Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
136
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136 Novellen⸗Zeitung.

ſich ein grüner, mit Büſchen bewachſener Hügel erhob, der theilnehmend ihn die hellen Augen betrachteten, wie ſie ſich die Ausſicht ſchloß, während zu beiden Seiten hohe Bäume allmählich leiſe mit Thränen füllten, und erſt als er Clär⸗ und dichtes Strauchwerk den Zaun verbargen und dem chen nach dem Tuch greifen ſah, blickte er verwundert auf Auge den Beginn eines großen Waldes vorlogen. Dazu und bemerkte, welche ſeiner Abſicht ganz entgegengeſetzte ſprang in den Blumenanlagen ein kleiner Waſſerſtrahl und Wirkung er hervorgebracht hatte. 45 miſchte ſein luſtiges Plätſchern in das melancholiſcheVerzeihe, liebes Clärchen, rief er nun,wenn ich Rauſchen eines fernen Waſſerfalles.. Dir trübes Zeug vorſchwatzte; vergiß es und vergib mir. Hier gefällt's mir, hier iſt es wunderhübſch! rief Nein, nein, ſagte dieſe, als ſie ihrer Sti. Reginald unwillkürlich der Nichttn dah, Nes wr ehr gu ſo: Si ſodeht Bau⸗ Ich finde dies auch, ſagte Clärchen unbefangen, anders wie alle anderen 33 4 4 5 ic u ſprichſt ganz und es freut mich, daß die großartige Pracht Schönaus e⸗ Anderen jungen Teute, ich höre Dich ſo d e. 2 22 1 nane gern ſprechen. Sprich weiter. Dich nicht für unſere gewöhnlicheren Reize unempfänglich 1 4.. Doch Reginald konnte dies unmöglich, denn die Baro⸗

gemacht hat. 4 4 3 T 3 Wenn man gerecht iſt, liebes Clärchen, wird man nin hatte ihren Mittagsſchlummer beendet, ſuchte ihren

Beide bewundern, die natürliche Großartigkeit des Schö⸗ aſſ und ihre Tochter auf und war nicht wenig erſtaunt,

nauer Parks und die Lieblichkeit und verſtändige Be⸗ lettere mit verweinten Augen zu finden, ein Fall, der ziem⸗

nutzung der hieſigen beſchränkteren Verhältniſſe. lich ſelten vorkam. Dies iſt Mama's Werk und zum Theil auch das mei⸗Eil ei! rief ſie,kann man Euch denn nicht ein hal⸗ V

nige, Schade, daß, wie Du ſagſt, die Verhältniſſe ſo be⸗ bes Stündchen allein laſſen? Habt Ihr Euch denn ſchon

ſchränkt ſind; wenn ich in Schönau wäre, da wollte ich es gezankt?

noch viel ſchöner machen. Doch komm herein, wir wollenAch nein, Mama! rief Clärchen, warf ſich an den

die Thür offen laſſen, ich höre das Plätſchern des Waſſers Hals der Mutter, küßte ſie heftig, und ihre Thränen ſtröm⸗

ſo gern, ſetze Dich hier zu mir auf die grüne Chaiſelongue ten von Neuem. 3

und nun erzähle mir von Berlin.Ich bitte Dich, liebes Kind, wie kannſt Du ſo heftig

mit ihren Schönheiten, von Oper, Ballet und Schauſpiel Mädchen von acht Jahren?

mit ihren Künſtlern und Künſtlerinnen, und miſchte heitere Reginald mußte trotz der Verlegenheit, in welche ihn Anekdoten hinein, welche ſeine jugendliche Zuhörerin noch Clärchens Exaltation verſetzte, bei dem Gedanken lächeln, nicht kannte und die ihr hellſchallendes Lachen hervorrie⸗ daß ihm damals die ſtürmiſchen Umarmungen galten. Ob fen. Doch bald wurde er ernſter, die Traurigkeit von Clärchen ſich gleichfalls daran erinnerte? Jedenfalls errö⸗ Schönau ſtieg, während er ſprach, immermehr in ihm auf, thete ſie tief, verließ ſchnell die Mutter und eilte aus der und ſtatt der heiteren Geſchichtchen flocht er trübe und weh⸗ Thür, um den Kaffee zu beſtellen; aber der Kaſſee ſtand müthige Betrachtungen über Welt und Menſchen in die längſt auf dem Tiſch, und die Baronin und Reginald hat⸗ Erzählung. Er hatte vor ſich niedergeſehen und nicht be⸗ ten ſchon lange die gefüllt geweſenem Laſſen kleer vor ſich merkt, wie ſchon lange die kleinen Hände mit der feinen ſtehen, und die Kanne war bereits ganz kalt, ehe Clärchen Stickerei in Clärchens Schoß niedergeſunken waren, wie wieder erſchien.

