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Kreisbahnen um unſre Erde. Sollte ein unbekannter Faden ihn an die Erde feſſeln und irgend eine Wurfkraft ihn in ſeinem Kreislaufe umtreiben?— Könnte die Kraft der Schwere, die bis zu den höchſten Wolken wirkt, auch bis zum Monde wirken und könnte ſie es ſein, die den Mond an die Erde feſſelt?— Alle dieſe Fragen mußten einander folgen, und Newton verſuchte ihre Beantwortung. Er fand, daß die Kraft der Schwere wirkt im Verhältniſſe der Maſſen der Körper— er fand, daß dieſe Kraft ab⸗ wimmt mit der Entfernung und in dem Maße, daß bei zweifacher Entfernung die Abnahme(222⸗, alſo) vierfach, bei dreifacher Entfernung(323⸗, alſo) neunfach, bei vier⸗ facher Entfernung(424⸗, alſo) ſechzehnfach ſei und ſo fort, ſtets in ſich ſelbſt ſich vervielfältigendem oder„gevier⸗ tem“ Verhältniſſe,— und die prüfende Berechnung.ergab, daß die Bewegung des Mondes um die Erde eine ſolche ſei, wie wenn eine im Verhältniſſe der Maſſen wirkende und irn gevierten Verhältniſſe des Abſtandes an Stärke abneh⸗ mende Kraft denſelben an die Erde feſſele. Aber Newton ſand auch, daß nicht bloß der Mond mit einer ſolchen Kraft juir Erde hinſtrebe, ſondern auch die Erde zum Monde, vie wenn ſie vom Monde angezogen würde, aber ſchwächer, uls der Mond von der Erde angezogen wird, und zwar iw dem Verhältniſſe ſchwächer, als die Maſſe des Mondes geringer iſt als die Maſſe der Erde. Bei dem ſcheinbaren täglichen Umgange des Mondes um die Erde— richtiger der Umwälzung der Erde um ihre eigene Axe— ſammeln ſch unter ihm die Waſſer der Meere, und auf der vom Monde abgewandten Seite der Erde erheben ſie ſich gleich⸗ falls, weil ſie hier im gevierten Verhältniſſe der größeren Eutfernung ſchwächer zum Monde hingezogen werden. So intſteht unter dem Monde auf der ihm zugewandten und nuf dem entgegengeſetzten Theile der ihm abgewandten Seite der Erde die Fluth, während das übrige Meer ebbet, und mit dem Monde wandert die zweifache Fluth, wie zwei Waſſerberge, alltäglich um die ganze Erde. Alſo zwiſchen
Dritte folge.
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Mond und Erde wirken Kräfte, welche der irdiſchen Schwere gleichen. Aber die gleichen Geſetze verrathen, daß auch die Kraft, welche die Erde an die Sonne feſſelt und ſie wie die übrigen Wandelſterne ihren Rundgang um dieſes Geſtirn zu wandeln zwingt, der irdiſchen Schwerkraft gleichartig ſei, und daß alle Umläufe aller Geſtirne unter dem Ein⸗ fluſſe dieſer nämlichen Kraft ſtehen. Newton fand auch, daß nach den Geſetzen dieſer Kraft die Größe und die ge— genſeitigen Abſtände und die Umlaufszeiten aller Wandel⸗ ſterne geordnet ſeien, und ſo durfte er ſchließen, daß ohne Zweifel auch jenſeit unſerer Sternengruppe die Größen, Abſtände und Umlaufszeiten anderer Sonnen und ihrer Wandel⸗- und Folgeſterne und das ganze Weltgebäude durch dieſe nämliche Kraft, welche Körper auf Körper ausübt, geordnet ſei und erhalten werde. Er fand, daß in dem Geſetze dieſer Kraft alle jene drei berühmten Keppler'ſchen Geſetze enthalten und aus ihm ableitbar ſeien, und ſo ſtellte er, an deren Statt, im Jahre 1687 in einem Werke von wunderbarer Vollendung das Geſetz der allgemeinen Schwere dar.
