Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
221
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V. Jahrg.

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2

Dritte

Klavier zu überſchauen. Aber dieſer Commentar exiſtirt noch nicht, den müßten wir alſo erſt ſchreiben.

Weiter:Sie ſind ſo glücklich geweſen, alle Orcheſter werke, die Liszt aufführte, zu hören? Beſchreiben Sie mir doch ungefähr den Eindruck, den ſie auf Sie machten; was iſt denn das beſonders Neue und Geniale an ihnen? Warum haben nur gerade ſeine Werke ſo viele Gegner?

Geſtatten Sie mir vor allen Dingen ein Buch darüber zu ſchreiben, meine Gnädige, das ich Ihnen mit Vergnügen dediciren will! Aber das ſage ich Ihnen im Voraus, daß kein Buch Ihnen den Eindruck erſetzen, nicht einmal be⸗ ſchreiben kann, den dieſe Werke auf Sie machen müßten.

Ganz erſchöpft nehme ich den Brief aus Zürich in die Hand. Es iſt als wenn beide Damen ſich gehört hätten und die freie Schweiz dem kaiſerlichen Rußland jetzt ins Wort fiele:Ich möchte ſo gern Klavierwerke von Liszt ſpielen. Aber was ich bis jetzt davon erhalten konnte, iſt ſo entſetzlich ſchwer, daß meine Dilettanten⸗Finger nicht durchkommen. Gibt es denn nichts Leichteres von ihm? nichts Vierhändiges? Er ſoll ja auch Lieder geſchrieben haben? Sie wünſchen alſo einen gradus ad Parnas- sum? Da muß ich freilich um einige Geduld bitten, denn das iſt in einem Vormittag nicht abgemacht.

Weiter.Ich möchte ſo gern das Neueſte und Beſte, was über Muſik geſchrieben wurde, leſen und womöglich auch beſitzen. Schicken Sie mir doch gelegentlich ein Ver⸗ zeichniß, oder noch beſſer, geben Sie mir dazu einige An leitung, wie ich leſen ſoll. Das Amt Ihres muſikali⸗ ſchen Bibliothekars iſt zwar höchſt ehrenvoll, meine wißbe⸗ gierige Zukunftsmuſikerin, aber ums Himmels willen, was würden meine Redacteure und Correſpondenten zu dieſen Briefpacketen an eine Dame ſagen?

Fahren wir fort.Sie haben Liszt ſo oft ſpielen und dirigiren hören erzählen Sie mir doch recht viel davon. Wie ſpielt er nur? Iſt es wahr, daß er nicht diri⸗ mliren kann? Was ſoll man denn nur glauben? Und r

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als ich, voll Verzweiflung, wo ich zu antworten anfangen ſoll, wieder nach dem Petersburger Briefe greife, entdecke ich dort noch ein niedliches Poſtſeriptum:A propos, es ſoll ja eine Biographie von Schumann erſchienen ſein. Schicken Sie mir das Buch, aber ſchreiben Sie mir zu⸗ gleich Ihr Urtheil darüber.

Meine Damen! Laſſen Sie mich Ihnen einen ganz unmaßgeblichen Vorſchlag machen. Sie ſehen gewiß ein, daß ſo, wie Sie ſich in Ihrem muſikaliſchen Exil das aus⸗ malen mögen, eine Privatcorreſpondenz mit Ihnen von mir nicht geführt werden kann. Aber auf eine andere

Weiſe ginge es wohl. Haben Sie ſchon von den lithogra⸗ phirten Correſpondenzen gehört, die jetzt in der Journa⸗ liſtik Mode ſind? Schwerlich denn was kümmern Sie die Journale!

Nun denn, ſo will ich Sie daran erinnern, daß in frü⸗ heren glücklicheren Zeiten, wo Zeitungen bei uns noch zu den Seltenheiten gehörten, viele vornehme und reiche Leute mit Schriftſtellern in Verbindung ſtanden, die ihnen aus den Centralpunkten der Cultur, namentlich aus Paris, regelmäßige Berichte über alle Vorgänge im Leben der

Kunſt, Viſſenſchaft und Geſellſchaft in Briefen ſandten. Nicht nur ein Friedrich der Große correſpondirte auf dieſe

Weiſe mit den erſten Gelehrten und Dichtern Frankreichs,

ſondern auch weniger Hochgeſtellte hatten ihre weniger be⸗ rühmten Correſpondenten.

