Jahrgang 
01-26 (1858)
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IV. Jahrg.

Novellen⸗Zeitung.

ſind mein Gaſt, Graf! ſagte Napoleon, ſich auf der Schwelle des nächſten Gemachs zu dem Gucfafen Münſter wendend und die Herren ſeines Gefolges mäclit einem flüch⸗ tigen Wink ſeiner Hand entlaſſend. Die Tügür ſchloß ſich hinter ihm. Der Kaiſer hatte ſich in ſeine Gemächer zu⸗ rückgezogen. Er wohnte jetzt als Gaſt in dem Schlo ſſe, der Ahnen der preußiſchen Koönigsfamilie, im Schloſſe dufer Markgrafen

achtete nicht darauf, ſondern ſchritt langſam und kalt an den Grüßenden vorüber.

Sie haben doch meine Befehle genau erfüllt, Graf? fragte er mit ſeiner ehernen Stimme.,Dies iſt doch das neue Reſidenzſchloß? 35

Das neue, Sire! Und daß Nismand die kaiſerlichen Zimmer betreten hat, davon zeugt dieſer Mann! ſagte Graf Münſter, mit einem ſüßen Lächeln auf den Caſtellan deutend, der, in dem erhobenen Arm ſeinen Schlüſſelbund von Vranynburg. 5 haltend, neben der Thür der Palmengalerie ſtand. 3 h, 8

Was iſt das für ein Mann? fragte Napoleon, deſ⸗ h] ſen ſcharfes Adlerauge mit einem einzigen Blick die ganze 2 Geſtalt Schluter's überflog. 7. Napoleon und die weiße

Sire, es iſt der Caſtellan des Schloſſes, ein treuer, ſ zuverläſſiger Mann, der ſchon mehr als dreißig Jahre Das Souver war längſt beendet. Daßs kaiſerliche Ge⸗

hier den Dienſt hat. Er hat die Zimmer hier bewacht folge hatte ſich zurückziehen und zur Ruhg begeben dürfen. und verſchloſſen, und ſie werden ſich jetzt erſt den Befehlen Nur der Kaiſer war noch wach. Er ſaß vim leichten, be⸗ Curer Majeſtät öffnen. quemen Nachteoſtüm auf dem hohen, alterthäümlichen Lehn⸗ Oeffnen Sie! befahl der Kaiſer mit einer raſchen ſtuhl neben dem großen Kamin, in welchem Mdan auf Be⸗ Handbewegung. Der Caſtellan ſchob langſam den Schlüſ⸗ fehl des Kaiſers trotz der milden, warmen Maainacht ein ſel in das Schloß und öffnete die Thür. großes Feuer hatte anzünden müſſen. Napoleon lickbte die Der Kaiſer trat in die Palmengalerie, Graf Münſter Hitze; die Sonne Egyptens und der Wüſte war ihnn nie⸗ folgte, hinter ihnen her drängte ſich das Gefolge des Kai⸗ mals zu glühend geweſen, in den heißeſten Somme ſers. Napoleon ſchritt raſch bis in die Mitte der Galerie V Frankreichs konnte er oft ein unheimliches, fröſtelndn vor, dann blieb er grade vor dem großen Bogenfenſter begehren. Es ſchien als N ſtehen, in welchem Graf Münſter vorher die ſeltſame Er⸗ die Gluth, welche in ſeiner Seele brannte und ihre Feuer⸗ ſtröme durch Napoleons Adern goß, ihn die Außenwelt als kalt und die Strahlen der Sonne nur als leuchtend,

ſcheinung geſehen: Alſo auf dieſem Flügel des Schloſſes zeigt ſich die aber nicht erwärmend empfinden ließe. Auch jetzt hatte Napoleon über Kälte geklagt und be⸗

weiße Frau niemals? fragte Napoleon raſch. Nein, Sire, niemals, ſagte Graf Münſter feierlich. V Ueberhaupt, Sire, glaubt jetzt, Gott ſei Dank, Niemand fohlen Feuer im Kamin anzuzünden. Er hatte ſich dann ſelbſt den Lehnſtuhl dicht zum Kamin hingerollt und ſaß jetzt das Antlitz über die große Karte geneigt, die auf dem

hier mehr an dies altersgraue Märchen, und ich wüßte nicht, daß irgend Jemand die weiße Frau anders als aus Tiſch vor ihm lag. Es war dies eine Karte von Rußland.

den Erzählungen kennte. Mit raſchem Finger zog er über dieſelbe ſeine aeen

rau.

