Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
275
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gißmeinnicht,

bl tauſende, ſt

Himtllel, Wanter!

Roß iſt;

Salon und Circus.

Novelle

von

Sophie Verena. (Schluß.)

Während aller dieſer Vorgänge lag Florita in ihrem zimmer, von Blumen, Düften, Luxusgegenſtänden aller Art umgeben, träumend auf dem Sopha.

Ruhelos war es in ihr ruhelos wie niemals früher. Und doch hatte ſie die Saat zur Rache ſo geſchickt geſtreut, die vielleicht in dieſer Stunde ihre Früchte trug und ihn, dn ſie haßte, ins Verderben zog; gab das dieſem flammen⸗ hen, rachetrunkenen Herzen keine Beruhigung? Mit inem Weheſchrei fuhr Florita plötzlich empor. Ihn ins Elend zu bringen, mit eigener Hand ſein Glück zu vernich⸗ n, dazu hatte ſie ſich hinreißen laſſen; zu Verleumdungen jatte ſie ſich herabgewürdigt! Sie ſchauderte zuſammen tor der Niedrigkeit ihres Thuns.

Seit jenem Abend, ſeit der Stunde, wo ſie alles ge⸗ than Ohlen's Glück zu zerſtören, war eine ſeltſame Um⸗ wamdlung mit Florita vorgegangen; immer von Neuem jatte ſich etwas in ihr geregt, das ſie unterdrücken wollte, imener wieder eine Stimme geſprochen, auf die ſie nicht dau ſchen mochte und welche dennoch ſo deutlich redete, daß ſloſt die grenzenloſe Eiferſucht, die tiefverletzte Eigenliebe zu Zeiten übertönt wurde.

Habt Ihr in Gebirgsgegenden die Sonne mit den Rebeln kämpfen ſehen? Es iſt ein harter Kampf! Die rruen Kinder der Nacht ballen ſich zu Thürmen und Wäl⸗ n zuſammen, vereinen ſich zu dichten Mauern, als woll⸗ in ſie dem goldenen Sonnenſtrahl trotzig den Eingang neyren; aber er ſucht und haſcht und erſpäht eine Lücke ſhlüpft hindurch und theilt die Reihen ſie zerſtieben, ſie haitern dahin in weißen, luftigen Maſſen, aber immer wie⸗ ner ſammeln ſie ſich und formen ſich zu ſeltſamen Gebil⸗ dm. gegen das Licht kämpfend, das endlich doch allmächtig ait ſiegend durchdringt und ſeine Fluthen in goldenen Strömen ausgießt.

So kämpften in Florita's Seele die Dämonen des zuſſes, der Rache und Selbſtſucht mit der Sonne der Lere; ſo breiteten ſtets von neuem die Nebel ihre dunklen Scatten aus und rangen mit dem Lichte um den Beſitz deſer verirrten, aber dennoch großen Seele.

Sie kann ihn nie erringen, nie und nimmer! warum

Dritte folge.

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denn mußte ſie ihn elend machen? O der Gedanke, daß er nicht nur mit Verachtung, daß er mit Haß ihrer gedenken wird, ſo lange er ſein vereinſamtes Leben trägt, oder die ſchreckliche Befürchtung, daß Clairmont, von ihr aufge⸗ ſtachelt, ſeinem Leben ein Ende macht! Eine andere bleiche Jünglingsgeſtalt mit der klaffenden, blutenden Wunde im Herzen erſteigt vor ihren Augen; ſchon deſſen Tod legt man ihr zur Laſt, wenn auch mit Unrecht, denn ſie that nichts ſeiner verzehrenden Liebe Vorſchub zu leiſten. Aber an Ohlen's Tod wird ſie die Schuld tragen, der macht ſie zur Mörderin und nichts wird ſie von der ſchwe⸗ ren Anklage freiſprechen. Sie ſieht den Geliebten, den erſten einzigen Mann, dem jemals ihr Herz voll und warm geſchlagen, als Leiche vor ſich liegen, und ſie ſandte ihn in den Tod ihn, für den ſie jetzt mit Wonne jeden Tropfen ihres Herzblutes vergöſſe!

Die Sonne ſiegt! ſie bricht hindurch, ein Strahl, noch einer, ein ganzer Kranz ſchlägt empor und gießt Licht durch die dunklen Räume dieſer Menſchenbruſt zuſammen⸗ ſchauernd unter der Gewalt der Liebe, in Fluthen des Lich⸗ tes gebadet ſteht Florita da, ſtatt des Zaubers ihrer dä⸗ moniſchen Schönheit iſt eine Klarheit um ſie, die ihr ein wahrhaft erhabenes Ausſehen verleiht.

Das that die Liebe! So wirkt die Liebe immer! Stets läutert ſie von den Schlacken und ſucht das Göttliche in der Menſchenbruſt an das Licht zu ziehen; und wo ſie es nicht that, wo es ihr nicht gelang, da war's die Liebe nicht. Da hatte ſie nur den Namen von der erhabenen Tochter des Lichtes geborgt, da war es ein falſcher Stein, der ſein täuſchendes Leuchten funkeln ließ, und nicht der volle, reine Demant, der am hellſten ſtrahlt in der Stunde des Schmerzes, der Prüfung.

Der Dämon iſt bekämpft, die dunklen Mächte ſind aus dem Felde geſchlagen Florita iſt gerettet, nicht nur für dieſe eine Stunde, für das ganze kommende Leben.

Sie muß das Unheil abwenden, welches ſie über des Geliebten Haupt heraufbeſchwor; ſie will ſein Glück wie⸗ dererbauen, jetzt, unverzüglich will ſie bekennen und das Gewebe der Lüge zerreißen. Nicht eher wird ſie raſten, bis ſie alles gethan, ihr Unrecht gut zu machen Clair⸗ mont muß abſtehen von ſeiner Rache, er darf ſich mit Oh⸗ len nicht ſchlagen, ſie wird ihn loskaufen vom Tode und ſei es mit dem ſchwerſten Opfer; um den Preis ſein Leben zu retten will ſie ſelbſt ihr Verſprechen erfüllen, will ſie das Weib von Clairmont werden und wenn es zu ſpät iſt, wenn der verderbenbringende Strahl ſchon gezündet hat, wenn Ohlen dennoch ſtirbt, dann ſtirbt ſie mit ihm, das gelobt ſie ſich mit heiligem Eide.

Jetzt ans Werk, zur Sühne ihrer Schuld! Groß