Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
222
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auf Papier, auf den lithographiſchen Stein ſchreibt und das Original durch den Druck beliebig vervielfältigen läßt. Das Correſpondenz⸗Zeichen L. C., das Sie jetzt in vielen Zeitungen finden, ſagt Ihnen, daß die betreffenden Nach⸗ richten derlithographirten Correſpondenz entnommen ſind, die ſelbſt die größern Journale, zur Ergänzung ihrer Privatnachrichten, ſich halten müſſen. Das berühmteſte Büreau für derartige Steindruckbriefe iſt in London; Dr. Max Schleſinger, ein ſehr geiſtreicher und gewand⸗ ter Schriftſteller, iſt der Chef deſſelben. Ich bin nun zwar ebenſowenig ein Schleſinger, als Sie Beide Zeitungs⸗Re⸗ dacteure ſind. Aber in unſerm gegenſeitigen Verhältniß findet ſich doch eine gewiſſe Aehnlichkeit. Es liegt Ihnen offenbar mehr daran, daß Ihnen Ihre Fragen überhaupt beantwortet werden, als daran, daß Sie allein dieſe Ant⸗ worten erhalten. Nun weiß ich aber aus Erfahrung und im Verlauf meiner Correſpondenz werde ich Ihnen mancherlei Belege dazu bringen, daß nicht Sie allein, ſondern gar Viele mit Ihnen, auf die von Ihnen geſtell⸗ ten und dieſen verwandte Fragen bis jetzt vergeblich nach einer Antwort ſuchten, wie ſie Ihren Wünſchen und Be⸗ dürfniſſen entſprechend geweſen wäre.

An dieſe erlauben Sie mir freundlichſt mit Ihnen zugleich zu ſchreiben, indem ich einelithographirte muſi⸗ kaliſche Correſpondenz eröffne, die, zunachſt an Sie adreſſirt, auch Anderen, die ſie leſen wollen und brauchen können, zugänglich ſein ſoll. Wir haben uns ja keine Ge⸗ heimniſſe mitzutheilen! Im Gegenthei! mag alle Welt hören, was ich Ihnen zu ſagen habe. Ob ich mich hierzu der Autographen, der Lithographen oder der Setzer bediene, i*ſt für Sie, wie für die Sache, ja völlig gleichgültig.

Und ſomit für heute Gott befohlen! Unerſchüt⸗ terlicher Glaube an die göttliche Sendung, an das ewige Recht des Genius; aufopfernde Liebe für die heilige Kunſt und ihre reinen Zwecke; begeiſterte Hoffnung auf eine große Zukunft, die unzweifelhaft unſer iſt das ſei und

Novellen⸗

Zeitung.

bleibe unſer Wahlſpruch jetzt und immerdar, wie ich jetzt

und immer verbleiben werde Ihr treu ergebener Verehrer

gedicht von Carl Mund.

Vergebung.

Und wenn mir nichts mehr bliebe, Ich denke ewig dran:

Du haſt mit Deiner Liebe

Mir innig wohl gethan.

Der Himmel iſt verdunkelt,

Die Welt iſt wüſt und leer,

Kein Stern, kein Mondlicht funkelt Mein Herz iſt bang und ſchwer.

Nun iſt die Zeit gekommen, Daß ich verlaſſen bin, Daß Alles mir genommen, Daß Alles nun dahin.

Nur noch fühl' ich den Segen Der Liebe über mir;

Ich will nicht Groll mehr hegen, Und ſo vergeb' ich Dir.

Ich will es ſtets ermeſſen, Wie Du mich einſt geliebt, Und lerne es vergeſſen, Wie Du mich ſo betrübt.