K

fühl haben und Roch Feuer

Der Kaiſer nickte leiſe mit dem Kopf und ſchritt vor⸗ wärts.Laſſen Sie uns bald das Souper haben, Sie

Männer ſich die größten Verdienſte hinſichtlich deriin dieſer Zeit gemachten geographiſchen Entdeckungen zuſchreiben müſſen, ſo läßt ſich doch auch dem Handel nicht das

der dieſen Zug mittheilt, fügt ſehr

Der Chronikenſchreiber, Prieſter ſich ſehr eifrig

naiv hinzu:Seit dieſem Tage zeigten die in Beerdigung der Armen.

Ein Mann des Volkes erſchien eines Tages vor dem Kö⸗ nige und beklagte ſich über einen Canonicus der Kathedrale von Sevilla, der mit einer Verwandten von ihm, dem Ankläger, ein ſtrafbares Verhältniß unterhalte und in Gemeinſchaft mit eben

Anerkenntniß ſtreitig machen, daß er ſeinerſeits noch immer viel dazu beiträgt Länder zu unſrer Kenntniß zu bringen, die uns bis jetzt verſchloſſen und gänzlich unbekannt waren. Ganz natürlich ſteht dabei der Handelsſtand

Englands in erſter Reihe, und erſt im verfloſſenen Jahre hat der beruͤhmte Rheder in Liverpool, Laird, Viel für die Erforſchung

dieſer Verwandten ſeinen Bruder ermordet habe.. 1 Auf der Stelle ertheilte Peter dieſem Menſchen die Befugniß, des Innern von Afrika gethan.. Kirche niederzuſtoßen oder ihn Dieſer eben ſo thätige wie unternehmende Mann hat ſchon

den Prieſter an der Pforte ſeiner mitten in einer Proceſſion zu tödten. Und von dieſer Erlaubniß wurde auch buchſtäblich Gebrauch gemacht.

Wie man ſieht, verleugnete Peter auch bei ſeiner Art die Gerechtigkeit zu handhaben die Grauſamkeit nicht, die ihm in ſo vielen andern Fällen zur Laſt gelegt wird, und er verdient daher auch nach dieſer Richtung hin den Namen des Grauſamen, ſo be⸗ greiflich es auch iſt, daß das Volk, damals ſo gut wie außer dem Geſetz, ſeine Gerechtigkeitsliebe bewunderte. a.

ſeit einer Reihe von Jahren auf eigne Koſten Expeditionen von Liverpool aus zu dem Zwecke abgeſandt, den Niger für die Dampf⸗ ſchifffahrt zu eröffnen, und nachdem er dahin gelangt war, über das in Europa gegen das afrikaniſche Klima herrſchende Vorur⸗ theil zu triumphiren, hat er ſich nunmehr von der engliſchen Re⸗ gierung die Bürgſchaft ertheilen laſſen, nach welcher ſie jedes Jahr ein mit Waaren befrachtetes Dampfſchiff zu jenen, bisher dem Handel unbekannten und unzugänglichen Stämmen abzuſenden und bei ihnen Handel niederlaſſungen anzulegen hat, an welche die Eingebornen aus dem Innern ihr Elfenbein, Gummi⸗ Baum⸗ wolle, Goldſtaub und andere Landesproducte abgeben können, welche jenes Dampfſchiff dann als Rückfracht nach England zu⸗ rückbringen wird. Er hat dagegen der Regierung gegenüber die Verpflichtung übernommen, Beamte der Regierung, Miſſionäre und die Männer der Wiſſenſchaft, welche die Regierung in jene entfernten Gegenden zu ſenden wünſcht, auf ſeinem Dam ſchiffe koſtenfrei dahin zu befördern. 4 Am 29. Juni 1857 verlic welches eine dem Herrn Lairz⸗

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Reue Entdeckungen in Aſrika.

Es iſt allgemein bekannt, daß der Handel in den früheſten

Zeiten die Veranlaſſung zu Seereiſen und wichtigen Entdeckungen gegeben hat, und wenn ſich auch nicht verkennen läßt, daß in dem letzten Jahrhundert ein lobenswerther Wunſch der Regierungen, naach Kräften zu einer beſſern Kenntniß unſrer Erdkugel beizu⸗ tragen, und eben ſo der wiſſenſchaftliche Eifer ausgezeichneter

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