Jahrg.
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Ar. 12.) V
Aber das Echo verhallte und kein Ton, kein Licht, kein Duft verrieth die Anweſenheit eines Seligen.
„Was man thut, muß man ganz thun,“ murmelte Re⸗ ginald und rief:„Reginald von Perlmeer! Reginald von Perlmeer! Reginald von Perlmeer!“
Aber Herr Satanas erſchien nicht und gab auch keine Antwort. Und nun brach Reginald ſelbſt in ein ſo höh⸗ niſches, gellendes Gelächter aus, und die Ecken und Wöl⸗ bungen gaben den Schall ſo dröhnend wieder, daß es wirk⸗ lich wie das Gewieher einer Legion Teufel klang.
„Gut denn,“ ſagte er ſich,„nun noch den letzten Ver⸗ ſuch, den ich nur wagen kann. Es heißt, wenn man, drei⸗ mal um Mitternacht vor dem Spiegel ſeinen Namen rufend, ſich ſelbſt vor die Stirn zu ſchießen wage, ſo bleibe man leben und den Teufel treffe der Schuß. Teufel, die Kugel hier wartet auf Dich!“ Eben ſchlug es zwölf Uhr.
„Ich kann Geburtstagsgratulanten annehmen,“ höhnte Reginald.
Mit ſchnellem Griff erfaßte er die Piſtole, ſetzte ſie an ſeine Stirn und drückte los. weite Wölbung.
verſehrt, nur ſeine Haare rochen verſengt.
Wüthend über dieſes Mißgeſchick, jedes Komödienſpiel mit ſich ſelbſt haſſend, ergriff er augenblicklich die zweite Piſtole, hielt ſie dicht vor die linke Bruſt und feuerte ab. Der Pulverdampf erſtickte ihn faſt, das Feuer verſengte ihm die Kleider; er aber fühlte ſich lebend.
Lärm entſtand— Thüren wurden geöffnet— Arthur ſtürzte mit Leuten und Lichtern herbei, war aber gar nicht übermäßig verwundert, ſondern lächelte fein, als er Regi⸗ nald zu beruhigen verſuchte, der außer ſich war, ſich am liebſten den Kopf an der Wand zerſchmettert hätke, alle Geiſter und die vorſichtige unſichtbare Hand verfluchend, welche die Kugeln entwendet hatte.
Dritte folge.
Der Knall erſchütterte die Der Staub ſtürzte in ſchweren Wolken herab und verlöſchte die Lichter; aber Reginald blieb un⸗
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Ein Jahr ſpäter ſitzt eine heitre Geſellſchaft von fünf Perſonen am vier und zwanzigſten December um den Thee⸗ tiſch zu Schönau. Auf dem Sopha ſehen wir Helene und Clärchen mit dem Häubchen geſchmückt, neben Helene Re⸗ ginald, neben Clärchen Arthur und zwiſchen ſeinen beiden Freunden der Erzähler dieſer Geſchichte. Reginald erhebt ſo eben das Glas und ruft fröhlich:„Alle guten Geiſter ſollen leben!“
„Sprich nicht davon,“ ſagte Helene bittend und legte ihre ſchöne weiße Hand auf ſeinen Arm, wie wenn ſie ihn zurückhalten wollte.
„Doch, mein geliebtes Weib!“ rief Reginald.„Ich kann nie genug von ihnen ſprechen und ſie genug preiſen, da ich ihnen Deinen Beſitz verdanke,— Du geſtehſt es nicht ein, doch ich weiß, Du ſelbſt warſt der böſe gute Geiſt, der, auf die Probe mich ſtellend, ein neues Leben mir ſchenkte!“
In heitrer Wechſelrede wurde der vergangenen Tage gedacht und der Verfaſſer ermächtigt dieſe Erzählung nie⸗ derzuſchreiben, zu welchem Zweck ihm Reginald ſein Tage⸗ buch zur Verfügung ſtellte. Nur Tante Boddel konnte ihre Einwilligung nicht ſogleich geben, weil ſie im Frühjahr die Schlüſſel des Schloſſes der jungen Gräfin zu Schönau mit feierlicher, wohlgeſetzter Rede überreicht hatte und nach ihrem geliebten Breslau zurückgekehrt war, da ſie es nicht mit anſehen konnte, wie ihr Goldjunge Jemanden mehr liebe als ſeine alte Tante. Ihre alte Hanne verſicherte dem Verfaſſer ſpäter, daß ihre Herrin am 24. December um elf Uhr bereits in tiefem Schlummer lag, ja ſie ſogar in dieſem Augenblick im Traum gelächelt habe(ich verweiſe auf das Zeugniß von Hanne); denn ſie hatte ihren heutigen Gäſten, der Frau von W. und der Geh. Räthin von P. und dem Fräulein von H. 300 points, ſage dreihundert points (100= 166) im Boſton abgewonnen.
