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G aus den Trüͤn be.— Er woll ſtiger Hand woll obte ſich die Va genen Familie ver die Anſichten, d ihm möglich wa wenn er eine ſeine Liebe, ſe
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ter war! dem Abende
Nr. 17.]
der kaum bezähmte Grimm von Neuem. Aber das Be⸗ wußtſein, es ruhe auch nicht ein Hauch auf dem reinen Na⸗ men des geliebten Mädchens, die kurze Zeit, welche ſie als Kind in einer nicht paſſenden Genoſſenſchaft verlebt, ſei ohne die leiſeſte Rückwirkung auf ſie geblieben— dies war das wirkſamſte Mittel, das geſtörte Gleichgewicht ſeiner Seele herzuſtellen und der Verleumdung den bitteren Stachel zu nehmen.— Und Clairmont hatte ſich zu einem ſo niedrigen, entwürdigenden Spiele gebrauchen laſſen; konnte er da noch auf den Namen eines Edelmannes An⸗ ſpruch machen, war er nicht zu gering, daß Ohlen Rechen⸗ ſchaft von ihm forderte? Dennoch durfte ihm ſein Thun nicht ungeſtraft dahingehen; auch ohne Anna's Namen, der ihm zu heilig war, mit in den Streit zu verflechten, würde Elairmont doch wiſſen, weshalb ihn die Züchtigung, die Herausforderung träfe.—
Eilig ging Ohlen nach der Stadt zurück. Kalt und ruhig, ſo gehalten wie immer betrat er den Saal des Ca⸗ ſino's, in dem wie gewöhnlich die Kameraden beiſammen waren. Die ſehr lebhafte Unterhaltung, welche einem Streite glich, verſtummte bei ſeinem Eintritt plötzlich, der beſte Beweis, daß er der Gegenſtand war. Mit einem Blick überſchaute er, daß Clairmont und ſein junger Freund Waldemar die eifrigſten Kämpfer geweſen waren, denn Beide ſahen glühend und erhitzt aus und ihre Augen ſchoſ⸗ ſen hin und wieder Blitze des Zornes auf einander.— Oh⸗ len's Kommen ſchien die Freunde zu überraſchen; beſorgte Blicke flogen von ihm nach Clairmont, der durch den Ge⸗ nuß des Weines, dem er eifrig zuſprach, in eine ſich immer ſteigernde Lebhaftigkeit gerieth. Mit einer würdevollen Ruhe, die etwas Imponirendes hatte, rief Herrmann Wal⸗ demar und einige der Anderen heran und begann mit ihnen Billard zu ſpielen. Aber gerade dieſe Ruhe, dieſe anſchei⸗ nend ſo vollkommene Sorgloſigkeit reizte Clairmont auf eine Weiſe, die ihn bald die Grenzen des Erlaubten über⸗ ſchreiten ließ.
Dritte Folge.
„Nun weiß man doch, warum das Engelchen, die Syl⸗ phide ſo reizend und ſchwebend tanzte, wenn man hört, daß die Peitſche es ſie gelehrt und die zarten Füßchen ſo flink gemacht hat“— begann er mit ſeinem heiſeren, ſarka— ſtiſchen Lachen, wie es ſchien den Faden der Unterhaltung da aufnehmend, wo er ihn beim Eintritt von Graf Ohlen fallen ließ.„Eine Sünde und Schande bleibt es doch, ſich ſo unter dem Schleier der Lüge in unſere Geſellſchaft einzudrängen, die doch wahrlich nach dem Ausſpruche manches weiſen Mannes und competenten Richters nicht gemacht iſt, Kunſtreiterinnen in ſich aufzunehmen. Die alte Lindau wird es zu verantworten haben, wenn allerlei Verderbliches für manche Schweſtern und Baſen daraus entſtand.— That die Kleine nicht, als ſei ſie die verkör⸗ perte Unſchuld? vor dem Nimbus, der ſie umgab, wurde man ganz ſcheu, und nun hört man von einem ſchönen Freunde, deſſen Tod der erſte, große Schmerz ihres Lebens war— wahrlich ſie hat früh gelernt, daß ſie ein Herz hatte.“
Todesblaß, wie gelähmt ſtand Ohlen da, die Lippen feſt zuſammengepreßt, die Augen zündende Blitze flammend. Ein Murmeln tiefſten Unwillens lief durch die Verſamm⸗ lung; ein Freund von Clairmont wollte dieſen zum Still⸗ ſchweigen, zum Fortgehen vermögen— aber vergebens; alle die unwilligen zürnenden Blicke ſchienen ihn noch mehr aufzureizen.
