Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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und maßlos wie in ihrer Rache, ſo iſt nun Florita in ihrer Liebe; wie es in ihrem Charakter begründet iſt, nichts halb zu thun, ſo auch jetzt. Ob auch das Herz zuckt, die Hand bebt nicht, mit der ſie die Selbſtanklage auf das Papier niederwirft, mit der ſie Angela oder Lorenza von jedem Verdachte reinigt und eine treue Darſtellung der Sachlage gibt. Wie ſie bedacht war, ihm die Geliebte zu erniedrigen, ſo iſt ſie jetzt bemüht ſie zu erheben plötz⸗ lich zuckt ein Blitz der Erinnerung durch ihre Seele; die ganze Begebenheit wie Angela zu ihnen gekommen erſteht plötzlich klar vor ihr. Sie ſieht das todtkranke, blaſſe Kind lange, lange auf dem Schmerzenslager liegen, hört es in weichen, klangvollen Lauten einer fremden Sprache klagen, die ſie zwar als die italieniſche kannte, weil ihre eigene verſtorbene Mutter, eine Italienerin, zuweilen die⸗

Novellen⸗Zeitung.

unbewußt entſchlüpfte, der einzige flehende Ruf dieſes ar⸗ V

V bindung mit ihr gefährdet ſei, daß ſie, Florita, die Mittel beſitze, den einzigen Feind, den er habe, Baron Clairmont, wenn auch nicht zu ſeinem Freunde zu machen, doch von je⸗ dem Rachegedanken abzubringen. Und nun ſegne Dich Gott, Angela, Engelchen, und laſſe Dein Glück reich erblühen, das ich mit frevelhafter Hand Dir zerſtören wollte. Denke ohne Groll an mich und bitte für mich daß Er mich nicht ganz ver ſachtet!

Das war die einzige Andeutung, die ihr vielleicht ſelbſt

men, tiefverwundeten Herzens.

Die Briefe waren abgeſandt. Still und ruhig mit

¹ 2 j 9 friodi- 9 j 9 joſ. j 3 ſelbe gebrauchte, von der ſie aber kein Wort mehr verſtand. einer Befriedigung ihrer Seele, wie ſie dieſe nie gekannt,

Florita erinnert ſich ferner, daß der Erzählung des fin⸗ lag Florita da.

ſtern, groben Vincenzo: das Kind ſei ſeine Tochter, die er ſich, da ſie nun Geld verdienen könne, aus Italien ge⸗ holt, Keiner Glauben ſchenkte. Niemand hielt es für mög⸗ lich, daß dasEngelchen zu dieſem Manne gehöre; den⸗ noch fand ſich Niemand bewogen in eine Angelegenheit einzudringen, welche nicht die ſeinige war; Jeder hatte bei dem herumziehenden, vagabondirenden Leben, wie es eine ſo elende Seiltänzergeſellſchaft führt, genug zu ſchaffen

die eigene Exiſtenz zu friſten, um ſich noch um die Anderer zu kümmern. Auch war Vincenzo zu ſehr gefürchtet ſeiner

Kraft und Stärke wegen, als daß nur Einer gewagt hätte ſeinen Weg zu durchkreuzen. So blieb das Engelchen ſein unbeſtreitbares Eigenthum. Dies alles berichtet Florita nun in gedrängter Kürze, in der Hoffnung, daß dieſe Spur vielleicht zur Entdeckung der wahren Eltern von Angela führen könne. Das iſt der Inhalt des Briefes an Graf Ohlen.

Der an Angela widerlegt die Beſchuldigungen des er ſten, anonymen Briefes, gibt ihr die Verſicherung, daß we⸗

Leidenſchaften, die vorher in dieſer Seele geherrſcht. Ge⸗ danken an Gott blühten empor, an den ſie nicht viel ge

Sie hatte ihr Werk gethan, Gott würde

(IV. Jahrg, N.

der Graf Ohlen's Ehre noch ſein Leben durch eine Ver⸗ 3 Kris:

es ſegnen, das glaubte und hoffte ſie mit feſter Zuverſicht.

mesſchritten flog es dahin als Sieger über die entfeſſelten

dacht, ſeit ſie als Kind vor dem kleinen Muttergottesbilde an den Wegen gebetet. Jetzt war der Ruf der Gnade ge⸗ kommen, die Stunde des Heiles hereingebrochen, und eine Seele, die an dem Rande des Abgrundes geſchwebt, ſie war gerettet durch die Allmacht der Liebe.

