Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
156
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Novellei

Wir gingen mit unerhörter Schwierigkeit; dieſe wurde noch durch das unterbrochene Terrain geſteigert, und wir gelangten nach einem großen Umwege bis auf etwa hundert Schritt von dem Lager. Es konnte etwa elf Uhr Abends ſein; auf das furchtbare Toſen des Sturmes war eine Todten⸗ ſtille gefolgt. Nur das klägliche Geheul der Hyänen und Schakals ſtörte die Stille der traurigen Nacht. Wir muß⸗ ten in dem Bette des Baches ſelbſt fortſchreiten, und das Geräuſch unſerer Schritte erfüllte uns mit Schrecken. Plötzlich blieb Muſſa regungslos ſtehen und flüſterte mir leiſe zu, ſeinem Beiſpiel zu folgen. Wir waren gerade in der Höhe des Duar.

Siehſt Du etwas Verdächtiges? fragte ich ihn.

Nein, aber ich höre etwas.

Was?

Horche!

Wirklich tönte einige Schritt hinter uns das Knicken zerbrochener Zweige und das Rollen von Kieſeln und verrieth uns, daß irgend Jemand ganz in unſerer Nähe ſei. Ich begann eine lebhafte Unruhe zu empfinden und dieſe ſteigerte ſich ſchnell, als ich das Wiehern der Pferde und das Gebell der Hunde in dem Duar hörte. Aber ein un⸗ beſchreibliches Gefühl des Entſetzens bemächtigte ſich mei⸗ ner bei dem Anblick eines gewaltigen Thieres, das an dem Ufer des Baches hintrabte.

Der Löwe! murmelte Muſſa, als ſich derſelbe in der Richtung nach dem Lager entfernt hatte;zum Glück waren wir nicht unter ſeinem Winde, ſonſt

Er hatte noch nicht ausgeſprochen, als wir etwa ein Dutzend Schüſſe, gefolgt von allgemeinem Lärm, im Duar hörten. Das Geräuſch der Waffen, die ſich kreuzenden Commando's und das Brüllen der Ochſen tönten deutlich bis zu uns herüber und mitten hindurch ſchallten die krei⸗ ſchenden Stimmen der Weiber und Kinder, die mit ohrzer⸗ reißenden Tönen riefen:Said! Said!

Der Löwe kehrte beinahe augenblicklich zurück, ein

1⸗=

Zeitung.

(IV. Jahrg.

(Thier mit ſich ſchleppend, das wir für einen Ochſen hielten. Die Kabylen fuhren fort zu ſchreien, aber ſie wagten es nicht ihren Feind zu verfolgen; nur einige Hunde, ermu⸗ thigt durch den Rückzug des Löwen, folgten ſeiner Spur bis in unſere Nähe.

Meine Lage in dem Bache war unerträglich unbequem. Ich mußte mich auf einem glatten Stein erhalten, und da ich einen Schritt zu thun verſuchte, fiel ich mitten in das Waſſer hinein. Zugleich fingen die Hunde an wüthend auf uns einzubellen, und bald hatten ſie uns umzingelt. O!o! flüſterte Muſſa,es ſteht geſchrieben, daß wir hier bleiben ſollen. Eine Gefahr jagt die andere.

Die verwünſchten Hunde werden uns alſo nicht frei laſſen? fragte ich. b

Nein, im Gegentheil; ſie werden verſuchen ſich an uns für ihre Ohnmacht gegen den Löwen zu rächen. Da ſpringt ſchon einer in das Waſſer, und die andern werden ihm bald folgen.

Gibt es kein Mittel ihnen zu entrinnen?

Doch, meinte der Neger, indem er ſein breites Meſ⸗ ſer aus der Scheide zog,ein einziges: einem dieſer Feigen zur Ader zu laſſen und ſeinen Kopf den andern vorzuhal⸗ ten. Tretet hinter mich, während ich den erſten Anlauf aushalte.

In demſelben Augenblick ſprang der Hund der etwas gezögert hatte, ehe er den Angriff wagte, auf Muſſa zu und biß ihn ungeachtet ſeiner Rüſtung von Zweigen tüch⸗ tig in das Bein. Sogleich fielen auch die andern uns an, und wir mußten eine Viertelſtunde lang einen furchtbaren Kampf beſtehen, ohne den geringſten Laut wagen zu dürfen, denn wir bemerkten etwa ſechzig Schritt von uns die Ka⸗ bylen, welche den Löwen noch in der Nähe vermutheten und ſich in ihrem Lager in Reih und Glied aufgeſtellt hatten.

