Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
265
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Nr. 17.

getrennt, dennoch immer und unauslöſchlich in ſeinem Her⸗

zen leben würde. Ihr Vater! o wie ſeine ganze Seele

ſich vorwärts drängte in Liebe zu ihm! Und Ihnen verdanke ich doch mein Glück, mein lieber

treuſten Freund ſehen denn wenn Anna oder Lorenza nicht zu mir gekommen, meinen Rath, meine Hülfe zu er⸗ bitten, da hätt' ich doch nimmer mein Herzenskind gefunden. Wie es ſonſt geſchehen ſein ſollte, das wüßt' ich nicht, da ich, wie Sie wiſſen, mich nie in die Geſellſchaft miſche, meine ſtille Klauſe nur verlaſſe, wenn Berufsgeſchäfte mich hinausziehen und daß ich auf dieſem Wege meinem Engelchen begegnet wäre, glaub' ich nimmer. Bin ich nun auch weit entfernt in dem Allen ein Spiel des Zu⸗ falls zu ſehen, beuge ich im Gegentheil mein Knie in Dank⸗ barkeit und Verehrung vor Dem, deſſen weiſe, allmächtige Hand nach Jahren tiefen, nagenden Schmerzes Balſam in die Wunde träufelt und das Alter eines einſamen, verlaſ⸗ ſenen Mannes durch einen Sonnenſtrahl, eine herrliche Blume ſchmückt und erhellt ſo ſehe ich doch in Ihnen den Freudenbringer, ſo ſind Sie doch die mittelbare Ur⸗ ſache zum Wiederfinden meiner Tochter geweſen, und deſſen werde ich mich ſtets erinnern, und meine Dankbarkeit wird Ihnen nichts verweigern, was zu gewähren in meiner Macht ſteht.

Herrmann war zu verwirrt und betäubt von den ſchnell wechſelnden Ereigniſſen, um den Sinn dieſer Worte ganz faſſen zu können, und nicht kühn genug um zu glauben, daß ſich die Möglichkeit zu Erreichung ſeines Zweckes, der ihm das höchſte Ziel ſeines Strebens geſchienen, darbiete. Und als der Gedanke einmal plötzlich durch ſeine Seele lammte da regte ſich etwas von dem ihm innewohnen⸗ den Stolze und lehnte ſich dagegen auf; ſollte man ihm vorwerfen, daß er ſich an ſie dränge, jetzt da ſie ſo hoch über ihm ſtand?

Nach einem Abſchiede, bei dem ſich trotz aller Ehrfurcht

Dritte folge.

der Thür rief dieſer ihn noch einmal zurück. ihm, es ſprach in ſeinen Augen für ſeinen Schützling, daß Ohlen, und deshalb mögen Sie ſtets in mir Ihren beſten, welche er einſt gehegt, mit keinem Worte erwähnte.

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dennoch vielleicht ihm unbewußt die Wärme ſeiner Gefühle kund that, beurlaubte ſich Ohlen von dem Prinzen. An Es geſiel

dieſer ſeiner Liebe zu Lorenza, der Wünſche und Hoffnungen, Wie mancher Andere möchte, kühn gemacht durch die weiche, glückliche Stimmung des hocherfreuten Vaters, dieſe gleich zu ſeinen Gunſten benutzt haben.

Wenn Sie irgend eine Botſchaft, einen Gruß für meine Tochter haben, Ohlen, ſo will ich gern der Ueber⸗ bringer derſelben ſein.

Der Prinz richtete ſeine klaren, durchdringenden Augen voll und ſcharf auf ihn und ſah, wie die Farbe auf des jungen Mannes Geſicht kam und ging, wie er aber, ſeine heftige Bewegung bekämpfend, ruhig ſagte:

Gnädigſter Herr, meine Dankbarkeit für Ihre groß⸗ müthige Verwendung, mein Leben zu retten, meine ſtete Ehrfurcht werden bis zu meinem letzten Athemzuge währen was aber hätte ich ſonſt noch der Prinzeſſin Lorenza zu bieten?

Brauſekopf und ſtolz dabei ſagte der Prinz lächelnd, als Ohlen das Zimmer verlaſſenaber ge⸗ rade der Stolz gefällt mir an ihm. Ehrfurcht! nun, die Lorenza müßte nicht ſolche Augen haben, wenn ſie nicht etwas anderes neben der Ehrfurcht erweckten. Ganz dien lich, daß die Beiden jetzt ein wenig getrennt werden, daß ſie erproben, ob die Liebe Stich halte, und etwas will ich doch mein ſüßes Kind für mich allein haben, ſpäter werde ich ſie dem jungen Herrn doch ſchon überlaſſen müſſen.

