Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
149
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Nr. 10.] Dritte

um mir meine Briefe abzuholen; ihr Inhalt möge meine

nächſte Zukunft beſtimmen.

Dieſe Auskunft befriedigte allgemein, man ſcherzte noch viel und trennte ſich erſt ſpät; aber heut reichte Clärchen ihrem Freunde nur die Hand.

Der frühe Morgen des nächſten Tages fand beide Herren ſchon zu Pferd, ſie hatten ſich einen längeren Ritt vorge⸗ nommen und ſcheuten die Hitze des Mittags. Der Baron wollte mit ſeinem jungen Freunde die Grenzen ſeiner Be⸗ ſitzung umreiten und ihn näher in die Verhältniſſe des Gan⸗ zen einweihen; ſeit geſtern Abend betrachtete er ihn als ſeinen wahrſcheinlichen Schwiegerſohn; denn daß Reginald möglicherweiſe ſeine geliebte, hübſche Clärchen nicht lieben könne, fiel dem Vater nicht ein, der im höchſten Grade ſtolz auf ſein Kind war. Anders dachte die Baronin, welche von Reginald um ein Geſpräch unter vier Augen gebeten worden war.

Die noch immer ſehr blaß und angegriffen ausſehende Clärchen wurde deshalb nach Tiſch trotz ihres Sträubens auf ihr Zimmer geſchickt, um ſich durch einen Mittag⸗ ſchlummer zu ſtärken. Die Baronin ſaß heut mit Regi⸗ nald auf der grünen Chaiſelongue im Gartenſaal, und Letzterer ſuchte durch ein Geſtändniß gegen die Mutter ſein Gewiſſen von der Schuld gegen die Tochter zu befreien. Er ſagte ihr, ohne ins Einzelne einzugehen, daß er über⸗ zeugt wäre, nie eine vorzüglichere Gattin erhalten zu können, daß er ohne Selbſtüberhebung ſich ſchmeicheln dürfe, wie Clärchen ihm gleichfalls ihre Neigung zugewendet habe, daß er auf Momente die Grenze vergeſſen, die er ſich geſteckt habe, die Grenze, die er ſich hätte ſetzen müſſen, weil Clär⸗ chen einen Mann verdiene, der ſie und nur ſie von ganzem Herzen liebe, und daß er nicht für ſich weder in der Gegen⸗ wart noch für die Zukunft bürgen könne.

Die Baronin erwiderte:Mein lieber Sohn, denn trotz oder vielmehr grade wegen dieſes Geſtändniſſes ſollſt

folge.

Du mein lieber Sohn bleiben, es ſei ferne von mir, Dir einen Vorwurf daraus machen zu wollen, daß Du unſere Tochter nicht auf die Weiſe liebſt, wie ihr kleiner thörichter Kopf es ſich vielleicht einbildet; dafür aber, daß Du dies nicht gleich und ſtets ihr ganz klar und unumwunden ge⸗ ſagt und gezeigt haſt, ſo daß ſie Deine Meinung nicht miß⸗ verſtehen konnte, dafür ſollſt Du ſie ſelbſt enttäuſchen, und dies möge Deine ganze Strafe ſein.

Sie iſt hart genug.

Aber unerlaßbar, denn uns würde der kleine Eigen⸗ ſinn die Wahrheit nicht glauben und würde uns für ſeine Feinde anſehen, was uns übermäßig ſchmerzen würde; Dich wird ſie immer als Bruder lieben. Nun laß ich Dich allein, damit Du überlegen kannſt, wie Du am beſten handelſt.

Die Baronin ſtand auf, drückte ihm die Hand, wendete ſich vor der Thür noch einmal zu ihm um und nickte ihm zu, dann verſchwand ſie und die Thür fiel ins Schloß; er war nun allein, allein um nachzudenken, wie er eine zarte, reine, innige Neigung, deren Gegenſtand er ſelbſt war, er⸗ kälten, erſticken, zerſtören ſollte.

Wir wiſſen es, er war nicht ſo unſchuldig wie Clärchen, er hatte ſich ſchon mehrmals zu reizenden Damen hingezo⸗ gen gefühlt, und ſeine Zuneigung war nicht ſtets unerwi⸗ dert geblieben; er hatte ſich jedesmal, ich weiß nicht, ob dies ihm zum Fehler anzurechnen iſt, zuerſt zurückgezogen, weil er nie die Vollkommenheit gefunden, welche ſeine Phantaſie ihm vorgeſpiegelt hatte. So hatte ihm die Erfahrung, die theure Lehrmeiſterin, den Weg gezeigt, den er gehen müſſe. Er frug daher bei ſeinem Gedächtniß an:Wie habe ich dies ſonſt gemacht? und dieſes antwortete:Du haſt ihnen Gelegenheit zum Zurückweiſen gegeben. Richtig, dies war es! zuerſt habe ich ſie durch ein wenig Vernachläſſigung, eine kleine Bosheit, Unzartheit, ſelbſt Ungezogenheit dar⸗ auf aufmerkſam gemacht, daß ſich nicht Alles im glatten, alten Gleiſe bewege, daß die Steine des Anſtoßes ſich ge⸗

genommen und der Theaterzettel ſie verkündigt.

