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V. Jahr Nr. 18.]
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Denn daß auch ſie ihm verloren,— ſie, die er um jeden
Dritte Folge.
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Als Florita am Morgen nach dem Tage erwachte, der
Preis erringen wollte, um die er ſich zu gemeinen Verleum⸗ ihrem ganzen Leben einen ſo mächtigen Umſchwung gegeben,
grüßte ſie ein Brief und ein Blumenſtrauß, die in der Frühe des Morgens für ſie geſandt waren.— Zitternd flogen die Hände, welche das Schreiben erbrachen, aber ſelige Thränen entſtürzten den Augen, als ſie den Inhalt geleſen.
dungen, zu einem Gewebe von Lüge und Trug erniedrigt hatte, das ſagte ihr Benehmen ihm klar und deutlich. l Vergebens beſchwor er ſie die Seinige zu werden. Mit den grellſten Farben malte er es ihr aus, wie das ganze d fficiercorps, ja die ganze Stadt, gegen ſie eingenommen, je bei ihrem nächſten Auftreten mit Spott und Schimpf iherhäufen würde— ſie blieb unerſchütterlich.—
„Mich ſchrecken Drohungen nicht, ich fürchte mich nicht, ſch fliehe nicht! Das was ich mir ſelbſt bereitet, muß ich unch zu tragen die Kraft und den Muth haben“— ſprach ſe mit Ruhe und edlem Stolz.
„So will auch ich Sie nicht länger ſchonen, ſo will ich
— Sie ſinkt auf ihre Kniee nieder.
Mit einer Inbrunſt, einem ſchwindelnden Entzücken, in einem Rauſche der Se⸗ ligkeit,— die nur der begreifen kann, der jemals Aehn⸗ liches erlebt, der das Wort geſucht und gehört, das gna⸗ denreiche, von dem für eine Seele Glück und Heil, die Ruhe, der Friede eines ganzen kommenden Lebens abhängt — bedeckte Florita die Schrift mit Küſſen. Immer von
Neuem drückte ſie den Brief an ihr hochklopfendes Herz,
s weit und breit verkünden, wer die Fäden der Lüge, der
Rache gewebt“— rief Clairmont ſprühend vor Wuth und zorn.
„Ihre Anklage käme zu ſpät, Herr Baron“— ent⸗ ſegnete Florita eiſig kalt;—„die meinige, die ganze Ent⸗ füllung der Wahrheit iſt ſchon an die Behörden abge⸗ zangen, welchen einzig und allein ein Nutzen daraus ent⸗ ſpringen kann.“
als könne ſo die Seligkeit beſſer Eingang finden, die na⸗ menloſe Seligkeit, daß er vergeben habe, was ſie ihm an⸗ gethan.
Gerührt durch eine Liebe, die er einſt verworfen, die ſie abirren ließ durch das Uebermaß, welche aber dennoch edel genug war dieſe Umwandelung zu bewirken, hatte
Ohlen, der bei aller Strenge dennoch großmüthig war, trotz ſeiner ſchnellen Abreiſe Zeit gefunden Florita dieſe
Mit einem ſchweren Fluche ſtürmte Clairmont von
ſannen. Seine kleinliche, niedrige Seele hatte nicht Raum zu faſſen, daß Florita die ganze Schuld auf ſich genommen, ohne ſeiner nur zu erwähnen.— Trotz ſeines phyſiſchen Muthes, ſeiner Tollkühnheit war er doch moraliſch feig; ſie Feigheit der Seele, die ſich ihrer Erbärmlichkeit bewußt ſt, malte ihm Schreckniſſe und Gefahren, in welche der ein⸗ nal gegen ihn gerichtete Zorn des Prinzen ihn ſtürzen würde. Sich wohl bewußt, daß er ſchon unter den Kame⸗ uden nicht beliebt war, die ihn nun verachten würden, zog Elairmont es vor ſeinen Abſchied zu nehmen und ganz und immer von dem Schauplatze ſeiner nicht ruhmvollen lhaten zu verſchwinden.
fur
ſuchung bringen?
Zeilen zu ſchreiben.
