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ſchöne Muſik recht genießen will, und dann ſagte ſie:„Nun ſprich weiter.“
„Was denn, liebes Clärchen?“ frug Reginald er⸗ ſtaunend.
„Wie Du vorhin im Saale ſprachſt.“
„Aber, liebes Clärchen,“ entgegnete er lachend,„das iſt zu viel verlangt. Wie ſoll ich denn noch wiſſen, wie ich vorhin im Saale ſprach? Ich habe doch keine eingelernte Rede gehalten. Und wüßte ich's auch, ſo würde ich es doch nicht wieder thun, denn es brachte Dich ja zum Weinen.“
„Ach, wie biſt Du dumm!“ rief Clärchen.
„Nun, wie ſoll ich denn ſprechen, liebes Clärchen?“
„Hübſch ernſt und verſtändig, wie man zu einem ver⸗ nünftigen Mädchen, wie ich es bin, immer ſprechen ſollte, und nicht ſolch albernes, nichtsſagendes Geſchwätz, wie ich von Allen hören muß, entweder weil ſie ſelbſt zu dumm ſind, oder weil ſie mich für zu unverſtändig halten.“
„Ich werde mich bemühen Dir zu gefallen. Comteſſe St. erzählte mir öfters, daß ſie einen ganzen Winter hin⸗ durch ſich in jedem Cotillon von der Conſtruction der Luftpumpe unterhalten habe. Soll ich Dir über dieſes ernſte Thema einen Vortrag halten?“
„Schäme Dich, herzloſer Spötter!“ rief ſie mit Em⸗ phaſe, doch ſchnell in ihren natürlichen Ton übergehend, fügte ſie hinzu:„Sieh dieſes Meer von Veilchen, das hier im Schatten noch blüht.“
„Wollen wir uns nicht hineinſtürzen und darin zu⸗ ſammen ertrinken? das wäre ein romantiſcher Tod.“
„Das wäre ein duftiger Tod.“
„Und ein dunkelblauer.“
„O pfui! Du biſt auch ein häßlicher Menſch, mir mein Lieblingsplätzchen auf ſolche Art zu verleiden, ich werde hier immer an den dunkelblauen Tod denken müſſen.“
„Und dabei auch an mich; auch wenn Du auf dem
künſtlichen Berg zu Schönau als Frau Gräfin—“
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„Ich will nichts hören!“ rief ſie, lief den Berg hinab, ſprang in den Kahn, band ihn los und ſtieß ab, ſo daß er einige Ruderlängen vom Ufer hinweg flog; doch im näch⸗ ſten Augenblick trieb ſie ihn ſchon wieder an den Landungs⸗ platz und ſprach zu ſich ſelbſt:„Mit ihm will ich nicht ſpie⸗
len, er hält mich ſonſt wirklich für ein Kind.“
Reginald hatte nichts bemerkt, vielleicht hätte er ſonſt nicht gelacht, als er einſtieg und ſie bat, ſie möge ihm doch erlauben auf die Linde hinzuſteuern, um dieſen Platz auch mit einem zarten Andenken zu ſchmücken.„Nein, Du ver⸗ dienſt es nicht,“ ſagte Clärchen bloß kurz, und ſie ruder⸗ ten dem Landungsplatz zu.
Die Sonne war bereits tief hinabgeſunken am wolken⸗ loſen Himmel, und die Baronin empfing die heimkehren⸗ den Schiffer mit dem Rufe:„Ich warte ſchon lange auf Euch, wir wollen dem Vater entgegen gehen.“
Und ſo wandelten Reginald und Clärchen Arm in Arm durch die blühenden Obſt-Alleen und die von der Abendluft bewegten Saaten dem Baron entgegen, der, eif⸗ rig mit dem Beamten ſprechend und bald dahin bald dort⸗ hin zeigend, demſelben ſeine Pläne für die Arbeit des kom⸗ menden Tages auseinanderſetzte. Nach jedem Satz lüftete der Amtmann die Mütze, als ob er ſich empfehlen wollte; aber immer hatte der Baron noch etwas Vergeſſenes nach⸗ zuholen und der Beamte drückte die Mütze wieder feſt auf den Kopf und in das verbrannte Geſicht; endlich ſah er die Familie ſeines Herrn nahen, und dieſen auf dieſelbe auf⸗ merkſam machend zog er ſeine ſtaubfarbene Mütze zum letz⸗ ten Male gänzlich ab, wünſchte ſein„gute Nacht“ mit frohem Herzen und eilte von dannen. Der Baron aber ging den Seinen entgegen, und bald war zwiſchen ihm und Reginald ein eifriges Geſpräch im Fluſſe, zu dem wiederum Schönau und ſein Beſitzer den Stoff liefern mußten. Auch der Baron war ſichtlich über das unbeſchränkte Lob erfreut, welches Reginald dem Freunde ſpendete, und Clärchens Geſicht war das einzige, welches ſich nicht aufhellte. Nur
Die übrigen der vorliegenden„Vermiſchten Aufſätze“ beziehen ſich zum Theil auf Goethe: über das gemüthliche Naturgefühl der Deutſchen und deſſen Behandlung im Liebesliede; über„Hans Sachſens poetiſche Sendung;“ über das neudeutſche Gelegenheits⸗ gedicht mit Beziehung auf„Euphroſyne;“ über Iphigenia als durchaus deutſches Kunſtwerk.— Die übrigen Themen ſind: die in Sage und Dichtung gangbare Vorſtellung von dem Fortleben menſchlicher Seelen in der Pflanzenwelt; das Verhältniß Thü⸗ ringens und Heſſens zur deutſchen Literatur; der Antheil Preu⸗ ßens an der Neugeſtaltung derſelben ſeit Ausgang des 17. Jabr⸗ hunderts bis Schleiermacher, Niebuhr, Grimm, Humboldt u. ſ. w.
