Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
236
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Todes entrückt wurde, bezeichnete Käſtner's beißender Witz nur allzu wahr in einem Reime, deſſen Schlußzeilen lauten:

8 5 7 Er wußte nur die Götter zu vergnügen, Drum ließen ihn die Menſchen ohne Brod!

Zwölf Jahre nach Keppler's Tode ward Iſaak Newton geboren, der Mann, deſſen Grabſchrift in der Paulskirche zu London mahnt, die Sterblichen ſollen dem Himmel dan⸗ ken, daß eine ſolche Zier dem Menſchengeſchlechte zu Theil ward. Er fand aus Keppler's dreien Geſetzen ein ge⸗ meinſames höheres, welchem ſie alle gehorchen und welchem das ganze Weltall ſich fügt, jedes Sandkörnchen auf unſe⸗ rer Erde und jeder Sonnenball im Himmelsraume.

Das Laſten aller Körper auf dem Boden, das Fallen aller Körper, welchen man die Unterſtützung raubt, das Abſterben des ſtärkſten Wurfes, durch welchen man einen Körper, von der Erde fort, dem Himmel zuzuſchleudern ſtrebt, und die mehr und mehr ſich beſchleunigende Rück⸗ kehr des geworfenen Körpers zum Erdboden, alle dieſe uns ſo alltäglichen und vertrauten Erſcheinungen geben Kunde von einer in allen Körpern thätigen Kraft, welche ganz in ſolcher Weiſe auf die Körper einwirkt, als ob die⸗ ſelben aus einem inneren Willenstriebe zum Mittelpunkte der Erde hinſtrebten oder mit unſichtbaren Fäden in der Richtung zu dieſem hingezogen würden. Das Gewicht, welches ein Körper uns bei dem Verſuche ihn zu lüpfen fühlbar macht, iſt ein Ergebniß dieſer Kraft. Dieſes Ge⸗ wicht iſt ungleich, wie die Maſſe der verſchiedenen Körper. Die Maſſe iſt um ſo größer, je raumesgrößer ein Körper bei einer gewiſſen Dichtigkeit der Raumerfüllung durch ſeinen Stoff, oder je dichter ſein Stoff bei einer gewiſſen Raumesgröße iſt. Somit iſt ſtets die Maſſe eines Kör⸗ pers beſtimmt durch das Verhältniß ſeiner Raumesgröße zu ſeiner Dichtigkeit. Die Kraft, welche im Gewichte ſich äußert und welche mit ungleicher Schwere die verſchiedenen Körper zum Mittelpunkte der Erde hinzuziehen ſcheint,

Novellen⸗Zeitung.

wirkt im Verhältniſſe der Maſſe dieſer verſchiedenen Kör⸗ per. Man nennt dieſe Kraft die Schwere. Die Kraft der Schwere wirkt, wie am Boden, ſo auch

auf dem höchſten Baume, auf dem höchſten Thurme, auf

dem höchſten Berge. Aber, je höher der Ort alſo je weiter derſelbe vom Mittelpunkte der Erde entfernt iſt um ſo ſchwächer wirkt ſie. Die Bewegungen des Pendels beruhen auf der Schwere des Pendelgewichtes und ſeinem Beſtreben zu fallen. Die Beobachtung lehrt, daß die Schnelligkeit der Bewegung des Pendels abnimmt, je höher man mit demſelben ſteigt, ſo daß man durch Zählung der Anzahl der Pendelſchwingungen in einer beſtimmten Zeit am Fuße und auf dem Gipfel eines Berges und durch Vergleichung des Unterſchiedes beider Zahlen die Höhe des Berges zu berechnen vermag. Das Nachdenken der Forſcher beſchäftigte ſich zu Newton's Zeit beſonders lebhaft mit dieſen Aeußerungen der Kraft der Schwere; auch ſcheint es, daß verſchiedene Zeitgenoſſen Newton's bereits die Geſetze der Bewegungen der Himmelskörper mit denjenigen der Bewegungen des Pendels verglichen, und der Vergleich lag nahe, da die Bewegung des Pendels, wenn ſie durch einen Stoß oder Schwung verſtärkt wird, ſo leicht in eine völlige Umſchwingung um den Aufhängepunkt übergeht. Wie das Loth des Pendels durch den Faden oder die Pen⸗ delſtange an den Aufhängepunkt gefeſſelt iſt, ſo feſſelt die Schwerkraft alle Körper an die Erde. Eine Kugel an einem Faden, welche wir, den Faden feſthaltend, fortſchleu⸗ dern, wird durch den Faden an unſere Hand gefeſſelt, und ihre Wurfbewegung verwandelt ſich in einen Kreislauf um unſre Hand. Was würde mit einem Körper geſchehen, der durch das Band irgend eines inneren Triebes oder einer ihm mitgetheilten Kraft, wie durch einen unſichtbaren Fa⸗ den, an die Erde gefeſſelt, zugleich aber durch einen Wurf fortgeſchleudert würde? Kein Zweifel, daß er ſich im Kreislaufe um die Erde ſchwingen würde, wie die Kugel am Faden um unſere Hand. Der Mond ſchwingt ſich in

