V 220 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. 1
wir's in dieſem Falle lieber mit den Dichtern, die gar oft nigſtens in ſoweit abhelfen kann, als dies überhaupt in
ſchon zu wirklichen Propheten geworden ſind. meiner Macht liegt.— Sie fragen, und ich glaube ich
Ich las vor Kurzem in Anderſen's letztem Roman kann antworten; Sie verlangen Briefe, und die kann ich „Sein oder nicht ſein“ folgende Prophezeiung:„Ich Ihnen auf alle Fälle geben— freilich nicht ſo viele und zweifle nicht daran, daß die Genialität es in einigen Jah⸗ nicht ſo erſchöpfende, als Sie wünſchen mögen. Aber, ren ſo weit gebracht haben wird, daß die großen Virtuoſen meine Damen, Sie fragen auch ſehr viel auf einmal! Sie nicchtamehr perſönlich zu uns kommen. Ein Liszt benutzt fragen mit der liebenswürdigſten Wißbegier, mit begeiſter⸗
dann die elektromagnetiſchen Fäden, die in Verbindung ter Haſt— aber wahrhaftig mehr, als ich in einem Jahre
mit dem Piano gebracht worden ſind,— dann geht man beantworten könnte!
in Kopenhagen ins Theater, ſitzt hier, Liszt ſitzt in Wei⸗ Da heißt es in dem Petersburger Briefe:„Was iſt mar und ſpielt— und wir hören das Concert an. Der nur an der Wagner'ſchen Theorie vom Kunſtwerk der
Beifall muß ihm natürlicherweiſe telegraphirt werden, und Zukunft Wahres und Falſches? Woher ſtammt überhaupt gleichfalls jeder Wunſch nach einem Da capo.“ der Name„Zukunfts⸗Muſiker?“ Ich kann Wagner's Das ſchrieb Anderſen 1856, bevor die Erfindung Schriften hier nicht bekommen, und aus dem Streit dar⸗ der elektromagnetiſchen Pianoforte noch gemacht war. Die über werde ich nicht klug!“ Induſtrie hat folglich hier den Dichter als den erſten Er⸗ Das glaube ich Ihnen gern, meine Gnädigſte! Wenn’ finder zu begrüßen; hoffen wir, daß das Prophetenwort Sie Wagner's Kunſttheorie bis jetzt, wie Sie mir ſich einſt ganz erfüllt und daß Sie noch den Tag erleben, ſchreiben, nur aus dem viel belobten„Wohlbekannten,“ wo Sie Liszt in Petersburg und Zürich zugleich ſpielen aus dem Senf⸗Topf der„Signale für die muſikaliſche hören, während er in Weimars alter Burg auf ſeinem Welt“ und aus ähnlichen geiſtreichen Quellen ſtudirt V Erard phantaſirt. haben, da mag's curios genug mit Ihrer äſthetiſchen Ein⸗
Aber ich halte es doch noch lieber mit Anderſen ſicht beſchaffen ſein, obgleich Sie für Wagner's Opern (und Sie gewiß mit mir), wenn er gleich darauf ausruft:(die Sie leider nur aus dem Klavier⸗Auszug kennen ler⸗ „Glücklich derjenige, welcher ſich in der Welt umſchaut, die nen konnten) ſchon ſo begeiſtert ſchwärmen, daß Sie in der Repräſentanten, die Träger der Zeit ſieht und hört— Praxis die Theorie längſt überholt haben— eine Erſchei⸗ Jene, welche ſich eine Stufe höher als das Zeitalter er⸗ nung, die unſere ganze muſtkaliſche Gegenwart auf das V
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heben! Welcher Segen iſt es, die Größen ſeiner Zeit er⸗ V Entſchiedenſte charakteriſirt.— Aber wie könnte ich über blickt, unter uns Alltagsmenſchen die Erkorenen wandeln dieſe hochwichtigen Fragen auf den wenigen Octavblät⸗ geſehen zu haben!“— Und in des Dichters Sinne tern eines einzigen Briefes Ihnen genügenden Aufſchluß
rufe ich mit ihm:„Freude erfüllt mich, daß ich von Ange⸗ geben?
