Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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13² Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. Nr. 9. Luft ſo belebend: es war eine köſtliche Wanderung, Herz(unwillkürlich auf, der aus dem alten, ſtillen, von den lär⸗ wohl abe und Nerven ſtärkend. menden Wirthſchaftsräumen geſchiedenen Schloß Schönau V haben, d Reginald fühlte und erkannte dieſe Wirkung, denn als kam und ſich nun durch den belebten Hof dem neuen Hauſe überriſc er um zehn Uhr in Waldbrunn eintraf, war er trotz der näherte, das nur durch einen ſchmalen Raſenſtreifen mit V ls ihre Wanderung heiterer und lebensfroher geſtimmt wie ſeit acht Blumenrabatten von den Scheunen und Ställen und der un kräf Tagen. bekanntenGoldgrube des Landwirths getrennt war. Und den Er Waldbrunn lag in der Mitte eines ziemlich ausge⸗ ſo ſehr er die Arbeit und ihren moraliſchen und materiellen ſüden dehnten Thalbeckens, deſſen nördliche Berglehnen mit Wald Werth ſchätzte, ſo gab er doch ohne Bedenken Schönau mit na bekleidet waren, deſſen Boden und Sonnenſeiten aber mit ſeinem Spukſchloſſe den Vorzug; denn die ſichtbare An- dand den üppigſten Saaten prangten und beſonders mit weiten ſtrengung und ſchwere Arbeit iſt mitleiderregend, beängſti⸗ ſocli Flächen gelber Rapsblüthen prahlten, die ihre Nähe durch gend, gewöhnlich nur für den Fachmann intereſſant, ſchön einen keineswegs angenehmen Geruch auch andern Sin⸗ aber iſt nur die anmuthige, leichte Bewegung und die Ruhe a Re n nen als dem Auge verkündeten. der Vollendung. diedn Man ſah überall die thätige Hand des intelligenten, Ein grün gekleideter Diener empfing ſchon auf der 1 modernen Ackerwirths, deſſen WahlſpruchNur praktiſch Freitreppe Reginald und bejahte die Frage: ob die Herr⸗ nun lautet. Schon von Weitem glänzten dem Wanderer die ſchaft zu Hauſe ſei. Der Herr Baron ſei zwar auf das a 1 weißen, neuen Wirthſchaftsgebäude durch das noch zart ver⸗ Feld gegangen, doch die Frau Baronin wäre im Haus; wen 1 ſchleiernde, aber nicht verhüllende junge Laub entgegen, er melden dürfe? 1 5 über alle aber ſtrahlte das erhöhte viereckige WohnhausIm Augenblick noch Niemand. Erſt werde ich Sie daie 1 mit ſeinen in der Sonne ſpiegelnden Fenſtern. Man bitten, mich in irgend einem ſtillen Raume von dem Staub mnd wurde ſogleich von dem Eindruck behaglicher Wohlhaben⸗ des Weges zu befreien, ſagte Reginald. nzti heit empfangen; aber man fühlte, daß dieſelbe aus der rüh⸗ Der Diener, Johann iſt ſein Name, nahm dem abge⸗ vuue rigen Thätigkeit entſprang, die überall herrſchte, wie ein lohnten Boten die Taſche ab, führte Reginald durch eine Me kleiner Bach mit richtiger kunſtgemäßer Waſſerbenutzung Seitenthür des Hauſes und ſchloß eine Stube auf, die ſätn eine große Mühle treibt, doch daß ſie nicht die natürliche ſichtlich das Geſchäftszimmer des Barons war. Dort ver⸗ Folge eines großen feſten Grundbeſitzes war, der, ein voller beugte er ſich: der Herr möge Platz nehmen, er würde Duüm Strom, mit Ruhe, gleichſam ſpielend vollbringt, wozu Je⸗ ſogleich mit Bürſten erſcheinen. Reginald hatte auch wirk⸗ 1 iest ner alle Kraft anſpannen muß. lich kaum Zeit zu bemerken, daß Alles um ihn her in der 1 an Dies iſt die äſthetiſche Schönheit des ausgedehnten, peinlichſten Ordnung ſtand und lag; vorzüglich waren es uſede ſchuldenfreien Grundbeſitzes der Majorate, daß er mit der große Acten⸗Regiſter und Papierſtöße auf dem ungeheuern ſo ggraziöſen Leichtigkeit eines geſchickten Athleten die ſchwere Schreibtiſch, Getreideproben und Blumentöpfe mit friſchen d Aufgabe vollbringt, einen großen Hausſtand im Ueberfluß und verdorrten landwirthſchaftlichen Probepflanzen, als auch de. an erhalten, während jeder andere Stand unter der An⸗ ſchon Johann wieder erſchien und, nachdem er ſeine Klei⸗ rann ſtrengung keucht, das Nothwendige für den heutigen Tag der mit Gewandtheit gereinigt, ihn eine breite helle Treppe d 3 und einige Sparpfennige für die Kinder zu erjagen. hinauf durch eine Reihe wohl eingerichteter Zimmer führte Auſ Solche und ähnliche Vergleiche drängten ſich Reginald und im letzten verſchwand, um ihn zu melden. Er mochte Tühn NIA . des S Feuilleton. ſor ASn, W bie Beatrice Cenci- Bildes die Erinnerung daran zurückruft. In dem Kloſter St. ſs 6 Pietro in Montorio wurde ſie unter dem Altare beigeſetzt, über 8 Das heutige Rom iſt für die moderne Kunſt ein Marktplatz, dem damals die Transfiguration von Raphael hing, die ſich heute 85 voo der Fremde zu billigen Preiſen Copien großer Meiſter und im Vatican befindet. In der Sacriſtei iſt das Original der 1 Spielereien der plaſtiſchen Kunſt zu erſtehen ſucht, um damit ſein Beatrice Cenci von Guido Reni, das den Vätern der Kirche eine Haus, wie mit andern hübſchen Möbeln und Gegenſtänden des vedeutende Rente einbringt. Ein Maler hat davor ſeine Staffelei m