(Schluß folgt.)

iicch gelegene Altenburg, welche ſie bewohnt, zu einem Sammel⸗ blatz der Geiſter und Herzen zu erheben wußte. Die Erinnerungen an das, was ſie über die Rachel und Riſtori zu ſagen vermochte, nnhmen plötzlich bei mir eine lebendige Geſtaltung an, als ich die litztere, die ich damals noch nicht kannte, in jüngſter Zeit bewun⸗ den lernte, und ſo entſtand dieſe dramaturgiſche Skizze unter meinen Händen, die ich mit dem Namen der geiſtvollen Frau zu

ligt, die Tiefen des Gemüthes erſchließt und, warmen Sonnen⸗ ſchein mit vollen Händen zu vertheilen weiß. Gleich einem Engel des Paradieſes wacht ſie vor den Thoren ihrer Gefühle, die wie aus Blumenkelchen hervorſpringen, die reinſte Idealität des Wei⸗ bes reflectiren und mit einer ſolchen Innigkeit der liebenden Seele

gegeben werden, daß uns die altgermaniſche Hochhaltung des Wei⸗

ſchmücken gewagt.

Die enthuſiaſtiſche, aber durchaus nicht geiſtloſe Darſtellung dim Frau Marr kommt auf folgenden Gegenſatz hinaus:

Die Elemente der Rachel waren gährender, auf⸗ lebender Art gleich jener unerforſchlichen Naturmacht, die auf Sonnenſchein Regen folgen läßt, die inmitten eines hellen, goldi⸗ zen Tages plötzlich Sturm und Wetter hineinſchleudert, Blüthen und Blumen niederſchlägt, Bäume entwurzelt, Bäche zu großen Se'n anſchwellen macht! Und wer fühlte ſich nicht durch die Lacht ſo ſtaunenswerther Erſcheinungen in ehrerbietiger Scheu eimalmt!? Die Rachel war ein derartiges Wunderwerk in der 4 nſt. Die Thränen, welche ſie uns entlockte, gefroren auf der Wange; die Seufzer, welche wir mit ihr ſeufzen wollten, erſtickten in unſerer Bruſt; ihr Schmerzensausbruch machte unſer Blut wſarren; das Dräuen ihres Zorns verwandelte uns zu Stein. Sehr Ihr ſie vor Euch ſtehen die große Tragödin des Kopfes wie aus Marmor gehauen, feſt und undurchdringlich, ſich ihre Kunſtwerke, ihr Publicum, ihre Kritik bildend, den Triumph einer wungenen Oppoſition durch alle Lande mit ſich führend; ein Rethus ihrer eigenen Genialität?

Stellt neben ſie nun die Riſtori! Sie präſentirt ſich uns als eine hochfühlende Menſchendarſtellerin, die uns anregt, beſe⸗

bes begreiflich wird! Die Riſtori iſt die größte Herzenskündigerin,

ſie iſt eine Apoſtelin der Liebe;

denn mit ſinnlicher Beweglichkeit,

mit blühendem Realismus enthüllt ſie uns die Myſterien des Ge⸗

b

müthes und der Leidenſchaft dergeſtalt, daß wir von einer Gluth umfächelt werden, als müßten wir wider Willen mit ihr lieben, und das weibliche Herz, welches unberührt vom Leben, von der Leidenſchaft blieb, wird ahnungsvoll ergriffen und erhält im Ge⸗ heimen Kunde von dem Daſein einer Liebesſeligkeit. DasEwig⸗ weibliche zieht uns zur Riſtori hinan, es ſchimmert ſelbſt in ihrem Haſſen mild hindurch; ihr Fluchen iſt ſo maßvoll und begrenzt, daß wir es ihrem zitternd⸗melodiſchen Ton, dem flüchtigen Blitzen ihres Auges abzunehmen vermögen, wie ihr dies Element nicht heimiſch iſt, wie ſie ſich immer in dem unmittelbaren Beſitz der göttlichen Gnade fühlt.

So nenne ich die Riſtori denn eine Tragödin des Herzens. Ihr Genius flattert auf den Schwingen des Gefühls, er ſonnt ſich an der wunderwirkenden Naturmacht der Liebe, er erquickt unſern trüben Sinn, er löſcht alles Trauern unſerer Seele aus und führt uns in den ſtillen Tempel unſerer weiblichen Gefühls⸗ welt ein. Welche von beiden Tragödinnen könnte nun die größte ſein, Rachel Felix oder Adelaide Riſtori?

In den Jahren ſeit ihrem erſten Auftreten in Frankreich und Deutſchland ſoll Frau Riſtori viel von dem eingebüßt haben, was