Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
164
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Noveſſen⸗Zeitung.

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ihm zärtlich für die Erfüllung ſeines Verſprechens, und(ter, die dem Erzähler dieſer Geſchichtenach dem Leben

Clärchen überreichte ihm die Börſe, welche ſie in den ein- ſamen Stunden gearbeitet hatte. Dann umarmte er alle Drei und küßte ſie. Wie verſchieden waren dieſe Küſſe!

Als Reginald in Berlin ankam, fand er ſeine Woh⸗ nung verſchloſſen, ſein Diener war ausgegangen, ſein Stallknecht nicht bei den Thieren, dieſe ſelbſt raſten aus Hunger, der Burſche hatte ſich geſtern Abend betrunken und war im Arreſt. Dieſer Empfang trug nicht dazu bei, ihm ſein einſames Leben reizvoller erſcheinen zu laſſen, nachdem er durch die angenehmen Familienverhältniſſe, in welchen er gelebt hatte, verwöhnt worden war. Er ließ ſich durch einen Schloſſer die Thüren ſeiner Wohnung öff⸗ nen; denn er konnte ſich nicht entſchließen in ſolcher Stim- mung vor ſeinen Kameraden zu erſcheinen. Auch durfte er um keinen Preis die Quelle ſeines veränderten Ge⸗ müthszuſtandes entdecken, denn der Brief an Waldſtrom war gewiß dem ganzen Corps bekannt, da dieſer ſehr träge in geiſtiger Beziehung war und die Gewohnheit hatte, alle einlaufenden Briefe uneröffnet zu laſſen, bis ein Kamerad kam, der ſo freundlich war ſie ihm vorzuleſen.

Er ſetzte ſich alſo an das Fenſter ſeiner Schlafſtube, welches auf ein kleines Gärtchen ſah, und wartete, bis es ſeinem Diener gefällig ſein würde zurückzukehren. Glück- licher Weiſe führte der Zufall denſelben endlich doch nach Haus, und Reginald konnte ſich durch ein Donnerwetter wegen der vernachläſſigten Pferde die Seele erleichtern. Dann zog er ſich an und ging ſpeiſen.

Doch es iſt keinesweges unſere Abſicht, das ganze Gar⸗ niſonsleben eines Gardeofficiers, welches Reginald in den nächſten Wochen durchlebte, zu ſchildern. Die Ankunft des Prinzen verzögerte ſich, und wie wenig Reginald in den Anſtrengungen des Dienſtes, in dem Leben mit ſeinen Ka- meraden und ſelbſt in ſeinen genealogiſchen Siudien die gehoffte Befriedigung fand, ſagen uns ſeine Tagebuchblät⸗

als Quelle dienen.

Unſer Held hatte faſt ſechs Wochen dieſes Leben der Entſagung geführt, als ein Brief Arthurs ihm meldete, He⸗ lene gehe nach Berlin. Jede nähere Angabe von Zeit und Ort ihres Aufenthaltes fehlte.

Am nächſten Morgen ging Reginald ſchon früh in eine kleine Conditorei, wo er mit Gewißheit erwarten durfte, keine Kameraden oder Bekannten zu treffen. Er hatte nicht die Abſicht dort zu frühſtücken, nur das Fremdenblatt wollte er leſen. Das heutige, vom 1. Juüli, war noch nicht

vorhanden, er las alſo die alten vom 30. 29. 28. 27. Juni

mehrere Male mit Aufmerkſamkeit durch, ohne Helenens Namen zu finden, dagegen ſtand am 27. Freiherr von Kuß⸗ ſtein nebſt Gemahlin, von Schloß H. in Weſtphalen. Reginald ſagte zu ſich:am 27.? dann werden ſier ſchon wieder abgereiſt ſein, und ſchenkte dieſer Notiz wei⸗ ter keine Gedanken, ſondern trommelte höchſt ungeduldig auf dem Fenſterbret, und jedes Mal, wenn ſich die Thür öffnete, wendete er ſich um, in der Hoffnung, man brächte das neue Fremdenblatt. Endlich erſchien es wirklich, Re⸗ ginald nahm es haſtig in Empfang, und gleich der erſte Blick zeigte ihm:Frau von Sternburg nebſt Tochter und Dienerſchaft von Schloß Schönau in Schleſien. Höôtel du Nord. Es war bereits in der zwölften Stunde, und er eilte über das heiße Steinpflaſter in das Gaſthaus, wo er hörte, daß Frau von Sternburg vor längerer Zeit ausge⸗ gangen und noch nicht zurückgekehrt ſei. Er ſuchte alſo

