Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
235
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Nr. 15.

Kant, dieſer ewige Stolz des deutſchen Volkes, dieſer leuch⸗ tendſte Stern des vorigen Jahrhunderts, war kaum aus dem Kreiſe der Lebenden geſchieden. Wohl nenne ich's eine glückliche Eigenſchaft unſeres Stammes, das Treffliche ohne Vorurtheil aufzunehmen auch von fremden Völkern, die Früchte des Geiſtes zu ſammeln von allen Feldern, Alles zu prüfen und endlich wenn auch oft erſt nach langer Ungerechtigkeit gegen die eignen Söhne das Beſte zu behalten. Wohl bin ich weit entfernt Frankreichs Kin⸗ dern die großen Leiſtungen ihres La⸗Place zu mißgönnen. Aber Unwiſſenheit nur oder Verrath am Vaterlande kann den Namen unſeres Kant verſchweigen, wo für den Erden⸗ ker der Geſchichte des Weltenbaues der Name von La⸗ Place genannt wird. Ganz die nämliche Anſchauungs⸗ weiſe über die Entſtehung der Sternengruppe unſerer Sonne, welche La⸗Place entwickelte, legte Kant bereits vor hundert Jahren(1755) in einem eignen Werke dar und gründete dieſelbe ganz auf die nämlichen Verhältniſſe; aber weit mehr noch als dies, Kant zeigte auch, daß dieſelbe Anſchauung, auf ganz denſelben Grundlagen fußend, ſich nicht bloß auf die kleine Sternengruppe unſerer Sonne, ſondern auf alle Sternengruppen und Sonnengruppen und auf alle Sternenwelten und das ganze Weltall anwenden laſſe, und gab er ſeineAllgemeine Naturgeſchichte des Himmels, wie er ſein Werk nannte, auch ſelber nur für eine Vermuthung und Unterſtellung aus, ſo hob er doch

hervor, daß dieſe Unterſtellung ſo vollkommen und allſeitig

mit allen Beobachtungen und Berechnungen über das Weltgebäude im Einklange ſei, daß man ihr faſt den Werth eines wiſſenſchaftlichen Ergebniſſes zugeſtehen müſſe.

Schon einige Weltweiſe des alten Griechenlands aus der

Dritte folge.

Joniſchen Schule, Nachfolger der Lehre des Thales

von Milet, hatten die Kugelgeſtalt der Erde, die Bewe⸗ gung derſelben um die Sonne und die wahre Bedeutung

der Geſtirne erkannt. Einſicht in die wirklichen Verhältniſſe des Himmels lange

Unter den Pythagoreern ſoll dieſe

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Zeit ſich erhalten haben. Späteren Zeiten war ſie gänz⸗ lich wieder entſchwunden. Das Mittelalter, welches die Wiſſenſchaft weder über, noch neben den Glaubensſätzen der Religion, ſondern einzig im Dienſte derſelben duldete, vermochte nicht ſie wieder zu gewinnen. Aber von der auflodernden Flamme der Neuzeit war dieſe Einſicht einer der erſten zündenden Funken. Ein Deutſcher, Heimaths⸗ genoſſe von Kant, der Domherr Nikolaus Köpernick(Co- pernicus, 1543) ward der Gründer einer gänzlich neuen Himmelskunde, indem er in einem Werke, deſſen Druck ihn noch auf dem Sterbebette erfreute, nachwies, daß unſere Erde nicht der Mittel⸗ und Angelpunkt des Weltalls ſei, ſondern daß ſie ein Wandelſtern, neben den Wandelſternen Mercur, Venus, Mars, Jupiter und Sa⸗ turn den einzigen, welche jener Zeit und bis zum Ende faſt des vorigen Jahrhunderts bekannt waren, und daß alle dieſe Wandelſterne in theils engeren, theils weiteren Kreiſen ſich um die im Mittelpunkte ihrer Bahnen feſt⸗ ſtehende Sonne bewegen, während der Mond, als Folge⸗ ſtern der Erde, in engerer Bahn dieſe umkreiſt und treu auf ihrem Sonnenumgange ſie begleitet.

Die genaueren Geſetze, weder der Geſtalt der Bahnen der Wandelſterne, welche nicht vollkommene, ſondern aus⸗ gelängte Kreiſe ſind und einerſeits die wandernden Welt⸗ körper der Sonne näher vorüberführen und andererſeits ſie weiter von derſelben abſchweifen laſſen noch der Zeitverhältniſſe, in welchen jeder Wandelſtern die verſchie⸗ denen Theile ſeiner Bahn in der Sonnennähe und in der Sonnenferne mit ungleicher Geſchwindigkeit durchläuft noch der Wechſelbeziehungen, in welchen die mittleren Ab⸗ ſtände der verſchiedenen Wandelſterne von der Sonne zu ihren ganzen Umlaufszeiten ſtehen dieſe drei wichtigen Geſetze fand Köpernick nicht. Erſt Keppler fand ſie, ein neuer Stolz unſeres Volkes und ein ewiger Vorwurf; denn ſein trauriges Erdenloos, dem er im Jahre 1630, den ſchwerſten Entbehrungen erliegend, durch die Hand des

Jeder Hieb iſt nach der Regel,

Trifft er eines Narren Kopf.

Nur beſcheiden. Oft von der Welt gehört zu werden, Iſt ſchon beneidenswerth; Doch oft von ihr verſtanden werden, Iſt allzuviel begehrt.

Beſcheidenes Vergnügen. Vergleichen, wetten und Räthſel rathen Iſt kleiner Geiſter Schweinebraten.

Grundbedingung.

Wer nicht lieben und nicht haſſen und ein Schwert nicht ſchwin⸗

3 gen kann, Hat vielleicht Talent zu Vielem, aber kein Talent zum Mann.

Gewinn in Beſchränkung. Wer ſich nicht froh begnügen mag, Dem iſt nicht wohl bei Nacht und Tag, Und von des Jahres Stunden Will keine ihm recht munden:

Wer ſich jedoch am Kleinen erfreut,

Den ſegnet das Größere allezeit.

Naturgabe. Den eitlen Gecken ſpielt gar mancher Mime leicht: Er ſpielt ſich ſelbſt und hat ſein Spiel erreicht.

Den Schmähern der Loge. Schon wieder ein Buch über's Maurerthum? Man muß euer Urtheil parteilos nennen! Ihr ſprecht gegen Dinge von Würde und Ruhm Und ſeid ſo frei, ſie nicht zu kennen. Brav! dieſer moderne Fortſchritt, Der ſtolz in Ochſenleder aufrecht geht, Bringt manches bornirte Wort mit, Das, ſeid ihr todt, noch feſt wie Ochſe ſteht.

Einem Bücherfreunde. Geliehene Bücher wiederzugeben Wird oft verſäumt von Jungen und Alten, Denn leichter iſts, die Bücher ſelber, Als was darin ſteht, zu behalten. Schlimmer Gewinn. Wer durch des Argwohns Lupe ſchaut, Sieht Raupen ſelbſt im Sauerkraut.

Das Ganze der Aeſthetik. Ein einzig Kunſtſyſtem bleibt ewig neu⸗ Natürlichkeit und viel Genie dabei.

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