Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
155
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Jahrg.

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immer nicht nach. Wir ſuchten vergebens einige nützliche Trümmer aus dem Schiffbruch aufzufiſchen. Der enge Raum, auf dem wir uns befanden, war rings von ſo hohen Klippen umgeben, daß keine Trümmer bis zur Erde ge⸗ langen konnten. Da wir ſahen, daß wir nutzlos eine koſt⸗ bare Zeit verloren, verließen wir das Ufer, nachdem wir die Leichen des Capitains und des Genueſers in dem Sande eingeſcharrt hatten. Dann erkletterten wir vorſichtig eine kleine Höhe, von der man die Gegend ziemlich weit mußte überſehen können.

Der Neger erreichte den Gipfel zuerſt und warf ſich ſogleich nieder, indem er mir ein Zeichen gab, keinen Laut von mir zu geben. In geringerer Entfernung, als 800 Meter unter uns, ſahen wir an einem grünen Hügel etwa vierzig Gourbirs, umgeben von einer zahlloſen Menge ſchwarzer und geſtreifter Zelte. Es befand ſich dazwiſchen eine große Menge Menſchen, deren lange Gewehre wir deutlich unterſcheiden konnten. Etwa hundert Pferde gras⸗ ten in dem friſchen Kraut des grünen Hügels.

Schlimm, ſchlimm! murmelte Muſſa;wir ſind mitten in einem Heere, das in das Feld zu ziehen im Be⸗ griff ſteht.

Es will wahrſcheinlich zu den Contingenten der Stämme ſtoßen, die in dieſem Augenblick von der franzö⸗ ſiſchen Colonne angegriffen werden.

Ich glaube es. Es iſt für uns nicht gut hier ſein, entgegnete der Neger, indem er auf allen Vieren zurück⸗ kroch.Gehen wir wieder zu dem Meere und ſuchen wir einen Ausgang aus dieſem Loche.

Ich folgte ihm voll Vertrauen, denn außer der Ach⸗

Dritte folge.

tung, die mir ſein Charakter einflößte, wußte ich, daß ihm ebenſo ſehr daran liegen mußte, wie mir ſelbſt, die Kaby-

len zu vermeiden. Wir ſtarben buchſtäblich vor Hunger, und unſere vom Waſſer durchzogenen Kleider fingen an unerträglich kalt zu werden. Indem wir an den Ufer⸗ klippen entlang gingen, fanden wir zum Glück einige See⸗

igel und ein paar Krabben, durch die wir uns etwas ſtärk⸗ ten. Aber die Nacht brach an, ohne daß wir ein Mittel entdeckt hatten, mit einiger Sicherheit aus unſerm Gefäng⸗ niß zu gelangen.

Wir müſſen durchaus morgen früh hier fort ſein, ſagte Muſſa,denn ſonſt würden wir unfehlbar entdeckt.

Und was ſollen wir anfangen?

Ich weiß es nicht.

Unſere Lage wurde in der That fürchterlich; hinter uns das endloſe Meer, vor uns nur wenige hundert Schritte entfernt mitleidloſe Feinde.

Ich habe einen Gedanken, ſagte ich plötzlich zu dem Neger.Gib mir Dein Meſſer.

Muſſa zog ein Meſſer, das beinahe ſo groß war wie ein Maſchinenmeſſer, aus der Scheide, indem er fragte: Was willſt Du thun?

Statt aller Antwort hieb ich die buſchigſten Zweige, die ich in der Nähe finden konnte, ab und forderte den Ne⸗ ger auf ſie zu ſammeln. Als ich eine hinlängliche Anzahl zu haben glaubte, zog ich mein Hemd aus, riß es in ſchmale Streifen, rollte dieſe zuſammen und bildete ſo einen Strick von mehreren Metern Länge.

Ich begreife, rief Muſſa.Du willſt die Kabylen mit ihren eignen Waffen ſchlagen, d. h. Dich in einen Strauch verwandeln, um mitten durch ſie hindurch zu kom⸗ men. Vielleicht gelingt es uns, aber dann?

Dann werden wir weiter ſehen.

Unſere Verkleidung war bald beendigt und das zu un⸗ ſerer gegenſeitigen Zufriedenheit; denn wenn wir ſtill ſtan⸗ den, konnten wir leicht mit dem uns umgebenden Gebüſch verwechſelt werden.

Ich hatte einen kleinen Bach bemerkt, der nach einer Seite von unzugänglichen Felſen begrenzt wurde und etwa ſechzig Schritt von dem Kabylenlager vorüberfloß. Hier beſchloß ich den Uebergang zu verſuchen. Der Neger war von Muth erfüllt und gab das Signal zum Aufbruch.

