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Nr. 7.] Dritte
Inhalt von Briefen, Zeitungen und Journalen, ſprachen über Manöver und Paraden u. ſ. w. Dann kamen die Damen wieder herab, aber es war ſchon Zeit den Thee zu nehmen. Bald darauf zog ſich Helene ganz zurück, bat aber vorher, wenigſtens in ſoweit Wirthin ſpielen zu dür⸗ fen, daß man ſich zum Frühſtück in ihrem grünen Salon verſammle. Dieſer Vorſchlag wurde mit vielem Beifall
aufgenommen, und die Geſellſchaft trennte ſich mit guten
Wünſchen für die Nacht.
Kaum hatte Reginald den Diener entlaſſen, als es an ſeine Thür klopfte und Arthur eintrat, ſich entſchuldigend, wenn er ſtöre;„aber es ſchlug erſt neun Uhr, und ſo zeitig
können wir uns doch unmöglich niederlegen, auch wenn wir
hier auf dem Lande ſind.“ „Noch dazu wenn wir nicht einmal eine Stunde ge⸗ ritten haben,“ fiel Reginald ein. „Nun, eben darum komme ich noch ein Stündchen mit Dir zu verplaudern.“ „Das iſt hübſch von Dir. Doch in meinem Zimmer bin ich der Wirth. Willſt Du nicht Platz nehmen?“ „Nun, wie haſt Du Dich deun mit Deiner ſupranatu⸗ raliſtiſchen Nachbarſchaft eingerichtet?“ frug Arthur, nach⸗ dem er die eine Sopha⸗Ecke eingenommen, und berührte die große Flügelthüre neben ſich, die ſichtlich morſch und loſe in den Angeln hing.„Hat doch Dich kein Geiſt meiner Ahnen heimgeſucht?“
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„Nein, ich bin noch nicht einmal eines kalten Hauchs gewürdigt worden, vielleicht ſteckt in meinem Degen dort die Kraft, welche Geiſter bannt.“
Arthur lachte, und Reginald fuhr fort:
„Aber Du ſcheinſt auch keinen ſonderlichen Reſpect vor Deinem Hausgeiſt zu haben. Man ſagt, daß Du mit ihm im vertrauten Verkehr ſtehſt; iſt dies wahr?“
„Er wird doch nicht ſeinem Urenkel ein Leid zufügen,
der Riehl's„Familie“ zu ſeinem Brevier erwählt hat!“
antwortete Arthur ausweichend und frug dann mit dem
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Lächeln, das er bei Helenens Namen ſchon mehrmals ge⸗ zeigt hatte:„Doch nun wieder zu den Lebendigen zu kom⸗ men, wie hat Dir meine Schweſter gefallen? Habe ich ſie zu ſehr gelobt?“
„Nein, lieber Arthur, ich ſtimme Dir völlig bei, man kann ſie nichk zu ſehr loben. Alles iſt vollkommen an ihr, und nur Eins habe ich auszuſetzen,— daß ſie eine Frau und nicht mehr zu haben iſt. Und dann noch Eines.!“
„Und was iſt das?“ frug Arthur halb beleidigt.
„Das iſt ihr zu mädchenhaftes Ausſehen, ich muß es immer meinem Geiſte gegenwärtig halten, daß ſie Frau iſt, und Mutter ſogar; denn bei ihrem Anblick vergeſſe ich es regelmäßig und bin bei jeder Anrede in Gefahr, es dem alten Franz nachzuthun, der auch immer zuerſt gnädigſte Comteſſe ſagt und dann erſt die gnädige Frau nachfolgen läßt.“
„Dies ſcheint mir doch eher ein Vorzug als ein Fehler.“
„J bewahre! es iſt ein Fehler, und mir gegenüber ein ungeheurer Fehler. Könnte ich darüber nicht leicht den erſten Fehler vergeſſen, daß ſie für mich nicht mehr iſt? Und eine Frau zu lieben, glücklich oder unglücklich,— trauriges Loos!“
„Wie kommt es nur,“ frug Arthur wie auf Anderes eingehend,„daß Du ſo energiſch gegen die Witwen einge⸗ nommen biſt? Das nannteſt Du ja Deine Philoſophie!“
Arthur hatte die Frage lächelnd gethan, aber er mußte erſchrecken, Reginald ſo ernſt darauf werden zu ſehen. „Laß das,“ antwortete dieſer,„das iſt eine Geſchichte, die mir tief das Herz berührt. Ein ander Mal davon!— Schon mit der Erinnerung daran haſt Du mir den Abend heute verdorben!“
Und die Aeußerung war nicht affectirt. Es kam kein inniges Geſpräch der Freunde mehr in Gang. Ein wenig verſtimmt von beiden Seiten trennte man ſich, zur Ruhe zu gehen.