Mit dieſem Briefe beginnt ein neues Leben für ſie. Erhoben, gereinigt in ihren eigenen Augen durch ſeine Ver⸗ zeihung, die Verſicherung ſeiner Dankbarkeit und Achtung — was kann die Welt ihr jemals an Verlockung und Ver⸗ Dieſer Brief wird ihr Talisman, ihr Schutz, ihr Hort ſein, ihn wird ſie auf das arme Herz le⸗ gen, wenn es bangt und zuckt in dem heißen Weh, das es wohl niemals ganz überwinden wird, und Segen wird ihm entſtrömen, Balſam wird der Gedanke in die Wunde träu⸗ feln, der troſtreiche Gedanke, daß er ſie nicht mehr verach⸗
tet, daß ſeine Hand ihr Blumen gereicht.—
Frühling war es. Mit Duft und Sang wan der holde, lächelnde Bote wieder herniedergeſchwebt und hatte aus
it z. B. wild aufſchoß, war der ſeine ſo zierlich, daß man es nicht
tiſſer wünſchen konnte; wenn der Wind in anderen Gärten die blithen abgeweht hatte, waren ſeine Blumen ſorgfältig geſchützt,
und wo anderwärts die Blätter vorzeitig von der Sonnenhitze eigilbten, grünte bei ihm Alles noch lange fort.
„Was Teufel macht Ihr mit Euren Pflanzen, daß ſie ſo ſunge ſchön bleiben?“ fragten die Nachbarn überraſcht.
„Etwas ganz Einfaches,“ antwortete der alte Gärtner,„i ſebe ſie!“
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ſißt Alles. Alle Sorge wird leichter überwunden, wenn ernſter Wille das Gemüth erfüllt. Beiſpiel und Gewohnheit können uns
aerdings unſer Handwerk lehren, aber nur die Freude an der
Arbeit bildet gute Arbeiter. Später waren es nicht mehr die Rathſchläge Mauricets allein, nelche mich anſpornten; nein, ich fand in jedem Steine, den ich karbeitete, in jeder Mauer, ebenſo wie in den Unterhaltungen Neiner beſſeren Mitgeſellen, unmittelbare Anregungen, als ich in jdan Gebäude eine Chronik ſah, welche von tüchtigen Meiſtern neines Gewerbes zu erzählen ſchien. Von allen Erzählungen, mit dien wir uns zuweilen unterhielten, konnte ich vorzüglich die Geſchichte vom großen Mauduit nicht oft genug hören.
Der große Manduit war ein Maurergeſelle aus Brie, dem unf den Beinamen des vierhändigen gegeben hatte, weil er die AMleit von zwei der beſten Geſellen allein verrichtete. Er war be⸗ fündig ſchwarz gekleidet ſt mälts gekämmtes Haar. Er arbeitete mit einer ſolchen Leichtig⸗ fät und Gewandtheit, daß es eine wahre Luſt war ihn zu ſehen, weshalb auch die Leute meilenweit herbeik
„trug lange ſteife Vatermörder und auf⸗
amen, um ihn bei ſeinen
h
Arbeiten zu beobachten, und es ſtanden um ſeinen Arbeitsplatz alle Tage eben ſo viele Neugierige wie vor dem Thurme von Notre⸗ Dame. Mauduit hatte einen ſolchen Ruf, daß kein Arbeiter ſich getraute mit ihm in die Schranken zu treten. Da kam eines Ta⸗ ges von Beauce her ein kleines Kerlchen, Namens Gauvert, wel⸗ cher, nachdem er Mauduit hatte arbeiten ſehen, einen Wettkampf mit dieſem Könige der Maurergeſellen zu unternehmen verlangte.
Gauvert war kaum fünf Fuß hoch und in kaſtanienbraunes
14 Tuch gekleidet, an ſeiner Blouſe hing eine kleine Kette herab. Und es iſt in der That wahr, dieſes kleine Wort Liebe um⸗
Man poſtirte die beiden Kämpfer an den beiden Enden des Ge⸗ rüſtes und auf ein gegebenes Zeichen begann der Wettſtreit. Die Mauer wuchs wie durch einen Zauber unter ihren Händen, und als die Arbeit des einen Tages zu Ende war, hatte keiner den an⸗ dern beſiegt. Sie ſetzten den Kampf am andern Tage fort und noch länger, bis die Maurerarbeit an dem Gebäude fertig war. Beide begriffen jetzt die Unmöglichkeit einander zu beſiegen, ſie umarmten ſich und ſchwuren einander Freundſchaft, der große Mauduit gab dem kleinen Gauvert ſeine Tochter zur Frau, und heute haben die Nachkommen dieſer Beiden in jedem Stadtviertel von Paris ein fünf Stock hohes Haus!
Dieſe Geſchichte, deren Wahrheit ich nicht zu bezweifeln wage und die von den Arbeitern unſeres Gewerkes ſehr oft mit unzäh⸗ ligen Abänderungen erzählt wurde, erfüllte mich mit wahrhaft fanatiſcher Begeiſterung für Hammer und Kelle. Ohne die Sai⸗ ten zu ſtraff zu ſpannen, nährte ich in mir die Hoffnung, einſt alle Geſellen unſres Handwerks in ganz Frankreich zu übertreffen und ein zweiter Gauvert oder ein neuer Mauduit zu werden.
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