Eben ſo merkwürdig als charakteriſtiſch iſt Napoleons Ur⸗ theil über ſeinen Schwager Murat:Der König von Neapel iſt zuweilen ein Held von eilf Uhr Morgens bis fünf Uhr Abends.

Berichtigung*).

Im Feuilleton zu No. 47 der Novellenzeitung vom Jahre 1857 befindet ſich ein Artikel mit der Aufſchrift:Dreizehn Tiſch⸗ genoſſen, worin geſagt iſt, daß in Hinſicht auf den bekannten deshalb verbreiteten Aberglauben ſich gar häufig Fälle ereigneten, die zur Beſtätigung deſſelben dienen könnten. dem Einſender ſelbſt erlebter Fall wird nun erzählt, daß am 16. October 1835 eine Geſellſchaft, meiſt Literaten und Künſtler, von denen namentlich Herloßſohn, von Alvensleben, Lortzing, Düringer, Robert Heller, Dr. Schmidt, Berthold und Ballmann genannt werden, in der Schweizerhütte Kintſchy's im Roſenthale ſich verſammelt hätten, um ein von dieſem bereitetes Gericht Mac⸗ caroni zu verzehren; daß durch das unerwartete Hinzutreten noch eines Gaſtes, des Zimmermeiſters L., die Zahl der Theilnehmer auf Dreizehn geſtiegen ſei, und daß man im Scherz darum felt habe, wer von dieſen binnen Jahresfriſt dem Tode verfallen

werde, wobei dem erwähnten L. und dem ebenfalls gegenwärtigen lichenMee ſund 21 Dr. Caspari, einem jungen hoffnungsvollen Arzte, ein gleich nie⸗ einem zerſchmetterten Schädel nicht die Rede ſein.

*) Von befreundeter Seite werden wir um Aufnahme nachfolgender Berichtigung erſucht. Indem wir dieſem Wunſche nachkommen, theilen wir zugleich die Entgegnung mit, durch welche der Einſender des hier berich⸗ tigten Aufſatzes ſich gegen den Vorwurf unwahrer Darſtellung von That⸗ ſaſchen rechtfertigt. 3 D. Red.

driger Wurf zugefallen, jedoch bei wiederholtem Würfeln das

Glück ſich für L. entſchieden; daß nun wenige Wochen darauf Cas⸗ pari von der Pockenkrankheit befallen worden ſei und in einem Fieberparoxysmus ſich ſelbſt erſchoſſen habe. Als ein naher Ver⸗ wandter des Dr. Caspari kann ich verſichern, daß von dieſer gan⸗

zen Erzählung mit Ausnahme des Factum, daß Caspari im Laufe

der Pockenkrankheit ſich ſelbſt erſchoſſen, auch nicht ein Wort wahr

iſt, obwohl ſein im Februar 1827 erfolgter Tod in Beziehung

zu dem gedachten Aberglauben hätte gebracht werden können. Er

war nämlich wenige Wochen vorher bei einer ihm befreundeten

Als ein ſolcher von

Familie zu Tiſch, wo durch das zufällige Ausbleiben eines Gaſtes die Zahl der Tiſchgäſte auf Dreizehn ſich verminderte, und Cas- park, der dieſes zuerſt bei dem Niederſetzen bemerkt hatte, ſtand wieder auf, um die noch hinzutretende Tochter des Hauſes zuerſt

ſich niederſetzen zu laſſen, da, wie er wohl im Scherz zu ihr ſagte,

gewür⸗

der zuletzt ſich Niederſetzende dem Todeslooſe verfalle*). Wenige Wochen nachher befielen ihn die Pocken, jedoch nicht die ſogenann⸗ ten ſchwarzen, und da der Krankenwärter ihn gegen das Verbot des Arztes allein gelaſſen hatte, ſtand er im Fieberdelirium auf, nahm aus ſeinem Schreibpult ein darin liegendes, nicht an der Wand hängendes Terzerol und ſchoß ſich in den Mund, wobei die Kugel ſo tief herabſank, daß ſie auch bei der freilich nur oberfläch⸗ lich ection nicht gefunden wurde; es konnte mithin auch von Es ſtellt ſich V AufſatzesDreizehn Tiſchgenoſſen,

*) Dieſe mir, dem Verfaſſer des tz In T auffallende Beſtätigung der Be⸗

bisher unbekannte Thatſache enthält eine nde 5 hauptung, für welche jenes Ereigniß als Beleg aufgeſtellt wurde:daß der herrſchende Aberglaube, von dreizehn Tiſchgenoſſen müſſe Einer im Laufe leines Jahres ſterben, oft durch merkwürdige Zufälle beſtarkt werde.