134 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg.
zer, als er die wundervolle Geſtalt, das reizende, bewegte blondes, von der Natur gewölbtes Haar, zarter, friſcher Geſicht vor ſich betrachtete. mit einigen Sommerſproſſen gezeichneter Teint, wie er den
„Nun iſt's genug mit Euren Kindereien,“ unterbrach Blondinen eigen iſt, ein nicht allzukleiner, aber wohlge⸗ ſie die Baronin,„jetzt eine praktiſche Frage, lieber Regi⸗ formter Mund, mit friſchen vollen Lippen und prächtigen nald: wo kommſt Du heute her?“ lückenloſen Zahnreihen, kein niedliches-Näschen, aber eine
„Von Schönau.“ feingeſchnittene Naſe und glänzende, ſtrahlende lichtbraune
„Von Schönau? zu Fuß über die Berge?“ riefen Augen, wie man ſie nur bei lebhaften Naturen finden kann Mutter und Tochter wie aus einem Munde. ließen dies Geſicht, auf einem vollen, ſchöngeformten Hatſe „Nein, bis L. bin ich geritten, dort hab' ich gefrüh⸗ ſich anmuthig vorneigend, in hohem Grade reizend, wenn ſtückt.“ auch nicht als vollkommene Schönheitl erſcheinen. Die
„Und von dort biſt Du direct hierher gekommen, Geſtalt übertraf bei weitem das Geſicht: ſie war ſchlank ohne Dich auszuruhen? ohne Etwas zu genießen? Du ar⸗ und groß, und die zart begrenzte Fülle, welche das leichte mer Junge! Und da laſſen wir Dich noch ſtehen und quäé⸗ weiße Sommerkleid ahnen ließ, und die graziöſe Elaſtici⸗ len Dich mit Liebe, ſtatt Dir Etwas zu eſſen oder zu trin- tät der Bewegungen verriethen, daß ſie makellos ſei, wenn ken zu geben!“ rief die Baronin, und wenn man ſie anſah, nicht ſchon die claſſiſche Form der entblößten Arme und der konnte man ſich wohl denken, wie ſchwer ihr ein ſolcher langen, ſchmalen, vollen Hand mit den ſpitzen Fingern Spaziergang geworden wäre und wie groß daher ihr Mit⸗ V auf das Ganze mit ziemlicher Sicherheit hätte ſchließen
leid ſein müſſe.„Geh, Clärchen, hole irgend etwas Ge⸗ laſſen. Aber einen großen Fehler kann ich leider nicht nießbares und eine Flaſche alten Wein, aber eile!“ verſchweigen: Hand und Arm war, obgleich von tadel⸗ Clärchen flog, man darf wohl für die ſchnellkräftige, loſer Form, doch nicht von jener vollkommenen Weiße, welche anmuthige Bewegung eines jungen Mädchens dieſen Aus⸗ bezeugt, daß dieſe Fingerchen nie etwas Anderes als Fächer druck brauchen, zur Thüre hinaus, und Reginald mußte und Tapiſſerie⸗Nadel berührt haben; ſie waren wirklich ſich neben die Baronin auf das Sopha ſetzen und ihr ſei⸗ ein wenig roth, das heißt: das Geflecht der kleinen Ae⸗ nen ganzen Lebenslauf erzählen, oft unterbrochen von ihren derchen ſchimmerte durch die zarte Haut. theilnehmenden, freudigen oder bedauernden Ausrufungen. Reginald bemerkte dies Alles, als ſie dem Diener die Während dieſer Zeit hatte er vollkommen Muße, die Dame, Teller abnahm, um ſie ihm ſelbſt vorzuſetzen, und den alten welche jetzt neben ihm ſaß, mit ſeinen Jugenderinnerungen duftenden Ungar aus der ſtaubigen Flaſche in das kryſtall⸗ zu vergleichen, und fand, daß dieſelben ſehr treu waren, helle Glas füllte, daſſelbe mit den Lippen berührte und ſo und die Zeit ſehr gelind mit ſeiner Pflegemutter umge⸗ kredenzt dem neugewonnenen Bruder darreichte. Regi⸗ gangen war. Sie war zwar noch ſtärker geworden, hatte nald wollte einen Toaſt auf ſeine liebenswürdigen Wir⸗ aber dabei die Form erhalten, und mit ihren hängenden thinnen ausbringen, doch die Baronin ließ es nicht zu. dunklen Locken, dem kleinen Mund zwiſchen den vollen„Iß nur und trink,“ ſagte ſie,„und dann lege Dich Wangen und den muntern nußbraunen Augen konnte man ſchlafen. Johann, tragen Sie das Gepäck des Herrn Lieu⸗ ſie nicht anders als eine hübſche Frau nennen.— Ihr tenants in das blaue Zimmer.— Es liegt gegen Abend eben wieder mit dem tabletttragenden Diener eintretendes und iſt jetzt kühl, auch ſteht ein großes Schlafſopha Töchterlein erinnerte beinahe mehr an den Vater: dunkel⸗ darin, da kannſt Du langer Menſch Dich bequem darauf
Drei Kanonenſchüſſe vom Schloß San Angelo verkündeten dem myſteriöſe Dunkel der Geſchichte der erſten deutſchen Schauſpiel⸗
Heiligen Vater, daß man die Verurtheilten jetzt hinzurichten im kunſt eröffnet und zugleich zeigt, wie der engliſche Dichter, der jetzt
Begriff;— da ſank Clemens XII. auf ſeine Knie und ertheilte ein Eigenthum unſerer ganzen Nation iſt, bis in die Mitte des
den Cenci die volle Vergebung.— Begnadigt von dem, der ſie vorigen Jahrhunderts ſelbſt unſern Gelehrten kaum dem Namen
verdammt, fiel Beatricens ſchönes Haupt unter dem Beile des nach bekannt war.