Muſikaliſches. Ein angriff auf Alibiſcheff.
AUlibiſcheff, der bekannte geiſtreiche muſikaliſche Schriftſteller, Nuſſe von Nationalität, hat ſeinem Werke über Mozart kürzlich ein anderes über Beethoven folgen laſſen(Beethoven, ses eriti- ques et ses Glossateurs. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1857), gegen das uns, im Intereſſe des großen deutſchen Romantikers, ein eben ſo zutreffender als heftiger Angriff aus einer franzöſiſchen
eder, wie es heißt, vorliegt. Die im Verlage von C. Merſebur⸗ ger in Leipzig erſcheinenden„Anregungen für Kunſt, Leben und Wiſſenſchaft, unter Mitwirkung von Künſtlern und Schriftſtellern herausgegeben von Franz Vrendel und Richard Maaniſrittar Jahrgang, 1858.(Erſtes Heft) bringen dieſe vlranzif ſche Stimme,“ mitgetheilt von Hans v. Bülow, der e Artikel mit folgenden Worten einleitet:
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Nachſtehender Aufſatz iſt uns vor Kurzem aus befreundeter Hand zugegangen. Der Freimuth und die Wärme der darin aus⸗ geſprochenen Ueberzeugungen ſchien uns von genügendem Inter⸗ eſſe, um denſelben in der Ueberſetzung zu veröffentlichen. Da wir nicht autoriſirt worden den Namen des Verfaſſers zu nennen, der hier wirklich nichts zur Sache thut, übernehmen wir gern die Verantwortlichkeit für Einzelnes, an dem diejenigen Anſtoß neh⸗
men könnten, welche in Kunſtangelegenheiten eine ethiſch⸗äſthetiſche
Entrüſtung ungern ſtatuiren. Unſerer Meinung nach hat es einerſeits etwas Erquickliches, einen Ausländer ſo lebhaft für eine deutſche Sache Partei ergreifen zu ſehen, während diejenigen, die ſie zunächſt angeht, kaum anfangen ſich von ihrer unbegreif⸗ lichen Verblüffung durch jenes abſcheuliche Buch, das durch Hen⸗ kershand auf öffentlichem Markte verbrannt werden ſollte, zu er⸗ holen. Hiermit wollen wir nicht eine Erſcheinung, die der Menſch⸗ heit angehört, in den engeren Kreis einer einzelnen Nationalität gebannt wiſſen, aber geſtehen müſſen wir, daß es andrerſeits auch etwas Beſchämendes für uns hat, unſere polemiſche Arbeit von Nichtdeutſchen vollzogen zu ſehen. Während in Deutſchland ſich noch keine gewichtigere Stimme gegen den unverſchämten Litera⸗ ten von Niſchni⸗Nowgorod erhoben hat— Berlin hat würdig der Rolle, die es gegenwartig in der Muſik ſpielt, in verſchiedenen Journalen lobſtrömende Auszüge des großen Pamphletes gebracht — kämpfen Ruſſen und Franzoſen gegen den Beſchimpfer desje⸗ nigen, den der franzöſiſche Hiſtoriker Auguſtin Thierry be⸗ kanntlich ohne alle Einſchränkung als„le plus grand homme de lart“ überhaupt bezeichnet hat.— Speciell erfreut hat uns in der literariſchen Züchtigung, welche Herr Ulibiſcheff mit ſeiner Schmähſchrift Beethoven's und der Beethovenianer in


