Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
137
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7, wie ſie ſich als er Clär⸗ rwundert auf tgegengeſetzt

à,wenn ich vergib wir. Stimme wie⸗ ſprichſt ganz höre Dich ſo

nn die Varo⸗ ſuchte ihren nig erſtaunt, ll, der ziem⸗

nicht ein hal⸗ h denn ſchon

fſich an den ränen ſtröm⸗

Du ſo heftig lde, unbändize

in welche ihn anken lächeln, galten. Oh nfol drdd⸗ 6 dos der er Kaffe ſtand Reginald hat⸗ u keer vor ſih ehe Clärchen

Reginald hatte ſich zu rechtfertigen geſucht, aber die Baronin entſchuldigte ihn ſelbſt, indem ſie ſagte:

Laß es nur gut ſein, mein Junge, und gräme Dich nicht, die Mädchen ſind einmal thörichte Geſchöpfe, ſie

lachen, wenn ſie weinen möchten, und weinen, wenn ſie lachen möchten, und manchmal lachen ſie und weinen ſie zu

gleicher Zeit, und wiſſen ſelbſt nicht, warum ſſie nur Eins von beiden thun, wie viel weniger, weshalb beides zugleich. Ich mag es wohl auch ähnlich gemacht haben, das gibt ſich

aber mit der Zeit; alſo ſtatt Dich wegen einer fremden Thorheit zu entſchuldigen, an welcher Du ſchuldlos biſt, er⸗ zähle mir lieber, wie es in Schönau ausſieht. Ich war während der erſten Jahre meiner Verheirathung oft dort, aber ſeit funfzehn Jahren bin ich nur zuweilen im Durch⸗ fahren abgeſtiegen und habe es nie in der beſten Ordnung gefunden. Hat Arthur Schön ſich ſeiner Beſitzung denn tüchtig angenommen?

Reginald erzählte natürlich das Beſte von ſeinem

Freunde, und die Baronin hörte ſehr befriedigt zu, nur manchmal eine Frage einwerfend über Gegenſtände, welche ſie beſonders intereſſirten, z. B. über Milchwirthſchaft, Ge⸗ müſepflege, Geflügelzucht und dergleichen, Fragen, deren Beantwortung ihr allerdings höchſt ungenügend erſchien, dagegen erweckte die Beſchreibung der neuen Anlagen im Blumengarten und im Park ihre volle Zufriedenheit, und ſie lächelte ſtill vor ſich nieder.

Endlich erſchien Clärchen wieder, aber mit großem Strohhut, Handſchuhen und weitem weißen Kragen, und ſagte:Komm, Reginald, ich werde Dir unſere ſchönen An⸗ lagen in der Nähe zeigen. Reginald folgte natürlich gern dieſem Ruf, denn das Examen wurde ihm bereits beſchwer⸗ lich, da ſeine Wiſſenſchaft am Ende war. Er trat daher mit Clärchen vor die Thür und erſtaunte, wie bekannt ihm plötzlich alle Figuren der Blumenbeete waren; nur die kleine Fontaine ſtörte ihn und erſchien ihm fremd; er frug

Dritte folge. 3

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deberWo kommt das Waſſer zu dieſem Springbrunnen er 2

Aus den Reſervoirs der Brennerei hier im Hofe.

Aber komm, hiex brennt noch die Sonne.

Mit dieſen Worten eilte Clärchen voran, um die küh⸗ len Schattengänge neben den Raſenplätzen zu gewinnen; Reginald folgte, und ſie hatten bald das Ufer des kleinen Sees erreicht; doch hier hielt Reginald an und rief:Das iſt Zauberei! hier bin ich doch ſchon geweſen!

Vielleicht im Traum, lieber Reginald? meinte Clär⸗ chen ſpöttiſch.Denn mit Deiner Perſon zu kommen, haſt Du meine Einladungen nicht für würdig gehalten. Oder biſt Du Hellſeher?

Nein, rief Reginald,das nicht, aber nun weiß ich, wo ich dieſe ganzen Anlagen ſchon geſehen habe. Richtig! dort iſt der Hügel, man landet links und geht einen ge⸗ wundenen Weg hinauf, rechts fließt der Fluß in den See und hier rechts fließt er über ein maskirtes Wehr wieder ab, und auf der andern Uferſeite iſt ein lauſchiges Plätz⸗ ſchen unter einer großen Buche. Richtig, da ſteht auch die Buche.

Nein, eine Linde iſt es, aber das Andere trifft zu, und das nenne ich abſcheulich, uns unſeren niedlichen See zu ſtehlen, auf den ich ſo ſtolz bin! Wer iſt denn der häß⸗ liche Dieb?

Wer anders als Arthur! Das iſt ja der neue See in ſeinem Park.

Der Narr! dies hätte er auch bleiben laſſen können! rief Clärchen ganz böſe.

