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Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg.
heit zuwider war, und Kinderfreundſchaft und Feindſchaft geſchrieben,“ ſagte Reginald lächelnd und erbrach den zwei⸗ geht ins Alter über.“ ten Brief. Dieſer war vom Regiments⸗Adjutanten: Er
Nun war der Weg gebrochen, und das Geſpräch be⸗ ſei zur Dienſtleiſtung beim Prinzen von B. vorgeſchlagen, wegte ſich auf dem Felde jugendlicher Erinnerungen, die Je⸗ der in den nächſten Wochen nach Berlin kommen würde; der liebt und von denen Jeder zu erzählen weiß. Und wolle er es annehmen, müſſe er bis zum 18. Mai ſich mel⸗ nun ſprach auch Clärchen wieder, ſie konnte unbefangen den, um dann ſtets bereit zu ſein; der Prinz ſei ein liebens⸗ von Reginald, dem Kinde, erzählen. Auch Arthurs Aben⸗ würdiger Mann, und es würde wohl einen Orden geben; teuers und ſeines geheilten Armes wurde gedacht. dies wäre zwar ein leichtverdienter und nicht mit Blut ge⸗
Als es kühler wurde, verlangte Helene den See zu taufter, dieſe letztere Sorte wäre aber nun einmal jetzt nicht ſehen, der jetzt vermehrtes Intereſſe für ſie hatte. Man zu verlangen, und auf eine Soldatenbruſt gehöre ein Orden. fuhr auf dem Kahn, man ſang und ſtritt ſich, bis Clärchen Er möge nur ja kommen.(Fortſetzung folgt.) auf Reginalds Bitten nachgab und verſprach, denſelben ſeinen früheren Wirthen zurückzubringen und dann auch den Schönauer See zu befahren.—
Tante Boddel fürchtete ſich im Dunkeln nach Schönau zurückzufahren; daher mußte zeitig aufgebrochen werden. Helene reichte Reginald die Hand und ſagte:„Ein eng⸗ liſcher Abſchied.“ Ein Schifföruch an den Rüſten von Afrika.
„Alſo doch einen Abſchied,“ murmelte Reginald und verſuchte vergeblich die dargereichte Hand zu küſſen.
Noch hatte der Wagen nicht das Hofthor verlaſſen, als Johann zu Reginald herantrat und ſagte:„Der Bote hat Ich empfing einen Brief, der mich ſo ſchnell als mög⸗ auch Briefe aus R. für den Herrn Lieutenant mitgebracht.“ lich nach El Arouh beſchied. Meine Verlegenheit war Reginald beurlaubte ſich daher von den Damen und ging groß, denn das Dampfſchiff, welches den Küſtendienſt ver⸗ in ſein Zimmer, um zu ſehen, welche Nachrichten die Briefe ſieht, wurde erſt etwa in 10 Tagen erwartet. In einem ihm bringen würden. nur irgend beſuchten Hafen hätte ich leicht eine Gelegen⸗
Der erſte, den er aufnahm, war von Waldſtrom. Er heit finden können, die Ueberfahrt am Bord eines Han⸗ enthielt Nichts als tüchtige Schelte für die ſchlechten Verſe delsſchiffes zu bewirken, aber die wenigen Fahrzeuge, welche und endete:„Zur Strafe für die Verleumdung aller Wit⸗ Bugia beſuchen, ließen mir keine große Hoffnung. Indeß wen und deren Männer, reſpective Bräutigams, möge Cu⸗ wollte ich mich doch jedenfalls überzeugen, ob ich mich darein pido Deine Augen nur noch für die Reize von Witwen of⸗ ergeben mußte auf das Dampfboot zu warten. Als ich fen halten. Dies iſt der herzliche und chriſtliche Wunſch die Straße hinabging, die zu dem Hafen führte, klopfte mir Deines ꝛc.“ Jemand vertraulich auf die Schulter.
Wie früh ſchon war dieſer Fluch in Erfüllung gegangen!„Guten Tag, wie geht's?“ fragte lachend ein großer
„Der faule Waldſtrom muß ſich tüchtig über meine Neger, mit dem ich einige Monate zuvor mehrere kleine Jamben geärgert haben, denn ſonſt hätte er nimmermehr Reiſen gemacht hatte.
(Bruchſtück aus einem Reiſejournal.)
