Na. 262 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. der ka ſchaut, als habe es ſo eines nie gegeben, als habe der liebe mit dem ſicheren Blick des Mannes, ob ſich aus den Trüm⸗ uufßiſ Herrgott eines ſeiner lieblichſten Engelchen herniedergeſandt! mern nicht doch noch das Glück retten ließe.— Er wollte, und — Und wie er um ſie getrauert, das brachte ihn dem Her⸗ er konnte es nicht verloren geben; mit kräftiger Hand wollte Kind zen des Prinzen noch näher.— Jetzt ſtand nun Lorenza er die Hinderniſſe hinwegräumen; er gelobte ſich die Vor⸗ aine vor ihm— welche es war, er wußte es nicht; vielleicht war urtheile zu bekämpfen, die ihm in der eigenen Familie ver⸗ das es gar eine Erſcheinung, ein Gebilde ſeiner Phantaſie. Er muthlich in den Weg treten würden— die Anſichten, den Sal ſtürzte näher, er konnte ſich nicht halten, er erfaßte ihre Willen der Eltern zu ehren, ſo lang' es ihm möglich war. Sta Hand— Lebenswärme durchſtrömte ſie; und mit dem, Aus⸗ Wenn aber alle Verſuche mißglückten, wenn er einem ſo ruf:„die Signora Lorenza!“ lag er zu ihren Füßen und in dieſem Falle ungerechten Vorurtheile ſeine Liebe, ſein on faſt ſinnlos vor Freude, küßte er ihre Kleider, ihre Hände. Heiligſtes opfern ſollte— dann war die Welt groß und fyn Für ihn ſchien Vergangenheit und Gegenwart in eins ver⸗ weit, dann würde er in der Ferne eine Stätte finden, den ſcha ſchmolzen, er gedachte nicht mehr der Jahre, die dazwiſchen eigenen Heerd zu bauen, zu dem Anna ihm folgen würde, nich entflohen waren— ſie lebte, die Signora, die Principeſſa,“ das Leben in ſeliger, geſegneter Vereinigung mit ihm zu iyn das Glück, der Abgott ſeines geliebten Herrn und Fürſten, tragen.— Mit dieſer neu angefachten Hoffnung, die ihn Cla ſie war wieder erſtanden!— mit Muth und Kraft erfüllte, überſchaute er die ganzt der Sachlage. Daß ein Bubenſtück dahinter verſteckt ſei, daß ſowohl Florita wie Clairmont die Hand dabei im Spielt ruh Mit jenem Briefe war Herrmann Ohlen davongeſtürzt; habe, von ihnen die ſinnentſtellenden, übertriebenen Ge⸗ ſino wohin, wußte er ſelbſt nicht— weit, weit fort ins Freie, rüchte ausgingen, die Anna geſchreckt hatten, dieſe Vermus pn daß es ihm vielleicht gelänge die Centnerlaſt, die auf ſeiner thung wurde mehr und mehr zur Gewißheit bei Herrmann. Str Seele lag, fortzuwälzen in dem Dahinſtürmen. Das Zuſammentreffen und Erkennen im Theater war kein iſ Still war's um ihn her, nur das welke Laub raſchelte, zufälliges, es war alles vorbereitet von dem Abende an, it wenn ſein Fuß darin wühlte; grau und ſchwer hing der wo Clairmont ihn ſtets von Neuem reizte und anſtachelte Wa feuchte Novemberabend über ſeinem Haupte— ächzend und ſeine Meinung ſo entſchieden auszuſprechen. Wußte er Bei klagend fuhr der Wind dahin durch die faſt entblätterten auch, was Florita vermochte ſein Verderben zu wollen, ſen! Bäume und ſchüttelte die dürren Aeſte, daß ſie trübſelig ſich an ihm zu rächen, ſo gelobte er ſich dennoch, daß Nie⸗(lars rauſchten. Die Natur vermochte heut keinen Troſt, keine mand je den Grund ihres Haſſes erfahren ſollte. Hatte ſii hin Ermuthigung einem todesbangen Herzen zu verleihen— auch den Pfeil geſendet und die Spitze noch in Gift unußd troſtleer and düſter war alles weit und breit in der tauchend geſchickt die Stelle getroffen, die ihn am tiefſten. FKeiaer Runde.— verwundete— denn die ganze Darſtellung ihrer Gemein⸗(Rube Der erſte, gewaltige Sturm ſeiner Seele hatte ausge- ſchaft mit Anna war berechnet, die Menſchen glauben zuidang tobt; die Ruhe und Klarheit, welche einen ſo bedeutenden machen, dieſe habe vielleicht erſt vor Kurzem den Cireus Vile Theil ſeines Charakters ausmachten, hatten wieder die verlaſſen,— an ihr wollte er ſich doch nicht rächen.— V nend