unſeres Don Juan betrachten muß, obgleich er deſſen Namen nicht führte, dieſer vielmehr von einem gewiſſen Don Juan Tenorio entlehnt zu ſein ſcheint, der ein Zeitgenoſſe des Erſteren und ebenfalls ein verrufener Wüſtling war, wenn auch auf ungleich
gemeinere Weiſe. Don Manara, ein Schrecken der Ehemänner wie
der Väter, hatte bereits ſein vierzigſtes Jahr erreicht, ohne an Beſſe⸗ rung ſeines Wandels, an Reue über ſeine zahlreichen Freveltha⸗ ten zu denken, da trat er eines Tages zufällig in eine Kirche und erblickte in der Mitte derſelben einen reichen Katafalk, von hun⸗ dert brennenden Kerzen umgeben. Eine große Menge von Prie⸗
ſtern, Chorknaben und Büßenden ſangen mit Grabesſtimmen das Nach dem damals in Spanien beſtehenden Ge⸗
De profundis. rauche lag der Todte mit offnem Geſicht auf dem Paradebette, und mit Entſetzen erkannte Don Fulano in der Leiche ſich ſelbſt.
„Er betaſtete ſich voll Sſhrecken am ganzen Körper, um ſich zu überzeugen, ob er todt ſei, bder noch lebe.— Es kam ihm vor, als ahme der Todte ſeine Bewegungen nach. Er erblaßte; auch der Todte wurde noch leichenhafter. Er zitterte am ganzen Leibe; die Glieder des Leichnams bewegten ſich mit einem eigenthümli⸗ chen dumpfen Tone, wie von Krämpfen geſchüttelt. Ganz gewiß, ter war todt! Doch mit dem Muthe der Verzweiflung entriß der ttapfere Manara ſich der furchtbaren Viſion, eilte nach Haus, legte
b ſich zu Bett, ließ einen Notar, einen Prieſter, einen Arzt rufen,
beichtete, dietirte ſein Teſtament, durch das er ſeine ſämmtlichen Güter der Kirche vermachte, trank Kamillenthee und verſank in
Finen wohlthätigen Schlaf.
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Die zweite Verſion iſt wahrſcheinlicher und daher auch glaub⸗ ch g
würdiger.
Nach dieſer begegnete er eines Abends in den Straßen von
Sevilla einem glänzenden Leichenbegängniſſe.
Neugierig fragte er einen der weißen Büßenden“), welche ſich dem Gefolge angeſchloſſen hatten:
„Wer iſt der Todte!“
„Don Fulano Manara!“ lautete die Antwort.
Auf die mehrmals wiederholte Frage erfolgte jederzeit die⸗ ſelbe Antwort. Der alternde Wüſtling hielt das für eine Mah⸗ nung des Himmels zur Umkehr, obgleich es nichts als ein Scherz der Büßenden war, die ihn erkannt hatten und ihm einen Schreck einjagen wollten. Das gelang ihnen denn auch, denn er beſchloß ſich zu beſſern, und zum Beweiſe ſeiner Aufrichtigkeit ſtiftete er das Hoſpital der Barmherzigkeit, welches noch jetzt be⸗ ſteht, ſo wie ein Kloſter, das am Ende der ihm zu Ehren ſo be⸗ nannten Straße calle del Amor de Dios(Straße der Liebe Gottes) lag und deſſen Räume jetzt der Gewerbeſchule von Sevilla eingeräumt ſind, ſo daß wir nicht zu viel ſagten, als wir oben verſicherten, das Andenken an ihn lebe unter Segens⸗ wünſchen in dankbarer Erinnerung fort; denn in jenem Hoſpitale haben ſeit ſeiner Begründung ſchon zahlloſe Arme Aufnahme,
Verpflegun uund Erleichterung ihrer Leiden gefunden, und in der
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Gewerbſchule erhalten fünfhundert Zöglinge einen eben ſo gründ⸗ lichen wie aufgeklärten Unterricht.
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. b*) Noch jetzt herrſcht in Spanien häufig der Gebrauch, daß in dem Lei⸗ chengefolge ſchwarze oder weiße iinannte Büßende dem Verſtorbe⸗ nen das letzte Geleite geben. Dieſe Büßenden ſind in lange ſchwarze oder weiße Kutten gekleidet, welche nicht nur den ganzen Körper verhüllen, ſon⸗ dern auch den Kopf der Art mit einer Kapuze bedecken, daß nur für die Augen ſo viel Oeffnung gelaſſen wird, als erforderlich iſt, den Weg zu ſehen⸗