Sentimentalität der Proſtitution einer Camelias⸗Dame, in dem hältniſſe, das vielleicht nicht immer direct durch die ſittlichen Con⸗ Heroismus des Ehebruchs einer Dame⸗aux⸗Perles die Verherr⸗ ſequenzen hervorgerufen, niemals aber ihnen offen widerſprechen lichung der wahren menſchlichen Freiheit, der echten, alle Schran⸗ und ſtets unendlich ſtrengere und feinere Anforderungen als dieſe ken verachtenden Sittlichkeit bewundern! Solcher extravaganten ſtellen wird. Nicht alles, was ſittlich iſt, iſt nach den Begriffen der Conſequenz gegenüber mußten wir inconſequenten Aeſthetiker, die Geſellſchaft darum ſchon anſtändig, und ſehr vieles iſt unanſtändig, wir auf die Vorurtheile der überlieferten guten Sitte noch etwas was darnach noch nicht unſittlich. Ein nicht ganz legitimes Ver⸗ geben, uns freilich glücklich preiſen, poetiſche Producte mit einer hältniß liebender Herzen gilt für unmoraliſch; es wird ſehr viele mehr einlenkenden Moral, Producte, die wir auch als Erſcheinun⸗ höchſt anſtändige und zartfühlende Menſchen geben, die, ſo lange gen des blaſirten Katzenjammers bezeichnen könnten, wie Demi⸗ die äußeren geſellſchaftlichen Convenienzen dabei nicht Krletzt Monde und dieſe famoſe Fiammina, als Erzeugniſſe einer ſehr werden, nichts Unanſtändiges darin finden; wohl aber werden ſie möglicher Weiſe ein Verdammungsurtheil in dieſem Sinn aus⸗ ſprechen, ſobald ſolches Verhältniß, gerade um als legitim anerkannt, öffentlich ſittlich zu gelten, gegen jene Convenienzen verſtößt. Monde, in dem die Maitreſſe par excellence als abſchreckendes Es iſt ein ſehr großer Unterſchied, wo und wie wir manches thun, Beiſpiel entlarvt und in ihrer Wuth gegen die honnétes hommes und was in beiden Fällen nicht unſittlich iſt, wird in dem einen gewaltſam gebändigt wird, will es nicht für die Moralität in die oft ganz ſchicklich, in dem andern höchſt unſchicklich erſcheinen, Schranken treten? Und dieſe Fiammina, dieſe Maitreſſe, die durch Unſer Leben hängt mit einer Anzahl natürlicher Nothwendigkeiten die Liebe zum Sohne zur Reue und zum anſtändigen Lebenswan⸗ zuſammen, ohne die wir im höchſten Grade unglücklich wären, die del zurückgeführt wird, iſt ſie nicht mit einer offenbaren Tendenz durchaus nichts Unmoraliſches haben, aber die dennoch in ewige der Sittlichkeit geſchrieben? Dunkelheit verhüllt ſein wollen; nicht nur die Sittlichkeit, ſondern
Solche Behauptung, wie der Berichterſtatter unſeres oben ſehr gerechtfertigtes äſthetiſches Gefühl hält uns ab, Vergnügen erwähnten Referates ſie aufſtellte, können wir nicht in Abrede ſtel⸗ an Einſichten in die Regionen zu finden, denen nur Heinrich Heine, len, und müſſen uns darauf berufen, daß eben die Frage nach der als er durch die Göttin Hammonia gefeit war, Wohlgefallen ab⸗ nackten Tendenz ſolcher Producte, ob ſittlich oder unſittlich, allein gewinnen konnte. Daß wir manches Thun wie Verbrechen ver⸗ durchaus nicht den letzten Maßſtab der Beurtheilung geben könne. bergen, iſt es, was ihm höchſten poetiſchen und ſittlichen Reiz ge⸗ Wir meinen, eine viel wichtigere Rückſicht verlangte jenes natür⸗ währt, und die geringſte Lüftung dieſer Verſchleierung ſtempelt liche Gefühl, das ſich nicht auf Principien zurückführen läßt, ſon⸗ daſſelbe Thun zur Rohheit und Entartung. Daß er in ſolcher dern eben ein natürliches Gefühl iſt, das Gefühl für Anſtand und dreiſten Entſchleierung ſeine Romantik ſucht, müſſen wir dem fran⸗ Schicklichkeit, das Gefühl für zarte Behandlung menſchlicher Ver⸗ zöſiſchen Realismus von der Camelias⸗Dame bis zur Fiammina
ſoliden Weltanſchauung und höchſt honetten Moralität entgegen⸗ nehmen zu können. Und in der That wird man ſagen dürfen: dieſes Stück Demi⸗
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