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Herren geſchoſſen hätten. Der Schreiber dieſer Zeilen hörte ſelbſt im Jahre 1815, wie der Fürſt Blücher, als zufällig die Rede auf ſeinen Doctorhut kam, ſich darüber luſtig machte und dabei ſeine gelehrten Herren Collegen, wenn ſie nicht mehr wie er von der Philoſophie verſtänden, mit Ehrentiteln belegte, welche die Herren Profeſſoren, wären ſie ihnen zu Ohren gekommen, gewiß als einen ſchlechten Dank für die Ehrenbezeigung betrachtet haben würden, die ſie ihm durch Verleihung des Doctordiplomes zu erzeigen beab⸗ ſichtigt und gemeint hatten.

Machte daher Fürſt Blücher jemals von ſeinem Titel Ge⸗ brauch, ſo kann er dies nur aus Scherz und als Selbſtverſpottung gethan haben.

Im Ganzen war der alte Herr ſo ſehr Soldat, daß er gegen Alles, was mit dem Civil zuſammenhing, eine gewiſſe Gering⸗ ſchätzung hegte. a.

Mannigfaltiges.

Von Johann Sebaſtian Bach iſt eine Phantaſieauf die Abreiſe ſeines lieben Bruders vorhanden,Fantasia sopra la partenza del dilettissimo suo fratello. Darin kommt 3. B. vor: Zureden der Freunde, ihn von ſeinem Vorſatze zur Reiſe ab: zubringen, Darſtellung der unterſchiedlichen casuum, ſo ihm auf der Reiſe arriviren könnten, Adagiosissimo: allgemeines La⸗ mento der Freunde, Aria del postiglione u. ſ. w.

Raimondi gab einſt im Jahre 1777 zu Amſterdam ein Con⸗ cert, worin die Abenteuer Telemachs muſikaliſch in einer Art von Symphoniedargeſtellt wurden, welche beinahe eine Stunde dauerte.

Außer dem großen Orcheſter war noch ein kleineres aufgeſtellt(un⸗ gefähr wie in Spohr's Doppelſy.hon d, darin jedes Inſtrument irgend eine Perſon des Fenélonſchen Lehrgedichtes darſtellte: Te⸗ lemach, erſte Geige Mentor, Violoncell(vermuthlich weniger der ſchmachtenden A-Saite, als der brummigen O-Saite wegen) Kalypſo, Flöte Eucharis, Oboe(auch nicht übel für die naſeweiſe Nymphen⸗Soubrette gewählt) Chor der Nymphen, die übrigen Blasinſtrumente. Es ſpectakelte das ganze Orcheſter und verſinnlichte einen Seeſturm. Wie die muſikaliſchen See⸗ ſtürme ausſehen, weiß alle Welt. Recipe: chromatiſche Scalen und verminderte Septimenaccorde. Der Raimondiſche Seeſturm ſoll auch in dieſer beliebten Manier getobt haben. Darauf accom⸗ pagnirtes Duettino zwiſchen der Geige und dem Violoncell, Tele⸗ mach und Mentor freuten ſich ihrer Rettung. Die Flöte(Kalypſo) trat hinzu und ſetzte der Geige mit ſchmachtenden Gängen zu, wurde aber von der Oboe, die ihr ins Gehege ging, nicht wenig geſtört. Leider gab die Geige, trotz alles warnenden Brummens des Violoncelles, der Oboe Gehör. Ein lamentoſes Flötenſolo mit theilweiſe eintretendem Tutti der Bläſer verſinnlichte Kalyſo's Klagen und Thränen und die fruchtloſen Troſtworte des Nym⸗ phenchores. Zum Schluſſe ſpectakelte das ganze Orcheſter noch einmal und arbeitete ſich ab einen Schiffsbrand auszudrücken, den man ohne Programm leicht für einen zweiten Seeſturm hätte halten können.

Der berühmte Girondiſt Vergniaud hatte eine ſo unüber⸗

windliche Abneigung gegen alles Briefſchreiben, daß er einſt auf

der Tribune von ſich ſagen konnte:Jen'écris jamais des Lettres.

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