Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
169
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.Jahrg.

Wem denn? Warten Sie doch! rief der erſtaunte h es war ſchon zu ſpät, der leichtbeſchuhte ungling war ſchon die Treppe hinaufge⸗ ſprungen und am gleich darauf zurück mit der Meldung: Die Frau Baronin erwartet Sie. Welche Frau Baronin denn? zum Tufel! 3Die Frau Baxonin von Kußſtein. Sie hat befohlen, Sie ſogleich anzunelven, ſobald Sie eintreten. Reginald warmelte einige Verwünſchungen zwiſchen

Zähnene e ieg mit ſehr ſchlechtem Gewiſſen und noch ſo lechterer Laun« vie Treppe hinauf, und wahrlich nicht euliger als das erſte Mal.

Aber auch Ol, pfire ihn dieszmal keineswegs in der Thür harrend, ſie lag vieln⸗ anmuthiger Stellung auf dem Sopha und lachte ihren dure, Liſt eingefangenen Freund ſo herzlich aus, daß dieſer nicht umhin konnte, dem Anſteckenden, welches im aufrichtigen Lachen liegt, nachzu⸗ geben und ſich ſelbſt auszulachen.

Leg' ab, lieber Reginald, und nimm Platz, ſagte end⸗ lich Olga.Wieviel Zeit haſt Du für mich übrig? Du ſiehſt, ich win Dich nicht tyranniſiren.

Eine halbe Stunde.

Das wäre lange genug, um mich an Dir für Deine Vernachläſſigung meiner Wünſche zu rächen. Ich habe Dich vorgeſtern im Opernhauſe ſehr wohl geſehen und er⸗ kannt und kenne auch den Magnet, welcher Dich heut hier⸗ her zieht. Du hätteſt können und ſollen aufrichtiger gegen mich ſein und mir Alles ſagen; doch ich nehme es Dir nicht

übel, denn ein junger Mann kann in Herzensſachen nie cen Phi⸗ discret genug ſein.

Kdüchen mNun, weil ich nicht discret genug ſein kann, ſo habe gicwam, d Du doch die Güte mir zu ſagen, was mich hierherzieht, zu ſchwöran ih woeenn es nicht Deine Liebenswürdigkeit iſt.

Lieber Freund, wenn Du künftig Geheimniſſe haſt, ſo verhandle ſie nicht auf öffentlicher Hausflur und ſchließe

aasaangen 11 .

und er er⸗ Sache llene auf die ihr zu eilen. vaſt:Heute Ane Frear, liebe Annn

ertelſtunde ir

, bei die⸗ d er verſtand gefähr lauten wieder ſchlecht d, und Helene r. Doch nun

behren Sie

das unruhige ſchritte bis ins noch verlaufen pen doonte. Er A9 lte, daß er einer ein ihn empfing, ſie zur Sprache en wegen jenes er die ſich anl- iſſen hatle; 8

ötel, als ſogleich

Reginald glaubte ſich zu erinnern, daß er die Thür feſt ins Schloß gedrückt habe, und hatte Olga in Verdacht, daß ſie diesmal nicht recht offen ſei, weil ſie die Horcherin geſpielt habe, als er mit Franz auf der Flur geſprochen und in ſeiner Freude, von Helene zu hören, an keinen mög⸗ lichen Lauſcher gedacht hatte. Er erwiderte daher mit dem alten Sprichwort:Wer gefehlt hat, darf für Spott und gute Lehren nicht ſorgen.Alſo mit klaren Worten: De willſt jetzt zu Frau von Sternburg gehen. Ich habe ſie geſehen; ſchon bei ihrem Kommen fiel ſie mir auf. Sie hat ſo gar nicht die Abſicht zu gefallen, daß ſie tauſend kleinere, unbedeutende Rückſichten vernachläſſigt, welche jede andere Frau, die ſich gern bewundern läßt, nimmt. Hier⸗ durch unterſcheidet ſie ſich auffallend von der großen Zahl der Damen. Ich ſage nicht: zu ihrem Nachtheil; im Ge⸗ gentheil, ich intereſſirte mich für ſie, ehe ich Deine Neigu kannte. Wie viel genauer beobachtete ich ſie alſo irn Oper! Sie iſt ſchön, ſehr ſchön, das iſt wahr; auch ſehr gut ſein, das ſagen ſchon ihre Augen; a Dich, theurer Reginald, paßt ſie ſo wenig wie die zum Habicht, ich will nicht Adler ſagen, ſonſt m Dich zu eitel.Sie iſt eine ſanfte, reine, weiß Du haſt Recht, und ich bin ein wilder, ſtörriſcher meinethalben ein Habicht, dies iſt auch wahr, aber gerade das richtige Verhältniß.

Nein, das iſt nicht das richtige Verhältniß. mußt eine Frau haben, die lebhaften Geiſtes iſt, die Di immer anregt, ſtets Deinen Geiſt und Deine Neigung be⸗ ſchäftigt; denn Du kannſt leicht vergeſſen, wir haben es geſehen.

