Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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Nr. 12.)

zugs ſoviel wie möglich unſerm Stammvater Adam vor dem Sündenfalle. Henden ſind als eine ganz überflüſſige Zierrath beſeitigt und ein Paar kurze Beinkleider bildet ihren ganzen Anzug. Ein Jeder nimmt einen Sack voll Kaffee, der hundert und ſechzig Pfd. wiegt, auf ſeinen Kopf, und ſobald ſie alle bereit ſind, marſchiren ſie in einem ge⸗ meſſenen Tritt ab, der ſich aber bald in einen ſchnellen Ga⸗ lopp verwandelt. Mit der einen Hand halten ſie die Laſt, in der andern halten ſie ein muſikaliſches Inſtrument, das einer Kinderklapper oder Schnurre gleicht und das ſie zu dem Geſchwindtakt irgend einer wilden äthiopiſchen Melo⸗ die rütteln. Den Eindruck, den der vermiſchte Laut von Hunderten ſolcher Stimmen auf das Ohr macht, kann man ſich noch leichter einbilden als ihn beſchreiben.

Rio de Janeiro kann im Vergleich mit den meiſten großen Städten Anſpruch auf den Ruhm eines ungewöhn⸗ lichen Grades von ſtädtiſcher Ruhe und Ordnung machen. Die Straßen ſind gut mit Gas beleuchtet. Nach zehn Uhr Abends ſind in ihnen wenig Perſonen zu ſehen. Die Bra⸗ ſilianer ſind gewohnt früh zu Bett zu gehen und früh auf⸗ zuſtehen. Für den Fremden aus dem Norden, für welchen der kühle Abend, an dem die Luft mit Wohlgeruch erfüllt iſt, ſo viel Anziehungskraft hat, iſt nichts überraſchender, als die Straßen und Vorſtädte lange vor Mitternacht beinahe ſo ſchweigſam und menſchenleer zu finden wie die Ruinen von Palmyra. Die Polizei iſt militäriſch und ſie ſteht unter Officieren des regelmäßigen Heers. Jeder Po⸗ lizeiagent führt Waffen und trägt eine Uniform. Dieb⸗ ſtahl mit Einbruch iſt eine ſehr ſeltne Erſcheinung. Das Spiel iſt die vorherrſchende Leidenſchaft. Trotz aller An⸗ ſtrengungen der Polizei, die Bettelei zu unterdrücken, iſt dieſelbe ein in die Augen fallendes Uebel. Die ſtädtiſchen Gefängniſſe haben als Plätze der Zucht oder Beſſerung wenig Empfehlenswerthes. Viele der Gefangenen ſind Sclaven, obwohl das braſtlianiſche Geſetz hinſichtlich der Farbe oder Abſtammung nicht eigenſinnig iſt.

Eine Ab⸗

Dritte folge.

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theilung des Zuchthauſes iſt dazu beſtimmt, daß daſelbſt die Sclaven gepeitſcht werden, die man dahin ſchickt, um dort die Strafe für verſchiedene Vergehen zu erleiden. Sie werden zu jeder Stunde des Tages und der Nacht aufgenommen und ſo lange ohne irgend eine Bezahlung dort behalten, wie ihr Herr es verlangt. Die Sclaven ſind auch häuslichen Beſtrafungen unterworfen, wie Peit⸗ ſchenhieben, der Zinnmaske und dem eiſernen Halsband. Tootz der Leichtigkeit ſeine Freiheit zu erkaufen, die dem Neger in Braſilien geboten iſt, iſt der Selbſtmord bei ihnen doch ſehr gewöhnlich. Der freie Neger hat in Rio de Ja⸗ neiro große Vortheile. Einige der einſichtsvollſten Män⸗ ner in der Stadt, die in Paris oder in Coimbra erzogen worden ſind, ſind afrikaniſcher Abkunft und ihre Vorfah⸗ ren waren Sclaven. In vielen Fällen beſchäftigen ſie ſich ſehr ernſtlich mit den Studien und widmen ſich Nach⸗ forſchungen in der Nationalbibliothek. Die größte und am meiſten beſchäftigte Buchdruckerei in Rio gehört einem Mu⸗ latten, der an der Spitze des Geſchäfts ſteht. In den Col⸗ legien, den mediciniſchen, juriſtiſchen und theologiſchen Schulen wird hinſichtlich der Geſichtsfarbe kein Unterſchied gemacht, obſchon das Vorurtheil zu Gunſten der Leute von ganz weißer Abkunft bis zu einem gewiſſen Grade ſich be⸗ merkbar macht.