Endlich gelang es Muſſa den wildeſten der Hunde zu packen; er ſtieß ihm ſein breites Meſſer in den Leib und ſchlug ihm dann mit der gewöhnlichen Geſchicklichkeit der

ſonach der in der Novellenzeitung erzählte, von dem Referenten nach ſeiner Behauptung ſelbſt erlebte Vorfall bei der Mahlzeit in der Schweizerhütte als eine reine Erfindung heraus, und es kann auch dabei, abgeſehen von allem Andern, ein Irrthum rückſichtlich der Jahreszahl nicht ſtattgefunden haben, da von den namentlich bezeichneten Theilnehmern im Jahre 1827 wenigſtens die Schau⸗

ſpieler Lortzing, Düringer, Berthold und Ballmann ſich noch gar

nicht in Leipzig befanden, ſondern erſt nach dem Jahre 1830 unter Ringelhardt's Theaterdirection daſelbſt angeſtellt wurden. Welchen Zweck der Referent bei dieſer Erfindung gehabt hat, mag dahin⸗ geſtellt bleiben. Ein Verwandter des Dr. Caspari.

In Beziehung auf vorſtehende Berichtigung bemerke ich, daß es wohl begreiflich iſt, wie nach einem Zeitraume von dreißig Jahren Zahlen und Namen, welche mit einem Ereigniſſe verbun⸗ den ſind, dem Gedächtniß entſchwinden, während das Ereigniß ſelbſt ſich durch die damit verbundenen auffallenden oder merk⸗ würdigen eingeprägt erhält. Ich gebe daher der vorſtehenden Berichtigung inſofern Recht, daß ich mich ſowohl in dem Jahre, in welchem jenes Maccaronifeſt in Kintſchy s ſ wie hinſichtlich einiger Theilnehmer des Feſtes geirrt habe. Daß ſich unter dieſen außer Herloßſohn und mir auch der Dr. Cas⸗ pari und der Zimmermeiſter L. befanden, weiß ich gewiße denn die Namen der beiden Letzteren blieben mir eben dadurch unver⸗

geßlich, daß ſie durch den tragiſchen Erfolg die auffallendſten Per⸗

orden waren. Die Thatſache ſelbſt iſt buchſtäblich wahr, und zwar mit den angegebenen Nebenumſtänden des entſcheidenden Todeswurfes; darin iſt meine Erinnerung als Augenzeuge noch ſo lebhaft, als hätte ſich das Creigniß erſt

ſonen jenes Feſtes gew

Umſtände der Erinnerung unvergänglich und lebendig

Schweizerhäuschen ſtattfand, ſo

vor ganz kurzer Zeit zugetragen. Wenn der geehrte Verwandte des Dr. Caspari als Negirungsgrund dieſer Wahrheit die Ver⸗ wandtſchaft angibt, ſo heißt das gewiß zu weit gehen, denn ſchwer⸗ lich wird der Dr. Caspari ſeinen Verwandten von jedem Schritt und Tritt Rechenſchaft gegeben haben. Das Maccaroni⸗Eſſen war aber an und für ſich ein ganz unbedeutendes alltägliches Er⸗ eigniß und erhielt nur erſt durch den Ausgang Wichtigkeit. Uebri⸗ gens iſt es auch ſehr denkbar, daß der Dr. Caspari ſeinen Ver⸗ wandten abſichtlich nichts von dem Todeswurfe ſagte, um ſie dadurch nicht unnöthig zu ängſtigen. Die geringe Abweichung, welche die Erzählung der Krankheit und der Todesart des Pr. Caspari von der Wirklichkeit beider enthält, ändert an dem vor⸗ V

hergegangenen fataliſtiſchen Umſtande durchaus nichts und kann auf keine Weiſe die Sache ſelbſt zur Erfindung ſtempeln. Ob es die gewöhnlichen oder die ſchwarzen Pocken waren, an denen der Dr. Caspari erkrankte, darauf kommt in Beziehung auf das Factum gar nichts an; eben ſo iſt es dabei durchaus unweſentlich, ob die Piſtole an der Wand hing oder in jeinem Tiſchkaſten lag, und ob durch den Schuß in den Mund der Schädel zerſchmettert wurde, oder nicht. Mir ſagten damals einige der Tiſchgenoſſen, welche mit dem Dr. Caspari näher bekannt waren, derſelbe habe, von den ſchwarzen Pocken befallen, ſich im Fieberparoxysmus durch einen Piſtolenſchuß in den Mund getödtet, und da nahm ich dann bei meiner Erzählung die Zerſplitterung des Schädels an, welche in den meiſten Fällen Folge einer ſolchen gewaltſamen Todesart ſein ſoll. Ich gebe daher Würfeln um die Stelle des Dreizehnten es erzählte.

hier nochmals die Verſicherung, daß ſich das genau ſo verhielt, wie ich L. v. Alvensleben⸗

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