Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
274
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Die Steppen. Der Kirgiſe. Gedichte von G. v. Zielinski. Aus dem Polniſchen metriſch übertragen von A. Weiß. Leipzig, F. A Brockhaus. 1858

ALB

e

Rovellen Zeitung.

¹

Guſtav von Zielinski.

Die Steppe.

Haſt du die Steppen geſehen am Wintertag? Da eine Schneewolk' aufzog aus Mitternacht, Da deinem Haupte nirgends ein Obdach war, Weiß nur im Umkreis, uferlos Wüſte?

Da im ſtets wachſenden Winde die Luft dir Furchtbar verfinſtert Geſtöber des Schnees? Wand'rer, du Armer! wählteſt zur Reiſe

Gut nicht die Stunde. Schau! wie der Sturmwind Wüthend die weite, rieſige Ebene

Jählings mit mächtigen Klauen erfaßt hat!

Wie er den weißen Buſen zerfleiſcht ihr,

Zerrt ſie und jagt ſie in Knäueln zum Himmel! Hier ſind nicht Blumen, Flaumen des Schwanes, Hier wird kein wonniges Lager dich betten: Schneeſternenſchwärme, vom Wirbel getrieben, Winden um dich ſo dicht ihre Netze,

Schlingen in Feſſeln dich, ſo unauflösliche,

Daß ſie um dich, den Müden, Gefangenen, Lebenden, wie um die eigene Achſe,

Schütten den weißen Grab⸗Kurhan auf. Himmel und Erde ſchwinden dir; ringsum Kreiſen in Wolken herrnlos Atome nur,

Wehen ein Weilchen, eilen dann weiter. Schwindel erfaßt dich; dir ſcheint es, als fliegſt du Fort mit dem Wirbel, der dich umflochten,

Als ſei'ſt der Kern du neuen Weltkörpers,

Der noch umherſchwebt über dem Chaos,

Der noch auf Sphären nimmer geſtützt iſt,

Da noch ihm Gott nicht anwies ſein Ziel. Schlummer befällt dich; Traumesgebilde Mancherlei ſchweben nebelblau vor dir,

Bis auch ſie dichtes Dunkel verhüllet!

Möchteſt du einſt am Tag der Erſtehung

In des Propheten Heimath erwachen! 5

Haſt du die Steppen geſehen am L enzestag? Da lind ein Lüftchen berzog aus Mittag, Halme, die tief in der Erde ſich bargen,

Lüfte des Maien einathmend, ſproßten

Und in der Jugend grünes Gewand

Hüllten der Mutter welkenden Schoß?

Da, in der Höhe hangend am Himmel, Trocknend die Thränen des Winters, die Sonne Blendend, mit einem Blick üppig Leben Sandte der Welt mit dem Bund ihrer Strahlen, Die da, als fielen in Nebel ſie, ſpendeten Blumigen Regenbogen der Steppe?

Sah'ſt du das? Neige die Stirne, die ſtolze, Neig' ſie vor Dem, der mit Wundern umkreiſ't dich! Hier mit gewandtem, höfiſchem Bücken

Neigen in luftiger Schaar Anemonen ſich.

Iris, geſchmückt dort mit tiefblauem Turban, Blickt wie ein Sultan von oben herab nur

Auf all' die winzigen, zahlreichen Völker,

Die ihrem Stolze kriechend nur huldigen.

Und wie kokett lockt ſeitwärts die Roſe

Unter den Augen wachſamer Wächter, Gleichſam verſchloſſen im neidiſchen Harem, Sternaugen an ſich der Aſtern, Cyanen,

Und wie mild läuten die Glockenblumen

Ueber der Wiege der Lerchenkinder.

Doch was taucht auf da im Schoße der Steppen? Nein, der Blick täuſcht nicht, bläuliche Hügel Iſts ein Stück Himmels? Hat eine Zauberin Flugs eines Weihers Wogen gefeiet,

Daß ſie, ob Wind auch kraͤuſelt den Spiegel,

Doch in der Eb'ne zu wogen nicht wagen?

Rein! Der Erinnerung Blümchen: Vergißmeinnicht, Lockt deine Hand hier zu ſich vergebens;

Flicht auch der Geiſt daraus Kränze wohl tauſende, Könnteſt erfreu'n damit du auch die halbe Welt, Dennoch gar eng hier des Herzens Gebiet iſt: Niemand iſt hier, dem ein Blümchen du reicheſt. Schau doch! Was blitzt da? Brennen die Steppen? Quillt da auf grüner, ſauſender Woge

Plötzlich ein Holm von Korallen empor?

Blüht aus der Erde das Blut der Erſchlagenen Ueber Gebeinen, von Niemand gerächt?

Nein! Das ſind Lychnis in flammenden Kränzen, Das iſt der Steppe jungfräulich Friſchroth!

Menſchenleer iſt ſie, doch ſtill nicht, die Steppe; Weihe am Schoß nur der Schöpfung dein Ohr: Dieſes Gemurmel, das da wie Spinngeweb' Immer zerwehet harmoniſch in Toͤne,

Das ſind Geſpräche ganzer Millionen

In einer Welt unſichtbarer Weſen.

Und dieſer Duft, der mit der Staubfäden Leichtem Geweb' in den Balſamkreis zieht dich, Der wie ein Bote des Himmels erſcheint dir: Das iſt die Liebe, das Koſen der Blumen. Rings herrſcht die Liebe; im Athem der Blumen, In der Geſchöpfe Laut, im Geſange,

Selber vom Himmel tönet Gekoſe.

Haſt du ein Herz nur liebebedürftig, Tliegt der Gedanke ein Vöglein zum Himmel, Sucht ſeinen Stern dort, ſeinen geliebten.

Ha! In die Steppen. Nichts hindert uns! Weiter! Iſt's auch nicht ſtark, doch munter mein Roß iſt; Triften genug beut die üppige Steppe; Maimond erſt iſt es; Waſſer nicht mangelt; Hui, wie wir fliegen! Wer hält uns auf hier? Mitten im Wüſtenland ohne Grenzen?

Etwa der Rabe, der über dem Haupt mir Hungrig ſein Grablied eintönig krächzt? Etwa das leichte Gewölk dort am Himmel? Etwa der Steppe zahlreiche Hügel?

Kurhane ſind das, das einzige Denkmal,

Daß in dem Land hier Gaſt einſt ein Menſch war! Halt' an, mein Roß, hier ein Weilchen im Laufe, Ehrfurcht, gar tiefe, zoll ich dem Kurhan!

Wer ihn geſchüttet, weß Aſche er birgt wohl, Aſche des Helden, Aſche des Hirten?

Ob er die Spur iſt, da Chane der Vorzeit Führten die Horden? Wer gibt mir Antwort? Söhne des Landes fragt' ich ſie ſchwiegen; Fragt' die Geſchichte dunkle Nacht hüllt ſie; Geiſter rief an ich und aus dem Geiſterland Schwebten hernieder Schatten ſo viel wohl,

Als da die Sterne Strahlen mir ſenden.

IV. Jahrg Ke

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