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nenſchliche Herz, wie rieſenſtark, ie Worte:„He⸗ wie er glaubte, er Anblicihrer
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Dritte
zu, Shylock parodirend:„ein weiſer Richter! ein wah⸗ rer Daniel!“
„Sehr fein, aber ein wenig jeſuitiſch, wie der Prote⸗ ſtant ſtatt ſophiſtiſch zu ſagen pflegt,“ verſetzte Reginald.
„Wir müſſen uns dies ſo oft von den Männern ſagen laſſen, daß unſer Charakter dem der Prieſter gleiche wie unſere Kleider ihren Talaren,“ entgegnete Helene,„daß es keinen Eindruck mehr macht, wenn es überhaupt einen ungünſti⸗ gen Eindruck hervorbringen kann oder ſoll. Aber für un⸗ ſere Toilette iſt es ein ſchlechtes Compliment; denn Gott ſei Lob! wir haben uns nun ſchon ſeit 50 Jahren von den abſcheulichen kurzen Taillen befreit, die die geiſtlichen Herrn noch immer an ihrer Amtstracht bewahren.“
Damit war das alte Thema abgethan, man ſprach von Garderobe und Meubeln, verglich die neuere Einrichtung dieſes Zimmers mit der alten des unteren Saales u. ſ. w., bis Arthur Reginald bat, ihn in die Bibliothek zu beglei⸗ ten, und dort vertieften ſich Beide in ihr Lieblingsſtudium, welches ſie eigentlich zuſammengeführt hatte, in ſchwierige Fragen der Genealogie, und bald bedeckten dicke Bände in Pergament oder gepreßtes Leder gebunden den Tiſch, und Siebmacher, Sinapius, Schickfuſius, Lucä, Herman⸗ nus, Gauhe, König, auch Zedlitz und vorzüglich Ledebur hieß es fortwährend. Ja einmal citirte Reginald ſogar Brüxner, wurde aber von Arthur ſogleich zum Stillſchwei⸗ gen gebracht, indem dieſer ihm die Unechtheit des Turnier⸗ buchs augenſcheinlich nachwies, da die Turniervögte, die in dem vorhergehenden Turnier gewählt ſind, auch jedes⸗ mal dem nächſten vorſtehen, ſelbſt wenn 80 Jahre da⸗ zwiſchen liegen. In dieſem heißen Streit blieb das her⸗ aufgeſandte Gabelfrühſtück unberührt, und als Franz mit der Meldung erſchien, es ſei Zeit zum Umkleiden, waren Beide überraſcht, beſonders aber Reginald, welcher ſich in⸗ nig freute dieſe Stunde hingebracht zu haben, ohne an Helene zu denken.„Welcher Triumph! ich werde mich an ihre Schönheit gewöhnen,“ dachte er, und dies beruhigte
ſeinen Verſtand und auch ſein Herz: er durfte ja bei ihr bleiben!
Reginald war der Erſte, der im Saal erſchien, er ging daher an den Wänden entlang, bewunderte die alten Por⸗ traits wieder von Neuem, blieb natürlich vor der Reiterin ſtehen, und während er glaubte, den Kopf des Pferdes zu ſtudiren, verglich er in Wahrheit die Züge des Bildes mit Helene und kam zu der Anſicht, daß der Schimmelkopf ganz verzeichnet ſei. Da trat Helene ein, ſtellte ſich neben ihn und ſagte:„Sie lieben die alten Bilder wie Arthur?“
„Ja, meine gnädige Frau, ich ziehe dieſe Damen in Gold- und Silberſtoff mit ihren Eiſenmiedern und fabel⸗ haft großen Brillanten und unglaublich kleinen Händen Ihren grünen Landſchaften bedeutend vor, wie ich mir auch dieſe geſund ausſehenden Herrn im blanken Kuiraß bedeu⸗ tend lieber anſehe als die gewöhnlich unſchönen niederlän⸗ diſchen Genrebilder, welche Sie lieben.“
„Aber was wollen Sie? es iſt Natur, ungeſchminkte Natur, und die liebe ich.“
„Ach, meine gnädigſte Frau, da ſind wir auf ein ſchwie⸗ riges Thema gerathen; dieſer Ruf: Natur! ungeſchminkte Natur! iſt jetzt das Feldgeſchrei der größten Menge der neueren Künſtler jeder Gattung, ihm verdanken wir die Verbrecherromane und Leichengemälde. Nein, von Künſt⸗ lern verlange ich nicht ungeſchminkte, nicht treu copirte, ſondern idealiſirte Natur, beſonders von den Künſtlern, die durch ſinnliche Wahrnehmung wirken. So iſt ein be⸗ trunkener Bauer oder ein zankendes altes Weib ſtets ein widerliches Bild, ſo naturgetreu es leider wäre. Aber ſelbſt ein recht hübſcher Mann iſt noch lange kein Adonis, und der Bildhauer, welcher eine weibliche Figur formt, nimmt ſich nicht einen mangelvollen Frauenkörper zum Modell, ſondern ergänzt die Fehler und umhüllt ſie mit ſchönem Faltenwurf. Wie viel weniger aber dürfte er es wagen, pathologiſche Erſcheinungen in Marmor zu meißeln, die unſer Auge und unſeren Geſchmack aufs Empfindlichſte