B. v. Achilhes.
Aber noch ehe das Waldhorn Zeit gewinnt die Beſorgniß der Hörer durch Umſchlagen der Töne und durch Hervorbringung ihm von Natur verſagter Gänge zu bewahrheiten, dröhnt der markige Ton der Poſaune drohend dazwiſchen.„Du kommſtmirman bloß,“ ſo lautet der Ruf zur Ordnung. Und wenn das Wald⸗ horn den Ruf hartnäckig überhört und plaiſirshalber man bloß fortexperimentirt, was bleibt dann der Poſaune ſchließlich übrig, als in edler Reſignation, obſchon bramarbaſirend, doch gutmüthig, alle Schwächen des Waldhorns durch ihre energiſchen Töne zu decken und den ſchrecklichen Drohruf durch ein beſänftigendes: „wenn du man bloß deine Schwäche einſehen und vernünftig ſein wollteſt,“ aufzulöſen!—
„Warte du Schlingel, dir kriege ich man bloß,“ ſchreit's in der Werkſtatt. Der Meiſter will den Lehrjungen zur Raiſon bringen. Iſt das auch Poſaunenton? Nein, das ſind ſchon die Pauken. In Quinten geſtimmt, tönen ſie mit markiger Gewalt im Dreivierteltakt effeff.—
Man geht ruhig, in ſich gekehrt ſeines Wegs. Mit einem Male wird man auf den Fuß getreten und bekommt einen üblen Rippenſtoß. Der Attentäter, damit nicht zufrieden, macht uns
neugierig mit dem Ausrufe:„ſehen Sie man bloß dal“ Und gleich darauf höhnt er:„man bloß ein Potsdamer!“— Naſe⸗
was ſo viel ſagen ſoll als: der hat ſich anführen laſſen. weiſer Triangel, der du eigentlich nie etwas zu ſagen haſt und in moderner Unterhaltung immer vorlaut mitſchwatzſt!—
„Was wollen Sie denn eigentlich, Madamchen?“ redet die Hökerin die ſie beehrende Käuferin an. Madanchen läßt ſich durch nichts ſtören. Alle Früchte von A bis Z werden beſichtigt, nach allen Preiſen wird gefragt, es wird geſucht und geſucht, ge⸗
mäkelt und gemäkelt und zuletzt der Hökerin der Rücken gekehrt. „Na, Madamchen,“ fordert die Hökerin noch einmal die Suchende auf.—„Ach ich wollte man bloß!“ Madanchen thut gerade wie die Oboe; ſie weiß ſelbſt nicht weshalb!—„Sehen Sie man bloß dieſe Aepfel, dieſe Apfelſinen, dieſen Kohl.“ Die Clarinette kann ihre Sprache nicht in gutmüthigerer biederberer Weiſe reden, als es die Hökerin mit dem man bloß thut. Madamchen aber hat die Augen ſchon bei einer anderen Hökerin und hat für die erſte nur ein kurz abfertigendes„ein ander Mal.“ Darauf kann Clarinette nichts erwidern. Während die Hökerin mürriſch die Früchte in den Körben ordnet, brummt das Fagott:„man bloß ſo eine!“—
„Wohnt hier nicht Herr Krüger?“—„„Daß ich nicht wüßte.““ —„Ach dann nehmen Sie es nicht übel!“—„„Bitte.““— So geht's Trepp' auf, Trepp' ab; ſo geht's von Haus zu Haus. Ein Schutzmann hat ſchärfere Augen als der gewöhnliche Civiliſt. Er langt ſich den Treppenſteiger man bloß auf eine Secunde.— „Ach ich ſuche man bloß Herrn Krüger.“—„„Man bloß Herrn Krüger! Und dabei wird an wer weiß wie vielen Thüren mit Wachs Abdruck von der Schlüſſelöffnung genommen?! Man bloß mit auf die nächſte Schutzwache, vorwärts!““— Ach lie⸗ ßen ſich doch auch die Becken, die in moderner Orcheſtermuſik fort⸗ während gleichfalls Herrn Krüger ſuchen, mit guter Manier aus der Zahl der ehrlichen Inſtrumente auf irgend eine Schutzwache transportiren!—
Die noble Geſellſchaft ſpricht momentan nichts weiter als von der Ankunft des jungen, ſchönen, liebenswürdigen Herrn Gra⸗ fen, deſſen Geburt in tiefes Dunkel gehüllt iſt. Endlich er⸗ ſcheint er in der Geſellſchaft— ein höchſt eleganter junger Mann.


