Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
266
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Zur geſchichte der Erde').

III. Der Herzſchlag der Natur.

Nach Kant's unverwerflicher Lehre konnte in dem zer⸗ ſtreuten Zuſtande der Stoffe des Weltalls nicht einen Augenblick die Ruhe erhalten bleiben, wenn nicht alle Stoffe in völliger Gleichmäßigkeit im ganzen Weltraume vertheilt waren. Fand eine ſolche Gleichmäßigkeit ſtatt, ſo war ewig keine Störung der Ruhe, keine Bewegung, kein Werden der Welt möglich. So iſt zu ſchließen, daß Ungleichmäßigkeiten vorhanden waren. Wo auch nur zwei unermeßlich kleine Stofftheilchen näher bei einander ſchweb⸗ ten, da mußte Bewegung beginnen, indem ſich ein Mittel⸗ punkt des Zueinanderſtrebens der Schwere bildete, von welchem aus die Anziehung weiter und weiter ſich verbrei⸗ tete. Vermuthlich bildeten ſich zahlreiche Mittelpunkte. Aber auch dieſe Mittelpunkte mußten ihre Anziehung auf einander erſtrecken und ſich entweder im Gleichgewichte hak⸗ ten oder von einander abhängig machen. So konnte ſich ein Mittelpunkt aller Mittelpunkte bilden, ein Mittelpunkt des Weltalls, der Anfang einer Sonne aller Sonnen.

Von der Anziehung ergriffen, ſinken alle Theilchen je⸗ des zu dem ihm nächſten Mittelpunkte der Anziehung hin, und die Anziehungspunkte mit allen Theilchen, welche je⸗ dem derſelben gehorchen, ſinken zu kräftigeren Mittelpunk⸗ ten hin; das ganze Weltall iſt bewegt nach dem Geſetze der Schwere. Aber ſo wie die Anziehung begann, regte ſich auch das zurückſtoßende Streben der ſich meidenden Stoff

*) Nach: Erde und Ewigkeit. Die natürliche Geſchichte der Erde als kreiſender Entwicklungsgang im Gegenſatze zur natur⸗ widrigen Geologie der Revolutionen und Kataſtrophen. Von G. H. Otto Volger. Frankfurt a. M., Verlag von Meidinger Sohn und Comp. 1857.

Novellen⸗Zeitung.

theilchen, welche in der Bewegung des Sinkens ſich einan⸗ der näherten und vermöge der Fliehkraft zur Ausweichung getrieben wurden. Die Seitenbewegung des Ausweichens, gezügelt durch die ſinkende Bewegung des Strebens nach dem Mittelpunkte, mußte Wirbelbewegung erzeugen. Dieſe Wirbelbewegung, in welcher anfänglich jedes Stofftheil⸗ chen mit einem andern im Einzelkampfe ringt, mußte noth⸗ wendig, in Folge der gegenſeitigen Hemmung und Mitthei⸗ lung der Einzelbewegungen, mehr und mehr ſich verein⸗ fachen und endlich in eine allgemeine Wirbelbewegung aus ſchlagen, welcher, um einen gemeinſamen Mittelpunkt, die ganze Maſſe des Stoffes des werdenden Weltgebäudes, ſich anſchloß. Dieſer Wirbel drehte ſich der Zuſtand des gewordenen Weltgebäudes bezeugt es von Weſten gegen Oſten.

Die erſte Bewegung in der durch den unermeßlichen Weltraum zerſtreuten Maſſe war äußerſt langſam. Aber je mehr ſich die ſinkenden Mittelpunkte mit den zu ihnen hinſtrebenden Stofftheilchen dem allgemeinen Mittelpunkte der Anziehung näherten, um ſo mehr mußte die Bewegung beſchleunigt werden. Endlich wird der Zuſtand erreicht, in welchem die ausweichende Bewegung der zum Mittel⸗ punkte hinſtrebenden Bewegung das Gleichgewicht hält, die Gewalt des Schwunges das fernere Sinken verhindert, wie das Streben zum Sinken der Schwungkraft ſtraff die Zügel hält und ſie in wohlgemeßnem Kreiſe für alle Zeiten um den Mittelpunkt der Anziehung zu wandern zwingt.