aufgeſchlagen und copirt ohne Aufhören. Wir fuhren von hier an dem alten Palaſte der Cenci vorbei, ein graues, altes Gemäuer. 3 finſter und unheimlich, wie die Geſchichte ſeiner letzten Bewohner. hſ Die Kinder des Francesco Cenci, welche alle drei⸗ das Schaffot ſe

7,2 1 1 Luxus, zu ſchmücken; denn die Freude an ſolchen Gegenſtänden iiſt nicht immer mit wirklichem Geſchmacke gepaart, der nur eine V Blüthe der Bildung iſt. Vielen iſt daher mit dem Billigſten am

beſten gedient, und ſo werden denn einzelne Bilder ohne Aufhören

wiederholt, weil ſie leicht anzufertigen ſind und doch dem ungeüb beſtiegen, waren die letzten des Stammes, mit ihnen erloſch dieſer 1 ten Auge einen angenehmen Eindruck machen. Zu den auf dieſe einſt ſo berühmte Name, Am Fuße der Brücke San Angelo, 5 Weeiſe unſäglich vervielfältigten Copien gehört auch die von dem vor dem Grabmale Hadrians wurde das blutige Urtheil im An⸗: u Portrait der Beatrice Cenci. Der jugendlich ſchöne Kopf mit geſichte des ganzen Roms an ihnen volſſtreckt, und nie hat wohl n dem weißen, turbanartig geſchlungenen Tuche, ein wenig über die die Welt mit mehr Schauder die Sünden des Vaters an den Kin⸗ m

V linke Schulter gewandt und gleichſam aus dem Bilde heraus⸗ dern gerächt geſehen, wie an dem Tage, wo der letzte der Cenci 94 ſehend, findet ſich in jedem Bilderladen und zwar zu dem unglaub⸗ unter dem Beile des Henkers fiel.. 1 R lich geringen Preiſe von drei Piaſter. Man ſagt, ſie habe am Francesco Cenci, der Vater der ſchönen Beatrice, hatte ſich Tage vor ihrer Hinrichtung dazu geſeſſen; doch drücken die Züge in ſeinem zwanzigſten Jahre verheirathet und war Vater von ſie⸗ i nicht aus, was ſie ſo kurz vor der grauſamen Kataſtrophe empfin⸗ ven Kindern geworden, als ſeine immer noch ſchöne Gemahlin ſehrnr

V den mußte, die noch jetzt jedes Herz bewegt, wenn der Anblick des unerwartet ſtarb, worauf er kurze Zeit darauf eine zweite Ehe mit V ſat dau

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