ſeine Ungeduld zu beſchwichtigen, ſetzte ſich an das Fenſter

des Speiſeſaals und erwartete ihre Rückkehr. Zu ſeiner Unterhaltung dachte er ſich den Empfang aus, welche Rich⸗ tung das Geſpräch nehmen könne u. ſ. w. Da hält eine Droſchke vor dem Hauſe, ein graues Kleid drängt ſich durch die aufgeriſſene Thür iſt dies Helene? Nein. Aber er kennt dies brünette, lebhafte, ſchmale Geſicht, dieſe feine, ſchlanke Geſtalt Olga iſt es. War ſie doch noch hier?

Feuilleton.

,.de

Ein dramatiſcher Ruf.

Vor etwa vierzehn Tagen befanden ſich in Paris bei der Grä⸗ g

fin von T. einige Perſonen von der höchſten ruſſiſchen Ariſtokratie

und einige Franzoſen. Man ſprach eben von den Manifeſtationen der Geiſter, als der bekannte Geiſterbeſchwörer Home eintrat. Es handelte ſich eben um die wichtige Frage: Sind die Manifeſtatio⸗ nen der Geiſter nicht bloß der Gegenſtand leerer Nachforſchung einer unruhigen Neugierde, wie es die Albernheiten, die man durch das, was die Seele eines Todten ſein ſoll, ausführen läßt, und die abgeſchmackt ſinnloſen und zuweilen ziemlich unanſtändigen Ant⸗

worten, die man empfängt, zu beweiſen ſcheinen, oder kann man

von den Geiſtern nützliche Dienſte, wohlthätige Belehrungen, Rathſchläge, Belohnungen, Züchtigungen empfangen?

Home erklärte, dieſe von Gott erlaubten Manifeſtationen könnten nur von unvernünftigen und unklugen Leuten als flüchtige Verſuche betrachtet werden; was ihn ſelbſt betreffe, ſo habe er nie eine Manifeſtation gehabt, die nicht ihre Früchte getragen habe, und er ſaiaüberzeugt, daß die göttliche Allmacht ſich bisweilen dieſer üblatürlichen Vermittler bediene, um die Fehler der Men⸗ ſchen zu beſtrafen.

ich wußte nicht einmal ſeinen

Dieſe Behauptung fand vielfachen Widerſpruch und ſtieß auf großen Unglauben.

Plötzlich erhob und ſagte:.

Frau Gräfin, Sie erwarten dieſen Abend den Beſuch eines jungen Fremden. 1

Es iſt wahr, antwortete die Gräfin von T...,aber wie können Sie das wiſſen?

Das iſt einerlei, aber Sie erwarten ihn.

Ja. Lord R.. of S..e, ein junger Mann von großen Verdienſten, iſt heute in Paris angekommen; er bat Niemanden geſehen und reiſt morgen wieder ab. Woher wiſſen Sie, daß er zu mir kommen wird?

Ich weiß nur das

ſich Home, der in der Ecke eines Sopha's ſaß,

von ihm. Ich habe ihn niemals geſehen; Namen; man hat mich aber davon in Kenntniß geſetzt, daß ſich kürzlich in einem Schloſſe, das ſeiner Familie gehört, eine außerordentliche Thatſache, ein Beiſpiel der Beſtrafung durch die Geiſter zugetragen hat... er nähert ſich, er wird ſchellen... laſſen Sie ihn ſprechen.

Die Thür öffnet ſich, und der Diener meldet:

Lord R..of S...

[IV. Jahrg. Nr.

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