Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
119
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in man ſich noch bt. Jetzt denkt 8 wider Willen dohe ſchießt, und die Zukunft zu b man ihn wohl enden, wie man Man kann ſ Ach Hegenwart! bis jetzt nicht Arthur. Aecker tragen neue Gelegen⸗ ill ich ohne Be⸗

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Nr. 8.]

ich ihr die letzten Blumen auf die kurze Fahrt bis zu ihrem nächſten Gut in den anrückenden Wagen reichte. Aber, wie ich eben ſagte, ſie war mit ihren Eltern nur wenige Meilen von Rehme auf das Hauptſchloß ihrer Beſitzungen gezogen, um dort einige Wochen zuzubringen und von da aus im Herbſt nach der Schweiz und Italien zu gehen. Ich war dringend von Jedem der drei Familienglieder aufgefordert worden, ſie recht bald zu beſuchen, und Olga verſprach mir Pferd und Wagen oder ein Reitpferd ihres Mannes zu ſchenken; jedenfalls aber ſollte ich die vom Arzt verlangte Pauſe der Cur in H. zubringen. Die nächſten drei Tage wurden mir unendlich lang; denn man verwöhnt ſich ſchnell, die trägen Stunden durch ſtetes, liebevolles Sorgen für eine geliebte Perſon auf das Allerangenehmſte vollkommen auszufüllen, und fehlt dieſe plötzlich doch ich wollte ja keine Betrachtungen mehr halten. Am vierten Morgen alſo kam ich ſehr mißvergnügt aus dem Bade und war ſchon halb entſchloſſen, mir einen Gaul zu miethen, als ich den Kutſcher des Freiherrn an meiner Hausthür

fand, der mir meldete: er ſei mit zwei Reitpferden hier,

um mich abzuholen, und ſollte mir auch dies Briefchen über⸗ geben. Ich erbrach natürlich augenblicklich das Siegel, fand aber nur am obern Rande das WortKomm, ſieben und dreißig Mal(ich habe mir die Zahl gut behal⸗ ten, wie ich eben bemerke) bis an den unterſten Rand un⸗ terſtrichen. Natürlich folgte ich mit Freuden dieſem Rufe und ſchonte die Pferde keineswegs, dies verſichere ich Dir. Wir unterhielten uns den ganzen Tag hindurch vor⸗ züglich, obgleich wir wohl tüchtigen Unſinn geſchwatzt haben mögen; denn, ſoweit ich mich erinnere, haben wir uns wie wilde Kinder in den Schulferien, aber nicht wie erwachſene Menſchen betragen. Doch das iſt Dir gleichgültig und überhaupt gleichgültig; denn die Hauptſache bleibt immer, daß man ſich glücklich fühlt.

Der Tag ging zu Ende. Am Abend ſtiegen ſchwarze Wolken auf, und der Sturm heulte ſchauerlich um den al⸗

Dritte

Folge. 119 ten Bau mit dem ſchwerfälligen Wartthurm, und die alten Bäume ächzten und ſtöhnten, wenn ein recht kräftiger Windſtoß in ihre Kronen fuhr und die Aeſte an einander rieb. Wir ſaßen in einem gewölbten und ziemlich großen Zimmer, deſſen Wände mit dunklem Eichenholz bekleidet waren; man hatte es gewählt, weil ein großer Kamin ſich darin befand, der uns ſeine Wärme ſpendete; denn bei dieſem Wetter war es in den dicken Mauern ganz unange⸗ nehm kühl. Es war natürlich, daß ich in dieſer Umge⸗ bung auf Geſpenſter zu ſprechen kam, auch wenn ich mich damals nicht faſt ausſchließlich, weit mehr als jetzt, für Geiſtererſcheinungen intereſſirt hätte. Ich hatte ſo lebhaft über das Lieblingsthema geſprochen, hatte dasFür und Wider zu meiner eigenen, vollkommenen Zufriedenheit auseinander geſetzt und dabei ſchauerliche Beſchreibungen erwarteter, aber nicht erlebter Abenteuer in der Gruft meiner Ahnen und in einer verrufenen Kirche eingeflochten, daß ich gar nicht bemerkt hatte, wie ſtill und wenig erfreut meine Zuhörer das Ende meines Vortrags abwarteten. Als ich aber zum Schluß mich über alle Geiſterſeher luſtig machte, ſagte der alte Freiherr ſehr ernſt:

Mein lieber, junger Freund, was Sie zu ſehenwünſch⸗ ten, können Andre ſehr unerwünſcht wirklich geſehen haben, und es iſt noch lange kein Beweis für die Nichtexiſtenz von Geiſtern, daß ſie ſich Ihnen grade nicht gezeigt haben.