zu dem zweiten Stücke ankleidete, begann er ſein Concert zu ſpie⸗ len. Die Rachel erfuhr dies, und ſchon aufgeregt durch die in der Iphigenie erfahrene Kränkung erblickte ſie in dieſem Zufall eine abſichtliche Zurückſetzung, warf über ihr halbvollendetes Coſtüm einen Mantel und verließ ohne weitere Erklärung das Theater.

Man ſollte meinen, daß der Beſitz einer ſo ausgezeichneten, ſo gefeierten Künſtlerin, wie die Rachel, nicht nur dem Rufe, ſon⸗ dern auch der Kaſſe des Theaters, dem ſie angehört, zum größten Vortheil gereichen müßte; indeß war dies in Beziehung auf das

Indeß drängte der jugendliche Virtuoſe ſich vor, und während die Rachel ſich noch

Es iſt eine eigenthümliche Erſcheinung, daß die Rachel, wenn ſie in einer neuen, von ihr ſelbſt geſchaffenen Rolle zum erſten Male auftrat, niemals den Beifall fand und verdiente wie bei öfteren Wiederholungen. Erſt allmählich vervollkommnete ſie ihre Schöpfungen, und in keinem neuen Stücke war ſie ſo vor⸗ züglich, wie in den älteren, claſſiſchen Meiſterwerken, in denen ſie nicht ſelbſt zu ſchaffen, ſondern nur vollſtändig Ausgearbeitetes darzuſtellen hatte. Von der Lady Tartüffe äußerte die Ver⸗ faſſerin, Frau von Girardin, nach dem Schluſſe der erſten Vor⸗ ſtellung ſogar, ſie habe zu ſchlecht geſpielt, und nur mit Mühe konnte die Dichterin bewogen werden, der Künſtlerin einige kalt⸗ höfliche Worte zu ſagen.

Théatre Frangais und Dll. Rachel keineswegs der Fall, wie die

Zablen der Durchſchnittseinnahmen beweiſen. Während des Zeit⸗ raumes von ungefähr 17 Jahren, während welcher ſie dem Théatre Prangais angehörte, brachten die Vorſtellungen, in denen ihr Name auf dem Zettel ſtand, zwiſchen 250,000 und 260,000 Fr. ein, die ganze Jahreseinnahme aber betrug 600,000 Fr. Dieſes Reſultat der übrigen Vorſtellungen war kein günſtiges, allein ſowohl das Publicum als die Direction vernachläſſigte die Stücke, in denen die Rachel nicht beſchäftigt wurde. Es wurden ſehr wenig Neuig⸗ keiten gebracht und dieſe wenigen nicht mit großer Sorgfalt in Scene geſetzt. Was alſo auf der einen Seite durch die Rachel gewonnen wurde, ging auf der andern mehr als reichlich verloren. Den überzeugendſten Beweis für dieſe Behauptung liefert der Um⸗ ſtand, daß ſeit dem Abgange der Rachel die Durchſchnittseinnahme über 650,000 Fr. betragen hat.

Ein reicher Engländer beläſtigte die Rachel durch ſeine im höchſten Grade langweiligen Beſuche. Ihn los zu werden, ver⸗ fiel die Künſtlerin auf ein eigenthümliches Mittel. Neben den Platz, auf dem ſie ihn zu empfangen pflegte, legte ſie ein großes, ſehr elegantes und geſchmackvolles Nadelkiſſen. Während ſie nun dem verliebten Inſulaner die linke Hand zum Kuſſe reichte, zog ſie ihm mit der rechten aus ſeinem Slips die Tuchnadel und ſteckte ſie auf das Nadelkiſſen. So machte ſie es jeden Tag, und ſchnell vergrößerte ſich die Sammlung der Tuchnadeln, die ſämmtlich ſchön und koſtbar waren und die verſchiedenartigſten Formen zeig⸗ ten. Der Engländer, der bei ſeinem großen Reichthum den Ver⸗ luſt leicht verſchmerzen konnte, fand, daß dieſe ſcherzhaften Ent⸗ wendungen von einer ſehr liebenswürdigen Vertraulichkeit zeugten, und ſah lachend auf die ſich mehrende Sammlung, welche neben einem Smaragd eine ſeltene ſchwarze Perle zeigte, neben einer