Frau Olga wußte es ſehr wohl, daß ſie durch nichts wie durch ſolche Oppoſition den ritterlichen Freund bis zum Selbſtvergeſſen in ein Geſpräch verwickeln konnte, und in der That verfloſſen dieſem die Minuten ſo ſchnell, daß, als er daran dachte nach der Uhr zu ſehen er es mit Schreck gewahrte, wie es eine halbe Stunde nach zwölf Uhr war.

? S rif:Ich velde die Thüren ordentlich feſt hinter Dir. 4 8..r.. 3 5 iüi G⸗ i*ſt wohl das vorzüglichſte in Deutſchland zu nennen. Dank ſei 2, un ſich im ten den vortrefflichen Künſtlern D. D., Dank ſei es dem Publicum, ction zl rtirin, das mit ſeltenem Geſchmacke den Vorſtellungen beiwohnt, und d des ketens ſar Dank den hier lebenden bedeutenden Dichtern, welche lobend und allen Gauen ſulos tadelnd den Sporn bieten, der Spieler und Publicum in angereg⸗ ſchwer wieder uct ter Wechſelwirkung erhält.. 1j zu kle gem ſchMein Freund, die ſchöne Zeit, ſie war ſo wenig als ſie iſt; Ztraße kilhl u⸗ allein die Guten bringen ſie zurück. In dieſem Sinne können berließ finen Re⸗ wir von Dresden reden. 4. iſt e j vulane Der Winter bringt des Neuen ſtets viel. Mit dem Januar eſonderten Phne erſchien zuerſt der Demetrius von Schiller, für die Bühne vollendet vZehier nicht olſo V von Guſtav Kühne. hs. in Par Mit gleichem Erfolge, wie wir ihn von der erſten Aufführung bereits berichteten, iſt das Stück noch verſchiedene Male wieder⸗ holt, und nur die Gaſtrollen des Herrn Emil Devrient und der

dadurch nothwendig bedingte Wechſel der Stücke verhinderten fer⸗ nere Darſſtellungen. Herr Guſtav Kühne, den das Publicum mehr⸗ fach her orrief, wird daher mit dem Erfolge ſeiner Arbeit zufrieden ſein.

NKlaach dem Demetrius ſahen wir das im letzten Jahre durch einen unglücklichen Zufall nur einmal aufgeführte Stuͤck von Ju⸗ lius[HammerDie feindlichen Brüder mit großem Erfolge von Neuchn.Ein Dresdner Kind hat das geſchrieben, ſagte das Putucum und begleitete das Stück mit dem ſo ſchönen Gefühle desſ Stolzes, daß der Verfaſſer ihnen zugehöre. Herr Hammer hatals lyriſcher Dichter einen bedeutenden Namen erworben, und die Vortheile ſeiner Beſchäftigung mit Verſen zeigten ſich an der ſchifpnen, fließenden, edlen Sprache, welche das Ohr beſtach und die Sinne gefangen nahm.

Zum Schluſſe des Monates gab man nochDie Oſternacht

von Wolfſohn, ein Drama, deſſen Aufführung wir mit großer Spannung entgegen ſahen. Herr Wolfſohn hat bereits mit großem Erfolg zwei Stücke hier zur Aufführung gebracht,Czar und Bürger undNur Eine Seele. Beide ſpielen in Rußland, und in derOſternacht entfernt er ſich zum erſten Male von ſeiner Heimath, betritt einen ihm fremden Boden und ſchildert uns die Verfolgungen der Juden auf ſpaniſchem Boden in mittelalter⸗ lichen Zeiten. Es iſt eine alte Mythe, daß die Juden zur Feier ihres Öſterfeſtes Chriſtenblut gebrauchten und ſelbſt einen Mord nicht ſcheueten, um es ſich zu verſchaffen; ein ſpaniſcher Cavalier mordet einen Jüngling von guter Familie, der ſeiner Tochter nachſtellt, und um von ihm die Schuld der That zu wälzen, ſchleppen ſeine Freunde den Leichnam in ein Judenhaus; hier wird er nun gefunden und die ganze Familie in Ketten und Ban⸗ den gelegt und endlich zum Scheiterhaufen verurtheilt. Der Sohn dieſer Familie iſt Chriſt geworden, iſt von dem Prior eines Klo⸗ ſters getauft und bekleidet eine bedeutende Stellung; er liebt eine Chriſtin, die Tochter jenes Cavaliers, welcher den Mord beging. Im erſten Acte ſehen wir den greiſen Prior, Herrn Dawiſon, in weißer Ordenstracht, ſo ſchön und würdig, wie er uns nie zuvor erſchien; er verrichtet die Taufe an dem erwähnten Jüngling. Wir ſehen ihn dann nicht wieder bis zum fünften Acte, wo eben dieſer Jüngling mit ſeiner ganzen Familie den Scheiterhaufen beſteigen ſoll. Wundervoll iſt auch hier ſein Auftreten, wunder⸗ voll die Würde und Weiſe ſeiner Erſcheinung. Er befreit den Jüngling von ſeinen Ketten durch die Erklärung, daß er nicht mehr Jude ſei, und ſeine Worte wirken ſo mächtig, daß der Diener des in Wahnſinn geſtorbenen Mannes, der den Mord beging, ſei⸗