Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
118
Einzelbild herunterladen

IV. Jahrg.

118 Rr. 8.

Novelſen⸗Zeitung.

ic ihr die

derte den übrigen Tag ausſchließlich mit mir. Selbſt ihre Eltern, welche ſie ſehr liebte und von denen ſie überaus

vor ſeinem zwanzigſten Jahre genießt, wenn man ſich noch

dem Augenblick mit ganzer Seele hingibt. Jetzt denkt

nächſten

zärtlich geliebt wurde, vermied ſie in ſolchen Stunden. man an die vergangene Stunde, um das wider Willen wie ich Ich mußte ſehr viel Neckereien wegen dieſes Vorzuges geſäete Unkraut auszujäten, ehe es in die Höhe ſchießt, und Mellen v ertragen; denn Alle behaupteten, nur meiner großen Ju⸗ an die kommende, um guten Samen für die Zukunft zu Kezogen, gend, die keine Heiraths⸗Pläne vermuthen laſſe, verdanke ſtreuen. Man prüft den ſinkenden Tag, ob man ihn wohl ads w ich dieſe Gunſt. Ich glaubte dies ſelbſt, war aber dem Ge⸗ genützt, und macht Pläne für den aufſteigenden, wie man 88 ni ſchick ſehr dankbar, welches mir dieſes Glück gewährte; der dies Stück Lebensmaterial verwenden wolle. Man kann aufgefor Grund war mir ſehr gleichgültig, denn ich dachte wirklich Jahre zurückdenken und muß Jahre voraus ſehen. Ach derſptac nur an die in ihrer Nähe ſo ſchnell und angenehm ver⸗ man lebt zu allen Zeiten, nur nicht in der Gegenwart! Mauns fließenden Stunden, die ſich ohne ſie am Whiſttiſch oderLieber Reginald, Brodkorn war wohl bis jetzt nicht verlange beim Domino und Sechsundſechzig unendlich dehnten, unter Deinem ausgeſtreuten Samen? frug Arthur. dral Lihe als wäre das Zeitmaß von Gummi. Dieſe Gunſt wuchsNein, ſagte dieſer lächelnd,meine Aecker tragen ſih ſne noch, als Olga plötzlich alle Geſelligkeit ängſtlich vermied dieſe Frucht nicht. Doch damit Du nicht neue Gelegen⸗ Langen unter dem Vorwand, der Arzt dringe auf ſtrengere Cur, heit zu einer ſpitzigen Bemerkung findeſt, will ich ohne Be⸗ rollonm die mit ſteter geſelliger Aufregung nicht vereinbar ſei; in trachtung ſchlicht weiter erzählen. Acht Tage in einem ihulie Wahrheit aber hatte ein Herr von Kußtein die Kühnheit Bade zwei Menſchen beſtändig allein zuſammen dies Uurend gehabt um ſie anzuhalten, war entſchieden abgewieſen wor⸗ muß bei ſolcher Jugend zur größten Vertrautheit führen. unſto den, und Olga wollte jeder Wiederholung ſolcher Scenen Nach Ablauf dieſer Zeit nannten wir uns gegenſeitigDu lls Wchd vorbeugen. und beſprachen mit größter Unbefangenheit Alles, was uns ſond, de Der alte Freiherr, ihr Vater, theilte mir ſelbſt den grade einfiel, ſelbſt Dinge, welche ich heut gegen meinemnih⸗ erſteren Grund mit und ſetzte hinzu:Aber Ihr Geſpräch, Frau, wenn ich ſolche hätte, nicht erwähnen würde, nur tben. mein lieber junger Freund, wirkt nur anregend, doch nicht das WortLiebe war aus unſerer Unterhaltung verbannt. ſind ab aufregend, das weiß ich am beſten; Sie werden alſo mich Wir handelten eben, wie Kinder und Völker thun, die ſeden n alten Mann doch nicht allein zu Haus in den ungemüth ten, wi

lichen Stuben ſitzen laſſen, wenn meine Damen baden oder anderweitig beſchäftigt ſind, darauf rechne ich.

Gern verſprach ich dies dem liebenswürdigen alten Herrn, der mich auf wunderbare Weiſe in ſein Herz ge⸗ ſchloſſen hatte und meinem gewiß höchſt unreifen Ge⸗ ſchwätz ſtets mit aufmunterndem Lächeln zuhörte, und noch

ſich vor Namen ſcheuen, aber der namenloſen Natürlichkeit ſich willig unterwerfen. Wenn ſie mich mit ihren heißen, ſchwarzen Augen ſtundenlang anſtarrte, mir mit leichter Hand, aber oft plötzlich unterbrochen durch convulſiviſchen Druck, das Haar ſtreichelte, während ich zu ihren Füßen ſaß und dann zu ihr aufſah und ihre weißen Hände küßte, bis ſie brennend roth waren was fehlte uns noch zur

terſtrich

und ſcho Wrr zäglich, ol mögen; d WR K

lieber hielt ich mein Verſprechen. Auf dieſe Weiſe geſchah Liebe als das Wort? Aber das unausgeſprochene Wort iſt Nenſche es, daß ich acht Tage hindurch mich ſtets in der Familie auch eine gewaltige Schranke, unüberſteigbarer wie Al⸗ überhan des Freiherrn befand und der beſtändige und alleinige penmauern. daß ma Geſellſchafter Olga's wurde. Welche glücklichen TageUnd das Wort war noch nicht ausgeſprochen worden,8 waren dies! So grenzenlos glückliche, wie man ſie nur als ihre Cur beendet war, ihre Sachen gepackt wurden und Wolken

