Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
165
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Stand ihr Name unter den Gäſten dieſes Hôtels? Er wußte es nicht mehr, er hatte nicht darauf geachtet; doch als er ſie jetzt ſah, ſtiegen die alten, ſchönen Tage und frohen Stunden ſeiner Jugend, die er ihr verdankte, vor

ſeiner Seele auf, und den Schatten, welchen dieſelben auf

ſein ganzes Leben geworfen hatten, vergaß er. Er be⸗ ſchloß ſich nach ihr zu erkundigen und ſie aufzuſuchen, um zu hören, daß ſie ſich wohl befinde; er dachte, dies würde ihm eine Freude und Erleichterung gewähren, denn er fühlte ſich ihr gegenüber ſchuldig. Er ging hinaus und frug den Kellner, welcher neben dem Portier in der Haus⸗ thüre Wache ſtand:Wohnt die junge Dame, welche eben ankam, hier?

Ja wohl, Herr Lieutenant.

In welchem Zimmer?

Ich werde mich ſogleich erkundigen.

Nehmen Sie doch dieſe Karte mit, ich ließe um die Erlaubniß bitten, meine Aufwartung machen zu dürfen.

Der Kellner kehrte bald zurück, mit der Meldung, die guädige Frau würde ſehr erfreut ſein, den Herrn Lieute⸗ nant zu ſehen.

Schon in der Thür empfing Olga den ſo lange nicht geſehenen Freund, ſchloß dieſelbe hinter ihm, ſah ihn lange

an und ſagte:Wie alt biſt Du geworden, Reginald!

Dies Compliment kann ich nicht erwidern, antwortete

er lächelnd,denn Deinem jugendlichen Geſicht gegenüber möchte ich wirklich zweifeln, daß ich ſeit Nehme fünf Jahre älter bin. Ach, Du biſt galant geworden? Lieber Reginald, ich meinte auch nicht Du ſeheſt ſo alt aus, obgleich es in Wahrheit auch der Fall iſt; aber in Deinem Weſen biſt Du alt geworden, und ich dachte, Du gerade müßteſt einer der Wenigen ſein, welche ewige Friſche behalten.

In wiefern ſcheint Dir mein Weſen ſo alt?

Weißt Du nicht mehr, wie Du in H. vom Pferde ſprangſt und unangemeldet die Treppen heraufſtürmteſt,

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um mich nach wenigen Tagen Trennung zu begrüßen, als läge eine Ewigkeit voll Sehnſucht zwiſchen dieſem Wieder⸗ ſehen und dem letzten Scheiden? Und jetzt ſind wirklich fünf lange Jahre vergangen, ſeit Du mir entflohſt, und Du weißt's vielleicht ſchon ſeit acht Tagen, daß ich hier bin, wenige Schritte von Dir, und Du ſuchteſt mich nicht auf, und als Dich wahrſcheinlich der Zufall hierher führte, läßt Du Dich melden, und während ich begierig in der Thür Dir entgegenſehe, höre ich Dich langſam Stufe nach Stufe hinaufſteigen, ohne eine einzige zu überſpringen Du bift ſehr, ſehr alt geworden, lieber Reginald! Reginald ſagte:Ich glaubte, Dein Mann hätte Dich hierher begleitet. Du haſt Dich alſo nicht einmal erkundigt, ob ich allein ſei? Haſt Du mich ganz vergeſſen, Reginald? Doch ich will Dich nicht quälen. Mein Mann war aller⸗ dings hier, er iſt aber nach Poſen gefahren, um dort ein Gut oder eine Herrſchaft, kurz, um eine künftige Beſitzung für meinen zweiten Sohn zu kaufen, da der älteſte H. behält.

Sie haben zwei Söhne?

Du haſt zwei Söhne? wollteſt Du ſagen, lieber Reginald. Ja, der Himmel iſt gnädig geweſen und hat ſie mir geſchenkt, obgleich ich ſie vielleicht nicht verdiene. Sie ſind meine größte Freude und mein Stolz; ich wünſchte, ich könnte Dir wenigſtens den älteſten zeigen. Doch, Reginald, je mehr ich Dich anſehe, um ſo mehr erkenne ich den alten, wilden Freund heraus; er hat nur eine fremde Maske von kaltem Trotz vorgenommen. Spiele nicht Ko⸗ möodie mit mir, denn ich bin Dir gut geblieben und meine

es aufrichtig, wie es ſich ziemt einem Menſchen gegenüber, den man liebte und der uns ſo nahe geſtanden. Sage: haſt Du mich wirklich ganz vergeſſen?

