Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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An Reginalds Seele gingen während der Nacht ſeltſam gährende Gedanken vorüber. Wenn ſchon der Anblick je⸗ nes Bildes im Ahnenſaale einen jener bewältigenden Ein⸗

drücke auf ihn gemacht hatte, von denen wir Epochen des

Lebens datiren, wie erſt mußte Helenens Weſen, das alles zu erfüllen ſchien, was jenes Portrait verſprach, auf ihn einwirken! Er ſagte laut, als der Morgen längſt er⸗ ſchienen war, im Zimmer auf⸗- und niedergehend, daß er nie geliebt habe, daß er jetzt zum erſten Male liebe und hoffnungslos! Aber er war nicht der Mann, der hoff⸗ nungsloſen Träumereien anheimfallen konnte; zugleich mit dieſem Bewußtſein war der Entſchluß gereift, ſich ihnen zu entziehen.

Da trat Arthur ein, um ihn in Helenens Zimmer zu begleiten; er begrüßte ihn, ſah ſich dann verwundert um und ſagte:

Seit wann hältſt Du denn Monologe? Ich möchte doch mein bischen Hab und Gut verwetten, ich hätte Dich

zuklopfen.

Du haſt ganz recht gehört und haſt auch ganz Recht, wenn Du Dich verwunderſt; ich glaube die Nachbarſchaft Deines Spukſaals wirkt auf mein Gehirn, drum will ich mich ſeinem Einfluß auf einige Tage entziehen.

Was? Du willſt fort? Nein, nun glaube ich ſelbſt, mein unſeliger Urahn, über den wir geſtern ſpotteten, iſt Dir erſchienen; Du ſchämſt Dich ein anderes Zimmer zu verlangen und willſt entfliehen.

Nein, ſolch überirdiſchen Grund habe ich nicht. Ich will nur die ſchönen Tage benutzen und den Ausflug ins Gebirge, von dem wir ſprachen

Nein, nein, nein, und abermals nein, rief Arthur, nahm den Freund unter den Arm und zog ihn fort.Dar⸗ aus wird ganz beſtimmt nichts. Helene ſoll Deine Deſer⸗ teur⸗Pläne hören. Schäme Dich. Sie ſprach eben erſt ſo gut von Dir, und nun willſt Du fortlaufen, nachdem ſie

Anzug es vermocht hatte. eben laut ſprechen hören; deswegen trat ich ein, ohne an-

noch nicht 24 Stunden unter dieſem Dache iſt. Hier tritt ein, Angeklagter. Mit dieſen Worten öffnete er die Thür zu Helenens Salon, und Reginald ſtand ihrer zauberiſchen Schönheit gegenüber.

Welch ſchwaches Ding iſt doch das menſchliche Herz, wenn es der Liebe widerſtehen ſoll, und wie rieſenſtark, wenn man ſie ihm entreißen will! Schon die Worte:He⸗ lene ſprach gut von Dir hatten ſeinen, wie er glaubte, urfeſten Entſchluß gar ſtark erſchüttert, der Anblick ihrer Reize gab den Ausſchlag.

Sie war wunderſchön, viel ſchöner noch wie geſtern, als Staub und Hitze der Reiſe, das nervenerſchütternde

Zittern der Waggons und die Erregung des Wiederſehens

ſie angegriffen hatten; auch hoben das ſchwarzſeidene Mor⸗ genkleid und das um den Kopf geſchlungene kleine ſchwarze Spitzentuch ihre wundervollen Farben noch mehr und gaben ihren Augen noch helleren Glanz, als der geſtrige graue Sie ſah ausfriſch wie der junge Tag, der ſich aus den Armen der ſchwarzen Nacht windet.

Arthur brachte jetzt ſeine Klage an, und Reginald wurde verurtheilt, ohne daß ihm Gehör bewilligt worden wäre; endlich bat er, von dem Gerechtigkeitsgefühl ans Ehrgefühl appelliren zu dürfen. Dies wurde ihm erlaubt, und er bat nun zu bedenken, daß er als Edelmann und Soldat unmöglich ſein Wort brechen dürfe: er habe ge⸗ ſagt, er würde abreiſen, und ſo ſchwer es ihm auch werde, er müſſe ſein Wort erfüllen.