2.... Reginald begann alſo zu erzählen von den Hoffeſten ſein! Nicht wahr, ſie iſt noch immer das wilde, unbändige V V

ſchrift, zurückzuführen, ſondern auf eine engliſche ſelbſtſtändige lange todt. Er mußte das engliſche Stück demnach weit, früher Bearbeitung der komiſchen Epiſode durch R. Cox. Während der erhalten haben, und nichts liegt näher als die Vermuthung, daß puritaniſchen Revolution nämlich, als alle Theater in London es durch engliſche Komödianten nach Deutſchland gebracht worden geſchloſſen und die Schauſpieler zerſtreut waren, ſei es dieſen, die war. Dabei bleibt aber freilich noch immer unausgemacht, ob in großer Dürftigkeit lebten, zuweilen eingefallen, heimlich in der dies derSommernachtstraum ſelbſt geweſen iſt, oder nur die Stadt oder auf den Gütern des Adels Schauſpiele, ſo gut ſie ſelbſtſtändig behandelte Handwerkerepiſode in demſelben, ja es konnten, aufzuführen.Oft fehlte es an Perſonal, und ſo lag dürfte ſich, wenn der letztere Fall angenommen werden müßte, die Erfindung nahe, Epifoden aus alten Stücken, die ehemals ge⸗ nicht einmal ſogleich entſcheiden laſſen, ob das engliſcha Spiel fallen hatten, vom Schauſpiel zu trennen und dieſe ihren Gönnern wirklich aus dem Sommernachtstraum, ſei es ſchon in land, vorzuſtellen. Maß ließ auch einige dieſer Schwänke, denn das ſei es erſt in Deutſchland, hervorgegangen ſei, oder ob es nicht waren ſie in ihrer Einzelnheit wieder geworden, unter dem Titel vielmehr ſchon vor dem Shakſpeare ſchen Drama in England eine Drolls drucken. Dies ſei namentlich durch R. Cox, einen vor⸗ derartige Handwerkerkomödie gegeben habe, die Shakſpeare, ſoweit trefflichen komiſchen Schauſpieler jener Zeit, geſchehen, und von er ſie brauchen konnte, in ſeine Dichtung einfügte und die früher ihm auch der Schwank aus demSommernachtstraum unter oder ſpäter auch den Weg nach Deutſchland fand.

dem TitelBottom the Weaver bearbeitet worden. Das kleine Mag aber auch die Herkunft des deutſchenPeter Squenz Stück ſei dann nach Deutſchland gekommen, wo es ein Gelehrter, noch immer nicht zu voller Sicherheit ermittelt und ſomit eben ſo Daniel Schwenter in Altorf, für ein deutſches Theater in ſeinem wenig feſtgeſtellt ſein, daß bereits vor dem Jahr 1636 ein Stück Wohnort umarbeitete; ſeine Arbeit habe Gryphius geſehen, ſie von Shakſpeare, mindeſtens theilweiſe, durch die engliſchen Komö⸗ verbeſſert und mit neuen Perſonen vermehrt, wie er es ſelbſt im dianten den Weg nach Deutſchland gefunden habe und ſodann für Vorbericht zumPeter Squenz ſage. Allein dieſer Herleitung deutſche Schauſpieler wiederholt bearbeitet worden ſei, ſo iſt in des deutſchen Stücks widerſpricht ſeine Geſchichte, ſoweit ſie uns neueſter Zeit doch ein anderes deutſches Schauſpiel handſchriftlich aus jenem Vorbericht bekannt iſt. Denn iſt der engliſche Schwank aufgefunden worden, deſſen Aufzeichnung ungefähr eben ſo weit von R. Cox erſt nach dem Schluß der Theater in London zu zurückreichen dürfte als die Abfaſſung des Poſſenſpiels von Gry⸗ Stande gekon imen, ſo kann dies erſt 1647 oder noch ſpäter geſche⸗ phius, und das ganz offenbar eine rohe Umgeſtaltung von Shak⸗ hen ſein, da, ſo viel mir bewußt iſt, jene ſtrenge Maßregel gegen ſpeare s Romeo und Julie iſt..1

das Aufführeri von Schauſpielen in dem genannten Jahre in Aus⸗ Jene engliſchen Komödien und Tragödien wurden das ganze übung kam. Dan. Schwenter aberi, der allerdings nach dem Be⸗ ſiebzehnte Jahrhundert hindurch von den deutſchen Wandertruppen richte des Gry phius denPeter Squenz zuerſtauf Sbu geſpielt. Im Jahr 1670 wurden daher noch mehrere von ihnen

platz geführt, lebte von 1585 bis 1636, war alſo um 1647 ſcher und franzöſiſcher Komödianten

reits in dieSchaubühne engliſ

(IV. Jahrg. V

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