Die Erde dreht ſich von Weſt gegen Oſt um ſich ſelbſt deshalb ſcheint täglich die ruhig an ihrem Orte verhar rende Sonne in entgegengeſetzter Richtung über uns dahin⸗ zugehen— wie man in ſanfttreibendem Nachen die Bäume des Ufers neben ſich vorübereilen zu ſehen glaubt. In der gleichen Richtung von Weſt gegen Oſt kreiſt im Laufe eines Monates der Mond um die Erde, eine Bewegung, welche verurſacht, daß der Mond nicht ſo regelmäßig wie die Sonne in Folge der Umwälzung der Erde täglich uns auf⸗ zugehen und über uns dahinzugehen ſcheint, ſondern daß er täglich etwa um eine Stunde ſpäter uns ſichtbar wird. In der gleichen Richtung von Weſt gegen Oſt ſchwingt ſich die Erde in ihrem Jahreslaufe um die Sonne. In der gleichen Richtung von Weſt gegen Oſt wälzen ſich um ſich ſelbſt und rollen um die Sonne alle anderen Wandelſterne und kreiſen die Folgeſterne um die W andelſterne, welche
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3 gegnung des geiſt⸗ und kenntnißreichen Verfaſſers auf literari⸗ ſchem Gebiet würde dem Publicum zum Gewinn gereichen.
Eine neue elegant ausgeſtattete Miniatur⸗Ausgabe der be⸗ imene Erſcheinung
Ausgewählte Schriften von Emile Souveſtre.— Zweiter Band: Aus dem Lebeneines Handwerkers. Deutſch aon P. H. Sillig.— Zweite durchgeſehene Auflage.— Leipzig, dermann Coſtenoble. 1857.
Vor einigen Monaten haben wir den erſten Band dieſer aus⸗ pählten Schriften unſern Leſern empfohlen, welcher die von der Pariſer Akademie gekrönte Schrift enthielt: Der Philoſoph in de Dachſtube, Tagebuch eines Glücklichen. Souveſtre wird heute ſoch mehr als damals einem großen Publicum eine willkommne ſettüre, da jede Zeile, die er ſchreibt, darauf binausgeht, wie das Glück nicht im Luxus, nicht im raſchen leichten Erwerbe, ſondern i der einfachen mühſeligen Arbeit und in Beſchränkung eines ſüchtgetreuen Lebens zu finden iſt. Wenn er in jenem Tagebuche in derartige Glück eines wiſſenſchaftlich Gebildeten, eines Phi⸗ dſepben, wie er ſelbſt ſagt, ausfindig machte, ſo ſchildert er uns hem zweiten Büchlein das Schickſal eines ſchlichten Handwer⸗ tr.; mit den Conflicten des modernen Lebens, wie ſie auch an Ann ſolchen herantreten, mit den Verführungen zur Genußſucht, au Müßiggange, zur Speculation, die der brave Pierre alle iberwindet, um nach mannigfachem Wechſel der Verhältniſſe end⸗
lich doch zu einer wohlverſorgten Häuslichkeit, einem liebenden Weibe, wohlerzogenen Kindern und einem„fleckenloſen Alter“ zu gelangen, das er ſelbſt als„das Beſte unter allen Umſtänden“ bezeichnet. Seine letzte Sorge iſt die, daß ſein erwachſener Sohn, von der alle Schichten durchdringenden Bildungsſucht fortgeriſſen, Literat werden will; er erlebt aber noch ſeine Bekehrung zum tüch⸗ tigen zufriedenen Handwerker und ſchließt ſein Tagebuch mit der Wahrheit:„Einem Jeden wird im Alter zu Theil, wozu er in der Jugend den Grund legte und was er in reiferen Jahren feſt⸗ zuhalten ſich ernſtlich bemühte.“
Miscellen. Säufer⸗Heilung.
Unter den vielen Mitteln, welche bereits in Vorſchlag gebracht worden ſind, um Säufer von ihrer unglückſeligen Leidenſchaft zu beilen, dürfte das folgende als vollkommen probat zu empfehlen ſein,— wenigſtens bei dem Militär, wo deſſen Anwendung ledig⸗ lich von dem Willen des Vorgeſetzten abhängt. Denn im bürger⸗ lichen Stande dürften die Angehörigen des Säufers wohl ſelten in der Lage ſein, das Mittel mit der erforderlichen Conſequenz zur Anwendung bringen zu können. Jedenfalls hat es ſich bereits praktiſch bewährt.
Ein ausgezeichneter Officier übernahm das Commando eines Regimentes, bei dem das Laſter der Trunkenheit auf eine furcht⸗ bare Weiſe eingeriſſen war,— tbeils in Folge der vor nicht gar
langer Zeit erfolgten Verſetzung in ein Weinland, wo dieſes edle