Sie haben doch nur geſagt, wandte Helene ein,Sie wollten abreiſen, um wiederzukehren und den Haupttheil Ihres Urlaubs hier zu verleben.

Allerdings.

Nun, dann gibt es ein gutes Auskunftsmittel, welches uns Alle befriedigt: Sie reiten nach dem Frühſtück fort, wo⸗ hin Sie wollen, und kommen zu Tiſch wieder.

Bravo, rief Tante Boddel, und Arthur ſetzte hin⸗

Don Juan verzichtete demnach auf den Dienſt des Böſen, auf weltlichen Glanz und weltliche Genüſſe, ging regelmäßig je⸗ den Morgen in die Meſſe, faſtete jeden Freitag und Sonnabend, enthielt ſich vier Mal im Jahre jeder Speiſe und ſtarb zuletzt wie bereits erwähnt im Geruche der Heiligkeit. Die dritte Verſion iſt ergreifenderer Art und Charakter Don Juans am entſprechendſten zu ſein. Nach dieſer ließ Manara ein junges Mädchen, Rita, eine Tänzerin, aber rein undeunſchuldig, mit Gewalt entführen; ihm zum Opfer zu fallen wurde ſie indeß dadurch bewahrt, daß ihr Großvater, der nur für ihren Pflegevater galt, Don Manara die Beweiſe lieferte, Rita ſei die Tochter einer andern Rita, an der er ſich vor ſiebzehn Jahren durch Gewaltthat vergangen hätte, und folglich ſeine eigene Tochter. n 4

Manara verſprach nicht nur, Rita als Tochter anzuerkennen, ſondern gab auch ſeine ihrer Verbindung mit ihrem Geliebten, Valero, einem jungen Manne, der durch das Band der innigſten, gegenſeitigen Liebe mit ihr verbunden war, den Rita's Großvater bereits zu ihrem künf⸗ tigen Gatten beſtimmt hatte und dem ſie ſchon nach wenigen Ta⸗ gen verheirathet werden ſollte. 4 8 . Doch das Verhängniß wollte, daß Valero zufällig Ohren⸗ zeuge eines Geſpräches war, in welchem Rita, deren Verhältniß zu ihrem neuaufgefundenen Vater man nicht kannte, als die Ge⸗ liebte des Don Manara bezeichnet wurde.

Von Eiferſucht und Rachgier erfüllt, ſteckte Valero am Trau⸗ ungstage der überglücklichen Braut das Orangenbouquet an den Buſen und ſtieß ihr unmittelbar darauf ſeinen Dolch in das Herz.

ſcheint dem

ſeine rechtmäßige Einwilligung zu

Valero, ich liebe Dich, und ich verzeihe Dir! Mögen Gott und mein Vater, Don Fulano Manara, Dir ebenfalls ver⸗ zeihen! hauchte die Sterbende, und ihre reine Seele ſchwang ſich

zum Himmel auf.

Durch dieſe unerwartete Enthüllung wie vom Blitze getrof⸗ fen, ſtürzte Valero neben der Leiche nieder und warf ſich über ſie.

So fanden ihn und ſie der Großvater und Don Manara, welche kamen, das liebende Paar zur Kirche abzuholen.

Still! Weckt ſie nicht! Sie ſchläft ſo ſanft! flüſterte Valero und machte mit der Hand eine abwehrende Bewegung.

Er war wahnſinnig!

Am Tage darauf trat Don Fulano Manara, der ſich als den Mörder ſeiner Tochter anklagte, weil er auf der vorläufigen Be⸗ wahrung des Geheimniſſes beſtanden hatte, in ein Kloſter ein und vermachte ſein ganzes beträchtliches Vermögen zu wohlthä⸗ tigen Zwecken, unter denen jenes Kloſter und das Hoſpital der Barmherzigkeit obenan ſtanden. a.

Aus der Gegenwart.

geſtändniſſe eines Journaliſten. Wir theilten unſeren Leſern von Woldem ar Seyffarth.

aus deſſen neuem Buche:Lob und Tadel über Geſehenes,

1855 1857(Gotha, Hugo Scheube, 1857) kürzlich eine Skizze über die Dresdner Geſelligkeit mit, die vom Geſichtspunkte des Fremden aus ein ſehr ſcharf prononcirtes Urtheil fällte. Im

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