Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
186
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Braſilien und die Braſiſianer.

In Newyork iſt jetzt im Verlag von Sheldon, Blake⸗ man u. Comp. eine Schrift unter dem Titel erſchienen:

Brazil and the Brazilians portrayed in historical and descriptive sketches. By the Rev. Dr. P. Kidder and the Rev. J. C. Fletcher. 80. pp. 630*, die ſich auf eine zwan⸗ zigjährige Beobachtung gründet, während welcher Zeit den Herren Verfaſſern die beſte Gelegenheit, Braſilien und die Braſilianer genau kennen zu lernen, geboten war. In derſelben wird nicht nur über die nationalen Sitten und Inſtitute berichtet, ſondern man findet in ihr auch Beleh rung über die frühere Geſchichte Braſiliens, deſſen indu⸗ ſtrielle und commercielle Hülfsquellen und ſtatiſtiſche Ent⸗ wicklung. Das Buch enthält mit einem Worte die voll⸗ ſtändigſte Belehrung über Braſilien, dabei aber zugleich eine Menge höchſt anziehender Epiſoden, die in einem ſehr lebendigen und fließenden Style geſchrieben ſind und dem⸗ ſelben viele Freunde erwerben werden.

Die Einfahrt in den Hafen von Rio de Janeiro, der von Reiſenden ſo oft mit der Bai von Neapel und dem goldnen Horn von Conſtantinopel verglichen worden iſt, wird von dem Jüngern unſrer Reiſenden für den Anfang einer neuen Aera in ſeinem Leben erklärt. Die ſich in einiger Entfernung erhebende großartige Berglandſchaft machte einen tiefen Eindruck auf ihn, während die nähere Ausſicht auf das Ufer mit dem Reichthum der tropiſchen Vegetation Gegenſtände von einer ungewohnten und be⸗ ſondern Schönheit darſtellte. Wenn man ſich der Stadt nähert, ſo bietet ſich dem Beſchauer ein Anblick dar, der von dem einer nördlichen Hauptſtadt mit ihren von Ziegel⸗ ſteinen gebauten, mit hohen Dächern und ſchlanken Schorn⸗ ſteinen verſehenen Häuſern himmelweit verſchieden iſt.

Novelſlen⸗Zeitung.

[IV. Jahrg.

Rings um die Stadt erheben ſich in allen Richtungen eine Menge Hügel von einer unregelmäßigen, aber maleriſchen

Form, deren Zwiſchenräume und Abhänge mit Reihen hübſcher Wohnhäuſer bedeckt ſind, deren weiße Wände und rothe Ziegeldächer einen höchſt angenehmen Contraſt mit dem reichen grünen Laubwerk, von dem ſie eingehüllt ſind, darbieten.

Sobald der Reiſende von dem Zollhauſe die Erlaub⸗ niß erhalten hat ans Ufer gehen zu dürfen, ſieht er ſich bald auf dem Platze vor dem kaiſerlichen Palaſte, wo er ſich von einer ſehr gemiſchten Menſchenmaſſe umgeben fin⸗ det, die eine ſo große Verſchiedenheit der Geſichtsfarbe und Tracht darbietet, wie die lebhafteſte Einbildungskraft ſie ſich kaum auszumalen vermag. Die Mehrzahl der ſich einander drängenden Leute ſind Afrikaner, welche Waſſer aus den Brunnen holen und es auf ihrem Kopfe zum Ver⸗ kauf herumtragen. Manche von den Seclaven ſind hübſch gekleidet, ohne ſich jedoch dem Luxus der Schuhe und Strümpfe hinzugeben. Sie ſind ein lachendes, luſtiges, geſchwätziges Geſchlecht, dabei außerordentlich geſellig, doch zugleich der Zankſucht ſehr ergeben. Während der Arbeitsſtunden bieten die Straßen in der Nähe der Börſe einen ſehr belebten Anblick dar. Kaufleute in Anzüge von feinem Tuch gekleidet drängen ſich an einander vorüber und wiſchen die glänzenden Tropfen von ihrer ernſten Stirn. Hier drängt ſich eine von fünf kräftigen Afrika⸗ nern gezogene Schleifkarre durch die Menſchenmenge, dort fährt ein mit Kiſten beladener und von Maulthieren gezo⸗ gener Wagen einher, die ein Bewohner von Madeira durch Peitſchenknall und kräftige Flüche zur Eile antreibt. Die Kaffeeträger, die gewöhnlich zu zehn bis zwölf zuſammen ſind und ihre wohlriechende Laſt in weißen Säcken tragen, erheben ihre Stimmen in einem kräftigen Chor. Gewöhn⸗ lich wählt man für dieſe Arbeit athletiſche Neger, die einem Bildhauer zum Modell für einen Hercules dienen könnten. Während ſie arbeiten, nähern ſie ſich hinſichtlich des An⸗

