Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
233
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Jahrg.

ahin, um wohl s ſchäme ſich ng ihrer Seele Nacht in ihre Augenblick zu⸗ Hand nieder⸗ ndem ſie ihr Nlammen auf⸗ ta, die wilde, ubermacht ſich und die nun en Weg ſtellt, kaltem Blute vas ſich ihrer . der ſie ver⸗

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eiferſüchtigen Frau entſpringen konnte. Clairmont l'uſchte mit einem Gemiſch von Staunen und Bewunderung inem Plane, der, kühn angelegt, mit Klarheit und haarſe fer Deutlichkeit vor ihm enthüllt wurde.

Wollen Sie die Rolle darin übernehmen, di Ihnen zutheile, Baron Clairmont? Wenn das Ganze ge⸗ lingt, wenn Graf Ohlen geſtraft, ins Verderben geführt iſt dann will ich Ihren Wunſch erhören, Ihre Hand an⸗ nehmen, Ihr Weib ſein!

Sie ſprach mit einer Hoheit, einer Herablaſſung, als erwieſe ſie ihm die größte Gunſt, als erhöbe ſie ihn zu ſich, während es doch nach den herkömmlichen Begriffen gerade der umgekehrte Fall war und er nur durch ſeine maßloſe Leidenſchaft verblendet ihr ſeine Hand geboten. Er em pfand es voll Bitterkeit, er mußte ſie jetzt noch als Meiſte⸗ rin anerkennen, er vermochte es nicht die Feſſeln abzuſtrei⸗ fen, dennoch ſelbſt in dieſem Moment, als er ganz Liebe war, als er ſein Entzücken, ſeine Dankbarkeit ausſprach gelobte er ſich, ſie einſt entgelten zu laſſen, wie ſie ihn ge⸗ demüthigt. Jetzt aber ergriff er die dargebotene Rechte, ind der Pact war geſchloſſen.

Lärmend ſtürmten, vielleicht eine Stunde ſpäter, die Officiere die Treppe des Caſino's hinauf, und die bisher ſo ſtillen Räume, in denen Ohlen ſinnend auf⸗ und abge⸗ wandelt war, tönten jetzt von lautem Lachen, luſtigen, oft leichtfertigen Scherzen wieder

Schon hier, Herr Graf? rief Einer der Eintre⸗

tendenwaren Sie nicht bei dem Ständchen, das der

göttlichen Florita ſo eben gebracht wurde? Sagen Sie nie,

daß Sie jemals Schönheit geſehen haben, wenn Sie heut

Abend Florita nicht erblickt, wie ſie von dem rothen, ma⸗ giſchen Glanze der Fackeln beſtrahlt, von den weißen Ge⸗ wändern wie von duftigen Wolken umfloſſen auf den Bal⸗

kon trat und ſich mit dieſer ihr eigenthümlichen Art ver⸗ neigte, dieſer ſtolzen Hoheit, die uns faſt glauben machen könnte, ſie erwieſe uns eine Ehre, daß ſie unſere Huldigung duldet. Wahrhaftig, Ohlen, Sie thun mir leid, daß Sie dieſen gottvollen Anblick entbehrt haben; mir iſt noch ganz ſentimental zu Muthe, ich könnte beinahe zum Dichter wer⸗ den vor dieſem Götterbilde und ſo etwas vonSonne und Wonne,Mond und jadda ſitze ich ſchon feſt und finde kein Hauptwort, das ſich auf Mond reimt, nein, zum Poeten bin ich doch nicht geſchaffen, deſto mehr zum Be⸗ wunderer der Schönheit. Daß Sie aber den Hochgenuß entbehrt haben, Florita zu ſehen

Sparen Sie Ihr Bedauern, Kamke, entgegnete Ohlen lachendich frage nichts nach dieſer Schönheit, mich würde ſie niemals zum Dichten begeiſtern, wenn ich auch außerdem vielleicht einen paſſenden Reim auf Mond fände.