Conventionell. Als Vogelſcheuche geht er um, Der Rücken bucklig, die Beine krumm; Kälberaugen und Eſelsohren, Doch auf dem Brief:Hochwohlgeboren.

Hinreichender Grund. Das einzige ſchöne Weib, von dem kein Klätſcher ſprach, War Gräfin Lilienau von Roſenhag. Ihr Ruf blieb rein als wie von Schnee gewebt, Du fragſt, warum? Sie hat niemals gelebt.

Literatur. Aus und über Italien. Briefe an eine Freundin von N Schlüter. Zwei Bände. Hannover, Carl Rümpler. 57.

Bei dem ſo erleichterten Verkehr mit dem Süden wird das

Bedürfniß nach inſtructiven Reiſemanualen natürlich gewachſen ſein. Ein ſolches im beſten Sinne iſt vorliegendes neue Buch, 1 4 hender. Piſa, Genua, Turin, Arona, Pallanza ſind ſeine letzten

das den Werken von Stahr und Pecht direct an die Seite zu ſetzen iſt, dem letzteren wohl mehr noch als dem erſteren verwandt. Wie dort, ſo ſind auch hier mit gründlichem Eingehen, neben mehr ge⸗ legentlichen Landſchafts⸗ und Sittenſchilderungen, namentlich die Werke der italieniſchen Malerei mit großer Aufmerkſamkeit behan⸗ delt, und wir dürfen auch ſagen, freilich ohne durch eignen Ver⸗ gleich den Beweis ſtets führen zu können, mit großer Einſicht und

ſichtlich feinfühlendem und ernſtlich gebildetem Geſchmacke. Verf. nahm ſeine Reiſe von Coblenz über den Comer See und Mailand nach Venedig; hierſelbſt verweilte er den Winter vom 9. Oct. 1855 bis 18. April 1856. Tizian, Tintoretto, Palma Vecchio, Giovanni Bellini, minder bekannte Künſtler wie die Vivarini's, Vittore Carpaccio, Vincenzo Catena, Girolamo Santacroce, Giovanni Buonconſiglio, Rocco Marconi u. ſ. w. erhalten eigne Abhand⸗ lungen; die Architektur, in der Verf. nicht für Kenner von Fach gelten will, iſt nebenſächlich behandelt; dem Carneval iſt ein aus⸗ führliches, ſehr zart gehaltenes Capitel gewidmet. Der zweite Theil nimmt die Tour über Padua, Vicenza, Verona, Brescia, Mailand, Genua, und von hier zu Lande über Carrara nach Flo⸗ renz, wo ein zweiwöchentlicher Aufenthalt zu neuen Studien, na⸗ mentlich auch über Cellini, Anlaß gibt. Herr Schlüter iſt von Florenz nicht ſo ausſchließlich eingenommen wie Stahr, der ſich einen romantiſchen Uebertreiber nennen laſſen muß, weil er die Bogen der Loggia bezeichnet:geſchwungen wie die Wölbung des ſchönſten Frauenbuſens oder wie die Braue, welche das dunkle Auge der Circaſſierin überwölbt. Verf. des vorliegenden Buches iſt weniger Humoriſt und Enthuſiaſt als Stahr; er ſcheint zwar über Malerei noch detaillirtere Kenntniſſe zu beſitzen, aber ſo glänzend wie ſein Vorgänger ſchreibt er nicht, wenn auch einge⸗

Stationen, von denen er die Rückreiſe über den Lago Maggiore antritt. Das am Schluſſe beigegebene alphabetiſche Orts⸗ und Sachregiſter macht es leicht, die einzelnen Studien ſtofflich zu ordnen, und gibt Zeugniß von dem mannigfaltigen Reichthum derſelben. Dem Namen jedes behandelten Künſtlers iſt darin eine kurze Ueberſicht der Lebensdaten beigegeben. Jede neue

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