Olga, der er in Unvorſichtigkeit die Zeit des verabredeten Beſuches genannt hatte, ſah mit Schadenfreude ſeine Angſt und wußte auch jetzt im Abſchiede ein paar Minuten ihn hinzuhalten, indem ſie ſagte:„Nun ich ſehe wohl, an Dir ſind Ermahnungen verſchwendet; vielleicht aber berückſich⸗ tigſt Du noch Bitten. Ich bitte Dich alſo, betrachte mich — Du weißt, daß ich drei Jahre älter bin als Du, alſo ſſcchon eine alte, ungefährliche Frau von beinahe acht und wwanzig Jahren, welche Kinder haben könnte ſo groß als ſie ſelbſt,“ und als ſie dies ſagte, ſprang ſie vom Sopha mit vollendeter Anmuth, ſo daß jeder Andere als Regi⸗ nald ſie bewundert und höchſt reizend genannt haben würde—„betrachte mich als Deine alte, treue, aufrichtige Freundin, der wirklich Dein Wohl am Herzen liegt. Und dann noch eine Bitte: ſpeiſe heut bei mir.“ Das Erſte ſagte Reginald mit leichtem Herzen zu; Zweite aber war ihm unangenehm, denn er glaubte zu dürfen, daß es auf eine Beichte ſeines Geſprächs ene abgeſehen ſei; doch konnte er es nicht ablehnen, a ihn ſo freundſchaftlich und nachſichtig behandelt
ſagte alſo zu und ging hinüber zu Helene, bei Franz ihn anmeldete. lene war allein, aber ſie empfing ihn mit Eiſeskälte. ißte fühlen, welches Verbrechen ſie in der verſäumten In Stunde ſah. Er erſchrak über ſein Vergehen, aber Kjubelte innerlich auch über ihren Zorn darüber: wenn ſie Ampfindlich war, ſo war ſie eben nicht unempfindlich gegen ihn! Er ſtotterte eine Entſchuldigung, ſie wich mit Gleich⸗ gültigkeit aus:„Es iſt mir lieb, daß Sie ſpäter kommen, dem Fremden iſt die Zeit hier koſtbar.“ Reginald nahm ſich ein Herz und ging tapfer auf das Ziel ſeines Geſpräches los.„Meine Gnädige,“ ſagte er, „ich erbat mir dieſes Geſpräch mit Ihnen, um wegen der Aeußerung um Entſchuldigung zu bitten, durch die ich Sie in Schönau verletzt haben muß—“
Noveſſen⸗Zeitung.
wiſſen; als er ſich näher erklärte, erröthete ſie kannte daran, daß die Gleichgültigkeit, mit der ſie d
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Frau Helene wollte von einer ſolchen Aeußerung nichts
behandelte, vortrefflich geſpielt, aber doch immer nur ge⸗ ſpielt war. Jetzt wurde Reginald entſchloſſen; er ſagte: „Es war eine kleine Teufelei von Arthur, mir nicht zu ſagen, daß die gnädige Frau Witwe iſt. Ich habe Arthur ſeitdem erzählt, wie ich zu ſo unglücklicher Weltanſchauung gelangt war—“
„Um Sie zu entſchuldigen, hat er uns etwas davon angedeutet,“ das zu ſagen, faßte Helene ſich ein Herz, in⸗ dem ſie die Augen tief niederſchlug und durch die Weichheit ihres Tones unwillkürlich die Weichheit ihrer Seelenſtim⸗ mung verrieth.
„Ich bin, Gott ſei Dank, über jene capriciöſe Philo⸗ ſophie weit hinaus, ich denke jetzt anders über die Welt, und um meine Geſinnungsänderung zu bezeugen, könnte ich ich weiß nicht was Alles thun!“ betheuerte der junge muthige Officier.
„Nun, was denn zum Beiſpiel?“ frug Helene ſchüch⸗ tern und wie ſcherzhaft lachend.
Reginald war entſchloſſen die dargebotene Gelegenheit zu einer entſcheidenden Aeußerung zu benutzen. Die feurige Anrede:„Helene“ war bereits über ſeine Lippen,— doch in dem Augenblicke— warum war er auch ſo ſpät gekom⸗ men— wurde der Unterredung ein Ende gemacht. Fräu⸗ lein F. trat ein, um in dem vorgefahrnen Wagen Helene zur Generalin abzuholen.
