Jahrgang 
01-26 (1858)
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kam zwiſchen Helene und Clärchen, Arthur auf Clärchens rechter Seite zu ſitzen.

Sie können gar nicht ahnen, um welche Genüſſe Sie ſich durch Ihre ſchnelle Abreiſe gebracht haben, ſagte Helene zu Reginald.

Da ich die höchſten Genüſſe Schönau's ſtets in Ihrer Geſellſchaft ſuchen und finden würde, ſo erlauben Sie mir, daß ich zu wiſſen glaube, wie groß meine Entſagung war.

Sie haben einen höflichen Gaſt, Fräulein Hallſtein.

Mir iſt es lieber, wenn er herzlich als wenn er höf⸗ lich iſt, rief Clärchen, und als ſie den warnenden Blick ihrer Mutter bemerkte, ſetzte ſie hinzu:denn ich betrachte ihn als meinen Bruder. Nicht wahr, Bruder Reginald? Mit dieſen Worten reichte ſie ihm die Hand hin.

Wie kommſt Du Glücklicher denn zu dieſer liebens⸗ würdigen Schweſter nach kaum zwei Tagen Bekanntſchaft, während ich ſeit einem halben Jahre mich vergeblich um ein freundliches Wort bemühe? frug Arthur.

Und jetzt ſollen Sie auch keinen freundlichen Blick mehr erhalten, ſeit ich weiß, daß Sie meine niedlichen Anlagen und meinen lieben, hübſchen See geſtohlen haben.

Aber das habe ich ja nur für Sie gethan, gnädiges Fräulein, damit es Ihnen in Schönau auch gewiß gefalle, wenn Clärchen ſah ihn groß mit ſo verwundertem Blick an, daß er verlegen fortfuhr:wenn Sie meine Schweſter beſuchen werden.

Dann iſt der See hoffentlich ausgetrocknet oder ver⸗ ſchüttet oder zugefroren, entgegnete Clärchen verächtlich; ſie war heute entſchieden unliebenswürdiger Laune.

Reginald wendete ſich daher an Helene und ſagte: Sie hatten mir vorhin von beſonderen Genüſſen Schö⸗ naus erzählen wollen.

Ja, faſt hätte ich es vergeſſen, ſagte Helene,ich bin unterbrochen worden, ich ſoll Ihnen Grüße von Ihrem in⸗ timen Freunde dem Lieutenant O. ausrichten.

War deſſen Beſuch der verſprochene Genuß? Nun, den

Dritte

folge.

gönne ich Ihnen, oder gönne Ihnen denſelben auch nicht, wie Sie es nehmen wollen; aber gegen die Behauptung, daß er mein intimer Freund ſei, muß ich proteſtiren.

Er hat ſich aber als ſolcher angemeldet, fiel Arthur ein, froh etwas Gleichgültiges ſprechen zu können, denn Clärchens ungezogene Antwort hatte ihn ganz ſtumm ge⸗ macht.

Und wir haben ihn als ſolchen aufgenommen, fügte Helene hinzu.

Daran freut mich nur zu hören, daß meine Freunde überhaupt Hoffnung haben, von Ihnen gut aufgenommen zu werden; bei dieſem Herrn bedaure ich aber herzlich, daß Sie ihn nicht fortgeſchickt haben: er iſt unausſtehlich.

Sprechen Sie von allen abweſenden Freunden auf dieſe Weiſe? frug Tante Boddel.

Sie thun ihm Unrecht, er iſt ein ſehr artiger Menſch, wendete Helene ein.

Er ſcheint mir tüchtig in ſeinem Beruf zu ſein, ſetzte Arthur hinzu.

Ach hole der Kuckuk alletüchtigen Leute in ihrem Beruf, wenn ſie nicht auch tüchtige Leute außer ihrem Be⸗ ruf ſind. Wie viel Berufsarten ich ſpreche jetzt nicht grade allein von O.; denn ich bin auch Soldat und dieſer Beruf iſt gewiß ein edler, wenn man ihn nicht bloß von der Seite des Tractamentkriegens betrachtet aber wie viel Berufsarten gibt es, die ſich nur mit der Verſorgung des leiblichen Bedürfniſſes beſchäftigen! Unmöglich kann ein Mann durch die Geſchicklichkeit in ſolchem Beruf ſchon allein zum achtungswerthen Menſchen gemacht werden. Vollkommen in ſeinem Beruf ſein iſt daher ein ſehr kleines Lob, wenn der Beruf kein hoher iſt, und für Herrn O. iſt gewiß ſelbſt unſer Beruf kein hoher!