ſicht zu Angeſicht einen Liszt, Berlioz, Schumann Sie fragen weiter:„Von Berlioz kenne ich noch und Wagner geſehen habe; ich danke Gott dafür!“ keine Note. Gibt es Werke von ihm, die man am Piano ohne Partiturleſerin zu
V In der That, wenn Sie mich nun einmal beneiden kennen lernen und ſpielen kann,
woollen— ſo iſt es um das tig, daß Sie mir Mittel in die Hand gegeben haben, wie thümlichkeiten eindringen zu können?“— Ohne Commen⸗ hl ſchwerlich dabin, ſeine Größe am⸗
„oinziſs. lebten ſie ihre Kindheit in einem und demſel 3 Leipzigs Journaliſtik. nur die Katze bewegte ſich frei in demſelben, ſo
Nach dem von der königlichen Zeitungsexpedition ausgege⸗ Vögelchen wurde oft dieſe Freiheit geſtattet. die die d oenen Verzeichniß erſcheinen in Leipzig ſieben und ſiebenzig Es entſtand zwiſchen den beiden Thieren, welche die Natur Zeitungen und Zeitſchriften. Es ſind Tage⸗ oder Wochenblätter, als Feinde erſchaffen zu haben ſcheint, durch dies ſtete harmoniſche Monats⸗ oder Vierteljahresſchriften. Beiſammenleben eine Freundſchaft und eine Vertraulichkeit, wie Nach Zweigen und Wiſſenſchaften geordnet, gehören davon: ſie bis dahin wohl noch nie zwiſchen einer Katze und einem kleinen Vogel beſtanden hatte, und die Beſitzer beider Thiere zeigten die⸗
V ich den Entbehrungen, die Sie ſo lebhaft empfinden, we⸗ tar gelangen Sie wo ndern auch dem
der Politik 7 5 e 5 f ibr
der Belletriſtik 3 ſelben ihren Bekannten mit einem Gefühle des Stolzes auf ihre der Pädagogik 4 pädagogiſche Befähigung⸗——
der Püedege Chirurgie ꝛc. 4 Man denke ſich daher den Schreck der Hausfrau, als eines der Technik, Mechanik ac. 2 Tages die Katze mit einem gewaltigen Satze auf den Kanarien⸗ der Literatur 8 vogel zuſprang, ihn packte und mit der erhaſchten Beute unter dem Ackerbau, der Landwirthſchaft, Vieh⸗ eine Commode ſchlüpfte, um hier das arme Thierchen zu zerreißen; zucht ꝛc. 7— ſo dachte wenigſtens die erſchrockene Hausfrau⸗ Wie groß war der Mode, dem Theater ꝛc. 4 daher ihre Ueberraſchung und ihre Freude, als ſie bemerkte, daß
der Religion 1 6 eine fremde Katze ſich in das Zimmer geſchlichen hatte, und daß
der Chemie, Phyſik ꝛc. 4 die einheimiſche ihren kleinen Liebling gegen die mordgierige Ab⸗ der Jurisprudenz 4 ſicht des Eindringlings geſchützt hatte; denn kaum war dieſer ver⸗ dem Handel und Gewerbe 5 jagt, als der Kanarienvogel, von ſeiner Retterin freigelaſſen, mun⸗
der Geographie, Statiſtik ꝛc. 4 ter und wohlbehalten unter der Commode hervorgehüpft tam.
8 3 Wem dieſes Geſchichtchen unwahrſcheinlich vorkommt, den
den Inhalts ſind 12 halten wir unſere unwiderlegliche Autorität entgegen: Lord
a. Brougham, welcher in ſeinen Schriften dieſen Zug als von ihm
ſelbſt verbürgt erzählt.
ärtlichkeit.
einem Kanarienvogel in einer Lrichare Zeit geboren, ver⸗
1 Und ich danke Ihnen aufrich⸗ ſein? Was empfehlen Sie mir, um zuerſt in ſeine Eigen⸗
ben Zimmer, und nicht