Henkers. A. Bölte. Bis gegen den Ausgang des ſechzehnten Jahrhunderts wur⸗
— den die in Deutſchland heimiſchen und üblichen ſowohl weltlichen
.. wie geiſtlichen Schauſpiele weder auf eigens dazu eingerichteten
Zur Literaturgeſchichte. oder gar ehenden Vähnen nes ven eſpentnchen Erſauapie⸗
S es—. truppen aufgeführt: Kirchen, Märkte und Straßen,? athhaus⸗,
Shakſpeare's erſtes Bekanntwerden in Deutſchland. Unerfitan. und Schulſäle, Gaſthöfe, Fürſten⸗ und Privatwoh⸗ Dr. Auguſt Koberſtein, Profeſſor in Pforte, hat, gewiſ⸗ ſermaßen als ſpeciellere Verſtändigung läer einzelne Punkte ſeiner
nungen waren die Orte, wo man ſpielte, und Perſonen aus allen 1 Ständen, beſonders aber Geiſtliche und Schullehrer, Schüler und
deutſchen Literaturgeſchichte“), ſoeben„Vermiſchte Aufſätze Studenten, Handwerker und andere Bürger, hier und da auch zur Literaturgeſchichte und Aeſthetik“(Leipzig, Joh. wohl ſchon Komödianten ähnliche Liebhabergeſellſchaften die Ambr. Barth, 1858) herausgegeben, unter denen uns namentlich Spieler. der Abſchnitt„Shakſpeare's allmähliches Bekanntwerden in Um dieſelbe Zeit aber, wo die engliſche Bühne durch Shak⸗ Deutſchland und Urtheile über ihn bis zum Jahre 1773 intereſ⸗ ſpeare zur höchſten Blüthe gelangte, auf der Scheide des ſechzehn⸗ ſirt hat. Der Herr Verfaſſer will hier eine Bearbeitung deſſelben ten und ſiebzehnten Jahrhunderts, änderte ſich dies bei uns. Seit Thema's von Adolph Stahr in Prutz literarhiſtoriſchem Taſchen⸗ den Neunzigern des ſechzehnten thaten ſich in Deutſchland mit buche von 1843 unter dem Titel„Shakſpeare in Deutſchland“ einem Male Schauſpielertruppen auf, die im Lande umherzogen nach den Quellen ergänzen, welche Herr Stahr nicht kannte, weil und an Fürſtenhöfen wie in großen Städten ganz neue, bis ſie zum Theil die neuere Forſchung erſt eröffnete. Merkwürdig dahin noch nicht geſehene und in ihrem Charakter von den zeither für die Leſer der Novellen⸗Zeitung wird der Eingang dieſer Be⸗ üblich geweſenen ſehr abweichende Stücke aufführten: die ſoge⸗ trachtung namentlich erſcheinen, der einige tiefere Blicke in das nannten engliſchen Komödianten. Wer dieſe, zunächſt wohl e Gſchice ter deltſchen Katiohalebtzat von den Niederlanden Kingewanderten Runſd anden eigentlich ur ) rundri er Geſchichte der deu ſen National⸗Literatur, entwor⸗ ma als mit icherhei⸗
fen on A. Koberſein, Vieite, durchgangig verbeſert Auft. KSrſfr Vne weiiſen unrdelan dis um Mehr ennnus einem ältern Seerhen
Zweiter Band. Leipzig, Fr. Chr. W. Vogel, 1847—1856.(Vergl. Nr. Schriftſt 1 Aetlo 11 winowJtg. v. 39s 9(Perzl. N Schriftſteller, Thom. Heywood, in einer deutſchen Zeitſchrift eine
V Nr. 9 ausſtrech ein oder Re ſchnell vertilg
ſei erſ
ſind
ſchone
„8 leber,
ſern,)