Boden zum Pfühle nehmen. Umwege zu machen, um nach der herrſchte ihn mit hochmüthigen Worten an oder machte ſich wohl wohu ihn Sitte fahrender Studioſen bei Gelehrten Unterſchleif und Zeh⸗ auch über ſein ſchöngeiſtiges Treiben luſtig. Ein Freund, den ni dieſer rung zu ſuchen, verboten ihm unabläſſig ſich erneuernde Krank⸗ Hutten mittlerweile am Orte gewonnen hatte, Ulrich Pavonius ſinen B heitsanfälle⸗ 1 1(Pfau), warnte ihn vor dem Manne, den jedoch Hutten, wie er dbe, o n Miͤhſelig ſchleppte ſich der hülfloſe und kranke Wanderer verſicherte, durch Duldung zu entwaffnen hoffte. dang ſei endlich nach Greifswald, wo die Hochſchule ihn Beiſtand hoffen Hätten wir nun auch von der Lötziſchen Seite einen Bericht, Fdiſ ließ.Er wandte ſich an die Lehrer derſelben(die zwar nur be⸗ wie wir ihn nur von der Huttenſſchen haben, ſo würde uns die raſad ſcheidene Lichter waren), und wirklich ſchrieb ihn der Rector, Vergleichung beider wohl manches erklärende Mittelglied an die G den Prof. jur. Heinrich Buckow, in nbetracht ſeiner gänzlichen Mit⸗ Hand geben. Hutten war zu keiner Zeit ſeines Lebens das Lamm, Ana telloſigkeit unentgeltlich in die Rniverſitätsmatrikel ein. Ein wie er ſich hier darſtellt. Wir können nicht wiſſen, ob nicht auch Datum iſt nicht beigefügt; weil aber Hutten der Viertletzte der in dem Benehmen des poetiſchen Ritters Manches war, was den gen de im Sommerhalbjahr Eingeſchriebenen iſt, ſo nimmt man wohl Profeſſor verdrießen konnte. Hutten ſelbſt ſtellt den Zorn deſſel⸗ nach nich mit nrechl an⸗ daß ſeine Ankunft und Meldung gegen den ben als eine Art von Eiferſucht auf ſeine Ueherlegenheit an Kennt⸗ ſe oſt Her öſt dd. J. 1509) hin erfolgt ſei. g1 niſſen dar. Als einem Juriſten vom alten Schlage ſcheint dem für der Bald fand ſich auch für die weitern Bedürfniſſe Rath. Eine Manne bumaniſtiſche Bildung fremd geweſen zu ſein; allein hier Jahne der angeſehenſten Familien der Stadt ſchien an dem unglücklichen fragt ſich eben, ob der junge Poet ſich immer enthalten haben och in Züngling Amtheil zu nehmen. Henning Lötz, ordentlicher Pro⸗ wird, die Blößen, die jener gab, empfindlich zuu berühren. Wie beſere ,8 des Rechts, zugleich Canonicus der Collegiatkirche zu St. ſich dies verhalten haben mag: genug, die Sacheſkam ſo weit, daß er über Nico ai und Weuraloffirial des Biſchofs von Camin zwiſchen der Hutten einſah, das Beſte ſei zu gehen. Nun wollſten aber die Lötze duf ein Fwins und 63 Odex. nahm ihn in ſein Haus auf. Ein reicher erſt ihre Vorſchüſſe wiedererſtattet haben. Hatta ihnen der ent⸗ wünme uanufßiten Ia er Wedeg Lötz, Wwar Bürgermeiſter und pflegte, blößte Ankömmling, wie er mit erlaubtem Ehrgefiſihle gerne that, udaude 5 Profeſſor eſmand, die Frantfurter Meſſe zu beziehen. Manches von der Wohlhabenheit ſeines Vaters mend ſeiner Ver⸗ 1n et h Porlen. waeüſlr d ſh ntwedet wirklich für den jungen wandten vorgeſprochen, ſo mochten ſie bei ihren Gaben gleich An⸗ znd Fle wahrſcheinlich Ans don W zun Avon hoben. Er kleidete ihn, fangs auf Erſatz, wohl auch auf reiche Gegengeſichenke gerechnet badd a wahrſche hna zde Bo rräthenſeinei Bͤterd, und ſtreckte ihm haben. Oder war es erſt die ſeitdem eingetretenſe Erbitterung, budd du Hutten konnte 8s nicht beſſer wunchen Anfangs ganz freundlich; was ſie zu dieſer Forderung veranlaßte? Hutten ſe uchte ihnen be⸗ aüm. ſich die kennteen c eſſer wwümſchen. Allmählich aber änderte greiflich zu machen, daß gerade, wenn es ihnen um) Bezahlung zu eag. Bdi eunung ie Man ließ den Gaſt im Hauſe die frühere thun, es das Klügſte ſei, ihn ziehen zu laſſen; vielſgeicht gelinge es as et n Gefälligkeit vermiſſen, der Hausherr erſchwerte ihm den Zutritt, ihm, anderswo ſein Glück zu machen und ſie danrſ zu befriedigen, Kſchna K, d*

7 8

4 NS

4