Ich war noch zu jung und zu verwöhnt, um dieſe Er⸗ mahnung ohne Erwiderung hinzunehmen, ich ſagte alſo: Wenn es Geiſter gäbe, ſo würden ſie meine Herausforde⸗ rungen angenommen haben und mir erſchienen ſein, um mich für meine Keckheit zu beſtrafen; da ſie es nicht gethan

haben, glaube ich nicht an ſie und werde nicht an ſie glau⸗ ben, bis ich einen Strauß mit ihnen durchgekämpft habe. Ich wünſchte doch, es ginge hier ſolch ein unruhiger Geſelle um, damit ich Ihnen, Herr Freiherr, beweiſen könnte, welche Scheu dieſe Schatten vor einem beherzten Manne von Fleiſch und Blut haben.

wozu ihm hier die Mittel immer fehlen würden. Geſetzt, daß es bei dieſer Gelegenheit erſt an den Tag kam, daß Hutten, von ſeinem Vater aufgegeben, von dieſer Seite nichts zu erwarten habe, ſo war eine ſolche Entdeckung wenig geeignet, die Stim⸗ mung ſeines Wirthes zu verbeſſern. Endlich, erzählt er uns, habe dieſer ſeinen Vorſtellungen nachgegeben und er mit deſſen Wiſſen und Willen ſich zur Abreiſe vorbereitet. Aber wir erfah⸗ ren von ihm zugleich, daß Henning ſpäter in Abrede ſtellte, ſeine Einwilligung gegeben zu haben,

Es war mitten im Winter, wahrſcheinlich in den letzten Ta⸗ gen des Decembers 1509, als Hutten Greifswald verließ, um nach Roſtock zu wandern. Die Kälte war ſtreng, alle Waſſer, ſelbſt das Meer an der Küſte gefroren. Es war keine Kleinigkeit für den noch keineswegs von ſeiner Krankheit Geheilten, in ſolcher Jahreszeit einen Weg von zwölf Meilen zu Fuße zurückzulegen: doch in der Hoffnung auf der Meklenburgiſchen Univerſität eine beſſere Aufnahme zu finden, pilgerte er munter zu. Gerade ging er über einen gefrornen Sumpf an einer Weidenpflanzung hin, als auf einmal Reiter aus den Büſchen brachen und mit drohender Stimme ihm Halt zuriefen. Es waren Lötziſche Diener, die ihn bedeuteten, wenig Uniſtände zu machen und ihnen Alles zu geben was er habe. An Widerſtand war nicht zu denken, ſein Bitten und Flehen war vergebens, ſie zogen ihm die wärmenden Ober⸗ kleider ab, und einer ſetzte ihm, wenn er nicht ſchwiege, die Helle⸗ barde auf die Bruſt. Der alte Wedeg wollte die Kleider zurück haben, zu denen er wahrſcheinlich den Zeug gegeben. Aber nicht genug. Der arme Muſenſohn trug ein kleines Bündelchen, in das er nebſt etlichen Büchern auch eigene Dichtungen zuſammen⸗ geſchnürt hatte. Das könne ſie doch nicht reich machen, meinte

er, und wollte es an ſich behalten; auch das nahmen ihm die Schergen ab. Und zum Schaden den Spott fügend, tröſteten ſie ihn, wenn er den Leuten eins vorſinge, würden ſie ihm ſchon an⸗ dere Kleider ſchenken.

Halb nackt wanderte er weiter; in welchem Zuſtande er in Roſtock ankam, läßt ſich denken. In einer elenden Herberge ſank er auf das Siechbette, da Kälte und Blöße alle ſeine Uebel ver⸗ ſchlimmert hatten. Mittel, ſich Pflege und Erquickung zu ver⸗ ſchaffen, hatte er keine. Nach und nach ließ er den Profeſſoren der Univerſität, ließ er ern Studirenden Kunde von ſeiner Noth, Proben ſeines Talentsäͤkommen. Aufmerkſamkeit, Theil⸗ nahme blieben nicht aus. Ecbert Harlem, von ſeiner niederlän⸗ diſchen Geburtsſtadt ſo genannt, Profeſſor der Philoſophie und Regens der Burſe zur Himmelspforte, ſuchte ihn auf und nahm ihn in ſein Haus. Er lebte als Junggeſelle, ein gelehrter und rechtſchaffener Mann, der auch Andern außer Hutten hülfreich war. Das war kein Lötz: ſeinen Gaſt hielt er ſo, daß Vadian Huttens Quartier bei ihm mit dem des Ulyſſes bei Kalypſo ver⸗ gleichen konnte. Er ſorgte für Arznei und Pflege und gab dem Mittelloſen Geld in die Hand. In ſeinem Hauſe, an ſeinem Tiſche fing Hutten an wieder aufzuleben. Auch andere Profeſſo⸗ ren erwieſen ſich ihm günſtig; ein Kreis von Studirenden ſam⸗ melte ſich um ihn, denen er ſchönwiſſenſchaftliche Vorträge hielt. Er kam ordentlich in die Mode zu Roſtock; man hieß ihn nur den neuen Poeten; bereits ſchien es der Mühe werth, ihn zu beneiden.

Nun fühlte er ſich auch wieder im vollen Beſitze ſeines Ta⸗ lents. Ja er fühlte ſich zum erſtenmale darin. Der kurze Zeit⸗ raum ſeit dem Antritte ſeiner nordiſchen Reiſe war für ihn reich an Erfahrungen geweſen. Mit zweiundzwanzig Jahren war er

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