Weshalb magſt Du denn O. nicht leiden? frug Arthur.

Aufrichtig geſtanden, weil er mir ſchon in der Kind⸗

ſchätzen ihn einlöſen zu dürfen. Vierzehn Tage nach Vorzeigung wurde die Hochzeit gefeiert. Herr William zeigte ſeinem Freunde den richtigen Empfang an und dankte für pünktliche Ausführung.

*

Theater.

Zum letzten Male die fiammina. An Herrn Hermann Marggraff in Leipzig.

Geehrter Herr und Freund!

Kürzlich erſt ließen Sie mir die Ehre zu Theil werden, in den von Ihnen redigirtenBlättern für literariſche Unterhaltung mich und mein anſpruchloſes Blatt zu erwähnen. In einer Zeit⸗ ſchrift wie die Ihrige erwähnt zu werden, wird mir ſtets zur Ehre gereichen, auch wenn es, wie diesmal, mit Widerſpruch ge⸗ ſchieht. Sie referiren über die entgegengeſetzten Beurtheilungen, welche das franzöſiſche Stückdie Fiammina in Deutſchland gefunden, nennen eine Kritik des Herrn Profeſſor Rötſcher in Berlin und eine andere der Novellen⸗Zeitung als diejenigen, welche die ſittliche Tendenz dieſes Drama's hervorgehoben haben, und ſtellen dieſen eine Berliner Correſpondenz des Deutſchen Muſeums entgegen, welche gerade im Gegentheil das Drama verwerflich findet, ein Urtheil, dem beizuſtimmen Sie ſchließlich ſich ſelbſt ver⸗ pflichtet fühlen. Im Grunde iſt es ſchlimm genug, daß wir deut⸗ ſchen Journaliſten über ephemere Gelegenheitsſtuͤcke franzöſiſcher Komödianten, die ja doch damit auf nichts als Eclat und Tantieme ſpeculiren, in principielle Debatte gerathen müſſen; da Sie dieſe

rage nun aber einmal ſelbſt principiell aufgefaßt haben, da es mir ferner ſeit längerer Zeit eine beſondere Freude geweſen iſt,

mit Ihren Urtheilen meiſt übereinzuſtimmen, ſo muß ich ſchon die Angelegenheit der Fiammina nochmals aufnehmen, um Ihnen zu ſagen, daß das herbeigezogene Referat in dieſem Blatt nicht von mir herrührte, ſondern als Beitrag eines bewährten Publiciſten abgedruckt war, ehe ich ſelbſt ein Urtheil über den Gegenſtand ausſprechen konnte, und daß ich perſönlich auch in dieſer Princi⸗ pienfrage mit Ibhren Anſichten durchaus zuſammentreffe. Schon in Nr. 5 bei Gelegenheit des Mirabeau von Th. Mundt nahm ich Veranlaſſung, auf ſolche Differenz mit jenem Referate hinzu⸗ deuten; geſtatten Sie mir hier, von meinem Geſichtspunkte über die Fiammina und dieſe Richtung des neueſten franzöſiſchen Rea⸗ lismus mich gegen Sie auszuſprechen.. Es ſcheint mir, als wenn das Wort Sittlichkeit bei dieſen und ähnlichen äſthetiſchen Beurtheilungen nicht den entſcheiden⸗ den Ausſchlag zu geben im Stande und als wenn die Auffaſſung deſſelben überhaupt eine ſo ungleiche ſei, daß danach allein Aner⸗ kennung und Verurtheilung allgemein maßgebend nicht ausge⸗ ſprochen werden können. Sie wiſſen, welchen Unterſchied Hegel zwiſchen Moralität und Sittlichkeit machte. Die Moralität iſt etwas Ueberliefertes, von Stand und Volksthümlichkeit, Ort und Zeit Beſtimmtes, alſo für eine vollgiltige, reinmenſchliche Beur⸗ theilung zu beſchränkt; die Sittlichkeit aber, das abſolute ethiſche Princip, iſt wieder zu abſolut, zu umfaſſend, als daß ſie für die einzelnen Fälle äſthetiſcher Darſtellungen ſtets einen beſtimmten Maßſtab geben könnte. Iſt es ja doch gerade die extremſte ſociali⸗ ſtiſche Schule, die Allem, was die gegenwärtige öffentliche Mei⸗ nung als Sitte und Moralität ehrt, in Anmaßung der einzig wahren conſequenten Löblichkeit den Fehdehandſchuh hinwirft. Sind es doch eben die principiellſten Aeſthetiker, welche in der

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