Was in früheren Zeiten die reichen und vornehmen Leute, das ſind heutzutage die großen Journale. Dieſe halten ſich jetzt in allen europäiſchen Hauptſtädten ihre eigenen Correſpondenten, die ihnen übrigens Geld genug koſten. Die Journale aber, welche den Luxus nicht ſo weit treiben können, ſich ihre eigenen Schriftſteller zu kaufen, begnügen ſich mit lithographirten Correſpondenzen. Ein Correſpondent iſt dann in den Stand geſetzt, viele Zeitun⸗ gen auf einmal, und ganz zur gleichen Zeit, mit den neue⸗ ſten Nachrichten zu verſorgen, wenn er ſeine Briefe, anſtatt

Wiener Figaro.

Ein ſüddeutſcher Kladderadatſch, ſeinem Berliner Vorbilde

in Bezug auf Druck und Papier namentlich bis in die Einzel⸗

heiten gleichend, erſcheint ein neuerFigaro, humoriſtiſches Wo⸗

chenblatt, ſeit Anfang dieſes Jahres bei J. B. Wallishauſer in Wien, redigirt von M. v. Waldheim. Die Illuſtrationen von dem in dieſem Genre claſſiſchen Carl Reinhard, einem früheren Haupt⸗ mitarbeiter der Fliegenden Blätter, ſind zum Theil köſtlich, ſo z. B. die BlätterStunden der Täuſchung undder Zopfabſchneider kommt! Den Witzen des Textes merktiman zum Theil den erſten Flügelſchlag des lungen Lebens noch an und gar oft ſind ſie an Berliner Traditionen ſich anzulehnen genöthigt. Einzelnes iſt trefflich gelungen. Wir laſſen aus den erſten Nummern ein paar Scherze hier folgen.

Auf der Eintrittskarte zum Wiener Künſtlerball heißt es:die Herren erſcheinen in weißer Cravatte. Da von einer übrigen Be⸗

kleidung nichts erwähnt iſt, ſo bin ich ſo frei, zu fragen, ob auch

Damen Zutritt haben. Die Dame aus der beſſeren Welt.

Neujahrswunſch.

Dieſes Jahr 1858 wird ohne Widerrede ein allgemein und peciell beglückendes Jahr und trotzdem, daß es an einem Freitag

1 ſeinen Anfang genommen, ein keineswegs geſegnetes ſein an Pech.

Die Menſchen werden ſo weiſe und gut werden, daß ein wah⸗ rer Lump wieder eine auffallende Erſcheinung werden wird. Wolf⸗ gang Menzel wird die Pepita heirathen, und Tugend und Wahr⸗

heit werden hierauf wieder allein herrſchen in der Welt. Es wird

ein ſolcher Ueberfluß an guten Gedanken ſein, daß ſelbſt Camillo Schlechta ſeine Dichtungen nicht mehr nöthig finden wird, und die Volksbildung wird in ſo hohem Grade vorwärts ſchreiten, daß man ſich nur mehr zu Hauſe betrinken und ſelbſt die Wiener Zei⸗ tung ſich endlich genöthigt ſehen wird, täglich einen Rebus zu bringen.

DieA. A. Z. ſagt über das Thonmodell der Statue Karl Maria von Weber's unter andern die tiefernſten Worte:Es iſt wahrhaft bewunderungswürdig, mit welcher Kunſt Ritſchel den ſüßen Fluß Weber'ſcher Melodien in den Linien des Körpers aus⸗ zudrücken und dabei doch ſtreng plaſtiſch zu bleiben verſtanden hat. Münchhauſen iſt überboten an die Stelle der gefror⸗ nen Töne treten Melodien aus Thon.

An Sigra. Adelaide Riſtori. Wollten Sie die Rolle der Maria Stuart ein nächſtes Mal nicht in der Cxinoline ſpielen, damit für Ihre Umgebung kein Platz auf der Bühne bliebe?

. Fürſt Blücher von Wahlſtatt als Dockor der Philoſophie.

In Nr. 7 der Novellenzeitung wird mitgetheilt, daß die Uni⸗

verſität Berlin am 3. Auguſt 1814 den alten Marſchall Vorwärts

nebſt mehreren Celebritäten jener Zeit zum Doctor der Philoſophie

ernannt habe, und dann die Frage aufgeworfen, ob Blücher wohl jemals von dieſem gelehrten Titel Gebrauch gemacht habe?

Das nicht; indeß ſpottete er über dieſe Ernennung mehrfach

und bezeichnet dieſelbe als einen Bock, den die gelehrten Berliner