Er bezaubert Jung und Alt. In einem Momente der Zerſtreu⸗ ung vergißt er, auf welchem Parquet er ſteht. Er flüſtert ſeiner Nachbarin zu:ſehen Sie manbloß den Frack! der Herr Graf hat mit dieſem man bloß die Querpfeife geſpielt. Aus dem Herrn Grafen entpuppt ſich ein artiger Schneidergeſelle.

Die Eß⸗Bouguet⸗ und Cau de mille Fleurs⸗Geſellſchaft pfeift ihn aus. Der Herr Graf kann man bloß Piccolo flöten gehen.

Wer hätte ſie noch nicht geſehen, ſo eine feine, gebildete, ſchöne, ſanftträumende Jungfrau! Mannes Herz erfreuen und glücklich machen kann, und doch und doch! Sie iſt von guter Geburt, makelloſen Sitten fei⸗ nem Verſtande, edlem Charakter, hingebendem Herzen, kurz und gut eine fein beſaitete Harfe, ein Inſtrument von wundervoll ele⸗ giſchem Tone, und doch und doch! Sie ſteht noch immer wie eine volle Roſe, die, je ſichtbarer ſie vor Jedermanns Blicken, um ſo weniger von irgend Einem ans Herz gedrückt wird. aber nur ein klein wenig hat ſie ſich ſchon herabgelaſſen zum Trei⸗ ben der Alltagsmenſchen; es iſt nur ein man bloß, mit dem ſie ſich Sympathien zu erwecken ſucht.

manbloß! Wie ſanft auch das man bloß zittert, auch die⸗ ſer junge Mann geht theilnahmlos vorüber. Die edle Jungfrau iſt arm, blutarm! Und die ſich hieran nicht ſtoßen, denken, das Inſtrument kannſt Du doch nicht ſpielen, Du machſt Dich lächer⸗ lich, wenn Du es verſuchſt. Und ſo gehts der guten Jungfrau wie dem edlen Inſtrumente der Harfe, die Männerwelt will nichts voon ihr wiſſen. Wie vieleman bloß ſchwimmen noch hinab ins Meer der Vergangenheit! E. M.

O weh,

Sie beſitzt Alles, was eines

Etwas,

Fräulein, Sie ſind glück⸗ V lich, Ihnen kann es nicht fehlen.Das ſagen Sie, ach aber

Ueber die Einwanderung in Nordamerika. Das in Waſhington auf amtliche Veranlaſſung verfaßte Werk von W. J. Bromwell enthält Angaben über die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für einen Zeitraum von ſechsund⸗

V Zur Statiſtik. V

dreißig Jahren, nämlich von 1819 bis mit 1855. Es gewährt einen Einblick in die Völkerwanderung des neunzehnten Jahr⸗ hunderts.

Wir wollen einige Zahlen mittheilen, um zu zeigen, in wel⸗ cher Weiſe die Einwanderung ſich allmählich geſteigert hat. Die⸗ ſelbe betrug:

1821 11,644 1850 315,354 1826 13,908 1851 408,828 1831 23,880 1852 397,343 1836 80,972 1853 400, 982 1841 87,805 18514. 460,474 1846 158,649 1855. 230,476

Man kann annehmen, daß in den Jahren 1856 und 1857 noch je 300,000 hinzugekommen ſind. Die ſchwächſte Einwanderung fand 1823 ſtatt, denn ſie betrug nur 8265 Seelen, die ſtärkſte im Jahre 1854. Allein in dem Zeitraume vom 30. September 1849 bis 31. December 1855 wanderten 2,288,007 Köpfe ein, in den vorher⸗ gehenden dreißig Jahren zuſammen nur 2,194,830. Das Empor⸗ blühen der Staaten im Weſten und ihr Bevölkerungsanwachs fällt genau zuſammen und war durchaus bedingt mit dem Steigen der Einwanderer, welchen Nordamerika ganz unglaublich viel verdankt. Im Ganzen hat Irland etwa 30 Procent der Geſammteinwande⸗ rung geliefert, Deutſchland zwiſchen 30 und 40 Procent. Aus

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