Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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den Leuten des Kaiſers ſolche Worte von Ihnen hörte, ſo wären Sie verloren. Der Kaiſer Napoleon iſt, wie man ſagt, ein wenig abergläubiſch; er, der ſich ſonſt vor nichts auf der Welt fürchtet, ſoll doch vor Geſpenſtern ein heim⸗ liches Grauen empfinden und allerlei Zeichen und Prophe⸗ zeiungen glauben. Er hat auch ſchon von der weißen Frau in Baireuth gehört, und deshalb hat er ausdrücklich befohlen, man ſolle ihm nicht in dem alten, ſondern in dem neuen Schloß ſeine Wohnung bereiten und ihm ſolche Zim⸗ mer auswählen, in denen die weiße Frau nicht umzugehen pflege*). Ich hoffe doch, Sie haben den Befehl pünktlich vollführt, und dieſe Zimmer hier ſind ganz ſicher vor dem Spuk?

Wer hat die Macht Geiſtern Befehle zu geben und ihnen zu gebieten: bis hieher und nicht weiter? fragte der Caſtellan faſt höhnend.Wo ſie ſein will, da iſt ſie, und wo man vor ihr die Thüren verſchließt, da öffnet ſie dieſelben mit einem Hauch ihres Mundes. Durch die Mauern ſchreitet ſie hindurch, denn ſie thun ſich vor ihr auf, ſobald ſie es will, und wo man ſie am wenigſten er⸗ wartet, da begegnet man auf einmal ihrer hohen majeſtä⸗ tiſchen Geſtalt in dem weißen Gewande, das Haupt über⸗ deckt mit dem ſchwarzen Schleier, unter dem hervor ihre großen zürnenden Augen wie zwei Dolchſpitzen flimmern.

Sein Sie ſtill, Schluter, rief der Graf ängſtlich, ich kenne ja das Bild der weißen Frau, das drüben im Ca⸗ binet neben dem Audienzſaal hängt, und es iſt daher gar nicht nöthig, daß Sie es mir ſo ausführlich beſchreiben.

Wir haben, wie Ew. Exeellenz wiſſen, zwei Bilder von der weißen Frau, ſagte der Caſtellan lakoniſch.

Ja wohl, das eine mit dem weißen Kleide in der Ere⸗ mitage, das andere mit dem dunkeln Ueberwurf hier im Schloß. Gott ſei Dank, es iſt doch jedenfalls nur ein

*) Hiſtoriſch. Siehe: J. v. Minutoli. Die weiße Frau. Ge⸗ ſchichtliche Prüfung der Sage u. ſ. w. S. 17.

Novellen⸗Zeitung.

Gemälde von ihr hier, und Sie haben es doch drüben auf dem andern Flügel, nicht wahr?

Das heißt, ich habe das Bild dort heute Nachmittag

noch geſehen, ob es aber noch dort iſt, wer kann das wiſſen?

Wie ſo? Wer kann das wiſſen? fragte der Graf ungeduldig.Was wollen Sie damit ſagen?

Ich will damit ſagen, Herr Graf, daß das Bild eigentlich kein Bild iſt, ſondern nur das Bett, in welchem die weiße Frau ſo lange ruht, bis es ihr beliebt zu wan⸗ deln, und daß es während der Zeit, daß ſie wandelt, ge⸗ wiß nicht an ſeinem Platz zu finden iſt. Hatte ich Ew. Excellenz nicht vor einem halben Jahr berichtet, daß das Bild abermals ſeinen Nagel zerbrochen und von demſel⸗ ben herunter geſtiegen ſei? Es war ein ganz neuer Nagel, Herr Graf, feſt und ſtark, daß man ein halbes Regiment Franzoſen zu gleicher Zeit hätte daran aufhängen können; ich hatte den Nagel eigens vom Schmied anfertigen laſſen, und der Maurer hatte ihn in ein gebohrtes Loch in die Wand einmauern müſſen. Ich ſelbſt hing alsdann das Bild an dem Nagel auf, und es hing feſt und gut, als wär' es mit der Wand verwachſen. In der Nacht aber er⸗ wachte ich von einem Geräuſch, als ob ein Donner über meinem Haupte hinrollte, und als ich meine Augen auſ ſchlug, ſtand die weiße Frau vor meinem Bett; die recht Hand drohend erhoben, den ſchwarzen Schleier zurückge⸗ ſchlagen, ſtarrte ſie mich an mit zornblitzenden Augen. Ich ſtieß einen Schrei aus und ſchloß die Augen. Als ich ſie wieder öffnete, war die Erſcheinung verſchwunden. Am an⸗

