148 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. Nr. willigſt gewährt wurde. Die beiden Herren durchritten in überließen das zur Sprache Bringen dieſes Gegenſtandes um J wechſelnder Unterhaltung heiter die Felder, welche in kei⸗ ihrem Gaſte, und dieſer ſchob es auf die letzte Minute hin- nächſ nem Monat des Jahres ſo ſchön ſind wie im Mai, und aus, damit der Kampf, den er vorausſah, nicht den ganzen 4 ſahen nicht, daß aus den grünen Büſchen des Hügels ein Abend daure, denn ſo gänzlich ohne Selbſtſchätzung war viel ſpähendes Auge ihren Bewegungen folgte und, wenn ein er doch nicht, um die Thränen Clärchens einem unrichtigen ihte Baum oder Gebüſch ſie verdeckte, ſich trübte, wie wenn un- Grunde beizumeſſen. Nach aufgehobener Tafel erklärte ſer Lieblingsſtern ſich hinter einer Wolke verbirgt: ein bö⸗ der Baron ſeinem Gaſte noch vieles heut Geſehene und ſes Omen, das uns geneigt macht nahes Unheil zu unter Anderem eine neue Pflugconſtruction.„Wenn ich ſ fürchten.— Dir es nur zeichnen könnte!“ rief er dabei, und Reginald n Als am Abend die Reiter heimkehrten, und Reginald bot ihm ſeine Brieftaſche hin, deren Blätter bald mit einem w ſich für einige Minuten in ſein Zimmer zurückgezogen hatte, Grubber geſchmückt waren.— ſ um mit kühlem Waſſer die Spuren des Staubes und der„Wie ſchlecht zeichneſt Du, Papa!“ rief Clärchen und 6 Hitze wegzubaden, ſagte der Baron zu ſeinen Damen: nahm die Brieftaſche, um den Grubber abzuzeichnen; dann „Unſer Gaſt will uns morgen ſchon verlaſſen.“ gab ſie ihre Zeichnung dem neben ihr ſitzenden Reginald u Bei dieſen Worten verſchwand alles Blut aus Clär⸗ zur Prüfung, und dieſer las:„Bleibe doch noch hier, V 1 chens Wangen, und ihr Geſicht wurde ſo fahl und bleich lieber Reginald, ich bitte Dich, wenigſtens morgen 1 wie das Tuch, welches Johann eben über den Tiſch brei⸗ noch!“ 1 tete; ſie wendete ſich zur Thür und hörte noch im Heraus⸗ Reginald ſagte:„Ich werde meine Recenſion disere⸗ 6 gehen, wie die Baronin erſchrocken über die heftige Ge⸗ ter Weiſe nicht ausſprechen, ſondern darunter ſchreiben.“ müthsbewegung ihres geliebten Kindes zum Baron ſagte: Er ſchrieb:„Es iſt für uns Beide, für uns Beide, 6— „Du haſt ihm doch verſichert, daß wir dies unter keiner liebes Clärchen, viel beſſer, wenn ich fahre.“ 9 Bedingung zugeben würden?“ Clärchen nahm es ihm aus der Hand und rief:„Deine h chl Draußen brach das arme Kind in Thränen aus und Recenſion iſt ſehr ſchlecht und häßlich, und ich bin böſe über a eilte ihrem Zimmer zu, um ſich dort ihrem Weh' ganz hin⸗ ſie und auf Dich.“ Und ſie zeichnete einen dichten, dicken d zugeben und die Thränen, die ſie ſchon den ganzen Tag Buſch über alles Geſchriebene, dann aber ſetzte ſie dar⸗ 1 6 über niedergekämpft hatte, ohne Hemmung fließen zu laſ⸗ unter:„Nur morgen noch, ich bitte Dich, nur noch e ſen, ſich ganz auszuweinen; doch als ſie an Reginalds Thür morgen! mir iſt zu bange!!“ 4 eben vorüber war, trat dieſer heraus, und da er ſie weinen Als Reginald dies las, ſagte auch die Baronin, welche d ſah, eilte er ihr nach und ſprach ihr ſo liebreich und theil⸗ mit weiblichem Scharfſinn vielleicht den Ernſt des Spieles—(. nehmend zu, daß nach dem erſten heftigen Aufquellen die errieth:„Lieber Reginald, mein Mann ſagt mir, Du wol⸗ e Thränen langſamer floſſen, dann ganz verſiechten, und bald leſt morgen ſchon wieder fortreiſen; aber ich glaube, Du v ein Lächeln aufſtrahlte über die thörichten, möglichen kannſt nur geſcherzt haben, denn wenn man gute Freunde 4 V Gründe, welche er ſcheinbar rathend ihrem Weinen unter⸗ nach zehn Jahren endlich einmal aufſucht, ſo bleibt man 5 legté. In dieſer glücklichen Stimmung führte er ſie in doch nicht bloß einen Tag.“ w das Familienzimmer zurück, wo von allem Beſprechbaren„Wenn Du es erlaubſt,“ erwiderte Reginald,„ſo bleibe geſprochen wurde, nur nicht von ſeiner Abreiſe. Die Wirthe ich morgen wirklich noch und ſchicke einen Boten nach R., tu
Feuilleton.