„Ich kann, ich will ſprechen“— rief er heftig—„hier iſt der Ort, wo ſo oft über Sängerinnen, Kunſtreiterinnen und dergleichen Frauen abgeurtheilt iſt; we will mich hin⸗ dern über dieſe, welche nicht beſſer iſt als jede andere, in der Art zu ſprechen, wie es mir gerade beliebt— ich will den ſehen, der mich daran verhindern ſoll!“
Ehe das Wort den bleichen, zuckenden Lippen entfloh, denn trotzdem ſich Ohlen gelobt Anna's Namen nicht in den
„Streit mit hineinzuziehen, ſo vermochte er doch nicht mehr
an ſich zu halten— als er vorwärts ſprang dem Elenden
erreicht das Engadin von der Felſenſchlucht von Finſtermünz an,
die es, als höchſte Stufe des ganzen Innlaufes, von deſſen tieferm tyroliſchen Thalgebiete trennt, bis auf Maloja, wo es ohne Berg⸗ Üwergang plötzlich in die lombardiſche Tiefebene abfällt, eine Länge von 18 Stunden.
Dort am Maloja hat es das Herz des rhätiſchen Fluß- und Lhalſyſtems erreicht. Die gleichen Gebirge, welche hier den dun⸗ tln ſchönen Spiegel des Silſerſees, aus dem der Inn als klarer, ſtahlblauer Bach hervorſtrömt, durch ihre Gletſcherbäche nähren, ſenden ihre Gewäſſer durch den Rhein der Nordſee, durch die Maira und Adda der Adria zu.
In ſolcher Weiſe dem Oſten wie dem Weſten gleich zugäng⸗ lich und offen, iſt das Thal nach Süden und nach Norden durch reſige Bergketten abgeſchloſſen. Nur an wenigen Orten tiefen ſich fährbare? gäſſe in die ſonſt mit Firn und ewigem Eiſe bepanzerten Vergrücken ab. Je einer von Norden und von Süden iſt in den bstvergangenen Jahren durch Kunſtbauten zum Verkehrswege zwiſchen dem Engadine und den Ländern deutſcher und italieni⸗ ſcher Sprache geworden.
Gletſchermaſſen von bisher unbekannter Ausdehnung, aus welchen Bergſpitzen von über 13,000 Höhe hervorragen, bezeich⸗ un hier die Stelle, wo die alpiniſche Bodenanſchwellung, von den Febirgen des Schwarzwaldes, den Hochebenen Bayerns und Nürttembergs allmählich anſteigend, ihre größte Höhe erreicht, um ldwärts faſt ſenkrecht nach dem tiefgelegenen, rebenbekränzten leſtlin abzufallen.
In der That bietet das Engadin die ausgedehnteſte und ſſchſte Bodenanſchwellung Europa's dar. Schon dieſer Umſtand ſellte dem Engadine das beſondere Intereſſe aller Geologen zu⸗
wenden, wenn er auch lange nicht mit der Fülle merkwürdiger Erſcheinungen verknüpft wäre, welche hier die maſſenhafteſten Serpentin⸗ und Graniteruptionen zwiſchen Triaskalken und räth⸗ ſelhaften Schiefergebilden in Berg und Thal zur Schau tragen.
Eine großartige, äußerſt leicht zugängliche Gletſcherwelt la⸗ det zu Gletſcherſtudien ein, die hier noch Niemand verſucht.
Von der ausgedehnten Thalſohle an begleitet uns hier durch Wieſen und Weiden, Wälder und Gebüſche, Trümmerhalden und Abſtürze eine ungewöhnlich reiche Vegetation bis auf die höchſten Gräte. Sie iſt gerade ſo weit bekannt, um ahnen zu laſſen, wie viel da noch zu finden und zu entdecken.
Noch birgt ſich hier in weiten finſtern Wäldern der einſame mürriſche Bär, noch beleben die flinke flüchtige Gemſe, das ſcheue Murmelthier die Alpenweiden und Felsgräte, um welche das ge⸗ ſellige Schneehuhn flattert, der Adler kreiſt. Säugethiere und Vögel des Engadin ſind in Tſchudi's„Thierleben der Alpenwelt“ meiſterhaft geſchildert, dagegen iſt die ſowohl an Arten wie an Individuen äußerſt entwickelte Inſectenfauna, deren Repräſentan⸗ ten nebſt mehrern Arachniden man noch auf den höchſten Spitzen antrifft, ſind alle die niedern Thierclaſſen des Engadin noch bei⸗ nahe unbekannt.
Die geographiſche Lage des Thalesean den Grenzen Italiens, woher in Sprache, Phyſiognomien und Sitten der Thalbewohner, wie in der gluthvollen Färbung des Himmels ſo mannigfache An⸗ klänge herübertönen und welches ſelbſt dem alpinen Pflanzentep⸗ pich noch einige ſeiner Blumen einflicht, ſeine Höhe über Meer und die eigenthümlichen Formen der dem Hochthale aufgeſetzten Gebirge, die mächtige Gletſcherwelt und damit in grellem Con⸗


