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wirklich ihr„Weib“ genannt wurde, und der Verdruß, der für ſie aus dem Volkstadel dieſer anomalen Verwandtſchaft entſprang, wirkte ſehr mächtig auf ihren Entſchluß, zu Gunſten ihres Bruders Sekeletu abzudanken, ein. Unter den Balonda dagegen iſt die Herrſchaft der Frauen die na⸗ türlichſte Idee, die nördlich von den Zambeſi in ganz Cen⸗ tralafrika vorzuherrſchen ſcheint.
Als Dr. Livingſton in der Nachbarſchaft der portugie⸗ ſiſchen Niederlaſſungen an der öſtlichen Küſte Afrika's an- gekommen war, unterhandelte er mit einem Eingebornen, ihm als Führer zu dienen, wofür er ihm eine Hacke ver⸗ ſprach. Unglücklicher Weiſe ging der Mann, um ſeiner Frau die Hacke zu weiſen, kam dann ſogleich zurück und ſagte, ſeine Frau wolle nicht, daß er ſie verließe.„Dann bringe mir die Hacke zurück!“ ſagte der Doctor.„Nein, ich brauche ſie.“„Dann gehe mit uns und Du ſollſt ſie haben.“„Aber mein Weib will mich nicht gehen laſſen.“ Einer von der Reiſegeſellſchaſt, der ihm nach ſeiner Hütte folgte, hörte, wie er zu ſeiner Frau ſagte:„Glaubſt Dur denn, daß ich Dich je verlaſſen wollte?“ und dann ſich an ſeinen Beſuch wendend:„Glaubſt Du, daß ich je dieſes hübſche Weib verlaſſen könnte? Iſt ſie nicht hübſch?“ Un⸗ glücklicher Weiſe iſt dieſe hohe Schätzung des ſchönen Ge⸗ ſchlechts, obſchon ſie die teutoniſchen Racen ihres Anſpruchs auf das Monopol der Galanterie beraubt, nicht von den übrigen charakteriſtiſchen Kennzeichen der Civiliſation be⸗ gleitet. Der Häuptling, der unter dem Namen Mutiumvo über alle Stämme der Balonda eine Suprematie ausübt und der in Cazembe reſidirt(eine Stadt, welche nach den Angaben der eingeborenen Kaufleute ungefähr im 10⁰ 30“ ſ. Br. und 270 ö. L. liegen muß), ſcheint einer der ſorgen⸗ loſeſten Tyrannen zu ſein, ja, man ſcheint ihn zu den abſo⸗ luten Wahnſinnigen zählen zu können. Dies war wenig⸗ ſtens der Fall mit dem Individuum, das kurz vor der Ex⸗ pedition unſeres Reiſenden ſtarb. Zuweilen überfiel ihn die Laune, in ſeiner Stadt umher zu raſen und Allen, de⸗
Novellen⸗Zeitung.
nen er begegnete, die Köpfe abzuſchlagen, bis er einen gan⸗ zen Haufen von Menſchenköpfen hatte. Gelegentlich, wenn man vermuthete, daß er ein beſonderes Zaubermittel be⸗ dürfe, ſo wurde ein Mann geſchlachtet, um einen gewiſſen Theil ſeines Körpers zu bekommen. Wenn er zu irgend Etwas, das ſich in dem Beſitz eines Fremden befand, Luſt bekam, ſo gab er Befehl, daß die Einwohner eines ganzen Dorfes herbeigeſchafft werden mußten, um jenen Gegen— ſtand durch den Verkauf der Leute ſich zu verſchaffen. Wenn ein Sclavenhändler ſich einfand, ſo nahm er oft Beſitz von allen ſeinen Waaren, und dann nach zehn oder vierzehn Ta⸗ gen ſandte er einen Trupp Leute aus, die ſich auf ein be⸗ trächtliches Dorf ſtürzten, den Vorſteber deſſelben tödteten und dann durch den Verkauf der Einwohner alle jene Waaren bezahlten. Dieſe Seclavenhändler waren unver⸗ änderlich ſelbſt Farbige, gemeiniglich halb portugieſiſchen Urſprungs.