Nein, erwiderte Reginald,aber ich habe nicht mehr mit Sehnen und Hoffen an Dich gedacht.

Lord R.. of S... iſt ein junger Mann von 26 Jahren, ein Schotte. Er iſt ſehr unterrichtet, ſehr vornehm in ſeinem Aeußern, ganz einfach in ſeinen Manieren. Er hat die nachdenkliche, ein wenig zerſtreute Miene, welche die Damen bei einem ſchönen Jung⸗ geſellen intereſſant nennen, und er wurde mit einer ſehr großen Neugierde empfangen.

4 ie Gräfin von T... ſtellte den Herrn Home dem Lord R... of S. vorz dann erzählte ſie ihm den Gegenſtand der Unter⸗ haltung und zuletzt das, was das amerikaniſche Medium eben ge⸗ ſagt hatte. In dem Geſichte des jungen Schotten ſprach ſich das tiefſte Erſtaunen aus und er ſagte:

Ich habe nie irgend Jemandem erzählt, was ich Ihnen jetzt wegen der merkwürdigen Enthüllung des Herrn Home mittheilen werde. Er hat Recht; in meiner Familie bat ſich etwas Selt⸗ ſames, Unerhörtes ereignet. Sie mögen ſelbſt darüber urtheilen. Mein älterer Bruder, Vord S..., war ſeit ſechs Jahren mit der Tochter des Lord M... vermählt, als er die Bekanntſchaft einer Actrice vom Drury⸗Lane⸗Theater, Miß E..., machte. Das Ver⸗ hältniß meines Bruders zu Miß E..., das bald bekannt wurde ſchadete meinem Bruder ſehr und verurſachte meiner Schwägerin den lebhafteſten Schmerz. Mein von ſeiner Leidenſchaft verblen⸗ deter Brüder verachtete Alles; es dauerte nicht lange, ſo zwang er Miß E..., das Jheater zu verlaſſen. Er gab ihr in London Fer Landſaiſon nahm er ſie mit nach Schott⸗ z uihr zu trennen. Meine Schwägerin ſtarb 3 terbend empfahl ſie mir ihre beiden Söhne. zer ſi ges Bruders über dieſen Todesfall war mit nd choſt machte, vermiſcht, aber trotzdem trennte m.. Vor einem Jahre war er in Schott⸗

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land im Schloſſe S..., einige Meilen von Edinburg, und Miß E..befand ſich bei ihm.

In einer Nacht hatte mein Bruder einen Traum, in dem ihm ſeine verſtorbene, unglückliche Frau erſchien. Er ſah ihren Schat⸗ ten, der ſich über ſein Bett neigte, und hörte ihr Schluchzen.

Warum weinſt Du, Anna? ſagte mein Bruder in ſeinem Traum zu ihr.

Ich weine, weil die Schauſpielerin meinen Söhnen die Liebe ihres Vaters ſtiehlt, wie ſie mir die Liebe meines Gatten geſtohlen hat, antwortete der fortwährend ſchluchzende Schatten.

Du täuſcheſt Dich, Anna; nichts wird die Zärtlichkeit, die ich für meine Söhne habe, ſchwächen. 4

Du glaubſt es; ſie wird ſtärker ſein als Du; doch, halt, ich will Dich gegen ſie ſchützen. Hier iſt der Spitzenſchleier, lieber Georg, den ich an unſerm Hochzeitstage trug. Bewahre ihn immer; er wird Dich und meine Kinder vor der Falle der Fremden retten.

Indem ſie dieſe Worte ſprach, legte ſie den Schleier wie eine Cravatte zuſammen und band ihn um den Hals meines Bruders; dann dieſen mit ihren Armen umſchlingend, gab ſie ihm einen Kuß auf die Stirn und verſchwand.

Als mein Bruder von ſeiner Stirn und ſeinen Wangen eiſige Thränen herabrollen fühlte, erwachte er plötzlich. Er ſah um ſich her und er bedurfte einige Zeit, um ſich davon zu überzeugen, daß das eben Geſehene und Gehörte nur ein Traum geweſen war. Plötzlich ſtößt er einen Schrei aus... Denken Sie ſich ſeine Be⸗ ſtürzung: der Spitzenſchleier war um ſeinen Hals gebunden.

Dieſe mit der Wirklichkeit vermiſchte Viſion ging ihin zu Her⸗ zen. Er war noch in ſeinem Bett, hatte ſich auf ſeinch Ellbogen

geſtützt und war in tiefe Gedanken verſunken, als Miß E... ein⸗