Eingange dieſer ſeiner Skizze bezeichnete der Herr Verfaſſer ſelbſt den Grund ſeines Unbehagens, und zwar iſt derſelbe kein anderer als ein geſchäftlicher, da er, der Correſpondent von Fach, zu ſei⸗ den Correſpondenzen für den täglichen Bedarf im ariſtokratiſch ſoliden, claſſiſch honetten Elbflorenz keine ungeheuerlichen Ereig⸗ niſſe und ſocialen Abnormitäten aufzufinden vermochte. Herr Seyffarth macht bei dieſer Gelegenheit Eröffnungen über die Myſterien des deutſchen Journaliſten- und Redactionsweſens im Allgemeinen, die ſo viel faſt unglaubliche, haarſträubende That⸗ ſachen zugleich mit ſolch liebenswürdig humoriſtiſcher Offenheit verbinden, daß wir nicht umhen können, einige der mitgetheilten Enthüllungen hier wiederzugeben:
Wenn man auf hundert Jahre drei Generationen rechnet, folglich auf dreiunddreißig und ein Drittel Jahr eine, ſo habe halbes
ich— was aber ſeit Jahren aufgehört hat— ein volles h
Menſchenalter hindurch ſogenannte„Correſpondenz⸗Nachrichten“ für belletriſtiſche Journale geſchrieben, viele zwar aus, doch mei⸗ nes Wiſſens nur zwei oder drei über Dresden, obſchon ich die
größere Hälfte jenes halben Menſchenalters dort gewohnt habe.
Die Sache würde ſich aus ſich ſelbſt erklären, wenn keine der meh⸗ reren Redactionen, mit welchen ich die Ehre hatte in Verbindung zu ſtehen, niich dazu aufgefordert, oder eine nach der andern meine angebotenen Gaben zurüͤckgewieſen hätte. In letzterm einigerma⸗ ßen unerfreulichen Falle.... „Ah, coquin, was höre ich! Welch unbedachtes Wort iſt, mit Homer zu reden, der Umzäunung Deiner Zähne entflohen!“ Es kommt für den allgemeinen Leſer nichts, für Specialitä⸗ ten ſehr wenig darauf an, wer in ſolcher Weiſe mich nicht allein unterbrach, ſondern auch einen Schelm nannte. Es war nicht
bös gemeint, das wußte ich. Deshalb ſah ich die ausrufende Per⸗
ſönlichkeit bloß mit fragendem Erſtaunen an, muß jedoch bevor⸗
worten, daß Das, was ich eben geſchrieben hatte, in Folge mei⸗ ner unſchuldigen Gewohnheit, mir beim Schreiben die Worte laut vorzuſagen, hörbar worden war.
„Nun,“ fuhr die Stimme fort,„da iſt über nichts zu erſtau⸗ nen, als über die Frivolität Deines Bekenntniſſes. Correſpon⸗ denz⸗Nachrichten in Dresden geſchrieben, andere Orte als Dres⸗ den beſprechend, muthmaßlich, oder vielmehr ganz gewiß aus die⸗ ſen anderen Orten datirt, wenn das kein coquinisme iſt, ſo gibt
es keine coquinerie.“ 3
Bah! entgegnete ich,„quel bruit pour une omelette; mun- dus vult decipi, ergo decipiatur.“ Das mag nicht ganz ehrlich ſein, iſt aber nach Supplirung des Zwiſchenſatzes:„volenti non fit injuria“ vollkommen logiſch und ein unantaſtbares von Rechts⸗ wegen. Was außerdem die Ehrlichkeit anlangt, ſo begreifſt Du, mein Solon, daß das die Redactionen nicht den Journaliſten be⸗ rührt, jene, nicht dieſen die Verantwortlichkeit trifft. Und Ehr⸗ lichkeit und Redacteur— mir iſt eine einzige Ausnahme vorge⸗ kommen und die iſt ſeit lange todt— das ſind eine Schweſter, welche den Bruder, und ein Bruder, welcher die Schweſter nicht leiden kann. Dürfen nur ehrliche Leute in den Himmel, ſo gebe ich zu, daß die Civiliſation dort ſchwach vertreten und Alles in
Allem der daſige Aufenthalt ein ganz gemeiner und langweiliger
ſein muß. Schmuggelt aber ein Journaliſt ſich ein, ſo darf er
wenigſtens hoffen, keinem Redacteur zu begegnen.
„Du wirſt doch nicht behaupt...“—
Bitte mich ausreden zu laſſen. Ja, ich will behaupten, daß
das Geſagte von den meiſten Redactionen gilt, von denen der bel⸗