Aber wirklich, Herrmann, Du ſprichſt ſtets mit einer Geringſchätzung von Florita, oder ſprichſt eigentlich gar nicht von ihr, ſondern blickſt nur verächtlich darein, daß man glauben könnte wenn man es nämlich nicht beſſer wüßte Deine Eitelkeit habe einen großen Stoß durch ſie erlitten. Und doch ſcheint mir das nicht der Fall. Man iſt doch nicht blind und nicht ganz auf den Kopf ge⸗ fallen, daß man nicht bemerkte, wie die hellſten Strahlen dieſer wunderſamen Augenſterne immer nach einer Richtung gehen, wie alle Pfeile auf einen Gegenſtand abgeſendet werden und doch ihr Ziel verfehlen. Ich wollte Dich ſchon bitten, Herrmann, mir ſtets einen Platz an Deiner Seite einzuräumen, damit etwas von den Zauberblicken auf mich fiele, die endlich ermüdet von dem vergeblichen Ringen, Deine Aufmerkſamkeit zu gewinnen, vielleicht mit demſelben Ausdruck auf mir haften blieben ich wollte ſie ſchon beſſer würdigen als Du, Vandale. Hörſt Du, laß mich in Zukunft als Blitzableiter neben Dir ſtehen, Herr⸗ mann!

ſehr nöthig brauchen, wenn Sie durch die Rückzahlung in große

Verlegenheit geſetzt würden. Wenn ich Ihnen dagegen 100 Fr. überſende, ſo darf ich überzeugt ſein, daß ſie mir nie fehlen werden; Sie können es daher mit der Wiedererſtattung ganz nach Ihrer Bequemlichkeit halten. Empfangen Sie daher anliegend dieſe Summe und mißdeuten Sie mich nicht. Mit aller Achtung Rachel. Iſt das nicht eben ſo geiſtreich wie gewandt?

Von der unerſchöpflichen Kraft, welche die dramatiſchen Künſtler auf ihren Kunſtreiſen beſitzen und was ſie da für unerhörte, ja unglaubliche Anſtrengungen auszuhalten vermögen, davon gibt das Leben der Rachel ein merkwürdiges Beiſpiel.

Im Sommer des Jahres 1848 ſpielte ſie 87 Mal in 90 Ta⸗ gen und an 21 verſchiedenen Orten. Eines ihrer Mitglieder, Alexander Firmin, wurde krank. Man konnte nicht liegen bleiben, um ihn zu pflegen; er mußte die Diligence beſteigen. Am Abend hatte er in dem Moineau de Lesbie zu ſpielen. Es wurden ihm während des Fahrens auf der Imperiale des Wagens Blutegel geſetzt, und am Abend ſpielte er wirklich; aber er konnte ſich nicht ſetzen.

Während dieſer Kunſtreiſen wurde der Schauſpieler G. als

Theramen in der Phädra ausgepfiffen. Er trat gegen die Rampe

vor und ſagte zu dem Publicum:

noch einmal ſagen. Und Phädra⸗Rachel, die in der Couliſſe ſtand und darauf

wartete das Gift zu trinken, das Medea ihr bringen ſollte, lachte, daß ſie ſich die Seiten halten mußte.

Es war in Draguignan, und wieder in der Phädra, als The⸗ ſeus⸗Fleuret, durch die übermäßige Anſtrengung erſchöpft, wäh⸗ rend der ſchauderhaften Schilderung, die Theramen ihm von dem Tode ſeines Sohnes Hippolyt entwirft, ſo feſt einſchlief, daß er mit einem derben Puff in die Seite aufgeweckt werden mußte, um tief ergriffen die Worte auszurufen:

Mein Sohn, die theure Hoffnung, die ich ſo geopfert!

Es iſt eine merkwürdige, wir möchten beinahe ſagen, eine fa⸗ taliſtiſche Thatſache, daß auf dem Theaterzettel, durch welchen das letzte für Charlestown beſtimmte Auftreten der Rachel ange⸗ kündigt wurde, die Worte ſtanden: Mademoiſelle Rachel wird heute ganz beſtimmt zum letzten Male auftreten.

Es ſollte nicht bloß ihr letztes Auftreten in Charlestown, nicht bloß ihr letztes Auftreten in Amerika, ſondern das letzte für ihr ganzes Leben ſein.

Von 1841 bis 1855 hat Dlle. Rachel nicht ein Jahr ohne einen Urlaub von zwei bis ſechs Monaten vorübergehen laſſen, den ſie benutzte, um die Provinzen und das Ausland auszubeuten. So hat ſie Frankreich, Italien, ganz Deutſchland und einen Theil

dſ blicu von England bereiſt. Außerdem brachte ſie ein ganzes Jahr(1853 Sie haben Recht; ich ſprach das ſehr ſchlecht; ich werde es

bis 1854) in St. Petersburg und ein zweites(1855 bis 1856) in Amerika zu. Ohne Zweifel ſind es eben die übermäßigen kör⸗ perlichen Anſtrengungen und geiſtigen Aufregungen, welche die

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