Jeder der zahlloſen Mittelpunkte der Anziehung er⸗ reicht ſo früher oder ſpäter die Bahn ſeiner Kreisbewe⸗ gung. Aber die verſchiedenen Anſammlungen von Stoff⸗ theilchen, welche jeder Mittelpunkt an ſich gefeſſelt und ſeiner Botmäßigkeit unterworfen hat, beſitzen ſelbſt un⸗ gleiche Geſchwindigkeiten der Schwungbewegung, indem die dem allgemeinen Mittelpunkte genäherten Theile noth⸗ wendig eine größere Geſchwindigkeit erlangen als die, welche dieſem Mittelpunkte ferner geblieben. Dieſe Un

damals mit Recht an ihr als der Reiz ſüßer Weiblichkeit hervor⸗ gehoben wurde. Dafür freilich kann ſie ſelbſt nicht, wohl aber für das, was jetzt alsManier mehr und mehr bei ihr auftreten ſoll und deſſen Abweſenheit ſie gerade früher ſo vortheilhaft vor der Nachel auszeichnete. V Aus der Gegenwart.

Plaudereien aus Dresden. Künſtlerfeſt. Die großen Rivale. Schöne Seelen. Der Hauptſchluß dieſes Carnevals beſtand in dem Künſtler⸗ feſte, das durch ſeine Neuheit das Publicum mehr noch beſchäf⸗ tigte, wie es in München und Düſſeldorf der Fall iſt. Aller Anfang iſt ſchwer, das erwies ſich auch hier. Man traf die Vor⸗

V bereitungen ſo koſtbar, ſo ſchön, ſo glänzend, daß man nach Be⸗

ſtreitung der Koſten ein Deficit von 150 Thlr. in der Kaſſe fand, V eine Summe, welche nun von den jungen Söhnen der Muſen be⸗

ſtritten werden ſoll, die gewöhnlich nicht mit der Kappe Fortu⸗ nato's geſegnet ſind. Der Hof hatte ſich eingefunden, eine Chre, aauf welche man nicht gerechnet; ſie durfte gratis hingenommen werden, und da die Großen der Erde ſich nicht unter die kleinen Leute miſchen konnten, wurde ihnen eine Tribüne erbaut, von wo Jſiie auf das Treiben der bunten Menge herabſchauen konnten. Die Geſandten hatten für ſich die Freiheit beanſprucht, ohne Co⸗ V ſtüm erſcheinen zu dürfen, und die Vorſteher es ihnen geſtattet.

Das wird nicht wieder geſchehen. Die kleinen Diebe hängt man, V die großen läßt man laufen, ſagte der neue Anacharſis von den

Athenern; ſeitdem aber hat man in der Civiliſation Fortſchritte

gemacht, iſt viel zu fein geworden, um Jemand abzuweiſen, dafür aber läßt man ihn bezahlen. Wer den Zutritt zu einem ſolchen Feſte unter andern Bedingungen begehrt, wie es die Statuten vorſchreiben, zahlt zehn Thaler für ſein Billet und erkauft ſich damit dieſes Vorrecht. Auf dieſe Weiſe gleicht ſich denn Alles aus, ſelbſt ein Deficit in der Einnahme. Durch dieſe Maßregel würde man auch vielleicht in den Stand geſetzt, den unbemittelten jungen Künſtlern, welche ſich dies ihnen ſo gemäße Vergnügen verſagen müßten, freien Zutritt zu geſtatten; denn wäre eine ſolche Vergünſtigung irgendwie angebracht, ſo ſcheint es doch, als ſollte man hier zuerſt die Großmuth üben. Erfahrung macht weiſe! Man muß bei jedem Verſuche das Lehrgeld entrichten, und ſo auch hier.

Mehrere Wochen hindurch beſchäftigte ſich 3 nur mit dieſem Feſte; dann war das abgethan, und die gewöhn⸗ lichen Themata, Theater und Muſik, erhielten ihr Recht. Es iſt eigenthümlich, daß man in Dresden mit ſeinen Gedanken ſo ſelten über die Localintereſſen hinausſchweift, und dieſes Hangen an den kleinen Dingen des Tages miſcht dem geſelligen Tone etwas Klein⸗ ſtädtiſches bei, das dem Fremden auffällt. Schauſpieler geſtern Abend terhe tung an einem Theetiſche aus. Die Urſache davon liegt vielleicht in der Tagespreſſe, die freilich auch nur Localblätter bringt und

ſt. Dies Feuilleton aber wird von Damen am liebſten geleſen und was die Welt in ihrer großen Weite bewegt, über dieſen kleinen Tagesneuigkeiten gänzlich vergeſſen. Alles lebt hier fein abgeſondert für ſich, be⸗ ſchäftigt mit dem, was ihn individuell angeht und ihm Unterhal⸗

die Geſellſchaft

daher durch ihr Feuilleton am reichhaltigſten iſt.

Wie dieſer oder jenet geſpielt, füllt oft die ganze Unterhal⸗

nich noch pun ſie

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