Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
120
Einzelbild herunterladen

120

Nein, das halte ich nicht mehr aus! rief Olga plötz⸗ lich, und ich bemerkte nun erſt, wie verſtört ſie ausſah. Du weißt gar nicht, wie unſinnig und frevelhaft Du ſprichſt.

Iſt Dir denn ein Geiſt erſchienen? frug ich lachend dagegen, und da ſie ſchwieg, fuhr ich übermüthig fort: Vielleicht Dein geliebter Mann?

Aber mir verging alle Luſt zum Spott, als ſie mit tonloſer Stimme ſagte:Ja. Aber ich bitte Dich flehent⸗ lich: ſchweige jetzt davon!

Ihr ganzer Körper zitterte, das Grauen vor der Er⸗ ſcheinung war ſelbſt in der Erinnerung noch ſo mächtig, daß ich klar ſah, ſie ſcherze nicht bloß, um mich zu necken, ſondern es ſei ihr tiefer Ernſt, beſonders da auch die alten Herrſchaften ſo finſter darein ſahen. Doch grade dieſer Ernſt und dieſe Bewegung Olga's regte mich an. Hier war alſo die richtige Quelle, dieſen wahrhaften Menſchen war ein Geiſt erſchienen und es mußte doch Mittel geben, ihn aufs Neue erſcheinen zu laſſen. Ich quälte daher (denn wer iſt grauſamer als ein Wißbegieriger?) Olga ſo lange, bis ſie mir folgende Geſchichte erzählte, deren Wort⸗ treue ich natürlich nicht verbürgen kann:

Du wirſt gehört haben, daß man erzählt, ich hätte nicht glücklich mit meinem Manne gelebt. Ich bin leider ſelbſt die Urſache dieſes Gerüchtes, denn ich ließ mich ein⸗ mal verleiten es war in Münſter einer inquirirenden Freundin einzelne ungünſtige Momente, wie ſie in jedem Eheſtand vorkommen mögen, anzuvertrauen; aber ich wurde furchtbar dafür geſtraft. Ich hatte damals die Gewohn⸗ heit mein Zimmer ſtets zu verſchließen und zu verriegeln, ehe ich mich niederlegte, daher ſchlief ich immer ſehr ruhig und zuverſichtlich. So war es auch an jenem Abend; doch ich konnte noch nicht ſehr lange geſchlafen haben, als ich geweckt wurde durch ein leiſes Tappen, Springen und Schieben, das ſich aber immer ſteigerte und zu einem

Novelſen⸗Zeitung.

Kratzen und Scharren wurde, wie ich es nie ſonſt gehört habe. Da ich mich nicht aus dem Bett wagte, um davon zu laufen, ſchrie ich aus voller Bruſt; aber es half nichts, der Lärm in der Stube wurde immer größer, alle Möbel wurden hin und her geſchoben und Glas und Porzellan klirrte, dabei ziſchte es ſchauerlich, und beſonders ängſtete mich dieſes gräßliche, entſetzliche Scharren, das mir alle Nerven zu zerreißen ſchien. Ich war mit dem Kopf unter die Decke gefahren und ſchrie aus einer Luke hervor un⸗ unterbrochen:Feuer! Hülfe! Mein guter Vater war herbeigeeilt, aber er konnte die verriegelte Thür nicht öff⸗ nen, und ich wagte mich nicht unter meiner ſchützenden Decke hervor. Endlich kamen Leute, die Thür wurde er⸗ brochen und wie man mein Zimmer fand, mag Dir mein Vater erzählen.

Olga lehnte ſich erſchöpft in den Seſſel zurück, und der alte Herr bezeugte, daß er das Zimmer in der gräß⸗ lichſten Unordnung gefunden, das Porzellan zerbrochen u. ſ. w., aber ohne daß er oder ſeine Leute die geringſte Spur eines Menſchen oder Thieres, vielleicht einer Katze, hätten wahrnehmen können; daß alle Fenſter geſchloſſen und alle Thüren verriegelt geweſen wären, daß alſo die Urſache des Lärms eine durchaus räthſelhafte bleibe.

Du kannſt Dir denken, daß meine Begierde durch dieſen Bericht nicht geſtillt, ſondern noch geſteigert wurde; ich fragte alſo höchſt unbeſcheiden:Hatte denn Dein Mann geſagt, daß er Dir erſcheinen wolle? Oder weshalb denkſt Du denn, daß es ſein Geiſt geweſen ſei, da er ſich nicht genannt hat, und Du ihn auch nicht geſehen haſt? Allerdings hat er mir gedroht, ſagte ſie verlegen,ſo⸗ bald ich ſchlecht von ihm ſpräche, würde er mir erſcheinen und mich fürchterlich quälen.Dann würde ich mir in einem lebenden Mann einen Schutz gegen den Todten ſuchen, ſagte ich.Um Gotteswillen, nein! ſchrie ſie. Er hat mir das Schrecklichſte angedroht.Und iſt Dir