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Aus dem Leben der Rachel. Das zweite Mal wurde Dll. Rachel in dem Tbeater der Re⸗
— naiſſance ausgepfiffen, wo ſie zum Benefiz der Georges in der Es dürfte nicht bekannt ſein und daher jedenfalls überraſchen, Iphigenie in Aulis aus Gefälligkeit gegen die Beneſiziantin die ſo daß eine Künſtlerin, welche gleich von ihrem erſten Auftreten an Nebenrolle der Eriphyle übernommen hatte. de ſo gefeiert wurde, wie Mademoiſelle Rachel, dem Geſchick ſchlech⸗ Ein Pfiff war der Dll. Georges entgegengeſchleudert worden, 91 ter Komödianten, ausgepfiffen zu werden, gleichwohl nicht aber voll Unwillen erhob ſich das ganze Publicum dagegen, und TI entgehen konnte. Indeß iſt dies Unglück ihr nur zwei Mal be⸗ unter donnerndem Applaus wurde die Benefiziantin mit Blumen Za gegnet, und leicht konnte ſie ſich daruͤber tröſten, da es nur die überſchüttet, ſo daß auch nicht eine in den Händen zurückblieb. ra ZSolge der Cabale war. Als dann die Eriphyle auftrat, ertönte wieder ein Pfiff, vielleicht er Nieid und Mißgunſt hatten ihr eine Dll. Maxime entgegen⸗ von demſelben Munde wie das erſte Mal. Auch jetzt wies das au geeſtellt, obgleich dieſelbe keineswegs eine ebenbürtige Nebenbuhle⸗ ganze Publicum durch den lebhafteſten Applaus die Beleidigung an rin war und nach kurzen und erkünſtelten Triumphen von der zurück, aber es gab keine Blumen mehr zu ſpenden, und Dll. Ra⸗ der Bühne ganz zurücktrat, um— eine Gaſtwirthſchaft zu errichten. chel empfand die Kränkung ſo bitter, daß das Stück unter fieber⸗ Pu Eine Zeit lang indeſſen wurde Dll. Maxime von einer Par⸗ hafter Erregung zu Ende ging. di tei gehalten, gehoben, und als ſie einſt in der Maria Stuart als Um Dll. Rachel, die damals kaum erſt als glänzendes Me⸗ i Eliſabeth auftrat, wurde ſie wüthend applaudirt. Die Rache⸗ teor an dem Kunſthimmel erſchienen war, für die unbedeutende 81 liſten ſchwiegen dazu, als aber ihre Künſtlerin, Maria Stuart, Rolle der Eriphyle zu entſchädigen, ſollte auf die Iphigenie„le 1 eerſchien, empfingen ſie dieſelbe ebenfalls mit lautem Applaus;— Moineau de Lesbie“ folgen, ein reizendes Stück, in welchem Dll. dagegen pfiffen die Naximiſten.— Wie man ſieht, konnte alſo Rachel ſich in vollem Glanze zeigen konnte. Zuletzt ſollte ein 1 deerr Künſtler⸗Ruf der Dll. Rachel durch dieſes Pfeifen keineswegs junger Violinſpieler, Leo Reynier, ſich hören laſſen. n V leiden. So war die Vorſtellung geordnet, ſo hatte die Rachel ſie an
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