Von der Zeit an, wo unſre Reiſenden den Lecambye verließen, ſchlugen ſie eine nördliche Richtung ein, bis ſie an dem See Dilolo(11⁰ 33“ſ. Br., 22⁰ 27 b. L.) ankamen. Dann nahm ihr Weg eine weſtliche Richtung, die ſich ge⸗ wöhnlich Weſtnordweſt hielt, bis ſie in St. Paul de Lo— anda an der Küſte des atlantiſchen Meeres ankamen. Das Ziel wurde am 31. Mai erreicht, und durch das glück⸗ liche Beendigen des erſten Theils ſeines gefährlichen Un⸗ ternehmens that Dr. Livingſton für die Geographie des ſüd⸗ lichen tropiſchen Afrika, was Dr. Barth, ſein berühmter Mitarbeiter in dem Felde der Wiſſenſchaft, beinahe gleich⸗ zeitig für den nördlichen Theil der heißen Zone gethan hatte. Beide haben gezeigt, daß da, wo man traditionell Berge vermuthete, in der Wirklichkeit ſich ein weit entwickel⸗ tes Syſtem von Flüſſen befindet, welche die ſchönſten Aus⸗ ſichten für den Zutritt ins Innere des Landes eröffnen. Der eben erwähnte See Dilolo iſt höchſt eigenthümlich ge⸗ legen. Er iſt ein natürliches Waſſerbecken auf einer An⸗ höhe in einer ausgedehnten Ebene, welche zugleich eine
Erbprinzeſſim von Toscana, welche ſie in Florenz aufgeſucht. Nur eine jugendliche Heldin fehlt uns immer noch, welche Frau Bayer⸗Bürk zur Seite ſtehen und ſie unterſtützen könnte.
* Ueber das neue Stück„die Oſternacht“ von Dr. Wilhelm Wolfſohn werden wir demnächſt berichten.
Literatur.
Jahrbuch der Literatur und Kunſt. von Dr. Oswald Marbach, Königl. Sächſ. Hofrath und Profeſſor an der Univerſität zu Leipzig, und Dr. Gottwerth Schmiedt, früher Profeſſor am Gymnaſium zu Kloſter⸗Roßleben. — Jahrg. 1858. Erſtes Heft.— Expedition des Jahrbuchs der Literatur und Kunſt zu Leipzig.
Von allgemein kritiſchen Zeitſchriften für Wiſſenſchaft und Kunſt bot die deutſche Journaliſtik der letzten 10 Jahre nach Ein⸗ gehen der Halle ſchen und Jenaiſchen Literaturzeitungen kaum etwas Hervorragendes außer den Blättern für literariſche Unter⸗ haltung, den Grenzboten und dem literariſchen Muſeum Die letzten Monate haben dieſen drei Inſtituten drei neue Unterneh⸗ mungen an die Seite geſetzt. Das eine haben wir vor einiger Zeit unſern Leſern empfohlen, die von Schmidt⸗Weißenfels in Prag bei Kober herausgegebenen Kritiſchen Blätter, die, wie wir vorausſahen, mit ihrer kecken Polemik ein erfolgreiches Debut er⸗ lebt haben. Das zweite nennen wir die von Rudolph Haym dem Verfaſſer von Humboldt's und Hegel's Leben, redigirte Preu⸗
Herausgegeben
ſoll. Von der diitten Novität dieſes Faches liegt die überſchrie⸗ bene erſte Ausgabe uns vor. Von den beiden Herausgebern iſt Prof. Marbach als Gelehrter, Publiciſt und Dichter eine bekannte und angeſehene Perſönlichkeit; er hat namentlich in den dreißiger Jahren bei dem größeren Publicum ſich einen Namen erworben durch ſeine haltungsvollen und befördernden Kritiken der jung⸗ deutſchen Beſtrebungen; wir erinnern in dieſer Hinſicht an die glänzend geſchriebenen Briefe an eine Dame über den Zeitgeiſt und die moderne Literatur. Schon vor faſt funfzehn Jahren gründete Prof. Marbach ein eignes, wöchentlich erſcheinendes Or⸗ gan, um ſeine Kritik unabhängig von jeder perſönlichen und buchhändleriſchen Rückſicht zur Geltung zu bringen. Derſelben ehrenwerthen, verſtändigen Geſinnung, auf gründlichſter Bildung fußend, die ſich dort ausſprach, begegnen wir auch hier. Wenn ſeit dem Erſcheinen jener früheren Marbach'ſchen Blätter inzwi⸗
ſchen über unſer geiſtiges Leben Jahre gekommen ſind, in denen
Männer, die urſprünglich von denſelben Bildungsgrundſätzen ausgegangen waren, in ſchroffſter Gegnerſchaft ſich gegenüber⸗ ſtanden und gegenſeitig die Verleugnung des gemeinſamen unan⸗ taſtbaren Glaubensbekenntniſſes ſich zum Vorwurf machten, ſo daß die allgemeine Meinung in den divergirendſten Richtungen ſich zerſplitterte und befeindete: ſo muß es jetzt einen um ſo er⸗
guicklicheren Eindruck machen, von der ganzen Reihe der genann⸗
ten vorzüglicheren deutſchen Zeitſchriften, der ſchon beſtehenden und der neugegründeten, ſagen zu müſſen; ſie alle baſiren auf den⸗
ſelben Principien, ſie alle verfolgen denſelben allgemeinen Zweck
der Bildung, und wo Differenzen zwiſchen ihnen ſich geltend machen, da beruhen ſie nur auf dem verſchiedenen Wege, den ſie
ßiſche Monatsſchrift, deren Probeheft in dieſen Tagen erſcheinen dafür einſchlagen, auf dem verſchiedenen Tone der Behandlung,
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