„Herr v. Perlmeer,“ ſagte Helene mit einer freund⸗ lichen Sicherheit, die der Angeredete lange an ihr vermißt hatte,„wir müſſen unſer philoſophiſches Geſpräch auf ein ander Mal aufſchieben. Sehe ich Sie vielleicht heute Abend in der Oper, um Sie der Generalin vorzuſtellen, oder im Laufe des morgenden Tages bei mir?“
Reginald ſagte freudig zu ſchon für heute Abend, be⸗ gleitete die Damen an den Wagen und trat dann(er ſah,
nes Herrn Schuld bekennt und damit die Judenfamilie rettet— Dieſer fünfte Act ſchließt damit außerordentlich ſchön, und wir wünſchten, daß es dem Dichter möglich geweſen wäre, was zwi⸗ ſchen Anfang und Ende liegt, in langſamer Steigerung ſo zu ge⸗ ſtalten, daß es uns erwärmte und rührte. Leider aber bringt das Leeid, das uns einzig nur ermüdet und unſere Geduld auf die Zpolter ſpannt, nicht die rechte Wirkung hervor. Es ſoll das Drama Jdaurch die Schilderung menſchlichen Weh's unſer Herz erweichen und es dem ſchönen Gefühle der Theilnahme zugänglich machen. Herr Wolfſohn hat in ſeinem Stücke zu ſehr das Nebeneinander malten laſſen, wie es Gutzkow in einem Romane verlangt. Für die Bühne aber taugt ein ſolches Nebeneinander nicht. Wir kön⸗ naen, ſo will es die Claſticität unſerer Natur, von einem Schmerz zur Freude plötzlich übergehen, wir können weinen und dann lachen in einem Athemzug. Doch was wir nicht vermögen, iſt: von einem Schmerze zu dem andern überſpringen.— Wir ſtehen an einem Sterbebette, gut! wir gehen ganz in der Empfindung dieſes Schmerzes auf.— Der Vorhang hebt ſich wieder, und vor uns ſteht ein neues Leid, abermals und abermals ein Leid. Das er⸗ müdet und läßt kalt. So viel des Leids, und dennoch keine Thränen!— Amely Bölte.
Portraits. Profeſſor Bock.
Unter dem Titel„Männer der Zeit“ bringt die Europa eine Reihe von biographiſchen Skizzen und Charakterbildern der bedeutendſten Perſönlichkeiten der Gegenwart. Wir glauben den
der Phantaſie und dem Gedächtniſſe ſeiner Schüler ein treff endes
Skoda und Oppolzer unterrichten zu laſſen.
Dank vieler unſerer Leſer zu erwerben, wenn wir Ihnen die nach⸗ folgende kurze Biographie unſeres berühmten Landsmanns daraus mittheilen.
Karl Ernſt Bock, zu Leipzig am 21. Februar 1809 gebo⸗ ren, hatte ſich ſchon faſt im Knabenalter unter der Leitung ſeines Vaters, des Proſectors Karl Auguſt Bock in Leipzig, mit der Zer⸗ gliederungskunſt vertraut gemacht. Die ſo früh begonnenen Stu⸗ dien machten ihn als Studenten zum Meiſter in der Anatomie und zum Virtuoſen in der Technik des Secirens. Mit lee Freunde, dem nachherigen Prof. Francke zu Leipzig eilte er 1. 3 auf die Schlachtfelder und in die Hoſpitäler der fürz ihre Freiheit kämpfenden Polen; auch war er dann einige Moſnate lang als Hoſpitalarzt in ruſſiſchen Cholera⸗Lazarethen thätige Zurückge⸗ kehrt in ſeine Vaterſtadt widmete er ſich abermals ſeinér anatomi⸗ ſchen Wiſſenſchaft. Schnell hintereinander bearbeitzete Ar Lin „Handbuch“(1838), ein„Taſchenbuch“(1839), eine„Atlas (1840) der Anatomie, welche ebenſo wie ſeine„gerichtlizchen Sea tionen“(1843) außerordentlich verbreitet und wiederholt Kaufgeleg V
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wurden. In Wort, Schrift und Bild entwickelte Bock auf dieſem Wege gar bald ſein ungemeines Talent als ſyſtematiſcher f hicr. der mit richtigem Takt uͤberall das Weſentliche hervorzuhebehm und
Bild der Formen und Vorgänge im Körper feſt einzupräge ſteht.
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ver⸗
Da glänzte die neue Lehre, welche eine wichtige Entm icke⸗ in lungsphaſe der Heilkunde bezeichnet, hell auf in Wien und P ſafallen dorthin begab ſich Bock, um ſich von Männern wie Rokitan
Schnell nah at
die neuen Grundſätze der pathologiſchen Anatomie und phyſilſſa