das Ungeheuer wieder erſchienen? frug ich etwas einge⸗

vom Jünglinge zum Manne gereift. Was aber das Entſcheidende war: die Spitze dieſer Erfahrungen war eine empörende Unbill, eine offene Gewaltthat gegen ihn geweſen, die ſeine ganze Ent⸗ rüſtung hervorrufen mußte und zugleich ſein Talent entbinden ſollte. Die Hebamme von Hutten's Geiſte war der Zorn. Seine Werke ſteigen an Bedeutung in dem Verhältniß, als die Gegen⸗ ſtände ſeines Zornes bedeutender werden, dieſer ſelbſt reiner wird. Was Hutten diesmal hervorbrachte, waren die Klagen gegen We⸗ deg und Henning Lötz oder die Loſſier, wie er ſie im lateiniſchen Verſe nannte. Dieſe Schrift nhumt auf der eben angedeuteten Stufenleiter zwar die unterſte, abet eine weſentliche Stelle ein, als die erſte, welche das volle Gepräge des Hutten'ſchen Geiſtes trägt. Seine bisherigen Verſuche hätte auch ein anderer begabter Mu⸗ ſenſohn jener Tage machen können: die Querelen gegen die Loſſier konnte nur Ulrich Hutten ſchreiben. In der an die deutſchen Poeten gerichteten Schlußelegie die⸗ ſer Schrift macht Hutten ſeinen Sandet ntt eiaahelegſendig⸗ ſamen Sache aller deutſchen Humaniſten. Zu dem Ende ſchickt er ſeine elegiſche Muſe auf eine Rundreiſe im Vaterlande und läßt ſie bei allen Gelehrten der neuen Richtung, Meiſtern und Geſellen, einſprechen, um ihr Mitgefühl, wenn auch nicht ihre Mitwirkung für das mißhandelte Glied ihres Ordens rege zu machen. Dieſer Gemeingeiſt, dieſe Solidarität unter den freien und ſchönen Geiſtern jener Zeit war nicht bloß ein Wunſch Hutten's ſondern ſie beſtand in der Wirklichkeit. Wenige Jahre ſpäter ſo zeigte ſie ſich glänzend in Reuchlin's Handel mit den Kölnern. Die Freunde des Fortſchrittes hatten aber auch allen Grund ſich gegen die Anhänger des Alten feſt zuſammenzuſchließen. Denn bereits war der Verdacht gegen ſie als gefährliche Freigei⸗

V

V

ſter rege geworden. Er iſt ein Poet, er ſpricht Griechiſch, alſo ſteht es ſchlecht um ſein Chriſtenthum, hieß es. Poet galt in kirchlichen Kreiſen für ein Schimpfwort, das man nicht auf ſich ſitzen laſſen mochte; es war eine Brandmarke wie heut zu Tage Pantheiſt.

Zur Geſchichte der Preſſe. Officielle Journaliſtik in Preußen.

DieKritiſchen Blätter für Literatur und Kunſt, redigirt von Schmidt⸗Weißenfels(Prag, bei J. L. Kober), bringen im erſten Hefte ihres eben begonnenen zweiten Quartals einen BeitragZur inneren Geſchichte der Preſſe in Preußen, der offenbar einer ſach⸗ kundigen, an höherer Stelle eingeweihten Feder entfloſſen iſt und aus dem wir die folgenden Notizen hier mitzutheilen uns nicht ver⸗ ſagen können, ſchon um mancherlei anderweitigen Entſtellungen der davon berührten Verhältniſſe entgegentreten zu können. Der anonyme Berichterſtatter erzählt: 4

Nachdem im November 1848 das Miniſterium Manteuffel die Ordnung wieder an die Stelle der Unordnung geſetzt hatte, begann man auch der Preſſe und ihrem verwilderten Zuſtande Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Bei der Macht, welche das neue Miniſterium beſaß, ja unter den Umſtänden, welche damals exi⸗ ſtirten, wäre es eine Kleinigkeit geweſen, der geſammten preußi⸗ ſchen Preſſe den Ggraus zu machen und an Stelle der verhaßten, abgeſchafften Cenſur eine noch ſtrengere Preßpolizei zu ſetzen. Man hätte den Namen verändern können, um die Function noch läſtiger zu machen, ſowie man etwa die verpönten Gendarmen

(IV. Jahrg. N. 8.

ſhüchtert W an, ſchweig

1Wir n, undd Jeder vor

uns Aller verheimli

mäch for⸗

ich aber binden, verſtinm daher ki die Wißb nüich nich verſchloß ſeit jener ſogleich z Nei Nic dätte ſie nimmer machen 1 ich mich übergeh ſie zur

Mittern ich, die ſollte ji es elf 1 Sturmge I ard lich, na- wenn ie finſtern los, d aber 9

uit Küt lusſcu dch ſehr V tabe un aarätt

G N

naläga

N

naliſte conſtr komm Preſſ wollt Waſſen Nein den J