dern Morgen ging ich in den Saal, um nach dem Bilde zu

ſehen. Es war nicht mehr da. In der Wand, wo der Nagel eingemauert geweſen, war nur ein blutrother Fleck, der Nagel, in kleine Stückchen zerbrochen, lag an der Erde. Das Bild aber war in das kleine Cabinet neben dem Saal gegangen und lehnte dort ruhig und ſtill, als wäre nichts geſchehen, an der Wand.

Feuilleton.

e

Eine Erinnerung an guſtav Adolph IV.

Freiherr von Haxthauſen berichtet in den Weſtdeut⸗ ſchen Blättern aus ſeinen Reiſe⸗Erinnerungen, daß er bei ſei⸗ nem Aufenthalte in Aachen im Jahre 1832 zufällig in demſelben Gaſthof abgeſtiegen ſei, in welchem einige Zeit vorher, wie er dann erfahren habe, der entthronte König von Schweden Guſtav Adolph

IV. gewohnt habe. Die älteſte Tochter des Wirthes, ein freund⸗ liches, lebendiges Mädchen von 14 15 Jahren, erzählte ihm Fol⸗

gendes darüber;

räumen.

ihn daher, als ſie ihn verlaſſen, gefragt: I habe. Da habe er ſie lächelnd angeſehen und geſagt: ich habe weder dir, noch ſonſt Jemand etwas zu befehlen, bitten möͤchte ich dich,

mein Kind

daß du mir etwas Gemüſe von dem,

[.

An einem Abende ſei ein ſchlicht, faſt ärmlich gekleideter Mann, einen kleinen Mantelſack unter dem Arme tragend, eingetreten und habe gebeten, ihm ein kleines Hinterſtübchen auf dem Hofe einzu⸗ Da eben Niemand anders zur Hand geweſen, ſo habe ſie, die Tochter, damals faſt noch ein Kind, ihn auf ein ſolches ge⸗ 3 führt. Nun ſei es ihr aber gleich trotz dem ärmlichen Ausſehen

vorgekommen, daß es keingemeiner Mann gegweſen ſei, ſie habe ſ ob er etwas zu befehlen

aber was des Morgens ſein Frühſtück, welches bloß

für das Geſinde im Hauſe gekocht wird, heraufbrächteſt, denn ich bin hungrig, mag aber nicht mehr verzehren, als ich bezahlen kann. Als ſie ihm dies dann ſelbſt heraufgebracht, habe er ſie gefragt, wie lange ⸗ſie ſchon im Hauſe diene. Da ſie nun aber geantwor⸗ teet: ſie ſei die Tochter vom Hauſe, ſei er mit einemmale ganz ent⸗ rüſtet aufgeſprungen und habe gefragt, ob ſie ihn etwa kenne, und als ſie ganz erſchrocken geantwortet: nein, er habe ſich ja nicht genannt und auch ſeinen Paß noch nicht abgegeben, habe er ſich barſch umgedreht und geſagt: ſie ſolle nur gehen, er ſähe doch wohl, daß ſie auch ein Spion ſei.

Als nun der Vater durch den Hausknecht ſeinen Paß fordern ließ, habe es ſich ergeben, daß der Fremde der Oberſt Guſtavſon, der ehemalige König von Schweden, geweſen. Nun habe man ihm ein beſſeres Zimmer geben, anderes Eſſen bringen, ihn bedie⸗ nen u. ſ. w. wollen, das habe er aber alles auf eine ſo ſcharfe und beſtimmte Weiſe zurückgewieſen, daß man ihn ſchon gänzlich habe gewähren laſſen müſſen.

In der erſten Zeit habe er ſein V einmal am Tage ſpazieren zu gehen; er

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Milch und Semmel

Zimmer nur verlaſſen, um habe nicht geduldet, daß Jemand, wenn er da, auf ſein Zimmer gekommen, und ſich daher

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ſo ſagte auf it kann mer, von zu M auch unter

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