will, zu beſorgen. Ein weißer Diener läßt es ſich niemals einfallen, irgend ein Packet, und ſei es noch ſo klein, nach Hauſe zu tragen, und erwartet ſelbſt von einem Stück Cat⸗ tun oder einer Waſſermelone befreit zu werden.
Nach der Meinung der Verfaſſer iſt die Sclaverei in Braſilien zu einem ſchnellen Erlöſchen verurtheilt. Die bewirkte Einſtellung des afrikaniſchen Selavenhandels ſei nur der Vorläufer eines viel wichtigern Schritts. Die Nachfrage nach Arbeit werde durch Einwanderer aus Por⸗ tugal, den Azoren und von Madeira befriedigt werden und über die Neger werde man zu Gunſten eines weiſen Sy⸗ ſtems der Coloniſation verfügen.
Das häusliche Leben in Braſilien hat viele beſondere Eigenthümlichkeiten. Die Wohnung in der Stadt iſt durchaus kein anziehender Aufenthalt. Das zweite Stock⸗ werk des Hauſes enthält das Empfang- und die Schlaf— zimmer und die Küche, während die Wagenremiſe und die Stallung in dem Erdgeſchoß ſind. Der Gang nach der Treppe führt durch das Thor, aus dem die Kutſche bei Feierlichkeiten und an Feſttagen fährt. In der Nacht iſt dieſes Thor durch ſtarke eiſerne Stangen verſchloſſen, die an den Eingang in ein Gefängniß erinnern. Während der Tageszeit geht man durch das Thor hinein und ſteht an dem Fuße der verſchloſſenen Treppe, doch es findet ſich we⸗ der ein Schellenzug noch ein Klopfer, um ſeine Anweſen⸗ heit anzeigen zu können. Man muß nun mit den Händen klatſchen wie die Claqueurs in einem Pariſer Theater und muß dann dem ſich einfindenden Neger antworten, welcher fragt: Wer iſt da? In dem Empfangzimmer findet man ein mit Rohr geflochtenes Sopha und drei bis vier Stühle in gleicher Reihe, die ſich von jedem Ende bis in die Mitte des Zimmers erſtrecken.
Die braſilianiſche Mutter gibt ihr Kind in der Regel einer Schwarzen, um es zu nähren und aufzuziehen. So⸗ bald die Kinder anfangen der Dame des Hauſes läſtig zu werden, ſo werden ſie einer Schule anvertraut, zwo ſie ſich
Nonellen⸗Zeitung.
ſehr als rebelliſche Sprößlinge der Menſchheit beweiſen. Sie bieten ſogleich ihren ganzen Scharfſinn auf, um die lobenswerthe Abſicht ihrer Lehrer, ſie zur Ordnung zu ge⸗ wöhnen, zu vereiteln. Sie ſind nicht etwa boshafter oder mehr zu böſen Streichen geneigt als Buben ihres Standes in einem andern Lande, ſie haben aber nie die ſchwächſte Idee von häuslicher Zucht gehabt und folglich ſind ſie über den ihnen in der Schule auferlegten Zwang im höchſten Grade unwillig. Sie ſammeln ſich mit leichter Mühe ei⸗ nige oberflächliche Kenntniſſe ein und lernen mit Leichtig⸗ keit die franzöſiſche und die italieniſche Sprache, weil die⸗ ſelben wie die portugieſiſche, ihre Mutterſprache, deſſelben Urſprungs ſind. Muſik, Geſang und Tanz paſſen ganz zu ihrer heitern, queckſilbernen Natur. Pianos gibt es in jeder Straße in Ueberfluß und in beiden Geſchlechtern fin⸗ den ſich treffliche Pianoſpieler. Die braſilianiſchen Damen haben eine ſehr graziöſe Haltung und gewinnende Manie⸗ ren. Es iſt allerdings wahr, daß ſie bei einer regelmäßi⸗ gen Unterhaltung oft in Verlegenheit kommen, weil ihre Erziehung ſehr unvollkommen iſt und ihre Kenntniſſe ſehr mangelhaft ſind; ſie plappern aber eine Menge von ſolchem ſüßen Unſinn, der das Ohr trotz einer gewiſſen Schärfe des Tones bezaubert, die wahrſcheinlich daher rührt, weil ſie gewöhnt ſind den Abkömmlingen von Congo und Mo⸗ zambique Befehle zu ertheilen. Ihre Lieblingslectüre beſteht in den Schriften von Balzac, Eugene Sue und Georges Sand und den Erzählungen in den Feuilletons der Zei⸗ tungen.