Oberhand über die erregten Leidenſchaften errungen. Er Gedachte er freilich der Frage:„ob Anna den Verluſt des
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freche Hand das Liebſte zertrümmert hat— er überſchaute radezu die Ehre ſeiner Geliebten angriff— dann regte ſich
wüthete nicht mehr wie ein Jüngling, dem eine unberufene, ſchönen Freundes verſchmerzt,“ einer Frage, welche ge⸗ V ſchr
Zwei Trauerfälle hatten bald darauf das königliche Haus betroffen. Die Prinzeſſin Wilhelm erlag einem langjährigen ſchmerzhaften Uebel, und ihr Sohn, Prinz Waldemar, folgte ihr. Dieſer Prinz war eine eigenthümliche Erſcheinung. Blaß, ſchweig⸗
ſam, in ſich zurückgezogen, faſt menſchenſcheu, hatte er das Anſehen
eines jugendlichen Anachoreten. Ganz anders wie ſeine Vettern, ſchien er keine Freude an militäriſchem Wirken zu haben, ſelbſt die Wachparaden und Manöver, das Entzücken eines preußiſchen Prinzen, ließen ihn kalt. Dies war ein bedenkliches Zeichen. Da⸗
gegen ſah man den Sonderling öfters in dem Hauſe einer häßli⸗ chen, aber bizarren Frau. Ich bin ihm einige Mal begegnet, wenn er einſam durch die entfernten Gänge des Thiergartens wanderte, die hohe, ſchlanke Geſtalt in der hellblauen Dragoneruniform. Er ging bald darauf nach Indien, über welche Reiſe ein ausführliches
Tagebuch mit Zeichnungen herausgegeben wurde. Sein Tod kam Allen unerwartet, ihm ſelbſt aber, wie man ſagt, nicht. Nie werde ich den Morgen vergeſſen, wo man dieſen jungen Fürſten zu Grabe trug, der offenbar eine Exiſtenz geführt hatte, wie er ſie nicht mochte und wie ſie zur Entwickelung ſeines eigenthümlichſten We⸗ ſens nicht förderlich war. Er war die„Blume“ im Wappenſchild geweſen, die Schwerter, Löwen, Adler und wilden Männer gingen
ihn nichts an, er hatte an ſie keine Forderung und ſie keine an ihn. Hatte Preußen an Ludwig Ferdinand ſeinen„Bayard“, ſo hatte
es an dieſem bleichen, ſtillen, grübelnden Waldemar ſeinen Hamlet. Auch den Vater, den Prinzen Wilhelm, Oheim des Königs, nahm der Tod wenige Jahre darauf hinweg. Der Prinz war ein guter, lieber, verſtändig⸗ruhiger Herr, der ich glaube Niemand in den Weg getreten iſt und Niemand ihm. Der Maler Wach war ſein Jugendfreund. Der Bruder Waldemar's, der jetzige Admiral
c. exL Prinz Adalbert, iſt ganz von Jenem verſchieden, eine geſunde, diee friſche, heitere Natur. Die damals noch unvermählte Schweſten, tro die jetzige Königin von Baiern, war eine der lieblichſten Schön⸗ lüber heiten des Hofes. von — 2 2(Tha V Zur Länder⸗ und Völkerkunde. LThnn I Engadin. Herr Dr. Jakob Papon, Nitglied der ſchweizeriſchen na⸗ rund turforſchenden Geſellſchaft, hat eine Schilderung des Thales„En⸗ gadin, Zeichnungen aus der Natur und dem Volks⸗ ſllih leben eines unbekannten Alpenlandes“(St. Gallen meoſi Scheitlin und Zollikofer. 1857) herausgegeben. Als Beiſpi ſ ſahrt der Wärme, mit der der Verfaſſer ſeinen Gegenſtand erfaßt hal⸗ Pang und vielleicht als Hinweis auf ein intereſſantes Ziel zur begin⸗ llegto nenden Reiſeſaiſon, der manchem Touriſten willkommen ſein dürft, Kiſc laſſen wir die Vorrede hier folgen. Der Verfaſſer ſagt: ſier „Im äußerſten Südoſten des ſchweizeriſchen Alpengebitgei zwiſchen deſſen ſo oft beſchriebener, ſo häufig beſuchter Bergmat ielch und den ausgedehnten Berglanden des Tyrol, ſüdlich an die aud un h. bardiſchen Vorwerke des großen alpinen Gebirgswalles anſtoßend, Feir nach Norden von dem ganzen Labyrinthe der rhätiſchen Atpen Wit gedeckt, ſenkt ſich ein Thal von ungewöhnlicher Länge und Aus. gi dehnung, der Richtung der Hauptkette des Alpengebirges folgend, AMn zwiſchen deſſen höchſte Gebirgsmaſſen ein. Es iſt dies das Enga⸗ din, die Wiege des Innſtromes, der bei Paſſau die Waſſermengt Pech der Donau verdoppelt. d wollte Von Nordoſten nach Südweſten langſam und ſtetig anſteigen⸗ 1 —“B