Und die neuen, geſchmackvollen Anlagen im Garten, deren Plan er ſelbſt erdacht hatte, wie er ſagte, hier iſt das Original von ihm, nur der Springbrunnen fehlt in Schönau. Der Schelm! der Schelm! das hätte ich von ihm gar nicht gedacht.

O, er iſt ein ſchlechter Menſch, wenn er mit ſeinem vielen Gelde unſere niedlichen Anlagen nachmacht, und ich

aufgenommen, die in drei Theilen erſchien und, wie es auf dem

Titel heißt, lauter Stücke enthielt, die in jüngſter Zeit auf dem engliſchen, franzöſiſchen und deutſchen Theater dargeſtellt waren. Sie bildeten mit eine Hauptgrundlage jener unter dem Namen der Haupt⸗ und Staatsactionen bekannten Dramen, die bis tief in das achtzehnte Jahrhundert herein, als Gottſched ſchon längſt

4 dem regelmäßigen Schauſpiel nach franzöſiſchem Zuſchnitt den Sieg auf den beſſern Theatern in Deutſchland errungen hatte, auf Buden⸗ und Winkelbühnen, theils von lebenden Perſonen, theils mit Marionetten aufgeführt wurden.

Was nun nachweislich mit mehreren jener altenengliſchen Komödien und Tragödien geſchehen iſt, daß aus ihnen Haupt⸗ actionen der Wandertruppen wurden, das hat ſich ebenfalls mit RNomeo und Julie zugetragen: ſie iſt, wahrſcheinlich auch durch die engliſchen Komödianten mitgebracht, in Deutſchland zu der ActionRomeo und Julietta geworden, welche E. Deprient auf⸗ gefunden und woraus er in ſeiner Geſchichte der deutſchen Schau⸗ ſpielkunſt einen Auszug und einzelne Scenen mitgetheilt hat.

In ähnlicher Art und vielleicht auch nicht viel ſpäter als Romeo und Julie iſtHamlet richtet worden, wie der aus des Schauſpielers Eckhof Nachlaß im gothaiſchen Theaterkalender vom Jahr 1779 abgedruckte Auszug einerTragödie, der beſtrafte Brudermord, oder Prinz Hamlet von Dänemark bezeugt; derſelbe ſchreibt ſich zwar erſt aus dem

für die deutſche Bühne zuge⸗

Anfang des ſachtzehntens Jahrhunderts her, dürfte aber in einer

andern und vollſtändiger ausgeführten Geſtalt viel früher von deutſchen Schauſpielern benutzt worden ſein. Und leicht möglich, daß im ſiebzehnten Jahrhundert auf demſelben Wege, wie dieſe eiden Stücke, wo nicht mehrere, ſo doch noch ein drittes Meiſter⸗

werk des engliſchen Dichters,der Kaufmann von Venedig, bei uns Eingang fand. Aus dem Concept eines Briefes von Leſſing an Eſchenburg aus dem Jahr 1774 hat nämlich Lachmann eine Ergänzung zu dem bereits früher gedruckten Theile entziffert, in welcher Leſſing berichtet, er habe zehn Jahre vorher auf dem Thea⸗ ter des alten Schuch mehr als einmal ein Stück unter dem Titel der Kaufmann von Venedig aufführen ſehen, welches nach der bekannten Novelle von dem Juden und dem Kaufmann in den Gestis Romanorum gearbeitet geweſen ſein könnte, ohne von Shakſpeare genommen zu ſein. Allein Schuch konnte dieſes Schauſpiel viel eher als eine Haupt⸗ und Staatsaction des ſieb⸗ zehnten Jahrhunderts, die in der That aus dem Shakſpeare ſchen Stück entſtanden und bereits durch viele Hände gegangen war, von ältern Schauſpielerprincipalen erhalten haben.

Eins von Shakſpeare's Werken war alſo ſchon ganz gewiß, einige andere entweder höchſt wahrſcheinlich oder doch muthmaß⸗ lich auf die deutſche Bühne gekommen, als der Name des Dichters noch ganz unbekannt bei uns geweſen zu ſein ſcheint. Denn nicht eher habe ich ihn von einem deutſchen Schriftſteller erwähnt gefun⸗ den als im Jahr 1685 von Dan. Georg Morhof. Dieſer Mann, einer der gelehrteſten ſeiner Zeit und der erſte, der in deutſcher Sprache den Verſuch machte eine umfaſſendere Ueberſicht über die Geſchichte der neueuropäiſchen Literaturen zu geben, wußte den⸗ noch in ſeinemUnterricht von der deutſchen Sprache und Poeſie, der in dem genannten Jahre zuerſt gedruckt wurde, noch nichts weiter von Shakſpeare zu ſagen als:John Dryden hat gar wohl gelehrt von der dramatica Poesi geſchrieben. Die Engelländer, die exhierinnen anführet, ſind Shakſpeare, Fletcher, Beau⸗ mont, von welchen ich nichts geſehen habe; worauf er gleich zu