Die Töchter werden im Alter von zwölf bis vierzehn Jahren aus der Schule zurückgenommen und kurz nachher erſcheint der künftige Gatte auf der Bühne. Viſionen von Diamanten, Spitzen und Carroſſen blenden die Einbil⸗ dungskraft des jungen Mädchens und erſticken das wenige Herz, das ihr geblieben iſt, und ſie unterwirft ſich den An⸗ ordnungen der Familie in Bezug auf eine paſſende Ehe. Der ängſtliche Benedict fühlt die Verantwortlichkeit ſeiner
Vereinigten Staaten ein Aufnahmebecken für alle fünf Erdtheile bilden.
Bunt wie die Bevölkerung ſind auch die„Religionen,“„Sec⸗ ten“ und„Kirchen“ in jenem Lande, das keine Staatsconſiſtorien,
keine Staatskirchenpolizei und keine Concordate mit dem römi⸗
ſchen Papſte kennt. Es hat nahe an hundert Religionen, und die Bekenner jeder einzelnen glauben feſt daran,„daß ſie ſelig werden. Dieſe Hundert haben 39,221 Kirchen und Bethäuſer, die nebſt Kirchengütern ꝛc. einen Werth von 85 ½ Million Dollars dar⸗ ſtellen. Man rechnet im Durchſchnitt eine Kirche oder ein Bethaus auf je 557 freie Bewohner oder auf je 646 der Geſammtbevölke⸗ rung. Im Durchſchnitt hat jedes gottesdienſtliche Gebäude Platz für 384 Beſucher. Merkwürdig iſt, daß trotz der ſtarken Einwan⸗ derung aus Irland und den katholiſchen Theilen Deutſchlands die Römiſch⸗Katholiſchen nicht viel über eine Million Bekenner zählen. Wo bleiben dieſe? Fallen ſie ab? Sie haben nur 1112
Kirchen, welche nur 620,950 Beſuchern Raum gewähren, und ha⸗
ben ein Kirchenvermögen von 8 Millionen Dollars; Prieſter haben ſie 1110. Dagegen haben die Methodiſten 12,467 Kirchen, die Baptiſten 8791, die Presbyterianer 4584, die Epiſcopalen 1422, die Lutheraner 1203, die Einheitsgläubigen(Unitarier) 243 Bet⸗
häuſer, die Univerſaliſten 494 Verſammlungshäuſer, die Quäker
714, die Swedenborgianer 15; die Kinder Israel haben 15 Syn⸗ agogen.(Europa.)
Literatur.
Kritiſche Blätter für Literatur und Kunſt. Unter Mitwirtung von Schmidt⸗Weiſſenfels herausgegeben von J. L. Kober.— Verlagshandlung von J. L. Kober.— Prag 1858. 1 b
Das erſte Quartal dieſer bei ihrem erſten Erſcheinen ſchon von uns angezeigten Zeitſchrift liegt hier vor uns. Das Inhalts⸗ verzeichniß iſt ſo reich, als der Proſpect es nur erwarten laſſen konnte. Außer dem ſchon erwähnten keck polemiſchen einleiten⸗ den Aufſatz„Julian Schmidt und die Realiſten“ finden wir Cha⸗ rakterſtücken von Lenau, Lingg, Brachvogel, O. Ludwig und die mannigfachſten Abhandlungen über ausländiſche Literaturen, ſlaviſche, flämiſche, ruſſiſche, ſchweizer u. ſ. w. Ein paar andere Artikel, auf franzöſiſche Literatur des vorigen Jahrhunderts ſich beziehend, ſind einer größeren Arbeit von Schmidt⸗ Weiſſenfels entnommen. Die Zahl der im Uebrigen„beſprochenen Bücher! iſt ſehr groß und umfaßt wohl alles Hervorragende, was in den letzten Monaten erſchienen iſt. Auch wenn wir mit einzelnen Beur⸗ theilungen nicht übereinſtimmen, ſo müſſen wir die Tendenz eines Blattes, das deutſche Literatur mit öſterreichiſchen Verhältniſſen in der vorliegenden Weiſe zu vermitteln weiß⸗ an ſich aufs Wärmſte anerkennen. Correſpondenten finden wir ferner aus Berlin, Kö⸗ nigsberg, New⸗York, Paris, Schweiz, Wien.— Das neubegon⸗ nene Quartal verſpricht die kritiſchen Portraits von A. Meißner, Gutzkow, Halm, Auerbach.
Trauter Heerd und fremde Woge. Seenovellen von
M. Solitaire.— Leipzig, H. Matthes. 1857.
IIV. Jahrg.
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