf dem Altar ihres Herzens ein Bild, vor dem ſie betete, eine Er⸗ innerung, die ſie aufrecht erhielt.

Es war ein ſchwerer, heißer Tag des Kampfes; heut galt es Untergang oder Sieg, heut mußte die Entſcheidung ſein. Tief in die Nacht hinein rollte der Donner der Ka⸗ nonen, Haufen von Leichen bedeckten den blutgetränkten Boden; mit furchtbarem Verluſte an Menſchenleben wurde endlich, endlich der Sieg erkauft.

Golden ſtieg die Sonne am Morgen nach der grau⸗ ſigen Nacht empor, wie ein Gluthball tauchte ſie herauf und warf die hellen Strahlen wie Liebesblicke auf das Land der Verwüſtung. Aengſtlich, jammernd irrten die Krieger auf dem Schlachtfelde umher, der Freund den Freund, der Bruder den Bruder zu ſuchen, zu erſpähen, ob noch ein Funke des Lebens in der armen, verwundeten Bruſt ſich rege, und ihn anzufachen mit dem eigenen Athem.

Ein Weheſchrei aus mehr als einer Bruſt dort lag ſie todt und ſtarr mit der klaffenden Wunde im Herzen ſie, die ſchöne barmherzige Schweſter, welche auch in dieſen heißen, gefahrvollen Stunden weder Angſt noch Zagen kannte, die der muthige, beflügelte Schritt auf die Stätte des Kampfes trug, Segen und Hülfe zu bringen, und die in der edelſten Erfüllung ihres Berufes einen ruhmvollen Tod fand. Er mußte ſie ſchnell und ſicher ereilt haben

2 Cte kein Schmerzenszug entſtellte das wunderbar ſchöne

teunzehnten Jahrhunderts treffend charakteriſirt.Es gibt zwei Momente der Weltgeſchichte, die bald auf einander folgen, bald lächzeitig, theils einzeln und abgeſondert, theils höchſt verſchränkt, ic an Individuen und Völkern zeigen. Der erſte iſt derjenige, in welchem ſich die Einzelnen neben einander frei ausbilden; dies ſt die Epoche des Werdens, des Friedens, des Nährens, der Künſte, de Wiſſenſchaften, der Gemüthlichkeit, der Vernunft. Hier wirkt Ales nach innen und ſtrebt in den beſten Zeiten zu einem glück⸗ ſcen häuslichen Auferbau, doch löſ't ſich dieſer Zuſtand zuletzt i Parteiſucht und Anarchie auf. Die zweite Epoche iſt die des

Simutzens, des Kriegens, des Verzehrens, der Technik, des Wiſ⸗

tis, des Verſtandes. Die Wirkungen ſind nach außen gerichtet; in ſchönſten und höchſten Sinne gewährt dieſer Zeitpunkt Dauer und Genuß unter gewiſſen Umſtänden. Leicht artet jedoch ein ſoſcher Zuſtand in Selbſtſucht und Tyrannei aus, wo man ſich vber keineswegs den Tyrannen als eine einzelne Perſon zu denken örhig hat; es gibt eine Tyrannei ganzer Maſſen, die höchſt ge⸗ weltſam und unwiderſtehlich iſt. Die Welt war alt geworden, aber die Jugend merkte es nicht. Ilre Freuden, Leiden und Irrthümer blieben dieſelben. Doch enen ſie bedenklicher. Einer rieſig angewachſenen induſtriellen Cultur, einem grenzenloſen Verkehr und der Maſſenwirkung hielt e Einzelne nicht fürder Stand. Der natürliche Boden wich, und das Leben ſtellte größere Anforderungen.Vor der Revolu⸗ ion war alles Beſtreben, nachher verwandelte ſich alles in Forde⸗

riell zu beſtehen, ſich gegen eine täglich ſich ſteigernde Concurrenz behaupten? Wurden ſolche Gedanken ſchon durch die damaligen Zeitumſtände angeregt, ſo mußten ſie noch viel mehr den tiefer Blickenden, in der Zukunft Lebenden ergreifen.

Frür die Erziehung war nun ein neues Problem zu löſen: Wie kann den Bedürfniſſen einer umgewandelten Geſellſchaft, eines induſtriellen Zeitalters aufs vollkommenſte genügt und doch die Perſönlichkeit und höhere Natur des Menſchen gerettet wer⸗ den? Dieſe Frage beantwortete G. in den Wanderjahren durch die pädagogiſche Provinz. Wollen wir ſie richtig verſtehen, ſo müſſen wir ſie zunächſt als das nehmen, wofür ſie gegeben iſt. Sie wird eine Art von Utopien genannt, wo unter dem Bilde der Wirklichkeit eine Reihe von Ideen, Gedanken, Vorſchlägen und Vorſätzen gemeint ſei, die freilich zuſammenhingen, aber im ge⸗ wöhnlichen Laufe der Dinge wohl ſchwerlich zuſammentreffen möchten; durch Bilder werde Mögliches und Unmögliches ver⸗

wirklicht. Ein unendlicher Ideenreichthum, der weit über die Gegenwart hinausreicht in eine Zeit der vom Geiſte überwunde⸗

nen Materie, das religiöſe, culturgeſchichtliche, kunſtphiloſophiſche, pädagogiſche Reſultat eines großen Lebens wird ſymboliſch ver⸗ körpert und poetiſch veräußert, nicht ohne eine gewiſſe Ironie. Wir treten in eine fremde Welt, wir laſſen uns von ihrer Harmo⸗ nie bezaubern; doch legen wir uns das Einzelne zurecht, ſo erin⸗

nern uns gewiſſe ſchalkhafte Widerſprüche, daß wir geträumt

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haben. Allein dieſer Traum iſt ein realer; abgeſehen von aller Prophetie gibt es darin des praktiſch Ausführbaren genug!, wenn wir ihn zu deuten wiſſen u. ſ. w.

zung. Wie ſollte nur in dieſem Geräuſch und Gewirre dem Nenſchen die Ruhe kommen auf ſein Inneres zu horchen, ſeine Arlagen zu hegen, die Kraft gegen den allgemeinen Strom ſich uuf eigenen Füßen zu erhalten? Ja wie ſollte er, um nur mate⸗