Verloren! Unſer Spiel iſt verloren! mit dieſen Worten ſtürzte Clairmont bleich, athemlos zu der harren⸗ den Florita in das Zimmer.

Gott ſei gedankt! rief ſie mit einem Jubelſchrei.

Clairmont blickte ſie an. War er von Sinnen, war das Florita, der Rachedämon, die nun wie ein Engel des Lichtes vor ihm ſtand und ihre Freude an dem Mißlingen des von ihr ſelbſt entworfenen Planes nicht verhehlte? Vereinigte ſich heut alles ihn zu ſtürzen, zu verderben?

Feuilleton.

OSede

Handwerker⸗Ehrgeiz.

Wir haben unſern Leſern über den zweiten Band von Emile Souveſtre's Ausgewählten Schriften,Aus dem Leben eines Handwerkers, berichtet. Die Moral des Buches faßt ſich in fol⸗ gender Tagebuch⸗Epiſode zuſammen:

Siehſt Du, Pierre Henri, wiederholte Mauricet unaufhör⸗ lich,mit dem Maurer iſt's wie mit dem Soldaten; er muß ſeinem Regimente, ſeiner Kelle, Ehre machen. Der Architekt iſt unſer General, er entwirft den Schlachtplan, wir aber müſſen mit Mör⸗ tel und Kalk den Plan ausführen, wie die Soldaten die Schlacht ſchlagen müſſen, um den Feind zu bekämpfen.

Der wahre, der richtige, der tüchtige Arbeiter legt nie ſeine Hände in den Schoß, träumt nicht als Müßiggänger von den Fleiſchtöpfen Egyptens, jer liebt ſeiner Hände Werk und ſucht in der Arbeit ſeinen Ruhm.

So wie Du mich ſiehſt, habe ich nie die Hände müßig in den Schoß gelegt, nie auch nur das Geringſte ohne vorherige Ueberlegung begonnen. Die Häuſer, die ich gebaut, erſcheinen mir gleichſam als meine Kinder, es will mich bedünken, als ſeien mir ihre Beſitzer gewiſſermaßen verpflichtet, und ich intereſſire mich

Handwerk von ganzem Herzen lieben, ohne dieſe Liebe wirſt Du

für ſie. Wenn ich ſo davon ſpreche, ſcheint es mir, als lächelten ſie und betrachteten mich als einen alten vorſündfluthlichen Schwach⸗ kopf. Aber der gute Arbeiter verſteht mich und weiß mein Fühlen zu würdigen. Glaube mir, lieber Kleiner, wenn Du unter der Elite der Arbeiter Aufnahme finden willſt, ſo mußt Du Dein

Denn immer weiter machte das Licht ſich Bahn, mit Stur⸗

nie ein guter Meiſter werden.

Auch ohne dieſe Ermahnungen Mauricets dachte ich in die⸗ ſem Punkte bereits wie er. Das Handwerk war mir ſo zu ſagen in Fleiſch und Blut übergegangen, ich liebte meine Arbeit um ihrer ſelbſt willen und war ſtolz auf ſie, ich war ganz in ihr auf gegangen, ich fühlte, daß ich gerade zu dieſer Beſchäftigung Bi⸗ ruf hatte.

1 Jeder Arbeiter, der hierüber anders denkt und ſich in ſeinem Berufe nicht wohl fühlt, wird vom rechten Wege abgehen, weil Gott ihm eine andere Aufgabe zugetheilt hatte als die, welche der Zufall ihm gab oder zu welcher er durch die Verhältniſſe beſtimmt wurde. Um Menſchen und Dinge würdigen zu können, iſt die erſte

Bedingung, ſie richtig aufzufaſſen.

Ich habe einen alten Gärtner gekannt, deſſen Gewächſe alle

Nachbarn mit Erſtaunen betrachteten. Wenn anderwärts der Sa⸗

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