Die äußere Erſcheinung des braſilianiſchen Sclaven ſteht weit tiefer als die der Sclaven in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Sie ſind faſt immer barfuß, was als ein Zeichen der Selaverei betrachtet wird. In vielen reichen Häuſern ſieht man einen Haufen kleiner Wollköpfe ohne irgend ein Kleidungsſtück. Die ſchwarze männliche Bevölkerung, welche in der freien Luft lebt, bie⸗ tet einen Anblick dar, der nichts weniger als appetitlich iſt. Ihre Kleidung iſt grob und ſchmuzig. Hunderte von ihnen treiben ſich mit runden von Weidenzweigen ge⸗ flochtenen Körben in den Straßen herum und ſind bereit, irgend eine Sache, die man ſich nach Hauſe tragen laſſen

Frankreich kamen nur 185,725 Seelen, und von dieſen ſind die meiſten deutſchredende Lothringer und Elſäſſer geweſen, welche ſich in Nordamerika wieder mit den Deutſchen vereinigten, zu wel⸗ chen ſie durch Blut, Sprache und Gemüth gehören.

Nach den Geburtsländern ſtellen ſich folgende Ziffern heraus; Länder, welche in dem ſechsunddreißigjährigen Zeitraume weniger

Dieſe Ziffern ſind nur annähernd genau; aus Wales ſind zum Beiſpiel mehr als 100,000 Seelen in Nordamerika, während obige Tabelle nur 4782 angibt; die übrigen fallen unter die Ru⸗

brikGroßbritannien, ebenſo wie viele Iren und Schotten, und

wie die Preußen zu Deutſchland gerechnet werden müſſen. Die obige Zahl von 4,482,837 muß wie ſchon bemerkt für die beiden

als hundert Einwanderer lieferten, ſind nicht aufgezählt. Es letztverfloſſenen Jahre um 600,000 vermehrt werden, ſo daß die kamen aus: Zahl der Einwanderer für achtunddreißig Jahre mehr als fünf . Millionen beträgt. Die meiſten gehörten dem Jugendalter oder

Oſtindien 101 Spanien 11,251 dem kräftigen Mannesalter an, und es iſt deshalb nicht zu ver⸗ Griechenland 108 Mexico 15,969 wundern, daß gegenwärtig die Vereinigten Staaten eine Geſammt⸗ Malta 116 China 16,714 bevölkerung von dreißig Millionen Seelen haben. Afrika 118 Holland 17,583 Die Durchſchnittszahlen ſtellen ſich in folgender Weiſe heraus: Türkei 123 Scandinavien 29,441 Zuſammen. Jahresdurchſchnitt. Madeira 203 Schweiz 31,007 voon 1820 bis 1829 151,636 15,164 Canariſche Inſeln 278 Schottland 34,559 von 1830 bis 1839 572,716 57,272 Sicilien 338 Weſtindien 35,317 von 1840 bis 1850 1,860,382 169,125 (euroha eſt b26 Britiſch Amerika 91,099 von 1851 bis 1855 3 1,828,103 379,620 Centralamerika Frankreic 188,725 Qutanee, 154 5535 Sardinien 706 dran na 207,492 Zuſammen 4,482,837 124,523 Rußland 938 Irland. 747,930 Man hat berechnet, daß jeder Einwanderer im Durchſchnitt Azoren 1,288 Deutſchland. 1,206,087 ein Vermögen von reichlich hundert Thalern mitbringt; es ſtellt Polen 1,318 Großbritannien 1,348,682 ſich alſo für die achtunddreißig Jahre ein Vermögenszuwachs allein. Portugal 2,049 Preußen. 35,995 durch dieſe Einwanderer von 500 Millionen Thalern heraus, ohne Dänemark 3,059 Nicht ſpecificirt 157,537 die ungeheure Summe von Arbeitskraft und Intelligenz. Faſt Wales. 4,782 Rückkehrende Nord⸗ ſalles floß den mittleren und weſtlichen Staaten der Union zu. Südamerika.5,440 Anmerikaner 270,213 Wir können für dieſelbe dreiſt fünf Millionen deutſch redender Belgien. 6,691 Andere Länder 265 Menſchen rechnen; die Zahl der Chineſen, welche zumeiſt in Cali⸗ Italien 7,185 fornien leben, beträgt zwiſchen 40 bis 60,000. Man ſieht, daß die

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